GaS goes Rock Festival (Neunkirchen, 11.10.14) – Teil 2

GaS goes Rock LineupWie ich die Bands When We Collide, Monkey On Fire, Me In A Million und Indelicate beim GaS goes Rock Festival 2014 erlebt habe, habe ich in Teil 1 meines Berichts dargelegt. Hier geht es weiter mit meinen Eindrücken zu den drei restlichen Bands aus dem Abendprogramm.

Stereo Dynamite kamen zum Musizieren aus Freiburg angereist und dass das geklappt hat, war ein kleines bisschen Glückssache, denn ein paar Tage vor dem GaS goes Rock Festival war der Bandbus kaputt gegangen. Da aber jede Menge Equipment vor Ort war und Indelicate mit ihrer Ausrüstung den drei Musikern aus Baden-Württemberg ein wenig aushalfen, genügte ein normales Auto, um die drei jungen Männer und das Allernötigste (Gitarre, Bass etc.) ins schöne Saarland zu befördern.

Bassist Fabian Maier war wegen seiner Handverletzung, die immer noch nicht ganz auskuriert ist, jedoch nicht mit von der Partie. In Vertretung für ihn zupfte Hanni (wie Johannes Sauter von allen genannt wird) wie schon bei einigen anderen Gigs der letzten Wochen die Saiten an einem Squier-Bass und sang ab und zu ein paar Vocals in ein eigenes Mikro, während Matthias Gänswein seinen Aufgaben als Hauptsänger und Gitarrist nachkam und Markus Gäschi für die richtigen Drumbeats sorgte. Ich brauche wohl kaum zu erwähnen, was für eine Wonne das für mich war, Matzes Linkshänder-Gitarre einmal direkt vor der Nase zu haben!

Das Intro des Powertrios – Glenn Freys „The Heat Is On“ – weckte in mir die Assoziationen „tiefste Achtziger“ und „Beverly Hills Cop“, aber weder Saxofone noch Eddie Murphy spielten während der folgenden Stunde eine Rolle (zum Glück, wenn ich das mal so schreiben darf). Die Musik von Stereo Dynamite dürfte sich in der Schublade „Melodiöser Punkrock“ wohlfühlen und dementsprechend ging es auch im Zuschauerbereich ab, wo es sich ein paar junge Leute nicht nehmen ließen, die eine oder andere wilde Pogo-Aktion durchzuführen – zusammen mit den Mädels von Indelicate.

Gespielt wurden einerseits Lieder von der im Jahr 2011 veröffentlichten EP „We Are The Dynamite“, die man sich inklusive Cover und Texten kostenlos über die Bandhomepage downloaden kann. Andererseits gab es auch einige neuere Songs aus dem Album „Lifeline Stories“, das am 6. Dezember 2014 auf den Markt kommen wird, zu hören, „Circle“ beispielsweise, das mich ein wenig an Rise Against denken lässt und das auf Soundcloud zum Anhören bereitsteht.

Für eine etwas größere Version hier und bei den anderen Galerien bitte auf das jeweilige Foto klicken!

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Nach dem Dreierpack aus Freiburg ging es auf der Steinwald-Bühne weiter mit einem Trio aus dem Saarland: Johnboy hatten aber keinen Punkrock mit im Gepäck, sondern bedienen eher die Sparte „kräftiger, riffbetonter Rock“ oder, wie es die Band selber ausdrückt, „pure heavy sound“.

