Wanderreigen und Reysswolf in Neunkirchen (Stummsche Reithalle, 02.10.14)

Das Wochenende des Wahnsinns begann für mich bereits am Mittwoch, wobei „Wochenende“ nicht der korrekte Begriff ist, da der Donnerstag ja ein ganz normaler Arbeitstag war. Deshalb lehnte ich die Einladung eines netten Bekannten, der dienstags zwei Tickets für das Konzert von In Flames, Wovenwar und While She Sleeps in Luxemburg gewonnen hatte, zuerst einmal dankend ab und war mächtig stolz darauf, dass zumindest ab und zu die Vernunft bei mir regiert. Ich wusste ja, dass ich am Donnerstag (Wanderreigen und Reysswolf), Freitag (Driveby, Colaris und Kerretta) und Samstag (Beatsteaks und Pascow) auf Konzerten sein würde, was ja schon anstrengend genug ist. Besagter Herr aus Belgien war aber ein wenig hartnäckig und ich gebe zu, dass nicht viel Überredungskunst dafür nötig war, mir eine Zusage abzuringen, sodass ich an meinem „langen Mittwoch“ nach der Arbeit nicht nach Hause fuhr, sondern Richtung Rockhal. Die Anzahl der Stunden, die ich in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag schlafend verbracht habe, kann man sich also an einer Hand abzählen und dementsprechend erledigt kam ich am frühen Donnerstagabend an der Stummschen Reithalle in Neunkirchen an.

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Aber um nichts in der Welt hätte ich das Konzert von Wanderreigen und Reysswolf zugunsten meines Schönheitsschlafes sausen lassen, denn neulich auf der FaRK >klick< hatte ich ja nur etwa einen dreiviertel Wanderreigen-Auftritt mitbekommen und ich hätte ganz gerne wieder mal ein komplettes Set gesehen und gehört, zudem wollte auch meine Freundin vor Ort sein und so einen Mädelsabend haben wir in letzter Zeit viel zu selten. Darüber hinaus war ich einfach neugierig auf die Stummsche Reithalle, denn das letzte Mal, dass ich ein Konzert in dem altehrwürdigen Gebäude erlebt hatte, war Anfang der 1990er Jahre. Unfassbar!

Der auf der Bühne für Reysswolf bereitstehende ungewöhnlich geformte Bass – ein esh Poseidon mit dem Vornamen des Besitzers und dem Reysswolf-Logo als Inlays und dem Bandnamen auf der Kopfplatte – sowie die 7-saitige Ibanez-Gitarre zogen natürlich sofort meine Aufmerksamkeit auf sich. Erst dann nahm ich den weiter rechts abgestellten Dudelsack wahr, der in Kombination mit dem Bandnamen und dem Outfit mancher Konzertbesucher bereits andeutete, wohin die musikalische Reise gehen würde: in Richtung Mittelalter-Metal.

Für eine etwas größere Version hier und bei den anderen Galerien bitte auf das jeweilige Foto klicken!

Zahlreiche Leute scharten sich auf dem Platz vor dem Eingang zur Stummschen Reithalle. Das Wetter war an diesem Oktobertag einfach fantastisch und es war auch nach 20 Uhr noch angenehm warm. Nachdem jedoch Wanderreigen-Frontmann Benny auf dem Platz vor der Halle lautstark angekündigt hatte, dass das Konzert zehn Minuten später beginnen würde, begaben sich die vielen Leute allmählich ins Innere des Gebäudes, das seinen ganz eigenen historischen Flair besitzt.

Gegen 20.40 Uhr legten Reysswolf los und sofort wurde klar, dass hier ganz genretypisch auf Deutsch gesungen wird. Gestartet wurde mit dem Lied „Der Dorn“, zum dem es auch ein Video gibt, das gerade erst ein paar Tage zuvor veröffentlicht worden war und das parallel zu einer geschauspielerten Sequenz zeigt, wie man sich Reysswolf in action so vorstellen kann.

Sänger Fenris, im „wahren Leben“ als Stephan Zandt unterwegs, ist denjenigen, die sich in der Sparte Mittelalter-Rock ein bisschen auskennen, womöglich bekannt aus der Formation Ingrimm, die er sogar gegründet hatte, allerdings rumpelte es so heftig im bandinternen Gebälk, dass die Band seit einiger Zeit einen neuen Sänger hat. Und Fenris startet nun mit Reysswolf neu durch – „Mit Wut im Bauch und Wahrheit im Herz“, wie es der Flyer verheißt.

