GaS goes Rock Festival (Neunkirchen, 11.10.14) – Teil 1

Wer Anfang Oktober die Neunkircher Fernstraße entlangfuhr, konnte schon an dem Banner beim Busbahnhof am Weg zum Gymnasium am Steinwald erkennen, dass die Aula am 11.10. wieder in eine Konzerthalle umfunktioniert werden würde. Es war wieder die Zeit fürs GaS goes Rock Festival gekommen, und zwar bereits zum vierten Mal. Nach zwei Editionen im Mai und einem Akustikfestival im Januar soll nun der Oktober der Zeitraum für die nächsten Festivals dieser Art bleiben, um sämtlichen Fußballevents als Konkurrenzveranstaltungen und dem auf Schüler- wie Lehrerseite lastenden Abiturdruck aus dem Weg zu gehen.
Geplant wurde das Ganze wie bisher in erster Linie von Sandra Rupp und Schülern (gemeint sind männliche und weibliche, aber das schreibe ich jetzt nicht jedesmal dazu) aus ihrem Seminarfach sowie der eigens für das Festival ins Leben gerufenen AG.

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Bei der Zusammenstellung der Bands wurde wie jedesmal darauf geachtet, eine recht breite Palette von Musikstilen abzudecken, damit möglichst viele Leute von dem Konzept angesprochen werden. So gab es Hardcore mit clean vocals und Gebrüll, unaufdringlich eingestreute Electroparts, punkigere und eher „kernige“ Rockmusik, die aber auch Platz für balladenartiges Musikgut ließ, und die eher metalrifflastige Komponente bis hin zu instrumentalen Post-Rock-Sequenzen – bloß die ursprünglich fest eingeplante Dosis Ska musste wegen einer terminlichen Kollision zugunsten von Punk-/Alternativerock ausfallen.

Das Organisationsteam tat einiges, um das Festival angemessen zu bewerben: Flyer wurden an möglichst vielen Stellen verteilt, Plakate aufgehängt, des Weiteren stattete Sandra Rupp mit einigen Schülern und Bandmitgliedern Besuche bei mehreren Radiosendern (Radio Neunkirchen, Classic Rock Radio, Unser Ding) ab und auch über diverse Social-media-Plattformen wurde konstant über das Event informiert.

Ein wenig bedauerlich finde ich allerdings, dass nicht alle Bands sich beim Rühren der Werbetrommel in gleichem Maße beteiligt haben. Ich dachte bisher immer, allen Musikern wäre daran gelegen, möglichst viele ihrer Fans darüber zu informieren, wann und wo sie auf der Bühne stehen, und zu versuchen, ihre Fans zu einem Konzertbesuch zu ermutigen. Dass man als Band einen Auftritt quasi verschweigt, kann ich absolut nicht nachvollziehen, das wirkt ja fast so, als würde man sich schämen, bei dieser Veranstaltung dabeizusein. Dabei hatten sich so viele Bands aus dem gesamten Bundesgebiet fürs GaS goes Rock Festival beworben und man kann sich ja vorstellen, was für ein langwieriger Prozess es für Sandra und ihre Schüler war, sich in etwa 200 Bands hineinzuhören in dem Wissen, die meisten sausen lassen zu müssen, und die Entscheidungen diesbezüglich fielen nicht gerade leicht.

Zudem erlebe ich ständig, dass über den Besuchermangel bei Konzerten gejammert wird – von Bands, Veranstaltern und Konzertbesuchern selbst –, aber wenn nicht jeder Beteiligte die Initiative ergreift und es zumindest versucht, „seine“ Leute zu mobilisieren – und sei es nur, indem man die Beiträge von anderen, die werben, bei Facebook teilt –, dann verteilen sich letzten Endes eben nur knapp 250 Leute über das Gelände.

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Als Moderatoren konnten wieder die Schüler Lukas und Moritz gewonnen werden, die jede Band unmittelbar vor ihrem Auftritt kurz vorstellten und auch über die Tombola und den Merchandise-Stand informierten, die im hinteren Bereich der Aula so ganz ohne Beleuchtung zu späterer Stunde vermutlich etwas untergingen.

Pünktlich um 16.30 Uhr startete das Programm mit der sehr energiegeladenen Performance von When We Collide. Passend zu ihrer Musik aus der Post-Hardcore-Ecke waren die vier jungen Männer im vorderen Bereich der Bühne – Vocalist Etienne Nunold, die beiden Gitarristen Josh Offenhäußer und Timo Noe und Bassist Tim Pfeiffer – ganz schön in action, während Aaron Wolter im Hintergrund an den Drums alles gab.

