Generator Festival in Karlsruhe (AKK, 21.11.14)

Generator Festival FlyerIn Karlsruhe fand neulich im AKK das Generator Festival statt – fünf Bands aus dem Stoner- und Psychedelic-Rock-Bereich musizierten dabei, ohne dass man als Zuschauer Eintritt zahlen musste. Das machte die weite Anreise, die meine Freundin und ich wegen Colaris auf uns genommen hatten, auf jeden Fall wett.

Das erste, was wir vor Ort auf dem Uni-Campus wahrnahmen, war der vor dem Backsteingebäude des AKK aufgebaute Getränkestand, wo sich diejenigen, die sich lieber draußen aufhielten, unter anderem mit Glühwein versorgen konnten. Es war inzwischen doch deutlich kälter als noch ein paar Tage zuvor, deshalb bevorzugten meine Freundin und ich das Innere. Die Konzerthalle erinnerte mich aufgrund der an der Decke spitz zulaufenden Streben eher an eine Kirche als an den Teil eines Stadiongebäudes, der ursprünglich wohl als Turnhalle genutzt worden war.

DSCF1042tsDie Running Order war an mehreren Stellen ausgehängt, was ich sehr gut fand, denn so hat man als Besucher den Überblick, aber in Anbetracht der Tatsache, dass der Soundcheck von Dimension Shifter auch um 20.20 Uhr noch nicht abgeschlossen war, war von vornherein klar, dass die vorgesehenen Zeiten nicht eingehalten werden würden und es gut möglich sein konnte, dass wir die allerletzte Band gar nicht mehr sehen würden. In den frühen Morgenstunden erst wieder zu Hause sein war nämlich nicht in unserem Sinne, weil es trotz Wochenende einiges zu erledigen gab. Auch deshalb hat es ein paar Tage gedauert, bis ich meinen Konzertbericht endlich fertig hatte.

Die Freude war daher groß, als Dimension Shifter endlich mit ihrem Programm loslegten. Die Band aus Karlsruhe ist manchen vielleicht als Look Behind The Scenes bekannt, aber vor einiger Zeit entschieden sich die vier Musiker dafür, aufgrund der Veränderungen im Line-up und der neuen Songs mit einem neuen Namen durchzustarten. Dieser Namenwechsel und die vier Songs umfassende EP „High Octane”, die erst am Tag vor dem Festival veröffentlicht wurde, markieren sozusagen den Beginn einer ganz neuen Ära der Band, die ihren Stil als Fuzzrock und Heavy Rock umschreibt.

Manche Lieder wurden beim Generator-Festival zum ersten Mal live performt, zum Beispiel der „üble Protestsong“, der erst am Abend zuvor in der Bandprobe fertiggestellt wurde, was zeigt, dass die produktiven Säfte der Musiker weiterhin fließen und man sich nach der EP-Veröffentlichung kein kreatives Päuschen gönnt. Gut so! Die Leute vor Ort – u.a. offenbar einige Bekannte der Bandmitglieder – schienen den Auftritt zu schätzen, allerdings hätte ich es Tobias Lichtenstern (Gesang), Dennis Haitz (Gitarre), Alex Koska (Bass) und Tim Bruchmann (Schlagzeug) gewünscht, dass auch die vielen luftigen Stellen im Saale mit Leuten ausgefüllt gewesen wären.

Für eine etwas größere Version hier und bei den anderen Galerien bitte auf das jeweilige Foto klicken!

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Die nächste Band, Spoonhead, gehört im Vergleich zu der noch relativ jungen Truppe von Dimension Shifter zu den alten Hasen im Musikgeschäft, auf „11 Jahre Bühnenerfahrung, vier Studio- und eine Live-CD“ können die vier Musiker aus Karlsruhe laut ihrer Facebookseite bereits stolz zurückblicken.

Einige Songs kann man sich auf der Homepage der Band in der Rubrik „Musik“ anhören und wer sich da durchklickt, kann vermutlich nachvollziehen, dass mir der facettenreiche Rock der Karlsruher Band überaus gut gefallen hat.

Gitarrentechnisch faszinierte mich die Gibson Firebird, die Sänger Oliver Weiss spielte, etwas mehr als die Les Paul Custom von Bandkollege Jürgen Rutschmann, weil ich Firebirds eher selten sehe. Ein Hingucker ist aber auch Wolfgang Kögels sticker- und buttonverzierter Fender-Bass. Schlagzeuger Bernd Berger komplettiert das Quartett.