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Der Gitarrist im Video, vermutlich der bis vor ein paar Tagen auf der Facebook-Seite der Band genannte Frank Stadlbauer, war in Neunkirchen nicht mit von der Partie. An diesem Abend schlug Patrizius aka Patrick Ried in die Saiten und laut Aussage von Frontmann Fenris hatte der Mann an der Ibanez gerade mal drei Tage Zeit, um das Set zu üben. So souverän, wie er seine Gitarre bediente, hatte ich gar nicht den Eindruck, als wären die Lieder für ihn neu. Also: mission accomplished! Außer den beiden genannten Musikern gehören zum Reysswolf-Team Horst Zirngibl (Bass, Gesang), Reinhard Koch (Schlagzeug) und Freya die Schwarze (Dudelsack).

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Mit „Feuerkind“ ging es im selben Tempo, das zum Tanzbein-Schwingen einlädt, und gemäß dem Titel ziemlich heiß weiter, denn es geht darin um eine junge Frau, die ganz schön Feuer hat – wie auch immer der Hörer das für sich auslegen mag – und die auch gerne mit dem Feuer spielt.

Übrigens: Das Debütalbum der Wölfe, „Alpha“, ist ganz frisch auf dem Markt und ich glaube, dass diejenigen, die kraftvolle mittelalterliche Musik mit ein paar härteren Gitarrenriffs à la In Extremo mögen, die elf Songs zu schätzen wissen. Von diesem Album stammen bis auf „Wolf in der Nacht“ alle musikalischen Werke, die während des etwa 40 Minuten dauernden Auftritts gespielt wurden. Bevor das Lied über den Wolf angestimmt wurde, fragte Fenris die Zuschauer, ob sie Ozzy kennen. „Wolf in der Nacht“ ist nämlich die Reysswolf-eigene deutsche Version von Ozzy Osbournes „Shot In The Dark“.

Im Prinzip plauderte der Mann am Mikro vor jedem Song ein wenig mit dem Publikum und machte seine Witzchen, daher hatte er auch eine ganz bestimmte Einleitung zu „Der Vagant“. Die Konzertbesucher sollten sich einen Mittelaltermarkt im 16. Jahrhundert vorstellen, woraufhin sofort jemand aus dem Publikum dazwischenbrüllte: „Das Mittelalter war im 15. Jahrhundert vorbei!“ und dadurch von jemand anderem nicht weniger lautstark als „Klugscheißer“ tituliert wurde. Aber gut, wo der junge Mann Recht hat…Sei’s drum, Fenris war angesichts des Zwischenrufs zwar nicht ganz so amused, aber es ging trotzdem wohlgemut weiter.

Die meisten Zuschauer wirkten von Anfang an ziemlich begeistert, es wurde getanzt und die Arme in die Luft gereckt, manche sangen sogar mit, auch wenn’s nur das „Hey hey!“ bei „Die wilde Jagd“ war, und am Merchandise-Stand war nach dem Auftritt auch Betrieb.

Ich fand ja Horsts Bass-Solo total klasse. Das war wirklich eine coole Einlage und die Frage des Sängers „Soll ich ihn behalten?“ wurde ziemlich einstimmig positiv beantwortet.

Die mehrfach geäußerten Worte „Danke, Saarland!“ machten deutlich, dass die Band nicht aus diesem kleinen Bundesland stammt. Fenris und Kollegen waren aus Regensburg angereist, wo das Mittelalter in den hübsch restaurierten Innenstadtgebäuden noch in der Gegenwart lebendig ist. Die Fans von Mittelalter-Rock, die in Neunkirchen anwesend waren und aus der Umgebung stammen, können sich also glücklich schätzen, dass die Band für den Gig im Saarland verpflichtet werden konnte, denn wenn man sich Reysswolf demnächst noch einmal anschauen möchte, muss man als Saarländer ein bisschen reisen, quasi als Vagant tätig werden. Der nächste Auftritt von Reysswolf findet nämlich in Aschaffenburg statt, und zwar am 18. Oktober (Turnhalle TuS Leider).