Die Freundschaft der fünf mit den Bandmitgliedern von Me In A Million scheint recht innig zu sein. Kein Wunder, dass der eine Vocalist der Truppe, Julian Coles, als Gastvocalist gewonnen werden konnte und mit Etienne zusammen die Lyrics von „A Drawback To Break“ darbot, ganz ähnlich wie im Frühjahr noch Julians Bruder Sascha, der damals noch Mitglied von When We Collide war, nach den ersten Gigs aber den Fokus stärker auf sein Privatleben legte und daher aus der Band ausstieg.

Etienne bedankte sich nach ein paar Songs ganz herzlich bei den Zuschauern, bei Julian und bei Sandra Rupp und lobte das Vorhaben, die Gewinne für einen guten Zweck zu spenden. Außerdem rief er alle dazu auf, selber einmal 10 € zu spenden, anstatt das Geld in irgendeinem Cafe auszugeben, denn Krankheiten können jeden betreffen.

Irgendwann realisierte ich, dass sich der Gitarrist Josh gar nicht mehr auf der Bühne befand. Sobald das Lied zu Ende war, stellte es sich heraus, dass ihm der Gitarrengurt gerissen war. Ganz fix organisierten seine Bandkollegen ihm einen Stuhl und die Show ging weiter, aber nur noch kurz, denn Etienne kündigte das letzte Lied an, obwohl der Auftritt von When We Collide laut Spielplan 45 Minuten dauern sollte, aber es waren gerade mal knapp 30 Minuten vergangen. Offenbar war der gerissene Gitarrengurt dann doch ein größeres Handicap…

Gespielt wurden folgende Lieder:
Intro
Whiskey, Smoke and Chocolate
Countless Steps
Twisted Fate
A Drawback To Break
Loose Lips Deserve Cut Throats
Phoenix

So wie der letzte Song ist auch das Debütalbum betitelt. Die Lieder sind bereits aufgenommen und fertig gemixt und die Bandmitglieder hoffen, dass die noch auszuführenden Arbeiten bald erledigt sein werden, damit das gute Stück noch in diesem Jahr veröffentlicht werden kann.

Für eine etwas größere Version hier und bei den anderen Galerien bitte auf das jeweilige Foto klicken!

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Als Nächstes sollte es eigentlich mit Ska weitergehen, aber die Greedy Bees mussten relativ kurzfristig ihren Auftritt absagen, weil einer der Musiker arbeiten musste. Da Monkey On Fire aus dem Raum St. Wendel Zeit und Lust zum Einspringen hatten, übernahmen sie die zweite Runde Livemusik und zeigten bei der Darbietung ihres Melodic-Hardcore-Skate-Punk, dass in ihnen mindestens genauso viel Elan steckt wie in der Band, die die Musiksause eröffnete. Vor allem der Sänger des Quintetts, Sven Schwarz, fegte unermüdlich über die Bühne, sprang hin und wieder und schlenkerte ab und zu das Mikrofon am Kabel im Kreis. Wenn er einmal für ein paar Takte an Ort und Stelle blieb, meist den Fuß auf den Monitor oder eine eigens dafür am vorderen Bühnenrand platzierte Box gestellt, unterstrich er seinen Gesang mit den passenden Gesten. Ein wahres Energiebündel, dieser junge Mann, während seine Kollegen an den Saiteninstrumenten – die beiden Gitarristen Maximilian Just und Felix Maldener sowie Bassist Philipp Kimmlinger – ihrer Tätigkeit etwas ruhiger nachgingen. Unterstützung am Mikrofon hatte Sven bei manchen Parts vom Schlagzeuger Daniel Schumann und auch Basser Philipp sang gelegentlich in ein eigenes Mikro.

Die Hälfte der von Monkey On Fire beim GaS goes Rock gespielten Songs stammt vom Debütalbum „Have We Met Before“, das man sich auf Soundcloud komplett anhören kann. Darüber hinaus hatten sich die fünf Musiker dafür entschieden, zwei Cover darzubieten, und zwar „Summer“ von den Beatsteaks (was die Berliner Band eine Woche zuvor beim Konzert in Luxemburg nicht gespielt hatte, weswegen ich es überaus passend fand, dieses Lied dann in diesem Rahmen zu hören) und „Radioactive“, bei dem Sven wie Imagine Dragons-Sänger Dan Reynolds eine eigens dafür bereitgestellte Trommel mit zwei blau leuchtenden Sticks schlug, allerdings nur für einen kurzen Moment. Ich finde, diesen Part hätte er, wie Dan das bei Liveperformances auch tut, später noch einmal wiederaufgreifen dürfen. Andererseits kann ich es nachvollziehen, dass man die Zeit lieber mit seinen eigenen Musikstücken füllen wollte, anstatt mit 7-Minuten-Werken anderer Künstler.

