Dudley Taft und Thorny Roses in Saarbrücken (Kleiner Klub, 08.05.15)

„Das ist so ’ne Gothic Metal-Band“, meinte neulich ein lieber Bekannter, als ich ihm erzählte, dass ich mir die Thorny Roses anschauen würde. Mit nach oben gezogenen Augenbrauen blickte ich meinem Gesprächspartner, der da ganz offenkundig etwas zu verwechseln schien, ins Gesicht, denn soweit ich informiert war, ist bei den Thorny Roses Bluesrock angesagt und die Lieder, die die vier bei Soundcloud hochgeladen haben, haben so gar nichts mit Metal zu tun, und zwar mit keiner Spielart davon. Und dennoch hatte mein Bekannter nicht Unrecht. Ich erfuhr nämlich vor dem Konzert, während die Musiker noch schnell vor dem Kleinen Klub frische Luft schnappten, dass die 2007 gegründete Band tatsächlich zunächst zur Gothic Metal-Szene gehörte und erst jetzt, nach diversen Wechseln im Bandgefüge, die Musik fabriziert wird, an der den Mitgliedern und vor allem Thorny Roses-Urgestein Udo Löw so richtig was gelegen ist: irgendwas zwischen Classic Rock und Blues Rock mit einer Prise Funk.

Die Thorny Roses 2015 sind Daniela Rössler am Mikrofon, Udo Löw an der Gitarre, Bassist Christoph Jakobs und der Schlagzeuger Andre Reinartz. Und so kam es, dass ich einen Abend lang tatsächlich den Blues hatte, rein musikalisch betrachtet, denn Dudley Taft und seine Musiker legten ab 21 Uhr noch so richtig einen drauf!

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Erst kurz vor Beginn des Auftritts zurrten Udo und Daniela die Setlist zusammen und notierten auf der Bühne ihre Auswahl an Thorny Roses-Songs mit dickem Filzstift auf einem Blatt Papier. Was genau mich da erwarten würde, war mir ganz und gar nicht klar, denn Bluesrock ist ja überhaupt nicht „meine Baustelle“, allerdings war ich, sobald es pünktlich um 20 Uhr losging, recht erstaunt, wie viel Schmackes da doch durch Gitarre, Bass und Schlagzeug produziert wurde, begleitet durch die warme, kraftvolle Stimme von Daniela Rössler. Das gefiel mir, zumal es mal was anderes war als das Gebollere, Gegröle und Gegrunze, das üblicherweise an meine Lauscher dringt! Bis zu einem gewissen Grad bin ich da ja flexibel.

Die Musiker waren außerdem ein wenig zum Smalltalk und kleinen Scherzen aufgelegt, etwa bei der Ankündigung eines Liedes über einen One-Night-Stand („Wisst ihr, was das ist?“ Nö, natürlich völlige Ahnungslosigkeit bei den zahlreichen Zuschauern, wobei hier und da ein verschmitztes Grinsen zu entdecken war.), noch dazu mit ein paar Französischen Textfetzen, ou la la! Als sich Bassist Chris nach besagtem Lied, „Sunday Liberty“, an den Tontechniker wandte mit der Bitte „Dreh ne runner, ich zieh ne dann raus!“, gab es bei der Sängerin und auch bei einigen Zuschauern in Sachen Lachanfall kein Halten mehr und der Wechsel des Vier- bzw. Fünfsaiters – ganz ohne Störgeräusch beim Kabelumstöpseln – war wunderbar und höchst passend überbrückt.

Es gab aber nicht nur zwei Bässe zu sehen, überwiegend im Hintergrund, wo sich Chris offenbar am wohlsten fühlte, sondern auch zwei Gitarren: Udo startete mit einer Fender Stratocaster und schnappte sich in der zweiten Konzerthälfte die wunderschöne 57er Gibson Les Paul Custom mit schwarzem Korpus. Auch ganz abgesehen von den hübschen Gitarren war das eine sehr beeindruckende Aufwärmpartie für den großen Meister des Bluesrock.

Die Band war sehr darauf bedacht, sich an den vorgegebenen zeitlichen Rahmen zu halten, damit Dudley Taft pünktlich die Bühne übernehmen konnte, was auf Kosten weiterer Zugabensongs ging, die etliche Zuschauer sehr gerne gehört hätten. Die müssen dann eben eines der nächsten Konzerte von Thorny Roses besuchen und wann und wo die stattfinden, sieht man auf deren Bandhomepage.

Für eine etwas größere Version hier und bei der anderen Galerie bitte auf das jeweilige Foto klicken!

