Surrender The Crown und Toby Breitenbach in Saarbrücken (Kleiner Klub, 18.10.14)

In den Kleinen Klub der Garage in Saarbrücken gehe ich supergerne, um mir Konzerte anzuschauen, denn ich finde, das ist eine total gemütliche Location in genau der richtigen Größe, und auf den Gig von Surrender The Crown freute ich mich schon, seit ich das Quintett Ende Juni zum letzten Mal live erlebt hatte.

DSCF7419Ats Die Beleuchtungsverhältnisse im Kleinen Klub brachten mich als Fotografierwütige ohne professionelles Equipment allerdings schon oft an den Rand der Verzweiflung. Ich hatte sogar schon ein paarmal überlegt, dort einfach ohne Kamera aufzukreuzen und, falls es mir wie üblich später in den Fingern lockt, den Konzertbericht dann eben ohne Bilder zu veröffentlichen. Aber man kennt sich ja und ich fürchte, mein Gejammer über die nicht vorhandenen Erinnerungsfotos, egal wie verwackelt und verpixelt sie auch sein mögen, würde nicht nur mein Umfeld in den Wahnsinn treiben, sondern auch mich selbst. Außerdem wäre vermutlich genau an DEM Tag, an dem ich ohne Knipsmaschine dort anrücke, das Licht ideal. Also hatte ich auch diesmal meine Fuji dabei, und hatte natürlich vorher nett angefragt, ob das in Ordnung ist, ein paar Fotos zu machen. (Wobei „ein paar“ in dem Fall zu „tonnenweise“ wurde, denn wenn es so schummrig ist, brauche ich viele Versuche, bis ein paar Bilder in akzeptabler Qualität entstehen. Also, liebe Musiker, versteht das bitte nicht falsch, wenn ihr mich ständig hinterm Objektiv seht; ich bin nicht besessen und muss nicht jede Bewegung von euch fotografisch festhalten, um glücklich zu sein, ich versuche bloß, vielleicht drei Dutzend Fotos in halbwegs manierlicher Qualität mit nach Hause zu nehmen und sollte allmählich vielleicht doch mal in Erwägung ziehen, mir eine „richtige“ Kamera für solche Gelegenheiten anzuschaffen. Irgendwelche Tipps?)

Zunächst zog es mich an den Merchandise-Stand von Surrender The Crown, der mit einem schicken beleuchteten Schild kenntlich gemacht war.

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An diesem Samstagabend verkaufte die saarländische Band zum ersten Mal ihre Shirts und ich bin sehr froh darum, dass die Musiker daran gedacht haben, die Kleidungsstücke auch in diversen Lady-Größen anfertigen zu lassen. Meins ist jedenfalls wie gemacht für mich und in Anbetracht der Tatsache, dass ich shoppen gehen hasse wie die Pest, freue ich mich immer darüber, wenn ich bei solchen ohnehin wunderbaren Events auch mal wieder etwas Neues zum Anziehen ergattere!

Surrender The Crown T-Shirt

Wer auch so ein hübsches Shirt haben möchte, fragt am besten über die Facebookseite oder die Homepage der Band nach, wie man da am besten drankommt.

Bevor Surrender The Crown mit ihrem Auftritt begannen, gehörte die Bühne aber erst einmal zwei anderen Musikern: Toby Breitenbach hatte neben zweier Akustikgitarren und einigen Liedern in deutscher Sprache einen jungen Mann namens Luke dabei, der Violine spielte und ab und zu auch mitsang. Der Singer/Songwriter aus Frankfurt bot, wie man es auf seiner Facebookseite lesen kann, „Songs aus dem Leben – für das Leben“. So erzählen seine Lieder zum Beispiel von Kriegern, die gerufen werden, weil sie musikalisch auf derselben Wellenlänge liegen wie der Sprecher im Text, oder von einem lichterloh brennenden Herzen, das sich darüber wundert, dass am Tag zuvor alles Zwischenmenschliche, was da jetzt in Scherben liegt, noch normal war.

Zwischendrin plauderte der Musiker ein wenig mit den Zuschauern, die er nach seiner Aussage kaum sehen konnte, weil das Licht ihn so blendete und weil zudem so viel Nebel im Saale war, erzählte von seinem Bummel durch Saarbrücken mit Luke, was wohl ganz nett war, und erkundigte sich, ob die Musik zu laut sei. Aber nicht doch! Zumindest nicht für meine Ohren, die bei Konzerten immer mit earplugs zugestöpselt sind. (eine der wenigen Ausnahmen: das Konzert von Eric Clapton in der Frankfurter Festhalle – dort oben im 2. Rang hielt ich es tatsächlich ohne Ohrenstöpsel aus!)