Hier die komplette Setlist von Monkey On Fire:
Intro
Anchored
How Much Does A Single Room Cost?
Access All Areas
The Last Pacifist
Summer
Got A Light?
Today Has Been Cancelled, Go Back To Bed
Radioactive
Loud’N’Murderous
Alice, We’re Not In Wonderland Anymore
Disorder

Sehr schön fand ich die lobenden Worte, die Sven an das GaS goes Rock Organisatorenteam richtete. Er sprach nämlich von der besten Organisation, die man sich vorstellen kann, wow!

Ich freute mich besonders darüber, die beiden Gitarren, die Felix neulich vorstellte >klick<, noch einmal direkt vor meinen Augen zu haben, denn mit so ein bisschen Hintergrundwissen hat man einen ganz anderen Blick auf die Instrumente.

Monkey On Fire kann man bereits am 18. Oktober wieder live erleben, und zwar in Schwarzenholz (Schulze-Kathrin-Halle) beim Back To The Roots Festival.

 

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Man erkennt an den bisherigen Fotos schon, dass die Herren Schlagzeuger leider total unterrepräsentiert sind. Dabei habe ich mindestens genauso viele Bilder von den Musikern hinterm Drumkit geschossen wie von allen anderen auch, aber für meine Kamera war es dort hinten einfach zu dunkel und mit dem daraus resultierenden Pixelsalat mag ich nicht die Öffentlichkeit belästigen.

Das wider Erwarten gute Wetter erwies sich für die nachmittags bereits auftretenden Bands als kleiner Nachteil, denn angenehme Temperaturen ließen die Besucher vor der Aula, wo Saarbucks mit veganen Köstlichkeiten lockte, auf den dort bereitgestellten Bockmöbelgarnituren verweilen. Dieses einseitige Essensangebot mag manch einen enttäuscht haben. Dass es als Alternativen keine Brezeln, Sandwiches oder Ähnliches zu kaufen gab, liegt daran, dass das der Schule aus hygienischen Gründen untersagt ist, und ein zweiter Essensstand lohnte sich angesichts der erwarteten Besucherzahl für keine der beiden Seiten. Dass die Wahl letztendlich einzig und allein auf Saarbucks fiel und nicht auf eine Rostwurstbude, liegt an deren sozialem Engagement, was ja auch perfekt zum GaS goes Rock passt, bloß dass die Gewinne des Festivals zur Unterstützung von Menschen genutzt werden, in diesem Jahr gehen sie an die Elterninitiative krebskranker Kinder. Über Saarbucks kam man aber dem Wunsch vieler Schüler, Tieren etwas Gutes zu tun, entgegen.

Bei der folgenden Band, Me In A Million, füllte sich die Bühne noch etwas mehr, denn insgesamt sechs Leute mussten sich den Platz teilen: die beiden Vocalisten Julian Coles und Luke Conrad, Bassist Florian Vogel, Max Fuss am Schlagzeug sowie die Gitarristen Daniel Weiland und David Hoffmann. Post-Hardcore war nun zum zweiten Mal an diesem Nachmittag angesagt. Zu clean vocals im Wechsel mit shouts und knackigen Riffs waren die fünf Musiker im vorderen Bühnenbereich die meiste Zeit total am Herumhüpfen, und zwar mit ihrem Instrument bzw. dem Mikro in der Hand. Allein durch diese Action wurde ganz schön Stimmung gemacht, aber natürlich forderte man die Zuschauer auch dazu auf, ihre Hände in die Luft zu strecken und die Arme hin und her zu bewegen oder zu klatschen und es dauerte nicht lang, bis Luke die Bühne verließ, um ganz nach vorne zu kommen, in den Fotograben und auf den Lautsprecherturm, und das Ganze wiederholte sich später noch ein paarmal. Auch Julian kraxelte irgendwann auf den Lautsprecherturm – barfuß – und performte eine Weile den Zuschauern direkt vor der Nase. Zwischen den Songs dudelten die Samples munter weiter, sodass es auch in den Momenten, in denen die Musiker ein wenig Luft schnappten oder sich ans Publikum wandten, nicht richtig still war.