Wie drei Tage zuvor, als Dom (Gesang, Gitarre), Addi (Bass, Backgroundgesang) und Tobias (Schlagzeug) im Vorprogramm von New Model Army die Bühne der Garage rockten >klick<, eröffneten die drei ihr Programm mit „Saints“ vom letzten, 2013 veröffentlichten Album „Custom“. Schon nach diesem (Oder war’s nach dem zweiten Lied?) meinte Dom, dass er total erkältet sei und nicht wisse, ob er den Auftritt wie geplant zu Ende führen könne, aber aufmunternde Zurufe aus dem Publikum ließen Johnboy erst einmal weitermusizieren und ich fand auch, dass sich das Ganze bis dahin ziemlich gut angehört hatte. Allerdings schien Dom sich wesentlich mehr zu quälen, als man zunächst merkte, denn kurze Zeit später sagte er, es ginge nicht mehr, seine Stimme wäre total weg, woraufhin die Gesichtsfarbe von Cheforganisatorin Sandra Rupp, die zu dem Zeitpunkt neben mir stand, mal kurz in Richtung kreidebleich wechselte und auch ich hatte den Eindruck, dass das Johnboy-Konzert nun zu Ende wäre, zumal Dom sich erkundigte, ob jemand von den Zuschauern Gitarre spielen könne und mit den Texten der Johnboy-Lieder vertraut sei. Einige Zuschauer grölten in Richtung Bühne, dass Addi singen soll, andere meinten, das Publikum könnte ja die Gesangsparts übernehmen und die Band überlegte sich, welche Songs nicht allzu viele Gesangsanteile haben.

Und die Show ging weiter! Das rechne ich den dreien, vor allem Dom, sehr hoch an, denn jeder weiß, wie elend man sich fühlt, wenn man so richtig erkältet ist. Das Problem dabei ist ja nicht nur die reduzierte Stimmgewalt, sondern man ist bei einer Erkältung in der Regel körperlich so schlapp, dass man es gerade so auf der Couch unter einer kuscheligen Decke aushält und das Mit-Gitarre-aufrecht-auf-der-Bühne-Stehen schon einen Kraftakt darstellt! Und Dom schien wirklich arg zu kämpfen, ihm standen die Schweißperlen auf der Stirn und für ihn wäre es sicherlich das Beste gewesen, das Konzert abzubrechen. Aus Publikumsicht folgte ein außergewöhnlicher, urkomischer und sehr kurzweiliger Johnboy-Auftritt, denn sowohl Dom als auch seine Bandkollegen zeigten, welches Entertainer-Potenzial in ihnen steckt.

So blickte Schlagzeuger Tobi immer wieder von seinem Platz hinterm Drumkit aus auf die Setlist, um zusammen mit Dom und Addi Lieder herauszusuchen, die man spielen könnte, ohne Doms Kehle zu arg zu strapazieren, und lustige Konversationen (ein an den Sänger gerichtetes „Was kannsche dann?“ zum Beispiel) entsponnen sich. Ganz unerwartet hatte so endlich auch einmal Tobias einen ganz großen Auftritt, erst recht als er auf Geheiß seiner beiden Kollegen ein weiteres Lied auswählen sollte. Sein Kommentar, dass er seit zehn Jahren in dieser Band spielt und noch nie etwas auswählen durfte, trug natürlich auch wieder zur allgemeinen Erheiterung bei.

Genauso wie Addis Angus-Young-ähnliche Moves am Bass und seine Bemühungen, das Publikum bei „Die Alone“ zum Mitsingen des „oooo-hooooo-hoooo-hoooo-hooo-hooo-hooo“-Parts zu bewegen, was zunächst einmal geübt wurde. Bloß die Stimmung des Frontmanns war durch nichts aufzuheitern, auch nicht durch die regelmäßige Einnahme kehlekühlenden Gerstensafts. Nach jedem Song entschuldigte er sich für die seiner Ansicht nach grauenhafte Performance, es war sogar die Rede davon, dass sämtliche Smartphones am Ausgang konfisziert würden, damit bloß alle eventuell vorhandenen audiovisuellen Dokumentationen dieses Auftritts niemals an die Öffentlichkeit dringen können. Aber SO schlimm war es wirklich nicht (wobei ich die Unzufriedenheit des Bandleaders durchaus verstehen kann); man hörte zwar zunehmend, dass Dom ziemlich am Krächzen war, aber durch das ganze Drumherum war die Situation einfach nur saukomisch und es ist der Band, wie bereits erwähnt, hoch anzurechnen, dass sie das Ganze überhaupt durchgezogen haben. Mit dem Ergebnis, dass Dom gesundheitlich in der Woche danach total geschreddert war und es trotz Klappehalten, Schal und Salbeitee fraglich war, ob Johnboy wie geplant am 18.10. als Support für die Nitrogods in Filderstadt auftreten können.

Ein Interview mit Johnboy existiert auf der GaS goes Rock Homepage.