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Die Augen hinter einer Sonnenbrille versteckt, auf dem Haupt ein schwarzer Hut und die Strat um die Schultern zeigte Dudley Taft sofort, wie energiegeladen sein Auftritt werden würde. Bloß hinterm Mikro stehen und beim Singen Gitarre spielen ist nicht. Der Mann bewegt sich nonstop und Gleiches gilt für den Keyboarder Eric Robert, der mit einem Enthusiasmus in die Tasten seines Instruments schlug, dass manche Figuren aus der Muppet Show neidisch werden könnten! Zudem entlockte der Musiker dem Keyboard durch das Drehen an diversen Knöpfchen die herrlichsten verzerrten Quietschgeräusche, den Körper natürlich immer im Takt mitwippend und auch von seiner Mimik her schien er vollkommen in die Welt des Sounds abgetaucht gewesen zu sein. Einige Songs hatten sogar regelrechte Keyboard-Soli und in diesen Momenten trat der Frontmann meist zur Seite, damit wirklich Eric Robert ganz im Vordergrund stand, was beim Publikum zu Ausrufen der Begeisterung führte. Wenn das Tasteninstrument mal nicht gebraucht wurde, schwang der Musiker irgendwelche Rasseln und er beteiligte sich auch am Gesang. Sogar kleine „Gitarren-und-Keyboard-Battles“ waren hier und da ins Programm eingebaut, wodurch der Eindruck entstand, dass die Leute auf der Bühne das Musizieren so richtig genießen.

Der Bassist John Kessler hielt sich fast die ganze Zeit im Hintergrund zwischen Keyboard und Schlagzeug, das von Carl Martin bearbeitet wurde, nur gegen Ende kam er einmal nach vorne und musizierte ein paar Takte lang Seite an Seite mit Dudley. Der Mann am Bass lächelte fast permanent und stellte mit manchen Leuten aus den ersten Reihen einen freundlichen Blickkontakt her, wie auch der Bandleader selbst, der manche Zuschauer direkt anzuvisieren schien und ihnen dann eine Lächeln schenkte, was allerdings aufgrund der schwarzen Sonnenbrillengläser auf mich ein wenig irritierend wirkte, denn man sah ja dadurch gar nicht, wo der Musiker nun wirklich hinschaute. Gegen Ende kam er jedenfalls mit seiner Gitarre von der Bühne in die Zuschauermenge hineingestiefelt und drehte in die Saiten hauend eine große Runde, woraufhin natürlich die Menge der hochgehaltenen Smartphones exponentiell anstieg.

Man merkt schon, dass ich zur Musik wenig sagen kann. Dieses Genre ist mir eben völlig fremd und trotzdem mochte ich die Performance, weil das Ganze total mitreißend war und der Groove sogar mich ein wenig zum Mitschunkeln brachte, während andere immer mehr in Ekstase gerieten und zum Schluss hin völlig ausgelassen tanzten. Ich mochte auch die kleinen Erklärungen zu den Songs sehr, beispielsweise gab es ein Lied über einen „haunted cowboy“ und später noch ein anderes Cowboy-Lied, Texas lässt grüßen! Mein „magical moment“ war allerdings das „Heartache“-Lied oder eher der Moment danach, denn während Dudley Taft über irgendeine Herzschmerz-Situation sang, waren meine Gedanken total fokussiert auf diverse Momente mit hohem Schmachtfaktor aus meiner eigenen jüngeren Vergangenheit und kaum war das Lied zu Ende, tippte mir ein ganz bestimmter jemand, den ich dort überhaupt nicht erwartet hätte, an die Schulter. Ob die Kraft der Gedanken doch Personen herbeibeamen kann? Hmmmm… Ich gebe zu, dass meine Konzentrationsfähigkeit von da ab ein wenig nachließ. Gut dass ich vorher schon gemerkt hatte, dass Dudley Taft den texanischen Bluesmusiker Freddy King sehr zu schätzen scheint, denn er erwähnte ihn mehrmals und spielte auch ein paar seiner Lieder, wenn ich das richtig verstanden habe. Auch Cover von Fleetwood Mac und Led Zeppelin gehören neben seinen eigenen Songs zu seinem Repertoire und auch aus seiner Verehrung für ZZ Top machte der Sänger und Gitarrist keinen Hehl. Ganz fantastisch fand er auch den Getränkehalter am Mikrofonständer, auf den inzwischen ja einige Musiker zurückgreifen, siehe Oimel (Nitrogods).

Ich hatte mein rein optisches Vergnügen vor allem mit der zweiten Gitarre, die Dudley Taft spielte. Sie sah aus wie eine Les Paul Goldtop, aber am Kopf stand eindeutig nicht „Gibson“ und ich hatte so meine Schwierigkeiten, den Schriftzug zu entziffern, da der Mann ja nie stillstand. Foto sei Dank weiß ich nun, dass es sich um eine Tokai-Gitarre handelt!

Bereits drei Alben hat der Musiker unter seinem eigenen Namen veröffentlicht; ein Blick in Wikipedia zeigt aber, dass diese Werke nur einen Bruchteil seines Schaffens ausmachen.

Sollte ich irgendwann wieder so richtig den Blues haben, wird die Erinnerung an diesen Abend garantiert meine Laune anheben!

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