Demon Incarnate und Rage Of Samedi in Schleich (Hotel Sonnental, 17.01.2015)

Auf die Location, in der das Konzert von Rage Of Samedi und Demon Incarnate staffinden sollte, war ich ja sehr gespannt! Ich kann mich nicht erinnern, jemals einen Gig in einem Hotel an der Mosel erlebt zu haben, und wusste gar nicht so recht, wie ich mir die Räumlichkeiten – inklusive Kegelbahn – dort vorstellen sollte.

Das Kunststück für Ortsunkundige bestand aber zuerst einmal darin, das Hotel Sonnental in Schleich zu finden, denn die Straße, die man nach der Abfahrt von der Autobahn laut Navi nehmen sollte, war gesperrt und die vom Navi angesagte Alternativroute führte mich zunächst eine Weile lang durch Waldflächen und an Feldern vorbei, alles offenbar fernab jeglicher Zivilisation und die Straßen waren so schmal, dass es nicht mal eine Mittellinie gab, und gespickt mit einigen Haarnadelkurven im recht steilen Gefälle. Das war eine spannende Fahrt, zumal es ja stockdunkel war und die Temperaturen um den Gefrierpunkt lagen, und sie endete nach etwa 25 Minuten nicht in dem Ort an der Mosel, sondern genau an der Autobahnausfahrt, wo der Trip den Moselberg hinab und wieder hinauf begann. Und täglich grüßt das Murmeltier!

Ich erinnerte mich daran, ein paar Kilometer weiter bergab ein kleines Umleitungsschild gesehen zu haben, und beschloss, dort noch einmal hinzufahren und der durch dieses Schild vorgegebenen Richtung zu folgen. Mein Navi war ja mal wieder genauso nutzlos wie bei dieser gesperrten Brücke mitten in Frankreich. >klick< An der entscheidenden Stelle bog ich diesmal also in die andere Richtung als zuvor ab und verbrachte dann wieder gut 20 Minuten in Waldflächen, die genauso einsam wirkten wie die auf der anderen Seite, und auf Straßen, die noch einen Tick schmäler zu sein schienen, während das Navi mich unentwegt zu riskanten Wendemanövern aufforderte. So langsam machte sich ein wenig Panik in mir breit. Ich würde den Ort des Geschehens doch erreichen, bevor die erste Band auf der Bühne stand!? Das immer noch eingeschaltete Navi verschob die berechnete Ankunftszeit nämlich immer mal wieder ein paar Minuten nach hinten. Als ich dann endlich wieder in eine Ortschaft kam, fuhr ich rechts ran, um mich auf einer Karte zu informieren, wo ich bin und wie ich weiterfahren muss. Ich habe tatsächlich Straßenkarten an Bord. So richtig oldschool, falls das Navi mal versagt. Blöderweise war das Kaff, in dem ich gerade gestrandet war, so klein, dass es auf der Karte gar nicht verzeichnet war. Es blieb mir also nichts anderes übrig, als den nach wie vor immer mal wieder auftauchenden Umleitungsschildern nachzufahren und zu hoffen, dass das Ziel irgendwann tatsächlich das andere Moselufer sein würde.

Nach einigen Minuten, die mir wie Stunden vorkamen, wurden die Straßen wieder breiter, die Mosel kam in Sicht… und dann war ich endlich da. Uff!

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Sobald ich die Eingangstür hinter mir geschlossen hatte, wurde klar, dass einige der Anwesenden inklusive der Rage Of Samedi-Herren eine ähnliche Odyssee hinter sich hatten und ein paar später ankommende, zumindest leicht genervt wirkende Gäste ebenfalls.

In dem Raum, der wohl in erster Linie als Kneipe benutzt wird, fühlte ich mich angesichts der vielen an der Decke befestigten Instrumente gleich wohl und es stellte sich heraus, dass ein Teil der Kegelbahn die Bühne bildete.

Für eine etwas größere Version hier und bei den anderen Galerien bitte auf das jeweilige Foto klicken!

