Warpaint und Amatorski in Luxemburg (Den Atelier, 25.08.2014)

Das Vorhaben, mir Warpaint im Atelier in Luxemburg anzuschauen, schwelte schon seit Monaten in mir, denn das neue Album der vier jungen Frauen aus Los Angeles überzeugte mich sehr und außerdem hatte ich diese Band bislang noch nie live gesehen. Es war also höchste Zeit. Allerdings wartete ich mit dem Ticketkauf ziemlich lang, weil ich sichergehen wollte, dass ich nach meinem Festivalwahnsinn wirklich fit genug sein würde für den kleinen Abstecher ins Großherzogtum. Als ich dann aber auf der Internetseite des Ateliers entdeckte, dass Amatorski die Vorband sein würden, war die Sache innerhalb von Sekunden geritzt.

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Erst wenige Wochen zuvor hatte ich die belgische Band Amatorski noch im Vorprogramm von Girls In Hawaii gesehen >Bericht hier<; umso größer war mein Erstaunen, als gegen 20.25 Uhr nur Inne Eysermans und Sebastiaan Van den Branden auf die mit Keyboards regelrecht überhäufte Bühne kamen. Zunächst dachte ich noch, der Schlagzeuger Christophe Claeys würde vielleicht beim zweiten oder dritten Lied hinzustoßen, aber an diesem Abend absolvierten Amatorski ihr etwa 25-minütiges Programm als Duett.

Wie schon beim Konzert in der Rockhal sah ich von der Sängerin wenig, weil sie größtenteils durch das wuchtige Keyboard auf der anderen Bühnenseite verdeckt war (Ich stand ganz links, sie saß von mir aus betrachtet rechts.), und selbst den jungen Mann am Bass und später an der Gitarre, der auch den Computer mit den Samples bediente und gelegentlich sang sowie das zweite Keyboard von links spielte, sah ich nur ausschnittsweise wegen des bereits für die Warpaint-Musikerin Theresa Wayman am vorderen linken Bühnenrand aufgestellten Keyboards, das mir einen Teil der Sicht raubte. (Immer noch wundere ich mich darüber, wo all die Leute, die bereits in Reihe 1 standen, als ich die Konzerthalle betrat, hergekommen waren, denn auch wenn die Bühne im Atelier recht schmal ist, hatte ich nicht den Eindruck, dass SO viele Leute vor mir in der Warteschlange waren. Aber ich musste mich mit dem Platz ganz links außen zufriedengeben. Ein Antesten der Sicht aus Reihe 2 zeigte, dass ein Plätzchen dort für mich nicht günstiger gewesen wäre.) Allerdings gab es nicht wirklich viel zu sehen, die beiden Musiker bedienten sitzend bzw. im Stehen ihre Instrumente und sangen und hätten ohnehin kaum Platz für raumgreifende Bewegungen gehabt, weil die Bühne mit dem Equipment von Warpaint vollgestellt war. Davon abgesehen hätte wildes Getanze oder sonstiges Gezappel auch nicht zu den langsamen Songs mit viel „Atmosphäre“ gepasst. Das eher schummrige Licht, in das die Bühne getaucht war, gab dem Ganzen zusammen mit den Atelier-typischen runden Lichteffekten, die ab und zu an der Rückseite der Bühne vorbeihuschten, das ideale visuelle Ambiente.

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Unterbrochen wurde der musikalische Zauber nur kurz, als Inne sich mit einem Lachen und viel Spaß mit Warpaint wünschend verabschiedete und als sie beim Sich-für-den-Applaus-Bedanken einmal kurz nachfragte, wie man denn „Luxemburg“ richtig ausspricht – in Anbetracht der Tatsache, dass die Band im Nachbarland beheimatet ist und das eigentlich wissen müsste, wunderte ich mich ein wenig über diese Frage und neben mir grölte prompt eine Besucherin „Letzebursch!“ in Richtung Bühne.

Gespielt wurden überwiegend Lieder aus dem aktuellen Album „From Clay To Figures“:
U-Turn
Wild Birds
Anthem
Boy / Girl
Fragment
Hudson
Never Told

Weitere Konzerttermine von Amatorski findet man dort.

Für eine etwas größere Version – hier und bei der anderen Galerie – bitte auf das jeweilige Foto klicken!

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Nachdem das Equipment von Amatorski weggeräumt war, wurden auf dem Bühnenboden erst einmal mehrere Lichtschläuche verlegt. Nach und nach wurden die Saiteninstrumente der Warpaint-Frauen herbeigetragen und startklar gemacht und ich konnte mich an einer Fender Mustang-Gitarre mit rotem Korpus, einem Rickenbacker-Bass und einer Fender Jaguar erfreuen.

