Placebo und Wild Beasts in Mönchengladbach (Warsteiner Hockeypark, 20.08.2014)

Zum Glück hatte ich schon im Dezember mein Ticket für das Placebo-Konzert im Warsteiner Hockeypark gekauft und als Glücksfall betrachte ich es auch, dass ich mit zwei Freundinnen die Fahrt und die Übernachtung in Mönchengladbach geplant hatte. Andernfalls wäre ich nach dem Placebo-Auftritt beim Rock’N’Heim vielleicht gar nicht zum Konzertbesuch in der nordrhein-westfälischen Stadt angetreten – hätte dann aber etwas verpasst, denn das Konzerterlebnis war trotz suboptimaler Wetterlage ein überaus angenehmes, das die Glückshormone in mir angesichts Brian & Co. zwar nicht La-Ola tanzen ließ, aber ich spürte immerhin, dass sie noch da sind.

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Da aus Rücksichtnahme auf die Anwohner jedes Konzert im Warsteiner Hockeypark um 22 Uhr zu Ende sein muss, ging das Ganze schon relativ früh los: Kurz nach 17 Uhr war der Einlass und um 19 Uhr sollte das Musikprogramm der Vorband beginnen.

Bei den verschiedenen Wetterportalen im Internet war Regen für die Abendstunden gemeldet worden, aber den ganzen Tag lang zeigte sich der Himmel von seiner schönsten Seite. Es war aber trotz der Sonne relativ frisch, sodass wir uns, als wir uns zum Ort des Geschehens aufmachten, gut einmümmelten. Sicherheitshalber nahmen wir auch die Regenjacken mit, man weiß ja nie, und diese Entscheidung erwies sich als eine sehr gute. Noch als wir vor der Bühne standen und der Chef der Security-Truppe meinte, es wären Gewitter und Starkregen für 18.15 Uhr gemeldet, war ich ein wenig skeptisch, aber leider sollte die Wettervorhersage in diesem Fall Recht behalten!

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Ruck zuck war der Himmel fast schwarz und es schüttete wie aus Eimern! Auf und neben der Bühne wurde das Equipment mit Plastikplanen abgedeckt und der nette Security-Mensch riet uns, uns unter der zumindest halbwegs überdachten Tribüne unterzustellen, bei diesen Wetterverhältnissen dürften wir auch mit Innenraumkarten dorthin, aber ich sah um mich herum niemanden, der seinen Platz verließ. Wir waren ja gerüstet für solche Wetterkapriolen und die Hosenbeine waren ja ohnehin schon feucht und würden auch nicht trockener werden bei dem Marsch quer durch den Innenraum zur Tribüne, warum also die Barriere verlassen? Höchstens wenn das Gewitter stärker geworden wäre, hätte ich mich von dem Metallteil wegbewegt, aber nach zweimal Blitzen und Donnern war es ja schon wieder vorbei. Manche Konzertbesucher, die keinen Regenschutz dabeihatten, bekamen von dem Mann der Sicherheitsfirma sogar Ponchos gereicht. Erfreulicherweise hörte der Regen auf, bevor die Supportband loslegte, und die Wolken hielten den restlichen Abend dicht. Durch die feuchten Hosenbeine und Bündchen meines Hoodies fror ich aber ganz schön und auch die anderen Leute in meiner Nähe schnatterten ziemlich. Der Sommer ist eben schon auf dem Rückzug…

Ab 19 Uhr gehörte die Bühne dann 40 Minuten lang den Wild Beasts, über die ich in den verschiedensten Medien viel Gutes gelesen hatte. Leider zeigte es sich wieder einmal, dass mein Geschmack nicht mit dem von anderen Leuten kompatibel sein muss, denn die Musik der Wild Beasts sprach mich gar nicht so an und meine Zweifel angesichts der Fahrt nach Mönchengladbach kehrten zurück. Immerhin waren meine Augen zufrieden aufgrund der Gitarren, die von Ben Little ganz links, der zunächst Keyboard spielte, verwendet wurden, eine bediente er sogar mit einem Geigenbogen!

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Der singende Bassist Hayden Thorpe spielte bei manchen Songs ebenfalls auf einem Keyboard und tauschte einmal die Rolle des Sängers mit dem zweiten Gitarristen, Tom Fleming, der dabei auch in die Tasten eines dritten Keyboards schlug. Das peppte das Ganze ein bisschen auf, weil die beiden ganz unterschiedliche Stimmen haben, aber für das gelegentliche Krächzen und Juchzen konnte ich mich gar nicht erwärmen… Drummer Chris Talbot konnte ich nicht erkennen, dafür stand ich zu weit links und die Bühne war zu hoch.

Für eine etwas größere Version – hier und bei den anderen Galerien – bitte auf das jeweilige Foto klicken!

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Als Placebo gegen 20.15 Uhr mit ihrem Programm loslegten, waren meine Klamotten fast schon wieder getrocknet, aber es war nach wie vor recht kühl. Die Tatsache, dass sogar Steve Forrest eine Art Unterhemd trug, anstatt wie sonst seinen nackten tätowierten Oberkörper zu präsentieren, beweist, wie niedrig die Temperaturen an diesem Abend waren.

