Taubertal-Festival (Freitag, 08.08.2014)

Diesmal gab es kein so langes Gefackel von wegen „Zum Taubertal fahren oder nicht?“ wie im letzten Jahr. Sobald Biffy Clyro als eine der beim Taubertal-Festival 2014 auftretenden Bands angekündigt worden waren, war die Sache für mich klar. Nix wie hin, notfalls auch alleine. Die vielen in den letzten Jahren über irgendwelche mitteleuropäischen Straßen gebretterten Kilometer sind ja eigentlich Beweis genug, dass ich meine Sperenzchen auch ohne Beifahrer ausleben kann, und selbst Festivals haben ihre abschreckende Wirkung inzwischen so gut wie eingebüßt. (Siehe demnächst: Serengeti. Nie dortgewesen. Na und? Dann lerne ich’s halt kennen.)

Dass Biffy Clyro für den Festivalauftritt in Rothenburg gebucht worden waren, ist schon eine kleine Sensation, wenn man bedenkt, dass sie ja bereits im Jahr zuvor die Hauptbühne im beschaulichen Tal an der Tauber gerockt hatten. Für mich waren Biffy Clyro DER Grund, nach Bayern zu düsen und dem Festival am Freitag einen Besuch abzustatten; von den anderen Musikacts hätte mich keiner zu einer Reise durch die halbe Republik veranlasst. In Anbetracht der Tatsache, dass viele Biffy-Fans vor Ort waren, auch von weiter her, war es auf jeden Fall eine kluge Entscheidung des Veranstalters, die Schotten noch einmal für dieses Festival zu verpflichten, diesmal allerdings als Co-Headliner und nicht einen Slot früher wie im Vorjahr.

DSCF0188Ats

Kleiner Hinweis am Rande: In meinem persönlichen Umfeld wird gerade darüber gewitzelt, dass ich beim Konzertberichtschreiben so wäre wie Peter Jackson beim Filmemachen. Ihr wisst schon… derjenige, der Regie führte bei „Der Herr der Ringe“ und „Der Hobbit“ und stuuuuuundenlange mehrteilige Schinken gemacht hat aus dem Material, was andere Regisseure locker in einen 90-minütigen Hollywood-FilmFilm-Blockbuster gequetscht hätten. Also rechnet nicht damit, so schnell etwas über den Auftritt von Biffy Clyro beim Taubertal-Festival zu lesen, und scrollt einfach nach unten, wenn euch der Rest nicht interessiert!

Da ich Zeit hatte, war ich schon einen Tag früher angereist, um in der wunderschönen Altstadt von Rothenburg ein wenig Sightseeing zu machen und meiner Fotografierleidenschaft zu frönen. Zwischen all den busweise herangekarrten Touristen, dem Aussehen nach überwiegend aus dem asiatischen Raum, fiel ich mit meiner Kamera um den Hals und den Stopps alle zwei Meter, um wieder irgendwelche Schnörkel aus Gestein auf die SD-Karte zu bannen, gar nicht auf.

Es war ganz schön heiß und trotzdem stieg ich ins Tal hinab, um mir das Festivalgelände schon einmal anzuschauen, die Neugier war einfach zu groß. (Wobei das Problem bei diesem Wetter ja nicht der Abstieg war, sondern vielmehr die Rückkehr in die Stadt über den steilen Weg, der zur Burg hin führt und zum Glück durch die Bäume im Schatten lag. Dank Wasserfläschchen in der Tasche und aufgrund einer kurzen Rast auf halber Strecke nach oben hin blieb der Kreislaufkollaps zum Glück aus, aber ein bisschen deideidei war ich kurzfristig trotzdem.) Schon von der Burg aus erkannte man, dass auf dem Festivalgelände noch fleißig gearbeitet wurde, während auf dem angrenzenden Zeltplatz dem Geräuschpegel nach zu urteilen die Party bereits voll im Gange war.

DSCF0063ts

Direkt vor Ort war mein Erstaunen dann riesengroß, denn nach meiner Einschätzung war das Festivalgelände weit davon entfernt, fertig hergerichtet zu sein. Sowohl an, vor und hinter der Bühne als auch an den Buden mussten noch einige Aufbauarbeiten verrichtet werden. Ob das immer so ist? Ich hätte eigentlich damit gerechnet, dass spätestens am Vorabend des ersten Festivaltages alles steht.

Für eine etwas größere Version – hier und bei den anderen Galerien – bitte auf das jeweilige Foto klicken!

