Unchained, I.M. Nail und From What We Believe in Saarbrücken (KiTu Reloaded, 20.09.14)

Mein letztes Unchained-Konzert liegt eine gefühlte Ewigkeit zurück, dabei hätte es in den vergangenen Wochen und Monaten einige Gelegenheiten gegeben, die vier Musiker live zu erleben. Bloß stand ich fast jedes Mal, wenn Tobias Engel, Dmitro Fedoruk, Pietro Rizzuto und Philipp Schulz in der jüngeren Vergangenheit auf irgendeiner Bühne loslegten, vor einer anderen Bühne, meist fernab der Heimat, weil es ja noch einige andere Bands gibt, die mein Herz schneller schlagen lassen. Umso schöner, dass nun endlich wieder Unchained in meinem Terminplan untergebracht werden konnten! Genauer gesagt: Unchained plus zwei andere Bands, die ich bis dahin noch nicht live gesehen hatte, und zwar I.M. Nail und From What We Believe. Die drei Bands beschallten das KiTu Reloaded in Saarbrücken an diesem Abend mit härteren Klängen, ganz gemäß dem Motto „Germany’s next top Metal“, das damit bereits zum neunten Mal zelebriert wurde.

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Den Start machten die fünf jungen Männer aus Hermeskeil, die seit Anfang 2013 unter dem Namen From What We Believe feinsten Metalcore erzeugen. Drei Vocalisten (André, der fürs Gegröle zuständig ist, sowie Bassist Sebastian und Gitarrist David, die hin und wieder clean vocals beisteuern), ein weiterer Gitarrist (Lockenkopf Peter an der Ibanez) und der Schlagzeuger Patrick versorgten die Zuhörer mit einer angenehmen Mischung aus Geschrei, gefühlsbetontem melodischem Klargesang und krassen Riffs, nicht selten zusammen mit Bass und Schlagzeug im Stakkato.

Allerdings wären die Musiker froh gewesen, wenn man die clean vocals auch gehört hätte oder zumindest besser gehört hätte. Beim ersten Nachjustieren am Mischpult legte der dafür Verantwortliche sofort Hand an, wobei das Ergebnis in Sachen Lautstärke im Zusammenspiel mit den Instrumenten nicht wirklich überzeugte. Als David später darauf hinwies, dass aus seinem Mikro kein Pieps zu vernehmen war, stellte es sich heraus, dass der Techniker gar nicht mehr im Saale war. Erst nach ein paar Sekunden des stillen Erstaunens kam der Mann aus irgendeinem Hinterstübchen wieder nach vorne und zwirbelte erneut am Mischpult herum, aber man merkte gleich beim nächsten Lied, dass der Klargesang immer noch viel zu leise war. Das tat mir echt leid für die fünf sehr ambitioniert wirkenden Männer, die sich ihren Auftritt in Saarbrücken vermutlich ein wenig anders vorgestellt hatten.

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André ächzte schon recht früh angesichts der tropischen Temperaturen im Saale, was auch das Erste war, was mir beim Abstieg in den Kellerclub aufgefallen war, und was meine Freundin und mich dazu veranlasste, ganz geschwind noch einmal zum Auto zurückzukehren und unsere Hoodies dort zu verstauen, damit wir die nicht umhängen haben oder irgendwo an der Seite deponieren müssen. Doch selbst im T-Shirt ließ das Sauna-Feeling nicht wirklich nach, weswegen ich die jungen Leute, die da performten und natürlich nicht stillstanden, umso mehr bewunderte. Ob der Mann am Mikro jemals bei einem Konzert so viel Wasser in sich gekippt hatte wie an diesem Abend?

Ich war ja sehr gespannt darauf, ob im KiTu die Saiteninstrumente ähnlich durch die Luft gefetzt werden wie im Video zu „Shadegrown“…

…und tatsächlich, trotz der beschränkten Platzverhältnisse konnten die Musiker die Gitarren und den Bass ein wenig kreisen lassen. Vor allem Sebastian bot diesbezüglich ein ganz schönes Spektakel mit seinem 5-Saiter-Ibanez-Bass, der einmal auch senkrecht in die Luft gepfeffert und gekonnt wieder aufgefangen wurde.
Mir gefiel’s und ich hoffe, dass die Suche nach einem Label bald einen erfolgreichen Abschluss findet, sodass die Veröffentlichung des Debütalbums nicht mehr so lange auf sich warten lässt!

