Nitrogods und Johnboy in Zweibrücken (Gasthaus Sutter, 07.02.15)

Eigentlich hätten Bazillen in der vergangenen Woche gar keine Chance bei mir haben dürfen! Die heilende Kraft der Musik hätte sich nämlich optimal entfalten müssen, da im Erdgeschoss des Gasthauses Sutter in Zweibrücken gleich zwei Bands für wohltuende Rock-Melodien sorgten: zuerst Johnboy, dann Nitrogods, und obwohl ich ein wenig angeschlagen war, meldete sich meine Dauertriefnase schon lange vor dem ersten Gitarrenriff gar nicht mehr, sodass mein beachtlicher Taschentuchvorrat brav im Täschchen bleiben und ich die Livemusik genießen konnte.

Aber dann… Kaum hatte ich in der Nacht nach dem Konzert ein paar Stündchen geschlafen, wurde ich wach und nichts ging mehr! Tagelanges Total-KO durch fiese Schnupfenkeime! Das ist auch der Grund, warum die Berichterstattung diesmal ein bisschen länger gedauert hat als üblich. Die Tatsache, dass die Luzie-Welt gerade Kopf steht und hin und wieder ein paar waghalsige Pirouetten dreht, mag hierbei allerdings auch eine kleine Rolle gespielt haben. Doch zurück zum Thema!

Für eine etwas größere Version hier und bei den anderen Galerien bitte auf das jeweilige Foto klicken!

Der Konzertraum war gut gefüllt, als die Musiker von Johnboy gegen 21.15 Uhr auf die Bühne kamen. Dom (Gitarre, Gesang), Tobi (Schlagzeug) und Addi (Bass, Gesang) sind mit den Arbeiten an ihrem neuen Album schon recht weit vorangekommen und ich hatte deshalb insgeheim gehofft, dass die Zuschauer ein paar Kostproben von den neuen Songs bekommen würden, aber dazu waren die drei Musiker dann doch noch nicht bereit. Gestartet wurde nach einem Kurzintro, bestehend aus ein paar bass- und schlagzeugbegleiteten Gitarrenriffs, mit einem uralten Song, nämlich „Charlotte“ aus dem 2005er Album „Tigers, Dragons And Tanks“, der nahtlos in „Call My Name“ aus dem Folgealbum „Tigers, Dragons And Tanks II“ überging, und genauso zackig ging’s weiter mit einem weiteren Lied aus besagtem Album.

Erst dann gönnte sich das Trio eine kleine Pause, als Dom sich beim Publikum bedankte und mit seiner kurzen Ansprache zeigte, dass diese Band ihre Zuschauer nicht nur mit feinster Rockmusik versorgt, sondern dass eine ordentliche Prise Humor zum Liveprogramm dazugehört. „Das war Johnboy, viel Spaß mit der nächsten Band!“, meinte der Musiker, woraufhin ein paar Leute sofort „Zugabe!!!“ schrien. Auch Addis Moves am Bass und seine Mimik bringen mich oft zum Grinsen und erwecken den Anschein, als ob ihm das Musizieren das größte Vergnügen bereitet. Dasselbe gilt auch für Tobi an den Drums, der auf mich oft so wirkt, als wäre er beim Drumstickschwingen in eine völlig andere, wunderbare Welt abgetaucht.

Später am Abend überlegte Dom, ob er sich die Haare schneiden lassen soll, weil er kaum noch sein Pedalboard sehe, und auch diese Aussage blieb natürlich nicht ohne Replik aus der Zuschauermasse. Der dicke Bauch wäre das eigentliche Problem, plärrte da jemand dem Sänger entgegen. Der nahm das zum Anlass, schon einmal darauf hinzuweisen, dass die Band gerade an einem neuen Album arbeitet und dass es dazu später im Jahr eine Releaseparty geben wird, und der dicke Bauch wäre ein Resultat der Plotzerei in Sachen Album Nr. 6, denn ein Album aufnehmen würde dick machen. Wer schlank bleiben will, soll keine Musik machen. Beste Johnboy-Logik!

Als eine derjenigen mit Kamera in der Hand war ich natürlich sehr froh, als endlich jemand den Lichtschalter gefunden hatte und die Bühnenbeleuchtung dann tatsächlich noch so schön hell war, wie ich das vom Erdgeschoss her kenne. Die Musiker fanden’s nicht so prall und hätten lieber im düsteren Ambiente weitergerockt, von wegen man wäre hier nicht im Kino und es würde reichen, wenn man die Musiker hört, anstatt sie zu sehen. Na ja… mit Doms Vorschlag, dass es Actionfiguren von Bassisten geben sollte, beginnend mit Figürchen von Addi und von Nitrogods-Bassist Oimel, könnte ich mich schon eher anfreunden!

Der nächste Dreier von Songs stammte komplett aus dem aktuellen, 2013 veröffentlichten Album „Custom“ und gleich beim ersten daraus performten Lied „Saints“ konnte man auch das Gesangstalent von Addi bestaunen. Um mich herum glücklich wirkende Leute aller Altersklassen, manche im Takt mitwippend, manche Silbe für Silbe mitsingend.

