Rage Of Samedi, No Hope und The Maja Project in Zweibrücken (Gasthaus Sutter, 06.12.14)

Eine Goldene Schallplatte wird in der deutschen Musikindustrie an Künstler verliehen, wenn sie bzw. ihre Plattenfirma mindestens 100.000 verkaufte Exemplare ihres Albums nachweisen können (sofern dabei noch zig andere Kriterien eingehalten sind, auf die einzugehen hier aber müßig wäre). Wie oft Rage Of Samedi ihr Debütalbum „Sign“ inzwischen verkauft haben, entzieht sich meiner Kenntnis und tut ohnehin nichts zu Sache, denn die Musiker und einige ihrer Fans können inzwischen eine goldene Schallplatte in ihren Händen halten und das ganz unabhängig vom Bundesverband der Phonographischen Wirtschaft. Man musste bloß ein bisschen schnell sein mit seiner „Ja, ich will!“-Bekundung, denn die goldene Edition war ratzfatz ausverkauft und es ist jetzt nur noch schwarzes Vinyl erhältlich. Dieses kann man entweder beim bandeigenen Label Voodoo Chamber Records erwerben oder bei Buschlee Vinylaceton, wo die Schallplatten hergestellt wurden.

Rage Of Samedi Vinyl

Natürlich wurde der Vinylrelease gebührend gefeiert, mit einem Konzert im Erdgeschoss des Gasthauses Sutter in Zweibrücken, bei dem auch die befreundeten Bands No Hope (Man muss bei Facebook eingeloggt sein, damit der Link funktioniert.) aus dem Raum Saarlouis und The Maja Project aus Neunkirchen aufspielten, beide ebenfalls zu der Plattenschmiede von Buschlee Vinylaceton gehörend. Wie sich das gehört, war einer der Chefs von Buschlee Vinylaceton selbst vor Ort und bot einige Schallplatten zum Verkauf und natürlich hatten auch die drei Bands eine ordentliche Portion Merch dabei.

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Gegen 20.45 Uhr klang die Hintergrundmusik (überwiegend Red Fang) aus und der Livemusikpart begann. Die erste Band, The Maja Project, zeigte mit ihrem Outfit, welches besondere Datum vorlag (Nikolaustag) und dass man bloß zwei Barhocker benötigt, um ein Keyboard ordentlich zu positionieren. Die vier jungen Musiker boten ein abwechslungsreiches Programm, das sich unmöglich in eine Unterschublade von „Rock“ quetschen lässt, denn die Lieder sind doch sehr unterschiedlich von ihrer Stilrichtung her.

Meine Augen hatten die wunderschöne Epiphone Wildkat von Jan Sprengard natürlich schon lange, bevor der Gig startete, erspäht und ich konnte gar nicht anders, als das Instrument, wie es da vor der Bühne stand, zu fotografieren. Aufgrund eines Saitenrisses nach ein paar Liedern benutzte der Sänger und Gitarrist für die nächsten Songs eine Fender Telecaster Custom, die vermutlich für so einen Fall direkt griffbereit vor ihm geparkt war. Für Abwechslung sorgte aber auch Sebastian Kohler, denn er zeigte bei einem Lied, dass man die Saiten seines Yamaha-Basses nicht nur mit Fingern und Plektren zum Schwingen bringen kann, sondern auch mit einem Bogen. Beide Musiker, Jan und Sebastian, sangen im Wechsel oder gleichzeitig, bis die Einsatzorte der Bandmitglieder ein wenig umgemodelt wurden: Schlagzeuger Matthias Schorr schnappte sich die Gitarre, Jan klemmte sich hinters Drumkit und der Keyboarder Andreas Jakobs übernahm für zwei Lieder den Gesang und das klang ebenfalls richtig gut.

Im Publikum waren einige Freunde und Bekannte der Band und manche ließen es sich natürlich nicht nehmen, ihre Späßchen zu machen und der Band in den ruhigeren Phasen zwischen den Liedern freche Sprüche zuzurufen oder direkt vor der Bühne Selfies inklusive Band zu knipsen.