Schon als ich die Gitarren und den Bass von Rage Of Samedi vor dem Konzert an den Boxen angelehnt stehen sah, grübelte ich, ob Sam D. Durangos Flying V von hinten schon immer so ausgesehen hatte. War der Korpus nicht rot statt schwarz? Um kurz nach 21 Uhr hatte ich meine Antwort, denn in seinen Armen lag ein neues Gitarrenbaby, eine Dean V mit schwarzem Korpus. Gerade mal eine Woche alt. Ein gutes Stück älter ist das erste Lied, das die fünf Herren an diesem Abend performten: „The Lord“, quasi ein Klassiker des Debütalbums „Sign“. Abgesehen davon präsentierten Rage Of Samedi einige ganz neue Songs, also nicht nur welche, die zwar nicht auf dem Album sind, aber bereits live gespielt wurden („Psychopath Job“ oder „Never Obey“ etwa), sondern auch Lieder, die ich noch nie gehört hatte („God Accepts“). Allein deswegen hatte sich die lange Anfahrt ja schon gelohnt!

Die Musiker beeindruckten mich aber nicht nur mit ihren schönen und handwerklich perfekt dargebotenen Melodien, sondern auch mit der genau richtigen Dosis Quatsch zwischendurch, geliefert von Frontmann Lou Cifer, der nach ein paar Songs darum bat, man möge ihm eines der Würstchen reichen, die da so verlockend in einem Plexiglasbehälter auf der Theke zur Schau gestellt wurden, beim folgenden Lied hätte er eh nicht so viele Gesangsparts. Trotzdem musste er den angeknabberten Rohesser ein paarmal beiseitelegen und nach dem Lied musste sofort Bier-Nachschub her – solche deftig gesalzenen Würstchen machen durstig!

Sam D. Durango hatte zwar auch ein Mikro, in das er trotz dessen elektrisierender Wirkung völlig unerschrocken immer mal wieder ein paar Vocals sang, aber den Hauptpart des Gesangs und die komplette Interaktion mit den Zuschauern schaukelte Frontmann Lou Cifer. So wurden dann auch die einzelnen Bandmitglieder zwischendrin kurz von ihm vorgestellt, aber ich glaube, das haben die wenigsten Gäste mitbekommen, weil nicht alle Musiker auf einmal namentlich genannt wurden, sondern immer nur einer, und das mitten im Lied, was vielleicht mit den gesungenen Texten ein wenig unterging. Neben den genannten Musikern, also Lou himself sowie Sam an der Dean-Gitarre, gehören zu Rage Of Samedi Drummer Ian O’Field, DixieKing Boehme I. an der Gibson SGJ und am Bass Paul McKay, mit dem Lou an jenem Abend besonders viele Späße machte. Die Stimmung fand ich diesmal wirklich außergewöhnlich gut.

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Schon als „Kingdom“ als das vorletzte Lied angekündigt wurde, ging ein Raunen des Bedauerns durch den Saal und von mir aus hätte die Band den Song gemäß Lou Cifers Einwand ruhig auf 12 Minuten in die Länge ziehen können. Machten sie aber nicht. Nach dem Ende des offiziellen Programms war sich das Publikum daher einig, dass noch eine Zugabe gespielt werden sollte und nach kurzer Beratung fiel die Wahl auf „The Curse“. Ich glaube, den Leuten in der Tenne hat’s gefallen – und die zwei Herren, die den Ort des Geschehens vorzeitig verließen, hatten bestimmt noch andere Termine.

Nett fand ich ja, dass alle Musiker nach ihrem Auftritt vom Wirt ein Schnäpschen an die Bühne gebracht bekamen.

Schon bald steht das Quintett aus dem Raum Zweibrücken wieder auf der Bühne, und zwar an folgenden Daten und Orten:

31.01.2015 Saarwellingen (Flexibel), mit The Last Supper und Father Merrin
21.03.2015 Schweiz, Thun, mit Three Eyes Left
26.03.2015 England, Stourbridge (Kathie Fitzgeralds), mit Grim Van Doom
27.03.2015 England, London/Camden (Unicorn Bar), mit Desolate Pathway und Grim Van Doom
28.03.2015 England, Stoke on Trent (Bunker 13), mit Grim Van Doom

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Demon Incarnate kenne ich bereits seit dem Sommer 2013, als man mich über einen Kommentar unter meinem Bericht über das Konzert von The Sword in Saarbrücken auf die Band aufmerksam machte. Support für The Sword waren an jenem Abend The Last Supper, und deren Gitarrist Jan spielt nach wie vor auch bei Demon Incarnate den Sechssaiter. Seit der Bandgründung im Jahr 2010 hat die Band aus dem Saarland bereits vier Alben veröffentlicht, das aktuelle „Reincarnation“ erschien Ende letzten Jahres und ist richtig gut. Wer auf doomartigen Rock im Stil der 70er Jahre steht, wird diese Scheibe vermutlich mögen.