Gespielt wurden in Neunkirchen folgende Lieder:
Der Dorn
Feuerkind
Narrenfrei
Wolf in der Nacht
Wunden
Der Vagant
Die wilde Jagd
Vargtimmen
(und noch eine Zugabe, wenn ich das richtig in Erinnerung habe)

Bei Reverbnation kann man sich ein paar Reysswolf-Songs anhören und in einige mehr zumindest reinhören.

Plötzlich wimmelte es nur so von Ratten auf der Bühne! Vielleicht hielten sich die Bandmitglieder von Wanderreigen deshalb zuerst einmal abseits der Bühne im Zuschauerbereich auf, mit all ihren Instrumenten wohlgemerkt, während das Intro Geräusche von Donner und Regen erklingen ließ. Trauten die Musiker sich nicht aufs Podest? Die Nagetiere wirkten allerdings ziemlich harmlos, seht selbst:

Aber Ratten sind ja nicht jedermanns Fall. Als Erster wurde Gitarrist Sanda auf die Bretter, die die Welt bedeuten, geschickt, und nachdem jeder sehen konnte, dass von den Ratten keine Gefahr ausging, gesellte sich Schlagzeuger Jan zu ihm, bevor die restlichen Bandmitglieder, die für Lied Nr. 1 benötigt wurden, hinzukamen: Sänger und Gitarrist Benny, Dudelsackspieler Hermann der Henker, an dessen Instrument sich auch eines der Tierchen zu schaffen machte…

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…Lisa, die beim ersten Lied gleich mehrere Flöten spielte, und zuletzt auch Bassist Nick, der sich das Ganze ein wenig länger aus sicherer Distanz genau angesehen hatte.

Nach diesem schon sehr gelungenen Einstieg folgte ein mehr als zweistündiges (!) Musikprogramm, bei dem viel gesungen, getanzt, gelabert und gelacht wurde – ich habe ja schon in meinem Bericht über den Wanderreigen-Auftritt bei der FaRK erwähnt, dass Benny absolutes Entertainer-Talent hat. Schon beim zweiten Lied verpflichtete er den ziemlich weit vorne stehenden Sänger von Hellowed für ein paar Gastvocals.

DSCF3763tsAber nicht nur die Ohren und Muskeln (Lachmuskeln und sonstige, je nach Agilität), sondern auch die Augen bekamen einiges geboten, denn die beiden jungen Damen an den Flöten – Anna hatte ihren ersten Auftritt beim 3. Lied – waren wieder einmal wunderhübsch herausgeputzt und rockten auch mit ihren Flöten so richtig mit, auch in den Passagen, in denen sie ihre Instrumente bloß in der Hand hielten, weil sie ja nicht nonstop hineinpusteten. Mir fiel auf, dass nur Lisa ein Regal zur Aufbewahrung ihrer vielen Flöten hatte – sie kann ja immer nur auf einer spielen –, während Anna die Flöten, die sie gerade nicht brauchte, in mehreren Täschchen, die an ihren Rock angenäht sind, verstaute. Das ist ja mal eine clevere Idee! Die funktioniert aber auch nur, wenn die Flöten nicht zu lang sind, denn Lisas Querflöte oder die Rauschpfeife (sofern das Teil, das ich meine, eine solche ist) sind vielleicht ein bisschen zu wuchtig für diese Art der Aufbewahrung.

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Erst nach dem 3. Lied erfolgte die erste kleine Ansprache an das Publikum durch Benny, der trotz seiner Bemerkung „Die Palz hat das letschtens gudd gemach.“ mit der Zuprost-Leistung des Publikums zunächst nicht so ganz zufrieden war, weswegen das Ganze gleich ein paarmal geübt wurde und der Sänger seiner Hoffnung Ausdruck verlieh, die Party mit Freunden möge nicht so ausarten, dass der Hund am nächsten Tag mit ihm Gassi geht. Ach, das gute Erdbeerbier! Das hätte ich ja auch gerne probiert, aber da ich später noch Autofahren musste, war Alkohol an diesem Abend für mich tabu.

Die Information, dass es im Wanderreigen-Live-Universum noch nie vorgekommen ist, dass drei Lieder am Stück gespielt wurden (Lies: dass die bandeigene Labertasche so lange lediglich Gitarre spielen und singen darf), quittierte einer der Zuschauer mit „Hat awwa gudd geklappt!“ Gut klappen sollte auch die Vorproduktion des neuen Albums, die in diesen Tagen beginnt und die auch das als Nächstes gespielte Lied „Paradies“ umfassen wird.

