Entziehungskur ist Hochverrat – Zerogod, Diabolic Heritage, Affliction und Tridentifer in Saarbrücken (Devils Place, 09.01.15)

Nachdem ein Konzert, für das ich ein Ticket hatte, abgesagt wurde (Steak Number Eight in Stuttgart) und ich mehrere andere aufgrund von Schnee und Glatteis sowie andersartigen widrigen Ereignissen nicht besuchen konnte, hatte ich dann am Freitag nach über einem Monat Gigpause endlich wieder Livemusik, und zwar volle Lotte: Gleich vier Bands ließen mit den herrlichsten Death Metal-Klängen den Devils Place in Saarbrücken erzittern.

EntziehungstourMit „Entziehungkur ist Hochverrat“ haben Zerogod ihre kleine Tour, die sie mit verschiedenen Bands zu vier Stationen im Saarland und in Rheinland-Pfalz führt, betitelt. Damit setzt die Death Metal Band aus Pirmasens eine Tradition fort, die im Jahr 2006 unter genau dieser Bezeichnung begann und im Jahr 2009 eine zweite Auflage erfuhr.
Der Startschuss für die dritte Runde „Entziehungkur ist Hochverrat“ war eine Woche zuvor in der Rockkneipe „Zur Schwemme“ in Pirmasens gefallen und wie auch an jenem Abend hatten Zerogod in Saarbrücken Tridentifer als Mitstreiter dabei und außerdem die beiden Bands Affliction und Diabolic Heritage.

Noch bevor sich die erste Band, Tridentifer, pünktlich um kurz vor 20 Uhr auf die Bühne begab, kam ich mit den Musikern, die mich die am Rand der Bühne abgestellte außergewöhnlich geformte Gitarre knipsen sahen, ins Gespräch und es stellte sich heraus, dass sowohl die Gitarre als auch der Bass selbstgebaut ist. Wie der Bass-Bau ablief, bekam ich dann prompt vom Meister himself erzählt und dank Bildern auf dem Handy auch visuell unterlegt. Das riecht doch sehr nach einer neuen Bass- und Gitarrengeschichte für die Rubrik „Gitarre des Monats“!

Für eine etwas größere Version hier und bei den anderen Galerien bitte auf das jeweilige Foto klicken!

Mich überzeugte die Musik der vier Herren aus dem Raum Kaiserslautern, deren Oldschool Death Metal neben wunderbaren Gitarrenmelodien und Songpassagen zum bequemen Mitnicken und -wippen auch thrashige Parts bietet. Kein Wunder also, dass die aus vier Songs bestehende CD „Zombified“ mit nach Hause kam. Das Repertoire von Tridentifer umfasst natürlich mehr als nur diese vier Songs (siehe Setlist), sodass der Auftritt etwa eine Dreiviertelsunde lang dauerte. Dabei zeigte vor allem der Vocalist Oli seinen Sinn für Humor, im Smalltalk mit dem Publikum zum Beispiel. Es gäbe da nämlich eine Möbelspedition in Kaiserslauern mit dem Namen Sander, der ein Lied – „Days Of Thunder“ – gewidmet wäre. Auch seine mehrfachen kurzen Gespräche mit Gitarrist Marco über die einzige am Boden liegende, handgeschriebene Setlist („Kannsches lääse?“ – „Nä!“) brachten mich immer wieder zum Schmunzeln. Bassist Chris hatte seine eigene Setlist neben sich liegen und ging seiner Arbeit am selbstgebauten Instrument absolut souverän nach. Allerdings wird in Zukunft ein anderer an seiner Stelle in die dicken Saiten hauen, weil Chris wieder mehr Zeit für seine Familie und seine andere Band haben möchte.

Olis raumgreifende Armbewegungen erinnerten mich ein wenig an den Sänger von Orange Goblin, bloß dass der dabei nicht ungefähr drei Meter des Mikrokabels in diverse Schlaufen gewickelt in der Hand hatte.

Im Booklet der CD sind übrigens fünf Musiker abgebildet und auch bei Facebook wird ein weiterer Gitarrist erwähnt, in Saarbrücken musizierten Tridentifer allerdings nur zu viert. Das liegt daran, dass Tobi krank war (Gute Besserung!), und ich finde es bemerkenswert, dass die Band auch mit einer Gitarre weniger ihr Programm durchzog. Dieses kam so gut an, dass die Zuschauer auf einer Zugabe bestanden, auch wenn just beim letzten Song die Snare von Schlagzeuger Heiko gerissen war. Er soll ohne Snare weiterspielen, meinten einige, während andere vorschlugen, dass er sich die Snare einer anderen Band leihen sollte, was dann auch geschah und nach einem weiteren Lied war’s dann Zeit für den Bühnenumbau für die nächste Band.