Schon nächstes Wochenende, am 26.09., stehen From What We Believe wieder auf der Bühne, und zwar im Trierer Exhaus als Support für Annisokay, zusammen mit Shields, I Scream For Ice Cream und Fortune Drives To Vegas. Falls ich es zeitlich schaffe, dort aufzukreuzen, würde ich mich über etwas bessere Lichtverhältnisse freuen, denn in Saarbrücken war’s KiTu-typisch mal wieder sehr schummrig, und zwar so sehr, dass vor allem die Musiker ganz links (also in diesem Fall David an der weißen Schecter-Gitarre) von meiner Kamera nur total verpixelt und trotzdem dunkel oder aber etwas heller, jedoch verwackelt abgelichtet werden konnten. Betrachtet die paar Fotos da unten einfach als Kunst! 😉

Für eine etwas größere Version hier und bei den anderen Galerien bitte auf das jeweilige Foto klicken!

Sobald die erste Band ihren Auftritt abgeschlossen hatte, hechteten alle, die nicht beim Bühnenumbau helfen mussten, nach draußen, wo angenehme Temperaturen herrschten, und betrüblicherweise zogen einige es vor, dort oben zu bleiben, was ich für die folgenden Bands doch ziemlich schade fand. Meine Freundin und ich nahmen, sobald der Soundcheck der zweiten Band, I.M. Nail, abgeschlossen war, wieder die Treppe nach unten und fanden dort außer den vier Musikern und dem Herrn am Mischpult genau zwei weitere Personen vor: die Frau hinter der Theke und ein zur Band gehöriger Mann, der fotografierte und den Merch verkaufte. Immerhin trudelten ein paar andere Zuschauer nach und nach ein, aber trotzdem kann ich die Anzahl der Leute, die sich das Konzert anschauten und die nicht mit einer der Bands verbunden sind, locker mit den Fingern meiner Hände zeigen und das finde ich total bedauerlich, denn geboten wurde ein absolut erstklassiges Musikprogramm und über den Eintrittspreis von 6 Euro dürfte sich auch kein Mensch beklagen. Also wo waren die alle? Im Kleinen Klub bei The Monolith Deathcult, Indicator und Blame? Oder zu Hause auf der Couch vor der Glotze? Wäre ich einer der Musiker im KiTu gewesen, ich hätte ganz schön den Frust gehabt, erst recht bei einem Anfahrtsweg von rund 200 Kilometern, aber sowohl I.M. Nail als auch Unchained wirkten launemäßig ziemlich normal und rockten, als wäre die Hütte prall gefüllt.

Ein I.M. Nail (Abkürzung für Intramedullary Nail) ist übrigens ein medizinischer Metallstift, der zur Heilung von Frakturen bei Röhrenknochen in das Knochenmark, also mitten in den gebrochenen Knochen, eingesetzt und meist durch seitlich eingeschraubte Nägel stabilisiert wird. Die vier Musiker aus Koblenz haben ihre Band nach diesem medizinischen Produkt benannt (und ihr Logo dementsprechend gestaltet), weil sie das Ziel verfolgen, mit ihrem Alternative Growl Metal die Zuschauer in ihrem Innersten zu treffen. Bei mir ist ihnen das gelungen, ich fand die Songs beachtlich und vor allem die Tatsache, dass die Bassdrum, bedient von Ralf Diehm, relativ oft beansprucht wurde, traf mich – im positiven Sinne – bis ins Mark. Zudem gab es gleich zwei Gitarren zu hören und zu bestaunen, eine Gibson Flying V ganz in Weiß, gespielt von Mike Klockner, der zugleich der Sänger ist, und eine LTD Deluxe (eine EC-1000QM in Black Cherry?) in den Händen von Danny Klockner, der ebenfalls ab und zu in ein Mikro sang und der laut Facebook-Info auch Synthesizer spielt, allerdings nicht an diesem Abend. Komplettiert wird das Quartett durch Eric Winter am Bass (Ibanez CT).

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Viele der performten Lieder stammen von der im Juni 2013 veröffentlichten EP „Hyena Sunrise” und natürlich kam ein Exemplar davon mit mir nach Hause. Samples der sechs Songs (das sehr starke Lied „Under The Gun“ sogar in voller Länge) kann man sich bei Soundcloud anhören; klickt doch mal rein und lauscht, ob das etwas für eure Ohren ist! Im KiTu spielten die vier Herren zudem Lieder von ihrer aktuellen EP, die zum Jahresende erscheinen soll. Bis dahin stehen noch einige Konzerte an und ich hoffe doch, dass an den im folgenden aufgelisteten Daten der „Anticipating Darkness”-Tour ein paar mehr Leute zum Anhören hochwertiger Musik der härteren Gangart mobilisiert werden können!