Gerade der Bass ist ein bedeutsames Element in der Musik von Warpaint und gibt vielen Liedern den perfekten Groove. Ich bedauerte es ein wenig, dass ich auch die Bassistin Jenny Lee Lindberg wegen des Keyboards in meinem Blickfeld nur ausschnittsweise sehen konnte, denn sie in ihrer Gänze vor den Augen zu haben und ihren Bewegungen zu folgen, hätte ich sehr genossen. Immerhin wurde das Drumpad, das Theresa Wayman beim ersten Lied „Keep It Healthy“ bediente, direkt danach zur Seite geräumt – eine Sichtbarriere weniger! Da Theresa die meiste Zeit hinter besagtem Keyboard stand, auch wenn sie auf der Fender Mustang spielte, konnte ich von ihr aber auch nur Kopf und Schultern sowie die Beine erkennen. Deshalb war ich froh, als sie zu späterer Stunde wenigstens ein paarmal kurz ihren Platz hinter dem Tasteninstrument verließ und sich auch mal in der Mitte der Bühne blicken ließ.
Zumindest auf Emily Kokal, deren Tätigkeitsfeld sich auf der anderen Seite der Bühne befand, hatte ich freie Sicht und konnte ihre Performance mit und ohne Gitarre bewundern. Auch die Frau am Schlagzeug, Stella Mozgawa, sah ich ganz gut, wobei die Beleuchtung auch bei diesem zweiten Teil des Musikprogramms eher spärlich blieb. Deshalb erkannte ich auch erst an meinen Fotos, dass es sich bei dem, was an der Bassdrum baumelnd aufgehängt war, um zwei kleine Boxhandschuhe handelte, die immer, wenn Stella die große Trommel betätigte, lustig herumhüpften.

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So wie auf dem Cover des aktuellen Albums die vier Frauenfotos transparent übereinandergeschichtet sind, besteht auch der Gesang von Warpaint häufig aus einem Zusammenspiel aus allen vier Kehlen, alle vier gleichzeitig singend oder nacheinander oder mal nur zwei der Damen ein paar Takte lang im Duett, oft angereichert mit viel Hall und nicht selten sehr zart wirkend, wobei Emily und Theresa den größten Teil des Gesangs stemmen.

Das Publikum wirkte am Anfang etwas zurückhaltend, was Theresa den Kommentar „It’s a bit quiet here“ entlockte, wobei ich den Eindruck hatte, dass auch die vier Musikerinnen zunächst ziemlich reserviert-schüchtern ihrer Tätigkeit nachgingen. Vielleicht lag das auch daran, dass nicht soooo viele Besucher gekommen waren, weswegen die Empore wie die Bar im Innenraum geschlossen war – ein sicheres Zeichen dafür, dass nicht so viele Tickets verkauft worden waren wie bei anderen Konzerten. (So war es ja auch beim Konzert von Paul Banks Anfang 2013 und wie damals wunderte ich mich darüber, warum sich so viele Leute einen solchen Leckerbissen entgehen lassen.) Später am Abend kam jedoch noch ein bisschen mehr Bewegung in die Zuschauermenge und auch die vier Mädels wirkten während der zweiten Konzerthälfte deutlich weniger angespannt.

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Als die Setlist an verschiedenen Stellen der Bühne festgeklebt worden war, fürchtete ich angesichts des kleingefalteten Blattes mit wenig erkennbarem Inhalt schon, dass das Konzert nach 60 Minuten vorbei sein würde, aber Warpaint musizierten fast 90 Minuten lang, was auch an einer superextended version des letzten Liedes der Zugabe, „Elephants“, lag. Mir tat es ein wenig leid, dass Theresa irgendwann das Plektrum herunterfiel, aber da sie bei dem Lied konstant Gitarre spielt, hatte sie keine Gelegenheit, sich zu bücken und das Teil vom Boden aufzuheben. Weil nirgends in erreichbarer Nähe ein Alternativ-Plektrum vorhanden war, schlug die junge Frau – ganz der Profil – die Saiten einfach mit ihren Fingern weiter. Eigentlich wäre das ein Fall für „Supermann“ Nick gewesen, der an der Seite der Bühne darauf achtete, dass alles reibungslos ablief, dieses kleine Malheur aber offenbar nicht mitbekommen hatte. Stella an den Drums hatte das letzte Wort und setzte am Schluss nach gefühlten 15 Minuten „Elephants“ noch den einen oder anderen Bumms drauf. Als sie die Bühne mit ihren Schuhen in der Hand verließ, wurde mir erst klar, dass sie die ganze Zeit nur in Socken an ihrem Drumkit saß.

Gespielt wurden nach einem Intro folgende Lieder:
Keep It Healthy
Bees
Hi
Composure
Undertow
Love Is To Die
Drive
Disco // Very
Beetles

No Way Out
Elephants

Mit fünf Songs stand das aktuelle Album natürlich ein wenig mehr im Vordergrund als die Vorgänger „The Fool“ (2010) mit drei Liedern und „Exquisite Corps“ (EP, 2008) mit zwei Liedern. Das erste Lied der Zugabe, „No Way Out“, ist auf keinem Album zu finden, wurde aber bereits im letzten Jahr live gespielt. Anfang dieses Jahres wurde dieses Lied im Rahmen einer Session bei BBC Radio 1 immerhin schon einmal aufgenommen.

Trotz des etwas zähen Starts fand ich das Konzert sehr beeindruckend und ich bin mir sicher, dass ich mir Warpaint, wenn sich die Gelegenheit ergibt, noch einmal anschauen werde! (Warpaint-Tourdaten gibt’s hier.)

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2 Antworten zu Warpaint und Amatorski in Luxemburg (Den Atelier, 25.08.2014)

  1. Kat schreibt:

    Warpaint ist auch noch auf meiner Liste von Bands, die ich gern mal live sehen und hören möchte. Demnächst sind sie auch bei uns zu einem Konzert (zusammen mit Wild Beasts), vielleicht habe ich ja dann die Gelegenheit 🙂
    LG Kat

  2. Pingback: Warpaint und Blaenavon in Stuttgart (Universum, 03.09.14) | Luzies Welt

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