Musikalisch war die erste halbe Stunde Livemusik des Abends im Vergleich zu dem, was danach folgte, schon so eine Art Kontrastprogramm und auch wenn diese Art der Musik im Alltag sicherlich nicht my cup of tea ist, fand ich das Ganze in der Livesituation, mit den beiden Musikern vor Augen, sehr schön. Gerade die Kombination aus Gitarre und Geige (die Saiten mal „normal“ gespielt mit dem Bogen, mal gezupft) hatte einen ganz besonderen Reiz. Außerdem genoss ich es, mal wieder eine Taylor-Gitarre vor der Nase zu haben und darüber hinaus eine Martin-Gitarre, deren Korpus mit Sternchen-Aufklebern ziemlich klein war, so dass ich darüber rätselte, ob es sich dabei um eine Kindergitarre handelte. Auf jeden Fall dürfte das gute Stück aus der Little Martin Serie stammen.

In ein paar Tagen geht es für Toby ins Studio, wo er seine Songs für ein Album aufnimmt. Gespielt wurden in Saarbrücken folgende Lieder:
Zeit vergeht
Ehrlich
Krieger
1000 Tage
Lichterloh
Raus aufs Meer
Blind
Die Schlussrechnung (Hierzu gibt es bereits ein Video.)

Für eine etwas größere Version hier und bei der anderen Galerie bitte auf das jeweilige Foto klicken!

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Schon als Patrick Meyer unmittelbar vor dem Auftritt von Surrender The Crown testete, ob alle seine Gitarren einwandfrei funktionieren, fiel mir auf, dass da zwei Gitarren dabei sind, die ich bis dahin noch nicht gesehen hatte, die neue MGH und eine andere, wobei das aber auch die Ernie Ball Music Man John Petrucci Signature gewesen sein könnte, die in Trier mit von der Partie war. Vorm Konzert war Patrick im Umgang mit seinen Instrumenten ein wenig zu hektisch, als dass ich das Kleingedruckte am Kopf hätte entziffern können und ich wollte ihn auch nicht einfach anquatschen und bei seinen Vorbereitungen stören, später war’s zu düster und vernebelt, um irgendwelche Mini-Schriften lesen zu können, und nach dem Konzert hatte ich wieder total vergessen, dass ich ja noch eine Gitarrenfrage hatte. Oh well… das Alter…

Surrender The Crown starteten mit einem coolen Intro, sowohl akustisch („Ladies and gentlemen“ von Saliva müsste das gewesen sein) als auch visuell, denn die blau-rote Lichtkombination, die einige Minuten lang zu sehen war, während die Musiker sich noch backstage aufhielten, hatte was!

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Kaum waren Matthias Braun (Gesang), Patrick Meyer (Gitarre), Philipp Köhl (Gitarre), Oliver Quinten (Bass) und Matthias Schmidt (Schlagzeug) auf der Bühne, rockten sie bei dezenter Beleuchtung zu „Fall Like Rain“ so heftig, dass ich angesichts der kläglichen Ergebnisse auf meinem Kameradisplay erst einmal beschloss, mit weiteren fotografischen Unternehmungen abzuwarten, bis die Herren ein bisschen aus der Puste sind und etwas doucement machten. Das dauerte aber eine Weile, denn mit „Bleed For This“ und dem nicht vom Debütalbum „What We Think Defines Us“ stammenden Lied „Through The Black“ ging es genauso rockig und elanvoll weiter, inklusive diverser Zusatzlicks by Meyer, die von mir immer die höchste Konzentration darauf, in diesen Momenten vor lauter Geflashtsein nicht allzu blöd aus der Wäsche zu gucken, erfordern. Ich versuchte noch ein paarmal mein Glück mit der Kamera, wechselte aber immer wieder selbst in den Mitrock-Modus und dann folgte auch noch „Open The Gates“ – Wer, bitte, kann bei diesem Lied stillstehen?! –, und jeder, der das Album bereits kennt, wurde von Matthias zum Mitsingen aufgefordert. (Wer das Album noch nicht kennt, sollte das ändern, man kann es sich dort anhören.)

Erst dann wurde es etwas ruhiger mit dem Titeltrack des Albums und während bei den bisherigen Livedarbietungen dieses Liedes der Pianopart in der Regel von einem Computer beigesteuert wurde, spielte diesmal Patrick die Melodie auf einer seiner Gitarren (und zwar auf der MGH). Anschließend konnte der andere Gitarrist Philipp sich und seiner ESP sogar eine kleine Pause gönnen, während Patrick, die E-Gitarre immer noch umgehängt, an die auf einem Ständer montierte Akustikgitarre von Garrison wechselte, um „Another Journey’s End“, also ein weiteres langsames und eher zartes Lied, darauf zu begleiten.