Welche Lieder genau performt wurden, weiß ich nicht genau, da mir keine Setlist vorliegt. „PaniK“ war aber auf jeden Fall dabei und ich vermute, dass auch die anderen Songs, zu denen es auf dem You Tube-Channel der Band Videos gibt, dargeboten wurden.

Das Debütalbum „Still In The Balance“, das letztes Jahr in den USA aufgenommen wurde, wurde im März 2014 veröffentlicht.

Im November und Dezember können Me In A Million noch einige Male auf der Bühne bewundert werden, denn sie gehen mit His Statue Falls und Vitja auf Deutschlandtour. Klickt >hier< für die genauen Daten und Orte!

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Als Nächstes konnte man endlich auch einmal weibliche Wesen auf der Bühne erleben, gleich zwei, denn Indelicate haben eine Sängerin, Pinky, und eine Gitarristin, Anuschka Gödicke, die ebenfalls ab und zu in ein Mikrofon singt oder eher schreit. Zur Band gehören mit Mathias Vollmer ein weiterer Gitarrist, Bassist Oliver Donate, der auch Keyboard spielt, und Schlagzeuger Timm Heider.

Die stimmgewaltige Frau mit den pinkfarbenen Haaren forderte die Zuschauer ziemlich früh schon zum Tanzen auf und machte vor, wie man sich das zu den rockigen Klängen von Indelicate vorstellen kann. Die Band schlägt aber auch ruhigere Töne an, allerdings in moderatem Umfang, denn die fetzigen Songs stehen bei dem Quintett aus dem Raum Völklingen im Vordergrund. Bei dem als Lied mit politischer Message angekündigten Song drückte Pinky ihre Hoffnung aus, dass die Leute vor der Bühne verstehen, was hier gesungen wird. Die Sängerin benutzte dafür ein Megafon und mir ist immerhin der Vers „Stand up for humanity“ im Gedächtnis geblieben.

Anuschka und Mathias erzählten mir vor einiger Zeit, was sie an ihren Gitarren als so besonders empfinden, dass sie gerade diese Gitarren als ihre Instrumente ausgewählt haben. Schaut euch also mal Anuschkas Gitarrengeschichte und Matzes Gitarrenstory an, wenn ihr sie noch nicht kennt! Mathias benutzte beim GaS goes Rock aber nicht nur seine Black Lady, sondern auch eine Les Paul mit einem Korpus in einem Orange-sunburst-Ton. Außerdem hat der junge Mann neuerdings ein Mikrofon, Pinky ließ es sich nicht nehmen, darauf hinzuweisen, aber ich glaube, Mathias benutzte es nur, um zwischen den Songs ans Publikum gerichtet hineinzusprechen. Ich habe ihn nicht singen gesehen, aber das kann daran liegen, dass meine Augen in dem Moment einfach woanders waren.

Ähnlich wie seine beiden Kollegen an den Saiteninstrumenten spielte auch Oli nicht das ganze Set auf demselben Bass, sondern benutzte neben dem Musicman Sterling Ray34 kurz auch den Ibanez Gio, beides in der Linkshänderausführung.

Beim Lied Nr. 10 auf der hübsch gestalteten Setlist forderte Pinky alle zum Mitsingen auf, war sich jedoch nicht sicher, ob der Refrain so angemessen für den Auftritt in einer Schule ist… Sei’s drum, es herrschte in der Aula ja sowieso der Ausnahmezustand (im Vergleich zur normalen Nutzung) und außerdem gibt es ja so etwas wie die Freiheit der Kunst, also war alles gut.

Gegen Ende des Gigs folgte das zweite Beatsteaks-Cover des Tages (inklusive der Betonung, dass es das erste Mal ist, dass Indelicate ein Lied einer anderen Band spielen) und die fünf Musiker brachten das Publikum ganz „Let Me In“-typisch dazu, in die Hocke zu gehen und auf Kommando gleichzeitig aufzuspringen.

Nach etwa einer Stunde war der sehr kurzweilige Auftritt auch schon zu Ende und das war’s dann auch schon mit der Frauenquote auf der GaS goes Rock-Bühne, denn bei den nachfolgenden Bands – Stereo Dynamite, Johnboy und Steak Number Eight – musizieren nur Männer. Was ich über diese drei Bands zu sagen habe, kann inzwischen in Teil 2 meines Berichts nachgelesen werden.

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