Colaris und Trees in Zweibrücken (Gasthaus Sutter, 17.07.2015)

Das Konzert von Colaris im Erdgeschoss / Gasthaus Sutter markierte nicht nur den Start der Sommertour der Post-Rock-Band aus Pirmasens, die die Musiker in den folgenden acht Tagen durch fünf Länder führen wird, sondern diente auch als Release-Party für Album Nr. 2. „Nexus“ lautet der Titel des guten, acht Songs umfassenden Stücks, das in der CD- und Vinylversion in Kooperation der Labels Revolvermann Records, Narshardaa Records sowie Wolves and Vibrancy Records veröffentlicht wurde, während Puzzle Records verantwortlich sind für die Edition als Kassette. Ja, so etwas gibt es noch und das finde ich grandios! Zumal das Ganze auf 70 handnummerierte Exemplare beschränkt ist und das Artwork von Colaris-Drummer Julian gestaltet wurde. Natürlich gibt’s die neue Scheibe auch als reinen Download (wobei „Scheibe“ dann nicht wirklich die passende Bezeichnung ist), und zwar auf der Bandcamp-Seite von Colaris, wo es selbstverständlich auch das ältere Songmaterial zum Anhören und natürlich auch zum Kaufen gibt.

Für die Vinylliebhaber hatten Colaris die Doppel-Vinyl-Ausgabe von „Nexus“ nicht nur in schnödem Schwarz, sondern auch in Lila pressen lassen. Ein Träumchen – limitiert auf 150 Exemplare gegenüber 350 schwarzen.

Colaris Nexus

Im Hinblick auf das Konzert versprachen die drei Musiker auf der Facebook-Eventseite, das komplette neue Album zu spielen und zudem ein paar selten und sogar noch nie live performte Lieder, neben Klassikern.

Zunächst einmal gehörte die Bühne aber den vier Leuten aus Saarbrücken, die sich Trees nennen. Zwei Tracks, „Learning“ und „Drowning“, haben die vier jungen Musiker zum Anhören ins Internet gestellt >klick< und ich mochte die beiden Songs, die mich vom Gesang her ein wenig an 30 Seconds To Mars und die Parachutes denken ließen, auf Anhieb. Beim Konzert zeigte Sänger Peter, dass er nicht nur inbrünstig schreien kann, sondern auch die zarteren Töne beherrscht, hin und wieder eine Akustik-Gitarre von Yamaha in den Händen haltend. Die Augen hatte er dabei meistens geschlossen und er wirkte so, als wäre er völlig eins mit seiner Musik, abgetaucht in die Welt, von der er singt. Unterstützung hatte er beim Gesang gelegentlich von Bassist Steve.

Beim vorletzten Lied konnte der Drummer Olli ein wenig chillen, denn bei diesem Song musizierten nur Peter, Steve und Gitarrist Timo. Die meisten Zuschauer wahrten immer noch ein wenig Abstand zur Bühne, obwohl Peter das Publikum ein paarmal aufforderte, näher zu kommen, und tanzen könnte man ja auch. In der Tat, aber es ist ja irgendwie oft so, dass viele Leute Bands, die sie nicht kennen, erst einmal aus der Ferne anschauen, und sich erst dann, wenn die Hauptband startet, direkt vor die Bühne heften.

Der Auftritt der Trees war auch jeden Fall ein richtig genialer Einstieg, und wer auf der Suche nach einer mitreißenden Liveband ist, sollte Trees über ihre Facebookseite kontaktieren. Die vier Musiker suchen nämlich nach Auftrittsmöglichkeiten. Bald schon kann man Peter & Co. wieder live bewundern, und zwar am 31.07. auf dem Nauwieser Fest in Saarbrücken (18.45 Uhr, Hauptbühne Max Ophüls Platz). Nix wie hin!!!

Für eine etwas größere Version hier und bei der anderen Galerie bitte auf das jeweilige Foto klicken!