Danach spielten die drei wieder drei ältere Songs und ich dachte, das Dreierkonzept wäre der Plan des Abends, aber plötzlich wurde das vermeintliche Konzept durchbrochen, indem ein „Angelfire“-Lied („Down“) zwischen zwei „Custom“-Songs gequetscht wurde. Wer ganz genau wissen möchte, welche Lieder Dom, Addi und Tobi im Sutter performten, kann sich das auf dem Foto von der Setlist unten ja anschauen. Als Zugabe wurde „Die Alone“ gewählt und selbstverständlich stachelten die Musiker die Zuschauer zunächst einmal an, den „Ooooo-ooo-oooo-ooo-ooooo-oooo-ooooo“-Part mitzusingen. Alle Songs kann man sich auf der Bandcamp-Seite von Johnboy anhören oder besser noch: die Band unterstützen und ihre Musik käuflich erwerben.

Ein paar Konzerttermine für dieses Jahr stehen bereits fest. Klickt also mal rüber auf die Johnboy-Homepage und schaut nach, wo die drei überall Station machen werden!

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Nach ein paar Minuten Umbauzeit war der nächste Dreiertrupp auf der Bühne startklar und die Musiker von Nitrogods boten ein sehr energiegeladenes Rockmusikprogramm. Genau wie zuvor bei Johnboy war die erste Reihe gefüllt mit sehr textsicheren Menschen, die den Auftritt absolut zu genießen schienen. Für mich war es das erste Mal, dass ich die drei live erlebte, und als Gitarrenfreak war ich doch sehr angetan davon, dass Henny Wolter nach ein paar Songs von der Gibson Les Paul Standard, die ein Aufkleber mit einer spärlich bekleideten Frau ziert, an eine Duesenberg-Gitarre mit schwarzem Korpus – ewig nicht mehr gesehen! – wechselte und dann auch noch eine Gibson SG mit rotem Korpus zückte. Letztere wurde auch mit einem Bottleneck gespielt. Henny sang auch hin und wieder, aber der Hauptvocalist der Nitrogods ist Claus (Oimel) Larcher. Dieser verwendete während des gesamten Konzerts nur den einen Bass, einen kirschroten, mit Stickern verzierten 4-Saiter aus dem Hause Epiphone. Den Weizenbierglashalter an seinem Mikrofonständer fand ich absolut klasse!

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Dass ein Schlagzeuger sein Instrument wechselt, ist eher ungewöhnlich, aber genau das geschah im Fall von Klaus Sperling: Beim Lied „Lipsynch Stars“ war es der Band ein Anliegen zu zeigen, dass sie eben nicht playback spielen, sondern live, und Drummer Klaus schnappte sich eine leere Bierflasche, kam damit an den vorderen Bühnenrand und bearbeitete die Flasche mit einem Drumstick, während seine beiden Kollegen an den Saiteninstrumenten abrockten, sangen und sich in die herrlichsten Posen warfen.

Einige Lieder, die an diesem Abend zu hören waren, stammen vom zweiten Album „Rats & Rumours“, das komplett mit analogem Equipment aufgenommen und im Oktober 2014 auf den Markt gebracht wurde. Welche Lieder genau die drei Musiker für den Gig in Zweibrücken aus ihrem Repertoire herausgepickt hatten, kann man dem Foto von der Setlist unten entnehmen.

Irgendein Lied wurde sogar mit ein paar bissigen Bemerkungen in Richtung Saarland eingeleitet; man war ja schließlich gerade in Rheinland-Pfalz und offenbar ist den drei Nitrogöttern diese ewige Kabbelei zwischen Saarländern und Pälzern bekannt. Gut dass wir Saarländer ein so tolerantes Völkchen sind!

Auf die ständigen Vergleiche mit Motörhead ging Oimel später im Programm auch kurz ein – sowohl von der Musik als auch von seiner rauen Stimme her lässt sich eine gewisse Ähnlichkeit ja auch nicht leugnen. Man kann sich hierzu zum Beispiel das sehr coole Video zu „Black Car Driving Man“ anschauen. Dass ausgerechnet der ehemalige Motörhead-Gitarrist Eddie Clarke als Gastmusiker für das erste, im Jahr 2012 veröffentlichte Album der Nitrogods gewonnen werden konnte, ist somit kein Zufall.

Das sehr bluesige „Whiskey Wonderland“ – in der Albumversion mit Nazareth-Sänger Dan McCafferty als Gastvocalist –, brachte mich wegen des Textes ein bisschen zum Grinsen, obwohl ich ja eigentlich ein sehr friedliebender Mensch bin. Aber die Art und Weise, wie hier davon erzählt wird, dass sich ein Kerl hackestrack seiner ewig nörgelnden Ehefrau entledigt, hat irgendwie etwas Urkomisches. Der Whiskey zieht sich ohnehin wie ein roter Faden durch die Songtexte der Nitrogods – man beachte in der Hinsicht zum Beispiel „At Least I’m Drunk“ oder „Wasted In Berlin“.

Der Konzertkalender der Nitrogods ist für das Jahr 2015 bereits jetzt prall gefüllt, schaut euch am besten auf der Homepage der Band an, wann sie wo auf der Bühne stehen werden! Der Knüller schlechthin wäre es natürlich, wenn Oimel am 28.02. mal schnell nach Saarbrücken gereist käme, um beim Releasekonzert anlässlich des neuen Albums von Systematic Eradication im Kleinen Klub zusammen mit Ralle das Lied (oder gar die Lieder?), bei dem er als Gastsänger fungierte, zum Besten zu geben!

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