Gespielt wurden Lieder aus dem 2013 veröffentlichten Album „From Ashes“, das man sich bei Soundcloud anhören oder eben in der Vinylversion oder als CD erwerben kann; darüber hinaus hatte das Quartett auch neue Songs mit im Programm. Live kann man The Maja Project wieder am 27.12.2014 zusammen mit Ampersphere im Gasthaus Sutter in Zweibrücken erleben.

Für eine etwas größere Version hier und bei den anderen Galerien bitte auf das jeweilige Foto klicken!

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Während ich mich noch über die wie immer perfekten Lichtverhältnisse im Sutter-Erdgeschoss freute, vermasselten mir zwei der vier Musiker von No Hope die Aussicht auf weitere Fotos von wunderbar ausgeleuchteten abrockenden Gestalten ein wenig. Der singende Bassist, der sich Zombie nennt, positionierte sich nämlich mit seinem Mikroständer und dem Rickenbacker-Viersaiter vor der Bühne und Gitarrist Klose direkt neben ihm, also dort, wo es schön schummrig war. Maaaaann, Leute, seid ihr kamerascheu oder bevorzugt ihr einfach meine stimmungsvollen Pixelbreibilder? Sei’s drum, ich kann trotzdem ein paar passable Fotos von den beiden vorweisen, aber die Bilder von Bandkollege Weiler, der im prallen Bühnenlicht seiner mattschwarzen LTD-Gitarre schwergewichtig-aggressive Riffs in überwiegend langsamem Tempo abrang, sowie vom Schlagzeuger Schon, der ebenfalls etliche Gesangsparts in ein Mikro röhrte, sind von der Qualität her schon ein bisschen besser…

Aber wichtiger als die Fotos ist ja die Musik und darüber gibt’s rein gar nichts zu jammern. Ich genoss die schweren Doom-Metal-Riffs und den nicht selten schmerzvoll und klagend wirkenden Gesang in meist ultralangsamem Tempo, denn das passte perfekt zu meiner Stimmung an diesem Abend – manchmal lässt sich elende Laune am besten mit ebenso düsterer Musik ertragen.

Ich hatte ja gehofft, dass die Musiker von No Hope ihre ganz frisch auf Vinyl veröffentlichte EP „Possessed Addicted But Still Reborn“ dabeihaben würden, und zwar in der lilafarbenen Version. Tschaka!

No Hope Possessed Addicted But Still Reborn

Alle vier auf der Schallplatte existierenden Lieder wurden während des etwa eine Dreiviertelstunde dauernden Auftritts gespielt (man kann sich das Ganze auch bei Soundcloud anhören und wird feststellen, dass es dabei durchaus auch flottere Passagen gibt, also „flotter“ in Relation zu dem älteren Material). Die Titel der anderen gespielten Songs, zum Beispiel „Aglophobia“ vom 2009 veröffentlichten Album „Big Block Damnation“, kann man sich auf dem Foto der Setlist unten anschauen.

Zu „Hank’s Night“ gibt es seit ein paar Wochen auch ein Video, das allerdings ganz schön krass ist, aber wahnsinnig gut gemacht!

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Gegen 23 Uhr enterten die fünf Musiker von Rage Of Samedi die Bühne und gleich das erste Lied versetzte mich in Erstaunen, denn das kannte ich ja noch gar nicht! „Sliding“ heißt das sehr wohlklingende Stück auf der Setlist und Sänger Lou Cifer schob sich selbst von Anfang an immer mal wieder in den Zuschauerraum für seine Performance, während ich mich einerseits wunderte, warum die Konzertbesucher in einiger Distanz zur Bühne standen, andererseits aber ein wenig dankbar für den Platz zum Fotografieren war. Trotzdem hätte das Publikum ja nach ein paar Songs ein paar Schritte nach vorne machen können. Ich fühle mich immer ein bisschen komisch, wenn ich eine der wenigen bin, die nur ein paar Armlängen von den Gitarren entfernt stehen…