Mir ging’s richtig gut, ich war so hyper – Urlaub, bestes Wetter, schöne Umgebung, Konzert von der Lieblingsband in Aussicht –, dass ich den Hunger erst ziemlich spät merkte, aber mit bloß einem Käsebrot und einer Banane im Bauch hält man schlecht den ganzen Tag durch. Allerdings gestaltete sich die Nahrungssuche in Rothenburg etwas kompliziert: Mit Konditoreiprodukten hätte ich mich vollstopfen können bis zum Überlaufen, an etwas Deftiges heranzukommen, erwies sich da schon als schwieriger, wenn man sich nicht in ein Restaurant setzen wollte. Nix Schnellchinese und so, zumindest in dem Areal innerhalb der gut erhaltenen alten Stadtmauer ist die auf die fixe Versorgung Hungriger, die ihr Essen gerne mitnehmen möchten, spezialisierte Gastronomie Mangelware. Aber ich hätte mich auf gar keinen Fall eine Stunde oder so hinsetzen können, eher bringt man einem Flohzirkus Yoga bei. Und ich schien nicht die Einzige gewesen zu sein, die auf der Suche nach einem nicht süßen Imbiss war, denn kaum hatte ich mich mit meinem vegetarischen Döner auf eine der Stufen am Rathaus niedergelassen (im Gehen lassen sich die gefüllten Fladenbrote nach ein paar Bissen so schlecht weiteressen), wurde ich auch schon gefragt, wo ich das Ding herhätte.

Danach setzte ich mein Sightseeing noch eine Zeitlang fort und begab mich dann ins Hotel, um neue Energie für den nächsten Tag zu tanken. Der würde lang und anstrengend werden, aber auch wunderschön.

Nach dem Frühstück bummelte ich bei bereits ganz schön heftigen Temperaturen noch ein wenig durch die Stadt und spazierte dann ins Tal zum Festivalgelände, wo ich ein paar nette Bekannte antraf. Sehr zu meinem Erstaunen waren die Arbeiten – nur wenige Stunden vor Beginn des Musikprogramms – an und vor der Bühne immer noch im Gange. Bagger fuhren hin und her und es wurde auch schwere körperliche Arbeit geleistet, z.B. Schotter in einen Schubkarren geschaufelt und dieser vor der Bühne verteilt, alles im prallen Sonnenlicht wohlgemerkt, wo ich ja schon ohne die geringste Körperbewegung in die Knie gegangen und bei lebendigem Leib verbrannt wäre.

Da der Zaun zum Straßenrand wegen der Baustellenfahrzeuge an vielen Stellen offen stand, konnte im Prinzip jeder, der das wollte, sich auf dem Festivalgelände frei bewegen, auch wenn es dort noch nicht viel zu sehen gab und alle Stände hatten ja auch noch geschlossen; außerdem lag das Areal im gleißenden Sonnenlicht. Unser Biffy-Fan-Grüppchen war bei weitem nicht die einzige Besuchergruppe vor Ort; da der eine Zeltplatz in unmittelbarer Nähe zum Festivalgelände lag, wimmelte es nur so von Besuchern, wobei die meisten auf der Straße parallel zum Flüsschen flanierten oder hier und da in den schattigen Bereichen hockten.

Irgendwann starteten Sportfreunde Stiller, der Headliner des Tages, den Soundcheck und da es klar war, dass ich diese Band am Abend nicht sehen würde, weil ich direkt nach dem Auftritt von Biffy Clyro ins Hotel zurückkehren wollte, um genug Schlaf und Energie für den nächsten Tag und das nächste Festival in 350 km Entfernung zu bekommen, schaute ich mir wenigstens ein paar Minuten dieses Soundchecks an. Es störte ja, wie gesagt, keinen.

Wir hatten in der Irrsinnshitze eigentlich nicht vor, den ganzen Nachmittag und Abend in Reihe 1 zu stehen, bis es an der Zeit war für Biffy Clyro, deren Auftritt um 20.20 Uhr beginnen sollte. Ein Mädel aus unserer Gruppe war sogar am Überlegen, sich das Konzert von der Tribüne oder der Sitzgruppe am Rand anzuschauen und ich zog das auch in Erwägung, aber durch einen Zufall wurden wir noch vor dem offiziellen Öffnen des Festivalgeländes direkt an der Hauptbühne hineingelassen und stellten uns erst einmal an die Barriere mit der Option „Weggehen kann man immer noch“ im Hinterkopf. Vom Wetter her war es dort aber gut auszuhalten, denn es zogen immer mal wieder Wolken vor die Sonne und durch den Hang links von der Bühne wurde es ziemlich früh am Nachmittage schattig.

Bevor die erste Band ab 15.30 Uhr die Hauptbühne für sich eroberte, wurde die Eröffnung des Festivals offiziell vollzogen durch einen Moderator, der die Zuschauer begrüßte und meinte, je früher das Festival ausverkauft ist, desto besser wäre das Wetter.

Den Auftakt des musikalischen Programms auf der Hauptbühne machte Fiva. Eine hübsche Frau am Mikro plus vier männliche Musiker – ein Keyboarder, ein junger Mann an den Turntables, der bei einem Lied auch an einer Trommel zugange war, ein Schlagzeuger und ein Bassist. Die Namen der vier wurden zwar im Laufe des etwa 40-minütigen Programms von der Vocalistin genannt, schön in Zweierpacks, aber mein Hirn konnte die Information trotzdem nicht dauerhaft abspeichern. Das Quintett bot Rap-Musik mit frechen, aber niveauvollen Texten auf Deutsch, die junge (und junggebliebene) Leute ansprechen dürften, beispielsweise „Du kannst die Katze behalten, doch die Stadt gehört mir!“ In ebenjenem Lied wird gezeigt, dass eine Trennung auch etwas Befreiendes, Positives sein kann. Rein inhaltliches Kontrastprogramm gab es bei einem anderen Song, in dem es hieß „Durch dich ändert sich der Blick auf alles, denn dein Lächeln verdreht Köpfe“, woraus entweder spontan oder versehentlich „Euer Lächeln verdreht Texte“ wurde und dieses Thema wurde dann noch etwas ausgedehnt. Meiner Ansicht nach war das ein großartiger Einstieg ins Festivalprogramm.