Danach stand ein alter Klassiker auf dem Programm, aber bevor Benny das Publikum dazu aufforderte, das Wanderreigen-Zeichen mit den Händen zu formen, eine Art „Doppelfrittengabel“, bei der so etwas wie der Buchstabe W entsteht…

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…verneigte er sich zunächst einmal verbal vor seinem ehemaligen Musiklehrer und dem Oberbürgermeister von Neunkirchen (Oder war’s der Bürgermeister?), die beide anwesend waren, und brachte in Erfahrung, wer bei dem allerersten Konzert von Wanderreigen anwesend war, wer seinerzeit das Open Dosen Festival miterlebt hat usw. Außerdem wurde schnell noch auf den Merchandise-Stand hingewiesen und dann erst starteten die Musiker mit dem Lied, das so heißt wie die Band selbst und das auf dem „Rum & Ratten“-Album zu finden ist.

In dem Stil ging das dann bis nach Mitternacht weiter. Es wurde viel gequasselt – von Benny –, mal mehr, mal weniger niveauvoll, aber es wurde auch viel Musik gemacht und wenn man bedenkt, dass Mittelalter-Rock eigentlich gar nicht meine favorisierte Art der Musik ist und ich trotzdem einen Heidenspaß hatte, kann man sich ja vorstellen, wie sich erst die Wanderreigen-Fans und die Liebhaber der mittelalterlichen Rockmusik gefühlt haben mussten. Es war ein Fest, eine Party mit Freunden, wie Benny es so schön formuliert hatte.

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Einen ganz besonderen Freund, den weiter oben schon erwähnten Frontmann von Hellowed, suchte Benny zu fortgeschrittener Stunde, denn speziell für ihn wurde an diesem Abend das Lied „Spielmannsseele“ performt und dazu sollte der Musikerkollege sich vor der Bühne blicken lassen, doch Oliver war gerade vor der Tür am Rauchen und es dauerte einen Moment, bis er sich am richtigen Platz einfand. Dann ging es aber so richtig rund, wie man sich das bei den Spielleuten so vorstellt: Mit ihrer Querflöte kam Lisa ins tanzende Publikum, blieb hier und da stehen, um bei manchen direkt vor der Nase zu musizieren, und der Dudelsackspieler zog auch einmal quer durch die Reihen mit seinem Instrument und tat es seiner Bandkollegin gleich.

Im Prinzip war es nicht notwendig, die Zuschauer zu noch mehr Aktivität anzustacheln, die meisten waren ohnehin die ganze Zeit schon am Tanzen oder Headbangen, manche sogar zusammen mit ihren Freunden in der Hocke oder kniend, und die Arme wurden auch brav in die Höhe gereckt, wann immer das passte. Dennoch wurde irgendwann ein großer aufgeblasener Ball mit Ratte im Innenleben ins Publikum katapultiert und dort eine Weile weitergekickt.

Das Wanderreigen-Programm enthielt auch ein kleines Intermezzo, das viele Leute lächeln ließ. Die Band spielte nämlich ein paar Takte aus Sandas Lied. Dieses eine da von AC/DC, das meine Leser bestimmt auch schon einmal gehört haben. Die australische Hard-Rock-Band scheint den Wanderreigen-Gitarristen schon länger zu kennen, wie sonst ist es zu erklären, dass sie einen Song mit seinem doch recht ungewöhnlichen Namen im Titel geschrieben haben?! Oder gilt dieses „Sanda-struck“ letzten Endes gar nicht dem Wanderreigen-Gitarrero? Sei’s drum, der junge Mann bewies beim Spielen des markanten Riffs auf seiner Ibanez, dass er in Sachen Fingerfertigkeit locker mit Angus Young mithalten kann, und rückte damit zum ersten Mal an diesem Abend ein wenig mehr in den Vordergrund.

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Danach stand Bassist Nick kurzzeitig im Rampenlicht, denn – oh Schreck! – Bennys Bier war leer und direkt neben dem Mann am Bass stand eine neue Flasche, die er seinem Bandkollegen geben sollte, der Sänger reichte ihm seine leere Flasche. Nick erlaubte sich daraufhin ohne ein Wort zu sagen einen Scherz und füllte kurzerhand den Inhalt der einen Flasche in die andere Flasche um, trank anschließend einen Schluck daraus und verzog sich nach Bennys kleiner Ausschimpftirade und der Erinnerung daran, dass er sich an diesem Abend mit ihm das Bett teilen müsste (???), ebenso wortlos in den Zuschauerbereich, um von dort aus seinen Basspart in dem Lied „Der Schmied“ zu spielen.

