Purple Haze, Ampersphere, Tinnitus und Membran in Blieskastel (P-Werk, 25.10.14)

Gleich drei Coverbands an einem Abend? Von der Idee her fand ich das zugegebenermaßen etwas gewagt, aber die „Startreihenfolge“ Coverband – Äh, was ist das Gegenteil von Coverband? Band mit eigenen Songs vielleicht – Coverband – Band mit eigenen Songs – Coverband war dann doch gar nicht so übel, denn insgesamt konnte man ja fünf Bands im grünschimmernden Ambiente bestaunen. Ich gebe zu, dass ich mich schon verständlicher ausgedrückt habe, aber der Text geht ja noch ein Stückchen weiter und vielleicht wird’s dann klarer, was da im P-Werk Blieskastel unter dem Motto „10 Jahre Ultrahocherhitzt“ am Samstagabend ablief.

DSCF8146ts

Den Auftakt machten ab kurz nach 20 Uhr Purple Haze mit einigen Songklassikern: Der „Holy Diver“ von Dio stand am Anfang, gefolgt von „Breaking The Law“ (im Original von Judas Priest) bis hin zu Liedern wie „Fear Of The Dark“ (Iron Maiden) oder solchen aus der Jugendzeit der meisten Bandmitglieder wie zum Beispiel „Everything About You“ (Ugly Kid Joe) und das fantastische „Killing In The Name“ (Rage Against The Machine). Ich fand den Einstieg mit solchen bekannten Liedern in einen langen Konzertabend sehr gelungen.

Manche vermissten Bandmitglied Olaf Ehrmanntraut, der an der Gitarre von Tobias Weißgerber vertreten wurde. Der spielt normalerweise Keyboard bei Purple Haze, aber das Tasteninstrument musste an diesem Abend zu Hause bleiben. Deshalb konnte auch das Lied, das jemand sich lautstark wünschte, nicht geboten werden. Aber Dirk Reichel (Gesang), Andreas Baltes (Bass), der eben schon erwähnte Tobias Weißgerber sowie Nico Kiefer (Gitarre) und Marc-Oliver Mayer (Schlagzeug) rockten die Bude trotzdem – es gibt schließlich noch genügend andere coole Lieder.

Dass Purple Haze auch unplugged rocken können, werden sie am 20.12.2014 im Hobbitkeller Zweibrücken zeigen.

Für eine etwas größere Version hier und bei den anderen Galerien bitte auf das jeweilige Foto klicken!

Das P-Werk wird mir als grün in Erinnerung bleiben. Die grüne Farbe war mir bereits beim Anschauen des Fotos auf der Facebookseite der Location aufgefallen und man sieht auch an meinen Bildern, dass die grüne Wand hinter der Bühne sehr prominent ist!

Wie bereits die erste Band wurden auch Ampersphere von einem jungen Mann, der die Rolle des Moderators übernommen hatte, angekündigt. Im Unterschied zu Purple Haze performte das Quartett aus Zweibrücken ältere und neuere eigene Songs – mit einer kleinen Einschränkung. Das letzte gespielte Lied, „The Way Of Origin“, ist ein Cover der Band Colaris, allerdings eines mit Gesang im Vergleich zur instrumentalen Originalversion, aber Colaris muss man ja eigentlich in einem Atemzug mit Ampersphere nennen, denn Jessie Schmidt, Gitarrist bei Colaris, spielt seit einiger Zeit bei Ampersphere Bass, und Sascha Dopf, der Sänger und Gitarrist von Ampersphere, hilft bei Colaris am Bass aus. Beide Bands haben momentan nämlich ein kleines Besetzungsproblem, weil beiden der Bassist fehlt. Daher noch einmal der Hinweis, dass Bassisten, die Interesse daran haben, Mitglied von Ampersphere oder Colaris zu werden, sich am besten einmal selbst mit einer der Bands oder mit beiden in Verbindung setzen.

Zu Ampersphere gehören außer Sascha und Jessie der Gitarrist Thorsten Winkler, der ab und zu Backgroundvocals beisteuert, sowie der Schlagzeuger Ronny Stenger, der ebenfalls einige Gesangsparts hat.

