The Picturebooks und The Loranes in Saarbrücken (Kleiner Klub, 23.10.15)

Kennengelernt habe ich The Picturebooks vor ziemlich genau einem Jahr. Damals spielte das Duo in derselben Location als eine der Supportbands für Kadavar >Konzertbericht hier< und weil ich so begeistert war von der Musik der beiden, hielt ich es für eine gute Idee, dem Menschen meines Herzens das aktuelle Album von The Picturebooks, „Imaginary Horse“, zu schenken, auf Vinyl natürlich – garniert mit der Information, dass die beiden Musiker Fynn Claus Grabke und Philipp Mirtschink nebenbei auf Motorräder und Skateboarding stehen. Die Wirkung war wie erwünscht, und er überraschte mich mit der Info, dass er im vergangenen Jahrtausend begeistert war von den Skatebord-Skills des Herrn Grabke senior, Fynns Papa, und dass er auch mit dessen musikalischem Werk vertraut ist. Sobald ich erfuhr, dass The Picturebooks Saarbrücken wieder einen Besuch abstatten würden, war für mich klar, dass wir da hin mussten.

Für eine etwas größere Version hier und bei den anderen Galerien bitte auf das jeweilige Foto klicken!

Das auf der Bühne für die Supportband The Loranes bereitstehende Equipment war schon ein Augenschmaus! Die riesige Bassbox, der Epiphone-Bass und die Harmony-Gitarre sahen sehr oldschoolmäßig aus und die Musik des Trios aus Berlin klingt auch ganz schön nach Rockmusik aus einer längst vergangenen Zeit.

Die Band ist noch recht jung, existiert erst seit 2014 und hat gerade ihr Debütalbum „Trust“ veröffentlicht. Ich weiß nicht, ob es den Loranes zum Halse heraushängt oder ob man ein wenig stolz darauf ist, dass einer der drei Musiker schon ein wenig bekannter ist, aber ich muss es hier ja schließlich erwähnen, dass neben Pat (Sänger und Gitarrist) und Drummer Elias zur Band der Bassist Mammut gehört, und den kennt man ja von Kadavar, wo er zuvor in die dicken Saiten schlug.

Die Musik der drei, die pünktlich um 20 Uhr mit ihrem Liveprogramm starteten, kam gut an. Melodiöse Rocknummern mit coolen Riffs, sehr tanzbar, stellenweise mit dem Bass als Melodielieferant im Vordergrund. Der Zugabenwunsch einiger Zuschauer konnte aufgrund des strikten Zeitplans nicht gewährt werden, schließlich wollten The Picturebooks auch noch ran und danach musste der Kleine Klub für die Disconacht hergerichtet werden.

The Picturebooks… Ich bin ja immer noch geplättet von der Energie, die die beiden Musiker auf der Bühne – nur mit Gitarre, Gesang, Schlagzeug und diversen Rasseln – entfalteten! Auch nach unzähligen Hördurchgängen klingen die Songs des „Imaginary Horse“-Albums für meine Ohren mehr nach US-amerikanischem Südwesten als nach Gütersloh, von wo die beiden Bandmitglieder stammen, und wenn ich die Augen schließe, sehe ich immer noch Klapperschlangen und Skorpione über rötlichen Wüstenboden huschen, während in der Ferne Indianer um ein Feuer tanzen. Dafür ist wohl der Blueseinschlag in der Musik der Picturebooks verantwortlich, aber es dominieren der Rock und vor allem die Rhythmussektion.

Ich habe den Kleinen Klub schon voller erlebt, aber Fynn zeigte sich begeistert angesichts der beachtlichen Zuschauermenge, die gekommen war, um The Picturebooks headlinen zu sehen; schließlich habe man kaum Werbung für die Tour gemacht, alles laufe über Mund-zu-Mund-Propaganda und social media. Insofern hoffe ich, dass es okay ist, dass ich einen kleinen Bericht geschrieben habe und ein paar Bilder poste, auch ohne dass ich vorher gefragt habe. Aus chronischem Zeitmangel hatte ich nämlich gar nicht vor, etwas über das Konzert zu schreiben, aber der Gig war einfach zu gut, um total unerwähnt zu bleiben. Dazu gehört natürlich auch der Hinweis, dass Fynn drei absolut wunderbare Gitarren spielt – zum Teil mit Slide und an einer Stelle sogar mit den Zähnen. Oder zupft er die Saiten mit der Zunge? Die Gitarren sehen alle ziemlich alt aus und ich meine, irgendwann einmal gelesen zu haben, dass der junge Mann seine Instrumente ganz gerne gebraucht kauft.

Drummer Philipp gebührt übrigens ein ganz besonderes Lob. Aufgrund eines Motorradunfalls kurz vor Beginn der Tour war der Musiker nämlich noch nicht völlig schmerzfrei, erzählte sein Bandkollege, und ob die Tour überhaupt stattfinden konnte, schien zunächst fraglich. Hut ab also für die Zähnezusammenbeißmethode! Wenn man das weiß, beeindruckt die Kraft, mit der Philipp auf die Trommeln einschlug, noch mehr! Mit jedem Rums beförderte er den Teppich, auf dem er mit seinem Kit platziert war, ein Stückchen weiter Richtung Publikum.

Trotz Schmerzen gab es eine Zugabe, und was für eine! Eine Coverversion von Madonnas Uralt-Hit „Lucky Star“, die sich überhaupt gar nicht nach Madonna anhörte und stattdessen zeigte, wie mitreißend rhythmisch raffinierte Drumsequenzen sein können!

Nach der Show begaben sich die beiden Musiker sofort zum Merchstand, wo sie zusammen mit ihren Kollegen von The Loranes CDs, Schallplatten, T-Shirts und natürlich auch Skateboard-Decks mit Bandlogo verkauften, Autogramme gaben und mit den Konzertbesuchern plauderten. Sehr sympathisch! Also ich komme Fynns Aufforderung, beim nächsten Headline-Gig im Kleinen Klub wiederzuerscheinen, gerne nach!

Advertisements

Über luuuzie

https://luzieswelt.wordpress.com/ http://linsengemurmel.wordpress.com/
Dieser Beitrag wurde unter Konzertbericht abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s