Demon Incarnate Reincarnation

Seit damals das Video auf meinem Blog gepostet wurde, hat sich das Lineup der Band grundlegend verändert, denn im Sommer 2013 sang noch ein Mann ins Mikro. Aktuell gehört dieser Job einer Frau, und zwar Lisa Healey, und die Band hat sich von einem Quintett zu einer Vierer-Combo verkleinert. Für den Gitarrenpart ist, wie bereits erwähnt, Jan Paul zuständig, Phil Gandner ist der Bassist und hinterm Drumkit wirbelt Tobias Schmidt die Sticks.

Die Möglichkeit, Demon Incarnate live zu sehen, bot sich mir am vergangenen Samstag zum ersten Mal, und diese Premiere gehört auf jeden Fall zu denjenigen, an die man noch lange zurückdenkt. In meinem Fall wäre ein „gerne“ im vorangehenden Satz passend, die Band sieht das vermutlich anders. Der Auftritt reihte sich nämlich perfekt ein in die etwas holprige Anreise, die einige hatten. Das fing schon damit an, dass das Mikro von Lisa einfach nicht aufhören wollte, schrille Störgeräusche von sich zu geben, sobald sie beim Soundcheck ein paar Töne hineinsang, egal ob tiefe oder hohe, und der Tontechniker hatte allerhand zu tun. Und auch nachdem die Band gegen 22.45 Uhr endlich anfangen konnte mit ihrem Set, waren die Musikgötter den vieren nicht dauerhaft gewogen. Die Bandmitglieder selbst waren deshalb ziemlich unzufrieden, aber ich hatte das Gefühl, dass viele der Zuschauer trotz der paar Patzer begeistert waren von der Musik von Demon Incarnate. Einer der Gäste zeigte immer mal wieder einen Daumen nach oben in Richtung der Sängerin und auch den Gesprächen nach dem Gig konnte ich entnehmen, dass der positive Eindruck überwog. Ich fand das Ganze auch eher unterhaltsam, beispielsweise auch den Moment, als Lou Cifer sich spontan neben Lisa auf die Bühne begab, die Arme in die Luft gestreckt, ein paar Takte mitsingend, und dann wieder abschwirrte, um vor der Bühne weiterzutanzen. Für alles, was an diesem Abend in Sachen Musik nicht so prall lief, gilt einfach die Aussage „shit happens“, passiert halt mal. Beim nächsten Gig wird es sicherlich wieder etwas professioneller zugehen.

Nachdem Lisa allen noch einen schönen Abend gewünscht hatte, hieß es aber noch nicht die Heimreise antreten, denn um Mitternacht wurde zuerst einmal der Geburtstag des Rage Of Samedi-Superroadies gefeiert und danach ließ die Songauswahl des Tenne-Wirts viele noch verweilen und in Erinnerungen an damals schwelgen. Wobei nicht alle Anwesenden schon auf diesem Planeten existierten, als Guns’n’Roses von der „Paradise City“ schwärmten und Nirvana meinten, irgendwas „Smells Like Teen Spirit“, während Rage Against The Machine mit „Killing In The Name“ den Rassismus der USA anprangerten. Aber mitsingen und Spaß haben konnten alle in unserem Grüppchen. Trotzdem hieß es irgendwann, der Realität ins Auge schauen, sprich: nach Hause fahren in der Hoffnung, diesmal nicht durch die rheinland-pfälzische Einöde irgendeines bewaldeten Moselhangs zu irren. Zunächst schien das auch nicht der Fall zu sein, mein Navi schlug eine andere Route vor als bei der Hinfahrt und ich folgte brav – bis ich dann vor einem runden Schild (roter runder Rand um weißen Kreis) mitten auf der Straße und entsprechenden Barrieren in Rot-Weiß bremsen musste, meinen Wagen wieder wenden und all die Kurven ein weiteres Mal durchfahren musste, um dann doch denselben Weg, den ich gekommen war, zu nehmen. Während das Navi ewig rumzeterte von wegen wenden, konnte ich ganz beruhigt sein, denn ich wusste ja inzwischen, dass die schmale Straße mit all den Haarnadelkurven und den Steigungen irgendwann auch wieder aus dem tiefen Tann herausführt und tatsächlich erreichte ich ohne mich zu verfahren gut eine halbe Stunde später die Autobahnauffahrt.

Und die ganze Zeit hatte ich die Worte des Erzählers aus der „Rocky Horror Picture Show“ im Ohr: „I would like, if I may, to take you on a strange journey.“

 

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