Gleich beim ersten Song, „Underground Mine Fire“, zeigte Sascha, dass er vocalmäßig nicht nur den Klargesang beherrscht, sondern auch gepflegt brüllen kann. Dieses Lied eröffnet auch das im Jahr 2011 veröffentlichte Album „Blue Amperience“, das insgesamt 14 Songs umfasst, jedoch wurde an jenem Abend nur noch ein weiteres „Blue Amperience“-Stück gespielt, und zwar „Retrospect“ als fünftes Lied. Die restlichen Lieder sind einerseits neue Lieder (z.B. „Prophets“) und stammen andererseits von der Split-EP mit Colaris (beispielsweise „No End In Sight“, das ganz zart und melancholisch beginnt, bis auf einmal sämtliche Instrumente mal kurz dazwischenbollern, und in diesem Wechsel geht das dann auch weiter, bis das Lied nach etwa zwei Minuten eine neue Entwicklung nimmt – großartig!).

Ich hatte das größte Vergnügen beim Zuschauen und Zuhören und war froh, dass die Band insgesamt acht Lieder spielte, und zwar folgende:
Underground Mine Fire
No End In Sight
Worst Case Reality
Prophets
Retrospect
The Forgotten
Spark Of Hope
The Way Of Origin

„The Way Of Origin“ an den Schluss zu setzen, betrachte ich als grandios, denn der sehr stark im Gedächtnis bleibende Part „Will this focus ever shift / This new life will be a gift / So I can be true to myself“ ist das ideale Outro, das locker noch fünf Minuten länger gespielt werden kann und das man so schnell nicht wieder aus dem Gehör bekommt.

Das nächste Konzert von Ampersphere findet am 25.11.2014 im Zweibrücker Hobbitkeller statt (zusammen mit 21 Octayne).

Man musste zwar keinen Eintritt bezahlen, um Zugang zur Konzerthalle zu erhalten, aber im Laufe des Abends wurde ein Hut herumgereicht, in den jeder das, was ihm angemessen schien, hineinbezahlen sollte. Das finde ich eine gute Idee, denn so kann jeder Besucher geben, was er will und kann, und die Bands oder wer auch immer den Erlös erhielt, hatte auch etwas davon. Vielleicht wurden auf diese Art und Weise sogar mehr Besucher angelockt, als wenn ein fixer Eintrittspreis veranschlagt worden wäre. Jedenfalls war das P-Werk gut gefüllt.

Als Nächstes hatte die Coverband Tinnitus ihren Auftritt und ihre Darbietungen von bekannten Rockhymnen wie zum Beispiel die beiden Metallica-Songs „Sad But True“ und „Seek And Destroy“, Twisted Sisters „We’re Not Gonna take It“ und Liedern aus den Häusern AC/DC („Dirty Deeds“) und Neil Young („Rockin‘ In The Free World“) kamen gut an. Sänger Daniel Staudt hopste schon recht früh zum ersten Mal ins Publikum, um manchen – ob sie nun wollten oder nicht – das Mikro zum Mitsingen vor die Nase zu halten, und ich war dem jungen Mann insgeheim dankbar, dass er bei einem dieser Abgänge von der Bühne eine Wasserflasche mitgerissen hatte, die fortan so vor der Nebelmaschine lag, dass die Kunstnebelschwaden dadurch ein wenig abgewürgt wurden und ich dadurch einen etwas freieren Blick auf den Schlagzeuger Andreas Haßler sowie auf den Bassisten Sven Kuhnert, der in einem ziemlich dunklen Eckchen seiner Tätigkeit nachging, hatte.

Während der eine Gitarrist Christian Schneider, der ab und zu auch in ein für ihn bereitgestelltes Mikro sang, eine Ibanez spielte, benutzte sein Kollege am anderen Sechssaiter, Andreas Morsing, eine Gitarre, die ich so noch nie gesehen hatte, zumindest nicht bewusst. Einen V-förmigen Korpus kennt man ja, aber dass in die Kopfplatte ein V eingelassen ist, durch das man durchschauen konnte, war neu für mich. Das müsste ein Exemplar aus der DBZ Venom-Reihe sein, und zwar in der Linkshänder-Ausgabe. Ich bin ja immer wieder verblüfft, wie viele Gitarrensorten und -marken ich noch nicht kenne, und das ging am nächsten Tag beim Konzert von Kadavar, wo der Gitarrist der Vorband Spidergawd eine ungewöhnliche Gitarre benutzte, gerade so weiter!

