Dr. Geek And The Freakshow: „Ghoul Shock“

Es gibt Tage, an denen fahre ich ausgesprochen gerne zur Arbeit, ganz unabhängig davon, was dort ansteht. Das ist immer dann der Fall, wenn ich neue Musik erworben und es nicht geschafft habe, sie zu Hause anzuhören. Ich bin immer wieder selbst erstaunt, wie sehr mich das Wissen, dass meine Lauscher auf dem Weg zur Arbeit und von dort nach Hause mit neuen Klängen beschallt werden, motiviert, zumal ich es dank langem Anfahrtsweg locker schaffe, mir ein Album komplett zu Gemüte zu führen, auch wenn, je nach Albumlänge, der Rückweg für den Rest herhalten muss.

Heute war wieder so ein Tag. Nachdem ich neulich schon wegen „Annabel Dream Reader“ von The Wytches, dem Debütalbum von Royal Blood und ein paar Tage danach durch das neue Interpol-Album „El Pintor“ am Dauer-Frohlocken war, stand am frühen Montagmorgen Abwechslung in Form von „Ghoul Shock“ von Dr. Geek And The Freakshow auf meinem Abspielplan.

Dr Geek And The Freak Show Ghoul ShockDie drei Herren, die es lieben, für ihre Liveshows ganz tief in diverse Schminktöpfchen zu greifen, um ähnlich auszusehen wie die Gestalten auf dem Albumcover, hatten ganz schön Trouble mit der Veröffentlichung ihres dritten Longplayers. Der sollte nämlich schon letztes Jahr bei einem anderen Label als Vinyl erscheinen und nachdem der von ebenjenem Label verursachte Hickhack zu heftig geworden war, ohne dass das Album das Licht der Welt erblickte, wechselten die drei Musiker zu einem anderen Label, Koi Records, das die 13 Songs nun endlich auf den Markt brachte, allerdings in CD-Form.

Die Band selbst bezeichnet ihren Musikstil als Horrorpunk, wobei der erste Wortbestandteil meiner Ansicht nach hauptsächlich den Texten zu verdanken ist. Neben dem Albumtitel zeigt auch das Intro sofort, wohin die Reise thematisch geht: Eine langsame Klaviermelodie sowie Gitarren- und Geigen(?)klänge sind hier unterlegt mit der Stimme der Nachrichtensprecherin Carina Dewes, die in einer Eilmeldung von gewalttätigen Übergriffen berichtet, nach Angaben besorgter Hörer sollen Menschen andere angefallen und gebissen haben. Das erste „richtige“ Lied greift diese besorgniserregenden Informationen wieder auf und die im Refrain x-fach wiederholte Aufforderung „Run Away“ ist unmissverständlich, das Tempo des Songs erlaubt es dem Hörer außerdem mühelos, die Beine in die Hand zu nehmen und diesbezüglich helfen auch die folgenden Lieder beim Wegrennen vor der Zombie-Apokalypse. Erst Lied Nr. 5, „Jack In The Box“, lädt tempomäßig zum Verschnaufen ein, aber nur solange man nicht auf den Text achtet. Der erzählt nämlich von jemandem, der lebendig begraben wurde. Typischer Fall von im eigenen Bett eingeschlafen und in einem Sarg unter der Erde wieder wachgeworden ohne den leisesten Hauch einer Ahnung, wie das passieren konnte. Alles verzweifelte Schreien und Klopfen bleibt natürlich zwecklos und mündet in der Einsicht, dass nur der Tod dem Ganzen ein Ende bereiten wird. Gruuuselig!

Das nachfolgende „Ghoul Shock“ könnte ich mir gut vorstellen als musikalische Untermalung einer Filmszene, die die anfangs erwähnten Zombies beim Partymachen zeigt, bevor sie dann „Six Feet Down Under“ weiter Rabatz machen auf der Suche nach dem Sarg mit der Herzdame darin. Diese Suche nach dem Grab der „Love After Death“ wird kurzzeitig unterbrochen durch die Erinnerung an „Angel From Hell“, mit der es ähnlich heiß herging wie mit der Dame beim „Horror Movie Double Feature“. Aber vielleicht ist das besungene Wesen auch dasselbe, wer weiß?