Ich hoffe, dass bei der nächsten Station von „Entziehungskur ist Hochverrat“ am 28.02. im JUZ Saarlouis wieder alle Bandmitglieder fit sind!

Dass meine strikte Weigerung, den Blitz zu benutzen, manchmal nicht die beste Entscheidung ist, zeigen meine Fotos… Wer sich schönere anschauen möchte, kann ja auf der „Entziehungskur“-Seite oder den oben verlinkten Bandseiten vorbeiklicken.

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Mit Affliction stand Melodic Death Metal aus St. Ingbert auf dem Programm und der Solstafir-Shirt tragende Vocalist Sebastian Schattner zeigte von Anfang an und immer wieder, dass er seine langen Haare wie die Rotorenblätter eines Helikopters kreisen lassen kann, wenn er nicht gerade in sein Mikro röhren muss. Das sah cool aus und weckte in mir mal wieder ein wenig den Neid der Besitzlosen, da meine Haare einfach nicht lang werden wollen und ich sämtliche Versuche des Züchtens mittlerweile eingestellt habe.

Zur Band gehören neben Sebastian die beiden Gitarristen Christoph Sell (an der Flying V) und Christian Lauk (an der 7-saitigen Schecter), der Bassist Hendrik Theado sowie Schlagzeuger Frank Schille.

Die Metalcombo existiert schon viele Jahre lang, bereits seit der Jahrtausendwende, und man erfuhr bei manchen Songs, dass es sich um ganz alte, um Lieder aus den Anfangstagen der Band, handelt, „Dragon’s Breath“ und „High Moon“ beispielsweise, die man sich beide wie auch die beiden anderen Tracks der „Dragon’s Breath”-EP bei Soundcloud anhören kann. Andere Lieder stammen von der 2006 veröffentlichten Split-Scheibe mit Zerogod, „He’s On His Way“ und „Helpless“ zum Beispiel. Da die Zeit ein wenig knapp war – vermutlich weil der Aufbau länger als erwartet gedauert hatte und sich zwischendrin irgendetwas an dem gigantischen Schlagzeug lockerte und fix repariert werden musste –, wurde das geplante Set zum Ende hin ein wenig modifiziert, wenn ich das richtig mitbekommen habe. Nach „High Moon“ folgte mit „Cold Depression“ ein ganz neues Lied und nach einem weiteren war dann Schluss.

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Einige Devils Place-Besucher schienen vor allem auf Diabolic Heritage gewartet zu haben und wollten sich das Ganze, genau wie ich, aus unmittelbarer Nähe anschauen. Da hatte ich mich nun, mit der Kamera um den Hals, rechtzeitig in – wie ich dachte – Reihe 1 platziert, als sich ein Konzertbesucher direkt vor mich stellte. Sichtweite ab diesem Moment: 5 cm. Hübscher Rücken. Das war nicht das, was ich sehen wollte, pffff, und die Kamera hatte ich nicht nur als Accessoire dabei, also musste ich ausweichen. Aber für die Band ist der Andrang ja ein gutes Zeichen und wenn ich den Gesichtsausdruck der einzelnen Musiker richtig deute, hat es ihnen riesigen Spaß gemacht, im Devils Place auf der Bühne zu stehen.

Wobei „stehen“ das falsche Wort ist, nicht nur im Fall des logischerweise sitzenden Schlagzeugers Marc, der allerdings mit größtem Elan zur Sache ging. Die anderen vier Bandmitglieder standen keinen Moment still, weder Vocalist Berni noch Gitarrist Patrick, der für seine gelegentlichen Schrei-Parts ebenfalls ein Mikro hatte und in den Phasen ohne Beteiligung an den Vocals mit seiner Gitarre abrockte. Wenn ich das bei all der Action richtig gesehen habe, waren da sieben Mechaniken an der Kopfplatte… aha… Den Schriftzug konnte ich aber nicht entziffern und der Pixelsalat meiner Bilder ist hier auch wenig hilfreich. Dafür konnte ich Alex‘ ESP-Gitarre genauestens erkennen und ich hatte ein paarmal Schiss, dass mir im Laufe des Sets doch noch die Kopfplatte ins Gesicht knallt, so eng war es bzw. so weit vorne stand ich, und wie eben erwähnt, waren die Musiker ja auch voller Energie am Werk. So auch der Bassist Uwe, der sich mit seinem Instrument ebenfalls des Öfteren in gefährliche Nähe der ersten Besucherreihe warf und immer mal wieder Saite an Saite mit Gitarrist Alex spielte. Das war so richtig was fürs Auge und natürlich fürs Ohr, vorausgesetzt, man mag diese Art der Musik.