Für die nächste Zeit stehen bereits ein paar Konzerttermine fest:
10.01.15 Pforzheim (Cafe Music Bar Exil)
17.01.15 Waldbronn (Soundcheck One)

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Etwa 45 Minuten später als geplant begannen Astrokraut ihren Auftritt. Die Band aus Karlsruhe scheint vor Ort recht bekannt und auch beliebt zu sein, denn die Halle war plötzlich proppenvoll. Ich muss ja zugeben, dass mich bei meinen Recherchen über die Band das Cover der „Kunststoff”-EP aus dem Jahr 2012 erst einmal so gar nicht ansprach, aber was da bei Bandcamp zu hören ist und kostenlos downgeloadet werden kann, weckte mein Interesse. Die Band steckt ihren Musikstil auf ihrer Facebookseite in die Schublade „PsychedelicStonerKrautDoomrock/Astrokrautrock“, und wer auf Kadavar & Co. steht, wird diese Band sicherlich auch mögen. Es wird hier zwar gesungen – von einem jungen Mann namens Max, der an diesem Abend in einem coolen Sonic Youth-Shirt steckte und der sich an einer Gibson SG austobte –, aber die instrumentalen Passagen sind bei einigen Songs schon sehr ausgedehnt.

Die Gitarre, die Manu spielte, sowie Maiks Bass zogen aufgrund ihrer ungewöhnlichen Formen und Details natürlich sofort meine Aufmerksamkeit auf sich, allerdings musste ich mein Bemühen, anhand irgendeiner Signatur herauszufinden, um welche Marken es sich handelt, oder ob es Marke-Eigenbau-Instrumente sind, ziemlich schnell einstellen. Die Zuschauer drehten nämlich nach ein paar Takten sowas von durch, dass meine Freundin aus Reihe 1 an den Rand wechselte und ich ihr bereitwillig folgte und selbst dort war es so ungemütlich, dass wir uns schließlich weiter nach hinten stellten – mit dem Ergebnis, dass wir kaum noch etwas auf die Bühne sahen. Wir waren beide total genervt und hatten zu dem Zeitpunkt ganz schön den Launendurchhänger! Ich finde es ja schön, wenn Leute zur Livemusik tanzen, aber sobald eine ganze Horde ohne Rücksicht auf andere wild mit den Armen um sich schlägt, die Bierflasche in der Hand, und sich mit Anlauf durch die Masse pflügt, hört bei mir der Spaß auf. Fotos vom Astrokraut-Schlagzeuger Tom gibt es daher nicht, ich hatte in dem Chaos ja keine Gelegenheit mehr, mich vorne irgendwo zu positionieren, um den jungen Mann abzulichten.

Trotz der sehr fortgeschrittenen Zeit wurden die „Zugabe!“-Rufe erhört und die Band kam noch einmal auf die Bühne zurück. Gut für die Fans, schlecht für uns und vermutlich auch nicht so ganz optimal für die nachfolgenden Bands.

Gespielt wurden folgende Lieder:
Across The Ocean
Space Machine
Chickencage Freeway
ein neues, noch titelloses instrumentales Stück
Loudenbach
Kunststoff
Alien Tiger Eye
Cosmic Father
Agima

Karpfenstein
ein neues Lied

Weitere Konzerte:
12.12.14 Mannheim (7-er Club)
13.12.14 Karlsruhe (Alte Hackerei)

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Erst um kurz nach Mitternacht konnten Colaris dann endlich mit ihrem Programm starten und ich war sehr froh darüber, dass man sich direkt vor der Bühne wieder aufhalten konnte ohne Gefahr für Leib und Leben. Das soll jetzt aber nicht heißen, dass die Musik der Band aus Pirmasens nicht gut angekommen ist, ganz im Gegenteil; die Zuschauer machten auf mich den Eindruck, als ob sie die instrumentalen Klänge, die mal mehr aus der Post-Rock-Schublade, mal eher aus der Psychedelic-Kiste und ab und zu auch aus den Bereichen „experimental“ und „ambient“ kommen, sehr wohl wertschätzten, es wurden sogar einige Rufe der Begeisterung in Richtung Bühne geplärrt und viele tanzten, nur eben nicht so ausgelassen wie bei der Band davor und mit etwas mehr Rücksichtnahme auf die Leute direkt daneben.

Zur Musik passende Körperbewegungen samt fliegendem Haar gab es auch bei Colaris-Gitarrist Jessie Schmidt und dem Herrn am Bass zu sehen, während Drummer Julian Steinbach das lange Haupthaar zu einem knödelartigen Zöpfchen am Hinterkopf gebändigt hatte und hinter seinem Schlagzeug ebenfalls ganz schön in action war, allerdings aufgrund der beschränkten Bewegungsfreiheit etwas zurückhaltender als seine beiden Kollegen.