Auch das zweite Lied, „Children Of The Black Sun“ ist eines der neuen, allerdings konnte ich dieses bereits im Sommer live hören, u.a. als Rage Of Samedi im Kleinen Klub Crowbar supporteten >klick<, was für die Band aus Zweibrücken vermutlich ein legendäres Ereignis war. Für mich übrigens auch, wenn auch nicht nur wegen der Musik. Auf jeden Fall machen die neuen Lieder Appetit auf mehr Musik der Doom-/Stoner-/Metalcombo, und so war es ganz gut, dass Frontmann Lou Cifer immer mal wieder an den eigentlichen Grund des Konzerts erinnerte, nämlich um die Veröffentlichung des Erstlingswerks „Sign“ auf Schallplatte zu zelebrieren, und von diesem Longplayer spielte das Quartett natürlich einige „Klassiker“, „The Lord“ beispielsweise, eingeleitet mit einer herrlichen Bassmelodie aus dem Hause Paul McKay, bevor Lou Cifer zumindest halbwegs infernalisch zu schreien beginnt, oder „Buried“, bei dem Sam D. Durango nicht nur Backgroundvocals in ein Mikro schreit, sondern in der zweiten Hälfte wie ein Besessener in die Saiten seiner Flying V drischt, während er zur selben Zeit das Wah-Wah-Pedal tritt und dem Instrument dadurch die wunderbarsten Melodieschnörkel entlockt. Der andere Gitarrist, DixieKing Boehme I., hat ebensowenig wie Drummer Ian O‘Field und sein Kollege am Bass ein Mikro, liefert neben den „normalen“ Riffs aber immer mal wieder ein paar filigranere Tonfolgen, soweit ich das als Laie überhaupt beurteilen kann. Definitiv weiß ich aber, dass ich die Gibson SGJ, die DixieKing Boehme an diesem Abend spielte, bis dahin noch nie in seinen Fingern gesehen hatte!

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Neue Songs hatten bei diesem Konzert einen hohen Stellenwert, denn außer den bereits erwähnten spielte die Band auch „The Score“, „Never Obey“ und „Psychopath Job“, die ebenfalls nicht zu den „Sign“-Liedern gehören, aber schon bei früheren Konzerten live dargeboten wurden, hier und da in der Vergangenheit ein wenig rumpelig und noch nicht so ganz ausgefeilt, an jenem Abend im Sutter jedoch perfekt. Bei so viel neuem Material wird ein neues Album ja hoffentlich nicht mehr so lange auf sich warten lassen.

Es wäre nur schön gewesen, wenn sich mehr Menschen die Livedarbietung dieser großartigen Band und natürlich auch der beiden anderen Bands angeschaut hätten und es kam mir so vor, als hätte die nicht allzu gigantische Besucherzahl zumindest Lou Cifers und Sam D. Durangos Stimmung ein wenig gedrückt, wobei der Raum im Vergleich zu anderen Konzerten von ebenso großartigen Bands aus der Region ganz gut gefüllt war. Aber dass viele Leute lieber etwas anderes tun (zu Hause bleiben?), anstatt sich einen Abend mit Livemusik zu gönnen, selbst wenn der Eintritt gerade mal so viel kostet wie eine Packung Zigaretten, ist wohl ein trauriger Fakt.

Umso erfreulicher ist es dann, wenn Bekannte der Band mit ekstatischen, raumgreifenden Tanzbewegungen auf die vor ihrer Nase gespielte Musik reagieren und andere Leute angesichts der Band auf der Bühne so aus dem Häuschen sind, dass sie Freunde anrufen und sie so ein paar Minuten an dem Gig teilhaben lassen.

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Apropos Gigs, es gibt schon Termine für die nächsten Rage Of Samedi-Konzerte, und wer will, kann das Ganze mit Reisen und Sightseeing verbinden:
17.01.2015 Trier (Hotel Sonnental Tenne), mit Demon Incarnate
31.01.2015 Saarwellingen (Flexibel), mit The Last Supper
26.03.2015 Birmingham, mit Opium Lord
27.03.2015 London/Camden (Unicorn Bar), mit Desolate Pathway
28.03.2015 Stoke on Trent, tba

Dank Voodoo Chamber Records-Onlinestore weiß ich jetzt übrigens, dass die „Schnabbekappe“, die die Herren Rage Of Samedi stets tragen, eigentlich trucker caps heißen. Das klingt besser, auf jeden Fall besser als die hochdeutsche Alternative Schirmmütze, und sollte vielleicht in meinen Wortschatz übernommen werden.

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Über luuuzie

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