I.M.Nail TourdatenUnfassbarerweise war das Licht ab I.M. Nail NOCH mehr gedimmt worden, und ich bin froh, dass meine Knipsmaschine es geschafft hat, zwischen all den Pixeln so etwas wie menschliche Wesen und Instrumente vor dem dunklen Hintergrund hervortreten zu lassen… hmpf.

Gegen 22.40 Uhr gehörte die Bühne dann Unchained und die vier starteten fast schon traditionell mit „Inside My Cage“ in ihr Programm und schlugen danach mit „On The Floor“ den Bogen von ihrem Debütalbum „Code Of Persistence“ zu Longplayer Nr. 2, „Collision“. Danach wurde noch einmal ein älteres Lied, „Jealousy“, dargeboten und für den Rest des Auftrittes stand dann das jüngere Songmaterial im Mittelpunkt.

Die vier Musiker keuchten wie ihre Kollegen zuvor wegen der Hitze, dennoch war Dima mit seiner weinroten Gibson Les Paul ganz schön am Herumspringen und auch Tobias Engel (Gesang, Jackson-Gitarre) und Philipp Schulz (Bass) warfen sich in die herrlichsten Posen. Pietro Rizzuto kann hinterm Schlagzeug zwar nicht herumhüpfen, muss bei seinem Drumming aber ebenfalls vollen Körpereinsatz zeigen, vor allem wenn bei „Breathe For Me“ der Bassdrum-Part ansteht. Wie immer wirkte er hochkonzentriert und absolut professionell und wie schon bei meinem letzten Unchained-Konzert, ebenfalls im KiTu >Bericht hier< fragte ich mich, warum Dima nun gar keine Backgroundvocals mehr singt bzw. ins Mikro röhrt, so wie das früher zum Beispiel bei „Deconstruction“ der Fall war, und wie zuletzt dachte ich nach dem Auftritt nicht mehr daran, diesbezüglich nachzufragen.

Tobias war also der einzige Sänger an diesem Abend und sowohl die clean vocals als auch die Growls saßen perfekt. Da Tobi als Einziger ein Mikro hatte, war es auch seine alleinige Aufgabe, hin und wieder mit den Zuschauern zu plaudern. So fragte er die Anwesenden unter anderem, ob sie schon das Video zu „Deconstruction“ kennen – wenn einer der Leser es noch nicht gesehen hat oder wenn man sich die vier Unchained-Musiker in unüblicher Kleidung noch einmal anschauen möchte, voilà:

Der junge Mann mobilisierte das Publikum auch zum Mitsingen des „Ooooh-ooooh-ooooh“-Parts bei „The Story Anew“, was natürlich zuerst einmal geübt wurde. Jeder der paar Anwesenden schien mitzumachen, wie auch schon zuvor bei den paar Mitklatschaktionen. Obwohl ich kollektives Die-Handflächen-Gegeneinanderbewegen eigentlich gar nicht ausstehen kann – das hat für mich immer so ein bisschen „Zum blauen Bock“-Charme – gehorche ich jedesmal, wenn ein Musiker auf diese Art und Weise herausfinden will, ob die Zuschauer noch aufmerksam sind und sich amüsieren. Ich will ja nicht den Eindruck erwecken, als ob mich das alles nicht die Bohne interessiert, und da meine Kamera ja um den Hals hängt, habe ich in der Regel die Hände frei… Ich hatte das Gefühl, dass alle Spaß hatten und den Gig, der nicht nur wegen der geringen Größe des Raumes, sondern auch wegen der sehr überschaubaren Zuschauermenge fast schon Wohnzimmerkonzertcharakter hatte, genossen. Weitere Konzerte haben Unchained momentan nicht geplant, aber ich hoffe, da kommt noch was, selbst wenn neben Pietro jetzt auch Tobias für Spielbann tätig ist und bei dieser Band steht in der nächsten Zeit wohl einige Arbeit an!

Auf der Bandcamp-Seite von Unchained kann man sich die beiden Alben „Code Of Persistence“ und „Collision“ anhören und auch käuflich erwerben, die zusätzlich dort verfügbaren Demo-Songs gibt’s kostenlos.

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