Wer die Band schon länger kennt, merkt an den genannten Namen, dass Diabolic Heritage nicht mehr in der ursprünglichen Besetzung unterwegs sind. Der neuste Mann im diabolischen Boot ist Berni, der das Mikro in der Hand hat und Anfang des letzten Jahres zur Band stieß. Daraus ergab sich, dass die Songs des zweiten Albums „Resumption“ allesamt auf Englisch sind, während die Lieder des Debütalbums nach dem Gusto des früheren Vocalisten Peter deutsche Texte besitzen. Dieses Erstlingswerk kann man sich auf Bandcamp anhören, das Päckchen mit den neuen CDs wurde der Band just am Tag des Konzerts geliefert, also behaltet mal den Online-Shop oder die Facebookseite von Diabolic Heritage im Auge, wenn ihr euch mit der wirklich erstklassigen, aus zehn Liedern bestehenden Scheibe eindecken möchtet. Einen kleinen Vorgeschmack gibt es bei Soundcloud. Fett, oder?

Das etwa 45 Minuten dauernde Set bestand natürlich aus neuen und alten Songs (siehe Foto von der Setlist) und obwohl der vorgesehene Zeitplan inzwischen ziemlich aus den Fugen geraten war, bekam das Publikum die Zugabe, nach der es schrie.

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So gegen 23.40 Uhr gehörte die Bühne dann den fünf Musikern von Zerogod: ganz rechts Gitarrist Thilo Haas, hinterm Drumkit David Rothhaar, links im Eckchen Gitarrist Jens Topin und direkt neben ihm Bassist Jakob Primatschenko – Vocalist Florian Höh nutzte von Anfang an sämtlichen ihm zur Verfügung stehenden Platz, um ähnlich wie ein – pardon, das muss jetzt sein, passt einfach zu gut – Floh mit Wahnsinnstempo quer über die Bühne und wieder zurück zu fetzen. Kein Wunder, dass es dem Mann nach ein paar Liedern so warm geworden war, dass er sich seines Shirts entledigen musste! Da schon vorher fast sämtliche Beleuchtung ausgeschaltet worden und es daher beinahe stockdunkel war, hatte ich zu dem Zeitpunkt meine Fotografiererei bereits komplett eingestellt, sodass es von meiner Seite kaum visuelle Dokumente dieses Auftritts gibt. Aber andernorts wird man ja fündig.

Der Zerogod-Auftritt war musikalisch erste Sahne – ich hatte den Eindruck, dass die Musiker alle unheimlich präzise spielen, das fiel mir bei einigen stakkatoartigen Parts auf, bei denen Bass, Gitarren und Drums absolut parallel und deckungsgleich gespielt wurden, aber auch bei den zahlreichen Rhythmus- und Tempowechseln. Zudem war das Ganze sehr unterhaltsam durch den gelegentlichen Smalltalk von Florian mit dem Publikum oder seinen Bandmitgliedern. Gitarrist Thilo wurde zum Beispiel gelobt dafür, dass ihm bei einem ganz bestimmten Lied mal keine Saite gerissen ist und da gerade erst Weihnachten war, gab es für manche Zuschauer Geschenke in Form von in die Menge geworfenen T-Shirts, bevor es dann mit „deutschem Liedgut“ weiterging.

Dieser eine ehemalige Kollege, der Entstehungsanlass für mehrere Lieder war, scheint ja wirklich eine große Quelle der Inspiration gewesen zu sein. Neben „Honga II“ gab es in Saarbrücken auch „Honga IV“ zu hören, das in der Woche zuvor zum ersten Mal live performt wurde. Ich weiß nicht, wie viele Episoden es insgesamt gibt, aber dieser nasepopelnde Beamte (Oder war dem ein anderes Lied gewidmet?) muss ja wirklich nachhaltigen Eindruck hinterlassen haben! Allerdings von der negativen Sorte.

Die Setlist setzte sich zusammen aus Songs der beiden Alben „Bringers of Dementia“ (2008) und „Microcosmic Chaos“ (2012) und außerdem waren, wenn ich das richtig überblicke, ein paar relativ neue, wenn auch bereits bei anderen Konzerten gespielte Lieder dabei gewesen, „Irrlicht“ und „Everlasting Why“ etwa. Die knallten genauso gut wie das ältere Material!

Kurz vor Ende stellte Florian seine Bandmitglieder kurz vor und die Zugabe „Die Hippie Scum“ wurde nach dem Zwischenruf eines Zuschauers, dass Hippies das viel schneller spielen können, noch einmal in einem lichtgeschwindigkeitsähnlichen Tempo dargeboten.

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