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Irgendwelche Superüberraschungen hätte ich nicht gebraucht (na ja, taghelles Licht vielleicht 😉 ), ich hatte ja mein T-Shirt und bis dahin sieben wunderbare Songs gehört, aber es ist klar, dass Surrender The Crown jetzt nicht jahrelang dieselben Lieder wie immer spielen. Es gibt wohl schon einige neue Tracks und auch bis zur Produktion des neuen Albums wird es so lang nicht mehr dauern. Kein Wunder also, dass die Zuhörer an diesem Abend mit einem ganz neuen Stück verwöhnt wurden, und was für eins! „Better Way“ heißt es auf der Setlist und bei diesem Lied ging es wieder ganz schön zur Sache! Gitarrist Philipp, der übrigens die herrlichsten Tattoos hat und seit einiger Zeit Bart trägt, ließ nur so die Haare fliegen und auch Schlagzeuger Mätty Schmidt war ab und zu so mitgerissen von seinen Beats, dass er aufstand und ein paar Takte im Stehen absolvierte, die Arme mit den Sticks weit in die Luft gestreckt, bevor sie auf die Trommeln niederprasselten. Es ist wirklich faszinierend, ihm bei der Arbeit zuzusehen! Auch der andere Matthias, also der Mann am Mikrofon, performte mit vollem Körpereinsatz und riss ständig den linken Arm in die Höhe, nicht nur bei dem ins Ohr gehenden Refrain. Er fand sogar die Zeit, mitten im Song die Zuschauer anzusprechen und nachzufragen, ob alles gut ist, und erklärte nach „Better Way“, dass Philipp für diesen Song verantwortlich ist und dass der Gitarrist es ein bisschen schneller und härter mag.

Anschließend gewährte „Right Now, Right Here“ dem Publikum und der Band wieder eine kleine Verschnaufpause. Na ja, sagen wir mal vier Fünftel der Band konnte es etwas ruhiger angehen lassen, während Patrick trotz Codewort „Piezo“, das an den Tontechniker gerichtet war, ganz schön herumrödelte, weil von Anfang an die Technik nicht so wollte, wie sie sollte. Matthias nutzte die Zeit zum Vorstellen der Bandmitglieder und der für Ton und Licht zuständigen Personen, bis dann alles klar war für „Right Now, Right Here“. Oder auch nicht. Bei diesem Lied spielt Patrick ja die E-Gitarre im Wechsel mit der Akustikgitarre und diesmal klappte der Übergang nicht immer so reibungslos wie sonst, aber who cares, meiner Laune tat das keinen Abbruch und es waren ja wirklich nur ein paar Momente, die nicht perfekt waren. Ist ja nicht so, dass das ganze Lied dadurch verhunzt gewesen wäre, dafür sind die Musiker einfach zu gut. Und außerdem fällt mir da gerade der Spruch „The perfection lies in the imperfection“ ein.

Fetzig ging’s weiter mit Metallicas „Creeping Death“, das seit einiger Zeit fester Bestandteil von Surrender The Crown Konzerten ist, inklusive Aufforderung zum Mitgrölen und Arme-in-die-Luft-Strecken, und danach mit dem bandeigenen Lied „Life On Hold“, bevor das Tempo Stück für Stück reduziert wurde, um den Hauptteil des Auftritts zu beenden („Life On Hold“, gefolgt von „Be My Conscience“). Zuvor hatte Matthias das Publikum aber noch dazu aufgefordert, lautstärkemäßig so richtig Gas zu geben. So wie er seinen Arm anhebt, sollte auch das Geschrei und der Applaus der Zuschauer anschwellen und nach ein paarmal Üben klappte das auch richtig gut.

DSCF7848ts Irgendwann im Laufe des Abends hatte der Sänger sich auch bei Toby Breitenbach und Luke bedankt und darauf hingewiesen, dass eigentlich Thorny Roses mit Surrender The Crown spielen sollten, was aber aufgrund der Krankheit des Sängers, die eine Operation erfodert hatte, nicht möglich war. Auch von dieser Stelle noch einmal gute Genesung!

Natürlich gab es nach den 12 (mit Intro 13) gespielten Liedern noch Nachschlag, und dabei stand dann die nächste Überraschung an: Die Leute im Kleinen Klub bekamen eine neue, noch titellose Ballade zu hören, nur mit Patrick an der Gitarre und Matthias am Mikrofon – und mit Luke an der Geige. Weil der Violinst nachmittags schon vor Ort war, nahm man ihn für das neue Lied einfach mit ins Boot, sodass er ganz spontan ein paar Melodien dazu entwickelte und diese zusammen mit Patrick und Matthias zum Besten gab. Sehr beeindruckend! Und was für ein wunderschönes Lied! Das sorgt bestimmt auch ohne Geigenklänge für Gänsehaut und daran sieht man wieder, dass es die fünf Herren echt draufhaben – abrocken wie’s Tier und im nächsten Moment ganz zart und gefühlvoll sein, das ist die Musikmischung, die funktioniert und die wirkt! Mensch, was freu ich mich jetzt schon auf das neue Album!

Zum Abschluss konnte man noch einmal Surrender The Crown in der kompletten Besetzung bejubeln und das Lied hätte fast nicht besser gewählt sein können: „Give Me A Name“, das heißt: noch einmal eine volle Dosis musikalisches Dynamit und ein letztes Mal kräftig mitsingen, headbangen, abgehen!

Vielen, vielen Dank für diesen hervorragenden Abend!

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