Das letzte Lied „Under An Irish Attic“ tanzt musikalisch und thematisch ein wenig aus der Reihe. Es ist ein sehr folkiges Stück, bei dem die Gitarre nicht verzerrt ist, sondern sehr nach Akustikgitarre klingt, darüber hinaus hört man Flöte, Dudelsack und Geige aus dem Hause Wanderreigen sowie Gastgesang, den Nic von Spielbann lieferte. Auch wenn es darin heißt „Under an Irish attic his life comes to an end“ scheinen sich die übermütig gewordenen Untoten vor dem letzten Song so ausgetobt zu haben, dass sie nun Ruhe geben und gar nicht mehr eigens erwähnt werden müssen.

Dass Punk nicht gerade meine Baustelle ist, habe ich ja schon ein paarmal erwähnt, und mit dem ganzen Horrorkrams kann ich, ehrlich gesagt, auch wenig anfangen, aber dieses Album macht trotzdem Spaß, denn die Musik ist meiner Meinung nach kein reiner Punk, sondern es gibt da auch ein paar Riffs, die Metalheads mögen werden und so ein bisschen Surf und Psychobilly klingt hier und da auch durch. Außerdem versetzt mich „Ghoul Shock“ zurück in die Zeit, als mein damaliger Freund mit seiner Band „Bela Lugosi’s Dead“ und „No Tears For The Creatures Of The Night“ coverte, alle in unserer Clique die Misfits ganz toll fanden (die mit Glenn Danzig natürlich) und wir uns in der Videothek Horrorfilme wie „Die Todesparty II“ (mit Brad Pitt, den damals noch kein Mensch kannte!) und „Die Nacht der reitenden Leichen“ ausliehen, um zu testen, ob wir sie als Unter-18-Jährige überhaupt bekommen. Natürlich schauten wir uns den Mist (pardon) auch an, und ich kann es auch heute noch nicht so genau sagen, was mich damals mehr mitgenommen hat: von Säure aus dem Badewannenwasserhahn zerfressene Leichen zu sehen oder das Video zu Metallicas „One“. Dr. Geek And The Freakshow ist es also gelungen, mir ein paar meiner persönlichen Highlights des vergangenen Jahrtausends in Erinnerung zu rufen und so ein bisschen Sich-in-Sentimentalität-suhlen ist doch ab und zu auch ganz nett.

Darüber hinaus lassen mich die Texte schmunzeln und das Video zu „Ghoul Shock“ zeigt, dass auch die Bandmitglieder mit viel Humor an ihre Arbeit gehen. Gerade weil ich diese Musikrichtung nur selten an meine Ohren lasse, sind die 13 neuen Lieder von Dr. Tiberius Geek, Zombiehl und Frankensteiner eine nette Abwechslung in meinen sonstigen Hörgewohnheiten, zumal die Lieder überwiegend kurz sind (viele dauern nicht mal drei Minuten) und mich auch so gesehen nicht überbeanspruchen. Die eingängigen Melodien bringen mich eher zum Mitsingen. Zudem ist der Klang dieses Silberlings – wie man das aus Produktionen der SU2 Studios in Illingen und von Phil Hillen kennt – einwandfrei.

Wenn euer Interesse geweckt ist, dann hört doch mal bei Amazon oder bei Spotify in die Lieder von „Ghoul Shock“ rein!

Live kann man sich Dr. Geek And The Freakshow an folgenden Daten und Orten zu Gemüte führen:
25.10.14 Leipzig (4rooms), Halloween Rodeo
31.10.14 Saarbrücken (Devils Place), Halloween Charity zusammen mit Infinight und Crossplane
29.08.15 Landsweiler-Reden (Wassergärten), Co-Headliner bei FaRK

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