Gegen 22.40 Uhr starteten dann Colaris mit ihrem Programm. Recht spät, ja, aber die Vorband hatte ja auch erst um 21.30 Uhr mit ihrem Auftritt begonnen, vermutlich wegen der Hitze und weil die vielen Konzertbesucher auch nach Öffnung der Türen um 20.30 Uhr gar keine Anstalten machten, ins Innere zu gehen. Zu schön war es im Freien, und die Stühle und Tische luden ja auch zum Verweilen ein.

Heiße Saharaluft umhüllte an diesem Freitag die Region und Jessie beklagte sich ein paarmal über die Affenhitze, wobei es auf der Bühne durch die Scheinwerfer mindestens ein halbes Grad wärmer gewesen sein dürfte, auch wenn die Beleuchtung, die Colaris gewählt hatten, im Vergleich zu der Sutter-typischen fotografenfreundlichen Anstrahlung der Musiker ziemlich minimalistisch war. Auf Sascha war ein vor der Bühne postierter Scheinwerfer mit blauer Lampe gerichtet, während Julian und Jessie in grünes Licht getaucht waren, aber eben nur ein bisschen, was eine perfekt zur Musik passende Atmosphäre schuf. Dass die Temperaturen dem Mann an der Gitarre – eine mit RBC-Schriftzug am Kopf im Telecaster-Style – so einheizten, liegt vermutlich auch daran, dass er, genauso wie Sascha, sich von den Melodien derart mitreißen ließ, dass er quasi permanent in Bewegung war und die langen Locken nur so umherflogen.

Wie angekündigt wurde zuerst das komplette neue Album in einem Rutsch durchgespielt, bevor „Haste“ von der 12“-Split mit Ampersphere und noch ein paar weitere Lieder performt wurden.

Das auf der Bühne stehende Mikro mag bei manchen den Verdacht gehegt haben, dass es für die neuen Lieder benötigt wird, aber recht schnell wurde klar, dass es lediglich notwendig war für Jessies gelegentlichen Smalltalk mit den Zuschauern. Denn auch im Jahr 2015 stehen Colaris für Instrumentalmusik und die neuen Lieder sind wie die alten mal mehr rockige, mal eher zum Träumen anregende, aber stets „anspruchsvolle atmosphärisch dichte, epische Klangteppiche“, wie ich das immer gern formuliere.

Viele Konzertbesucher ließen sich von den Melodien treiben, manche warfen ihre langen Haare im Takt hin und her und andere standen fast die gesamte Zeit mit geschlossenen Augen da. Die Musik verleitet einen tatsächlich dazu, die Lider zuzuklappen, sich aufs Zuhören zu konzentrieren und zu genießen, aber das kann man ja immer auch zu Hause tun. Ich finde es toll, wenn man die Musiker direkt vor der Nase hat und ihnen bei der Arbeit zusehen kann, insofern gab es die Option „Augen schließen“ für mich nicht.

Julian und Jessie sind übrigens immer noch auf der Suche nach einem Bassisten für Colaris. Sascha, der auch das aktuelle Album am Viersaiter eingespielt hat, ist ja eigentlich der Sänger und Gitarrist von Ampersphere und genau von der Band gab es beim letzten Lied noch mehr tatkräftige Unterstützung in Gestalt von Ampersphere-Gitarrist Thorsten Winkler, der zum Abschluss mitmusizierte.

An folgenden Orten kann man Colaris in den nächsten Tagen live erleben:
19.07. München (Sunny Red) mit Waves & Nasmyth
20.07. Österreich, Wien (Venster99) mit Nervöus & Colored Moth
21.07. Österreich, Salzburg (Rockhouse Bar) mit Lando & Michael Zimmel
22.07. Italien, Cassano d’Adda (Milano, The One) mit La Fin and more
23.07. Schweiz, Genf (Urgence Disk)
24.07. Saarlouis (JUZ Utopia) mit Burt
25.07. Luxemburg (Rocas)

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