Den Bass bediente wieder einmal Sascha Dopf, der Sänger und Gitarrist von Ampersphere, denn es hat sich immer noch kein neuer Bassist für Colaris gefunden, was die Weiterarbeit in Richtung auf ein neues Album vermutlich hemmt. Dasselbe Problem haben die Musiker von Ampersphere, wo Jessie seit einiger Zeit als Aushilfe in die vier dicken Saiten haut.

Bei so viel Körpereinsatz kommt man schnell ins Schwitzen, sodass sich Jessie nach ein paar Liedern seines Kadavar-Shirts entledigen musste und fortan im Tame Impala-T-Shirt dastand, wobei von „stehen“ nun wirklich keine Rede sein kann. Das passt nur für die paar Momente, in denen sich der Musiker mit einer Zuschauerin unterhielt, die unbedingt dieses Tame Impala-Shirt haben wollte und nach jedem Song erneut darum bettelte, aber Jessie blieb hier genauso hartnäckig wie die junge Frau. Wie die Sache nach dem Auftritt weiterging, also ob der Colaris-Mann sein T-Shirt letzten Endes doch noch hergegeben hat oder ob sich die Frau als Trostpflaster ein Colaris-Shirt zulegte, entzieht sich meiner Kenntnis.

Wie neulich im Sutter >klick< spielten Colaris nicht nur ältere Songs, also solche aus dem Album „Renewal“ aus dem Jahr 2012 (u.a. „Trail“), von der 2013er EP „The Source“ (z.B. „Cursive“) und von der großartigen Split-EP mit Ampersphere („Haste“), sondern hatten auch ganz neue Lieder dabei. Letztere kann man sich auf der Bandcamp-Seite von Colaris natürlich noch nicht anhören, aber alles andere schon. Sehr empfehlenswert, also klickt mal rein!

Auch hier wurde vom Publikum um eine Zugabe gebeten, was aber aufgrund der späten Uhrzeit und aus Rücksichtnahme auf Buddha Sentenza, die ja auch noch auftreten wollten, abgelehnt wurde. Ich denke, das war das stärkere und durchaus überzeugende Argument, denn dass Aushilfs-Basser Sascha nur die performten Lieder beherrscht, kann ich mir nur schwer vorstellen.

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Tja, Buddha Sentenza… Die Band aus Heidelberg hätte ich mir supergerne noch angeschaut, denn die Lieder, die man sich auf ihrer Homepage anhören und zum Teil auch kostenlos downloaden kann, finde ich total klasse. Wegen der knapp zweistündigen Heimfahrt und dem bereits oben erwähnten Marathonprogramm am Wochenende entschieden wir uns aber für ein paar Stündchen Schlaf, statt total unausgeruht in den Samstagmorgen zu starten, und verzichteten schweren Herzens auf die letzte Band.

Am 13.12.14 spielen Buddha Sentenza zusammen mit Samsara Blues Experiment in Frankfurt (Das Bett).

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3 Antworten zu Generator Festival in Karlsruhe (AKK, 21.11.14)

  1. Stephan Itzurma schreibt:

    Zu Astrokraut: Ist halt schon arg scheiße wenn die Zuschauer zur Musik durchdrehen… Und dann noch unbekannt Instrumente – da währe ich mit meiner Freundin auch abgehauen… Alter latz! Das Konzi war verdammt gut, die Gäste haben gefeiert und die Instrumente sind zum Teil aus den 70gern… Soviel zur objektiven Berichterstattung…

    • luuuzie schreibt:

      Ich hab nichts davon geschrieben, dass ich die Musik von Astrokraut nicht gut fand. Und die Instrumente hätte ich mir gerne etwas genauer angeschaut, weil ich die interessant fand und sie in keine der mir bekannten Schubladen einordnen konnte. Schade, wenn das nicht so rübergekommen ist! Und wer sagt, dass ein Konzertbericht 100% objektiv sein muss?

  2. Sensei vs Sensei schreibt:

    Die EP von Dimension Shifter heißt „High Octane“ nicht „Octane“.

    Eine Berichtserstattung sollte schon objektiv bleiben, damit sich der leser zumindest teilweise eine eigene Meinung Bilden kann, ansonsten zwingst du ihm ja deine Meinung auf….wer hat da schon bock drauf?

    Gruß Sensei!!!

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