.
Es war schon gegen 23 Uhr, als die vier Musiker von Membran sich startklar machten und ich hatte, obwohl ich die Band bis dahin noch nie live erlebt hatte, schon erwartet, dass den Zuschauern da etwas, das leicht bis mittelschwer aus dem Rahmen fällt und nicht jedermanns Geschmack trifft, bevorsteht, und genauso war es.

Die Songstrukturen sind zum Teil sehr experimentell, wie auch der Gesang, bei dem von clean vocals über hohe, tiefe und durch diverse Stimmverzerrer dementsprechend blechern klingende Töne bis hin zu Gebrüll, Gequieke und Gesang durch ein Megafon alles dabei ist, entsprechende Gestik, Mimik und Körperhaltung inklusive. Eine solche Performance polarisiert und erfordert einige Courage, und ich schätze, an Selbstbewusstsein mangelt es Frontmann Jörn Dreßler nicht. Er ist derjenige, der den Gig schaukelt, voll aus sich herausgeht und mit dem Publikum interagiert, zum Teil Nase an Nase, während Roland Jene (Schlagzeug), Kris Schulte (Gitarre) und Jörg Engel (Bass) einfach ihre Instrumente spielen und ab und zu ein wenig mitsingen. Apropos Instrumente: Schade dass Jörns Gitarre, die er >hier< vorstellte, an diesem Abend nicht zum Einsatz kam! Aber Kris‘ Epiphone (Zakk Wylde Les Paul Bullseye?) ist ja auch ein absoluter Hingucker!

Trotz der Eigenart der Musik dieses Quartetts, das den Bibabutzemann herumgehen lässt, tauchten in meinem Hirn schon recht früh die Assoziationen Dead Kennedys / Lard, Korn und Marilyn Manson auf, aber die Umschreibung „unbefuckinglievable schizophonic lifestyle“ auf der Facebookseite der Band trifft natürlich voll ins Schwarze. Dort ist auch ein wunderbarer, etwas umfangreicherer Text über Membran aus dem Online-Magazin Rocktimes zu lesen, der der Musikstil und Jörns vielfältige Arten des Lauteformens absolut treffend und besser, als ich es je könnte, in Worte fasst. Wer sich angesichts dieser Beschreibung wundert, wie sich das Ganze anhört, schaut sich am besten selbst einmal ein Konzert von Membran an. Die nächste Gelegenheit dazu hat man am 1. November 2014, dann treten die vier Musiker in Hofheim am Taunus (Jazzkeller) auf. Dabei wird man feststellen, dass man trotz aller Schnörkel und Spielereien auch ganz gut im Takt mitwippen kann.

Zu hören gab es laut Setlist die folgenden Lieder:
Schizophonic Lifestyle
Dogface
Awake
Graceful
The Game
Incrowd
Wicked
Sorry
Jawbreaker
und noch eins, das ich aber nicht enziffern kann… Hilfe?!

Dr. Caligari

Ich fand den Gig sehr unterhaltsam, auch die „weil’s hier so schön ist“ gespielte Zugabe, obwohl dafür eigentlich gar keine Zeit mehr war. Allerdings hatten die vier Herren von Membran zu allem Übel auch noch eine eigene Nebelmaschine mitgebracht – als wäre nicht schon genug Nebel in da house gewesen… Fotografiertechnisch für mich ein absolutes Fiasko, aber irgendwann erinnerte ich mich daran, dass die Schwarz-Weiß-Funktion meiner Kamera in solchen Fällen oft schon ganz gute Ergebnisse erzielt hatte, und siehe da…

Danach kam endlich die Zeit für den eigentlichen Gastgeber des Abends, Ultrahocherhitzt, die ihr zehnjähriges Bandjubiläum feierten. Blöderweise war die Laune unseres Bekannten angesichts der vorgerückten Stunde ebenfalls ultrahocherhitzt und jegliche Lust auf weitere Livemusik abgetötet, sodass wir auf die letzte Band, zugleich die dritte Coverband des Abends, verzichteten und nach Hause fuhren…

Advertisements

Über luuuzie

https://luzieswelt.wordpress.com/ http://linsengemurmel.wordpress.com/
Dieser Beitrag wurde unter Konzertbericht abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s