Kaum war das Intro von „B3“ zu hören, brach im Publikum die Begeisterung aus und ich hatte das Gefühl, dass das Level der Glückseligkeit konstant hoch blieb und im Laufe des Abends sogar anstieg. Gedrückt oder geschubst wurde dort, wo ich stand, zum Glück nicht. Jeder hatte genug Platz, um seine Zufriedenheit oder Euphorie oder irgendetwas dazwischen auszuleben, ohne anderen dabei auf die Nerven zu gehen.

Die Bühne war so hoch, dass ich die Schuhe von Brian Molko und Stefan Olsdal nur dann sah, wenn die beiden an den vorderen Bühnenrand kamen oder ab und an die Füße anhoben.

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Fiona Brice, Steve Forrest und Bill Lloyd, deren Arbeitsfeld im hinteren Teil der Bühne liegt, waren von meinem Platz nur ausschnittsweise zu erkennen. Mir fiel auf, dass Nick Gavrilovic, der wie Fiona und Bill die Band bei Konzerten unterstützt, an diesem Abend häufiger als sonst sein Plätzchen im Hintergrund verließ und mit der Gitarre ganz an den vorderen Bühnenrand trat.

Nach dem zweiten Lied, „For What It’s Worth“, wandte sich Brian erstmals mit einem „Dankeschön“ an die „Ladies and Gentlemen of Mönchengladbach“, stellte seine Band als „Placebo from London, England“ vor und meinte „We come in peace and we are loud like looooove.“, woraufhin der Titeltrack des aktuellen Albums gespielt wurde.

Kurze Zeit danach richtete der Sänger schon wieder das Wort an das Publikum. Wie beim Rock’N’Heim bat er vor „Scene Of The Crime“ darum, alle Hände sehen zu dürfen. Dass unter den gut 9.000 Leuten in dem Stadion mehr Placebo-Fans als bei dem Festival am Hockenheimring anwesend waren, ist anzunehmen, wobei auch beim Rock‘N’Heim die ersten Reihen von Placebo-Mögern besiedelt gewesen sein durften. Dennoch funktionierte der zugegebenermaßen nicht ganz einfache Klatsch-Part bei „Scene Of The Crime“ in Mönchengladbach deutlich besser als ein paar Tage zuvor und ich nutzte die Gelegenheit dann auch zum Mitklatschen, nachdem die Fotos von Brians neuer Fender Jaguar, die er bei diesem Lied benutzte, im Kasten waren.

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Es folgten mehrere Lieder des aktuellen Longplayers, bevor Brian erneut das Gespräch mit den Zuschauern suchte. Der Musiker erzählte von der Internationalen Weltraumstation, auf der Astronauten aus Amerika und Russland arbeiten und auch ein Rheinländer, Alexander Gerst. Dann meinte er, dass sie, die Band, an diesem Abend ein Lied aufnehmen und in den Weltraum senden würden, und forderte alle dazu auf, einmal so laut zu schreien, dass man es bis in den „outer space“ hört, und das Gekreische war schon ziemlich beeindruckend. Ob das logischerweise folgende „Space Monkey“ tatsächlich aufgezeichnet wurde und an Alexander Gerst geschickt wird, entzieht sich meiner Kenntnis, aber es ist schon denkbar, dass das nicht bloß ein Scherz war, da der Astronaut für die Nutzung der social media und für Videolivechats mit neugierigen Bewunderern bekannt ist. (Update: Da ist sie, die „Space Monkey“-Version aus Mönchengladbach mit Brians einleitenden Worten: *klick*)

Highlights waren für mich neben „Space Monkey“ die Lieder „Exit Wounds“, bei dem Brian wie bei „Allergic“ und „Post Blue“ seine Bitch-Gitarre spielte und an dessen Schluss er sich mit Stef in der Bühnenmitte traf und einer sich gegenüber dem anderen verbeugte – Insider sprechen hier von einem „Molsdal-Moment“, der hübsch durch den Scheinwerferspot in Szene gesetzt wurde –, und natürlich das ultralange Ende von „Meds“, ihr wisst schon, dieses „trying my best not toooohooooo“ usw., das ich diesmal völlig ungestört genießen konnte.

Vor „The Bitter End“ hatte Stef wieder einen kleinen Soloauftritt, als er sein Spielchen „Welche Seite schreit lauter?“, das manche noch von den Konzerten im letzten Jahr kennen dürften, durchzog, während Brian am linken Bühnenrand schnell eine Zigarette rauchte.

„The Bitter End“ markierte passenderweise das Ende des offiziellen Teils und ich freute mich, als der Zugabenblock mit „Begin The End“ eingeleitet wurde. Es wurde an diesem Abend also die komplette gegenwärtige Setlist performt, na ja, fast komplett, „Soulmates“ war leider nicht dabei, aber davon abgesehen zogen Placebo in Mönchengladbach das vollständige derzeitige Liveprogramm durch mit vielen Liedern des aktuellen Albums „Loud Like Love“, fast genauso vielen Songs des Albums „Meds“ aus dem Jahr 2006 und wenigen Songs (bzw. im Fall des Debütalbums gar keine) aus den anderen Schaffensphasen.