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Gegen 23 Uhr war dann der ganze große Moment gekommen. Auch wenn ich die Auftritte aller Bands sehr genossen hatte und ich mir die Musiker irgendwann sicherlich noch einmal beim Konzert anschauen werde, freute ich mich ganz besonders darauf, Steak Number Eight noch einmal live bewundern zu können. Ich kenne die Band erst seit Anfang des Jahres, aber ähnlich wie vor einigen Monaten im Kleinen Klub der Garage >klick zum Konzertbericht< war ich auch in Neunkirchen nach wenigen Takten von „Cryogenius“, das den Auftritt der Belgier beim GaS goes Rock eröffnete, total geflasht – Ich liebe diese schrägen Gitarrenklänge so sehr! –und spürte dieses angenehme Kribbelgefühl in der Herzgegend.

Vergleichbar mit dem Konzert in Saarbrücken war auch die Sicht auf die Musiker. Man hatte zwar die Möglichkeit, recht nah heranzukommen, aber kaum war der Linecheck beendet, wurde die Bühne schön mit Nebel zugepustet, und all diejenigen, die nicht versuchten, halbwegs ordentliche Bilder von Sänger und Gitarrist Brent Vanneste, Gitarrist Cis Deman, Bassist Jesse Surmont und Schlagzeuger Joris Casier hinzubekommen, konnten sich an dem sehr ansprechenden Lichtspektakel erfreuen.

An welchen berauschenden Substanzen sich die Bandmitglieder bei ihrer Anreise erfreut hatten, entzieht sich meiner Kenntnis, aber es fiel schon auf, dass Brent bei manchen akrobatischen Einlagen mit seiner Gitarre nicht hundertprozentig stolpersicher war, wenn der Monitor ihm in die Quere kam… Musikalisch war die Performance aber einwandfrei und es kam mir so vor, als würden die Musiker jede Note mit Leib und Seele spüren, sowohl bei den härteren, metalrifflastigen Parts als auch bei den zarteren Post-Rock-artigen Anteilen, und auch Brents Gesang schien aus dem tiefsten Inneren des jungen Mannes zu kommen.

Für den sehr leidenschaftlichen, eine Stunde dauernden Auftritt hatten Steak Number Eight aus ihrer inzwischen drei Alben umfassenden Diskographie etliche Lieder, die ich ganz besonders mag, ausgewählt. Dazu gehören neben dem bereits erwähnten „Cryogenius“, das auch der Opener auf dem aktuellen Album „The Hutch“ ist, zum Beispiel „Dickhead“ (da stehen manchen angesichts des Niveaus der Lyrics vermutlich die Haare zu Berge, aber es ist der ideale Song zum Aggressionsabbau und die Musik allein ist soooo genial) und „Pyromaniac“, beide vom 2011 veröffentlichten Longplayer „All Is Chaos“, sowie „Exile Of Our Marrow“ aus „The Hutch“. Die Belgier hatten auch neue Songs mit dabei, auf der Setlist betitelt mit „Das Metal“, „Kolomon“ und „Walt“. Meine Leser können sich ja denken, dass ich bei so viel Liebe für diese Band schon ganz gespannt bin auf deren neues Album, das Anfang 2015 fertig sein soll.

Vorher geht es aber noch einmal auf Tour quer durch Europa und ich bin sehr froh, dass das eine oder andere Konzert sogar in meinen Terminkalender passt! Ein Interview mit Steak-Frontmann Brent Vanneste findet man auf der GaS goes Rock Homepage.

Wer die Musik von Steak Number Eight noch nicht kennt, wird auf der Soundcloud-Seite der Band fündig.

Auch dieses Jahr merkte man wieder, wie viel Herzblut und Arbeit Sandra Rupp und ihre Schüler investiert haben, damit beim GaS goes Rock Festival 2014 alles wie am Schnürchen läuft und sich die Bands und natürlich auch die Zuschauer und alle, die irgendwie involviert waren, wohlfühlen. Vielen, vielen Dank für den wunderbaren Festivaltag!

Der Termin für die nächste Edition des GaS goes Rock Festivals steht bereits fest: Am 10.10.2015 wird die Aula des Neunkircher Gymansiums am Steinwald erneut mit rockigen Klängen beschallt werden!

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