Nach einen kurzen Pipi-Pause hatte Gitarrist Sanda erneut einen kleinen Solo-Auftritt, wobei ich nicht sicher sagen kann, ob das alles gewollt und geplant oder ungewollt und spontan kam. Er kehrte nämlich von den Toiletten „oben ohne“ zurück, was Benny natürlich nicht unkommentiert ließ, und spielte die restlichen Lieder ohne Shirt, ou la la!

Beim Lied „Rum & Ratten“ waren die Konzertbesucher wieder aufgefordert, die Arme in die Höhe zu heben und sie hin und her zu bewegen, so wie auch der Schlagzeuger Jan und seine Bandkollegin Lisa, an denen man sich orientieren konnte, das machten. Trotzdem wirkte die Armbewegung auf der Publikumsseite auf mich ein wenig asynchron, aber es war ja schon spät und der Alkoholpegel hatte ein höheres Niveau erreicht, vermutlich auch wegen dem bandeigenen Rum, den es zu kaufen gab und den Hermann der Henker während dem „Rum & Ratten“-Lied jedem, der das wünschte, in einem Plastikbecher ganz kostenlos kredenzte. Von der Bühne aus sah das Armgewimmel vermutlich wie ein stürmisches, etwas aus dem Gleichgewicht geratenes, sehr welliges Meer aus und erfüllte somit seinen Zweck voll und ganz.

Apropos Schlagzeuger: Der scheint ähnlich wie Nick am Bass der ruhende, ausgleichende Pol der Band zu sein, während Sänger und Gitarrist Benny ähnliche Gene wie das Duracell-Häschen zu haben scheint, und die Damen mit den Flöten sowie Sanda und Hermann der Henker sind beim Musizieren ebenfalls ganz schön in Bewegung. Es wäre ja auch ziemlich öde, wenn man bei mittelalterlicher Tanzmusik wie die Ölgötzen da stehen würde. Bei einigen Liedern beteiligt sich Drummer Jan aber am Gesang und auch Lisa hat einige Vocal-Parts.

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Das vorletzte Lied „Zurück zu dir“ kündigte Benny als von Silbermond inspiriert an (Nun gut, er wählte dafür andere Worte, aber das böse F-Wort lasse ich hier mal beiseite.) und so in etwa klang die Ballade auch. Ich könnte mir diesen Song sehr gut im Programm einiger Radiostationen vorstellen, aber aus dem typischen Wanderreigen-Songgefüge fällt das Lied total heraus.

Nach dem „Bombomstand“ hatten einige Konzertbesucher schon zuvor verlangt, zum Schluss war die Zeit dafür gekommen und Hermann der Henker schwirrte als die Visualisierung dazu an: Mit gigantischem Vorbau, riesigem Kochlöffel in der Hand, Tiara im Haar, rosa Röckchen und Flügelchen auf dem Rücken hüpfte er quer durch den Raum und dann zur Bühne, wo er sich seines Shirts mit „Bombomstand“- und Kochlöffel-Aufdruck entledigte und den aufgeblasenen Kunststoff-Atombusen zur Schau stellte. Willkommen in Absurdistan! Aber warum soll der krönende Abschluss eines sehr kurzweiligen und ohnehin ein wenig andersartigen Musikabends nicht ein bisschen schräg ausfallen?! Bei manchen Bands werden subversive Parolen ins Mikro gegrölt und gegrunzt, andere kippen aus bloßer Arroganz Wasser über die Fotografen, wieder andere haben’s eher mit Kunstblut – jedem das Seine, Humor ist, wenn man trotzdem lacht, und wenn im Wanderreigen-Team jemand Lust darauf hat, sich rosa Flügelchen anzuschnallen, während der Rest der Band einen Coversong mit nicht ganz ernstzunehmendem Text darbietet, ist das für mich okay. Zumal Benny ja schon nach dem sechsten Lied angekündigt hatte, dass die ernsthaften Themen damit abgehakt seien.

Weitere Konzerte stehen momentan nicht an, aber ich bin gerne bei der nächsten Wanderreigen-Party wieder dabei!

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