Manche Lieder, aus denen ich mir eigentlich gar nicht so viel mache – ich finde, es gibt so viel schönere Songs von Placebo, die aber nie live zu hören sind –, wirken beim Konzert völlig anders, sodass ich irgendwann nur noch am Tanzen und Herumhüpfen war, und gerade bei dem Schluss mit „Post Blue“ und „Infra-Red“ kann man ja fast gar nicht stillstehen. An diesem Abend hatte das Sich-Bewegen den schönen Nebeneffekt, dass man weniger fror. Für den Zugabenteil erschien übrigens auch Brian Molko in einem Jackett über seinem Hemd und der Weste, offenbar fröstelte es auch ihn ein bisschen, obwohl es auf der Bühne durch die Lichter ein wenig wärmer als im Zuschauerbereich gewesen sein dürfte.

Warm ums Herz war mir an diesem Abend aber auf jeden Fall, denn die Stimmung und die Atmosphäre fand ich bei diesem Konzert so viel besser als beim Rock’N’Heim und die Mädels, die den Auftritt am Hockenheimring ebenfalls erlebt hatten, gaben mir darin Recht, denn sie empfanden es genauso. Ich schätze also, dass dieser Gig noch nicht mein letztes Placebo-Konzert gewesen ist!

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5 Antworten zu Placebo und Wild Beasts in Mönchengladbach (Warsteiner Hockeypark, 20.08.2014)

  1. Chris schreibt:

    Hallo liebe Luzie, auch dieser Bericht hat mir persönlich wieder sehr gefallen. 🙂 Vor allen da Placebo wieder nett zu dir waren. 😀 Wie traurig wären wir, wenn du nicht mehr zu Placebo gehen würdest und wir diese herrlichen Berichte und Fotos von dir nicht mehr hätten. 🙂

    Liebe Grüße Chris 🙂

  2. luuuzie schreibt:

    Auch hier noch einmal danke, liebe Chris! Tja, so schnell werden die Herren (und die Dame) mich als Zuschauerin wohl nicht los…

  3. Kat schreibt:

    Vielen Dank für deinen Bericht Luzie, ich war auch schon neugierig, nachdem ich deinen letzten Festivalbericht gelesen hatte. Freut mich, dass es doch auch noch anders geht bei den Herren 😉
    Eigentlich wollte ich ja dieses Jahr wieder zum Highfield wg. Placebo, aber nach meinem letzten Hallenkonzert in Leipzig (mit suboptimaler Stimmung) habe ich lieber darauf verzichtet, das Geld auszugeben… Schön, dass ich zumindest hier dann deine Festivalerlebnisse nachlesen kann 🙂
    LG Kat

  4. luuuzie schreibt:

    Danke für deinen Kommentar, Kat! Irgendwie finde ich es ja ein wenig beruhigend, dass Placebo nicht nur mich in letzter Zeit auf Distanz halten; etliche Leute aus meinem Bekanntenkreis fanden die Konzerte der „Loud Like Love“-Tour im letzten Jahr auch nicht so prall, und zwar weil die Band so lustlos rüberkam, was die Stimmung ziemlich gedämpft hat. (Nicht alle Zuschauer haben das so empfunden, aber doch einige und das Thema „Duschvorhang“ schneide ich besser gar nicht erst an…) Gleichzeitig macht mich das auch traurig, denn ich frage mich allmählich echt, was da los ist, dass sogar die Hardcore-Fans Abstand nehmen, zumindest hier bei uns in Mitteleuropa. Das muss der Band doch auffallen?!

  5. Kat schreibt:

    Ich denke, es läuft trotzdem ganz gut, sonst würde es vermutlich keine US-Tour geben. Und ansonsten spielt es vielleicht keine Rolle für die Band, ich nehmen nicht an, dass die Stimmung so verfolgt wird. Sie waren ja nun nie als besonders kommunikativ bekannt, aber bei meinem letzten Konzert hätte ich mir auch die CD einwerfen können stattdessen 😉
    Wenn ich jetzt z.B. an Depeche Mode denke (auch seeehhhr lang im Geschäft), da ist doch mehr Interaktion und Energie da, selbst wenn die Band vielleicht auch keine Lust hat, 20x hintereinander eine ähnliche Setlist zu performen (was ich absolut nachvollziehen kann), es wirkt einfach anders und ich fühle mich als Konzertbesucher nicht wie ein notwendiges Übel. Man muss ja nicht gleich ins andere Extrem in Richtung 30 Seconds To Mars fallen… 😀
    Vielleicht fehlt es an Inspiration…? A Million Little Pieces fand ich als Songtitel schon symptomatisch irgendwie (ich liebe den Song trotzdem, ja! und Placebo auch. Für so viele schöne Titel, andere Konzerte und Erinnerungen – ich würde mir wünschen, dass noch einige dazukommen. Ohne Duschvorhang bitte).

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