DSCF0205Ats

Die aus München stammende Sängerin, die eigentlich Nina Sonnenberg heißt und u.a. auch als Moderatorin im Radio und Fernsehen tätig ist, meinte irgendwann, sie hätte mit ihrer Band bei der Taubertal-Edition zwei Jahre zuvor als letzte Band, also mitten in der Nacht, im Steinbruch gespielt, und offenbar war die Performance damals ähnlich gut angekommen wie bei mir an diesem Tag (obwohl Rap nun wirklich nicht die Schublade ist, in der ich mich wohlfühle, aber die fünf waren definitiv gut), denn vor der Bühne hatte sich eine ansehnliche Fangemeinde versammelt, die tanzte, zum Teil mitsang und sogar liebevoll gestaltete Schilder hochhielt. Mehrfach bedankte sich Fiva bei den Klatschenden, vor allem bei den vorne Stehenden, aber auch bei den am Hang Sitzenden, und forderte die Leute auf mitzusingen, auch wenn sie den Text nicht kennen, Hauptsache mitsingen.

Noch in diesem Jahr wird das bereits fünfte Studioalbum der quirligen Rapperin erscheinen und es stehen noch etliche Konzerttermine an, über die man sich am besten auf der Homepage der Künstlerin informiert.

.

So nett und entspannt, wie das Festival begann, ging es leider nicht weiter, denn sobald der Auftritt von SDP zeitlich näher rückte, waren wir umgeben von ein paar außerordentlich unsympathischen, leicht bis mittelstark alkoholisierten Halbstarken, die es sich offenbar zum Ziel gesetzt hatten, uns vehement auf die Nerven zu gehen, allerdings nicht auf die nette Art und Weise. Der Auftritt von SDP rangiert daher und auch wegen der vielen anderen, die sich plötzlich absolut rüpelhaft benahmen, halbvolle Becher Richtung Bühne warfen, schubsten und herumkrakeelten, bei mir in der Kategorie „so schnell wie möglich wieder vergessen“.

DSCF0208ts

Vielleicht hätten die provokativ-bissigen deutschen Texte, die manchmal vielleicht doch eine Spur zu weit gehen, mit anderem Publikum um mich herum auch ganz anders auf mich gewirkt und mich zum Grinsen gebracht, aber – sorry, Band – der Name SDP wird wohl noch eine ganze Zeitlang verbunden sein mit dieser ätzendsten Stunde seit langem, in der ich leider gar nichts zu lachen hatte. Deshalb habe ich hier und jetzt auch überhaupt keine Lust, mehr ins Detail zu gehen, und mache lieber sofort mit der nächsten Band, Jimmy Eat World, weiter.

Deren Auftritt hatte zum Glück einen Wechsel des Publikums um mich herum zur Folge und die Bierlachen auf meinem Shirt trockneten während der Umbauphase allmählich. Ich schraubte gerade an meiner Kamera herum, um die ideale Einstellung für die Gitarrenhälse über dem Jimmy Eat World Stagecase zu finden und – wusch – wer tauchte just in dem Moment in ebendiesem Eckchen auf? Churd, Simon Neils Gitarrentechniker. Offenbar fing er zeitig an, die Gitarren von Biffy Clyro zu inspizieren oder einsatzbereit zu machen.

DSCF0212Ats

Mehrere hübsche Gitarren gab es aber zunächst einmal bei Jimmy Eat World zu bewundern. Beide Gitarristen benutzten jeweils zwei verschiedene Gitarren; der Hauptsänger und Gitarrist Jim Adkins scheint Sechssaiter der Marke Fender zu bevorzugen, während der Kollege links von ihm (aus meiner Sicht), Gitarrist und Sänger Tom Linton, offenbar eher auf Gibson steht.

Ab und zu konnte man weitere Gitarren bestaunen, gespielt von Robin Vining im Hintergrund links, der als zusätzlicher Livemusiker bei einigen Liedern aber nicht nur zur Gitarre griff (eine akustische und eine Epiphone waren im Einsatz), sondern auch das Keyboard oder den Schellenring bediente und auch Backgroundvocals sang. Wenn gerade die Musiker vorgestellt werden, sollte ich vielleicht noch die beiden anderen erwähnen, den Bassisten Rick Burch, der einen Fender-Bass mit rotem und einen mit blauem Korpus spielte, sowie den Schlagzeuger Zach Lind.

DSCF0228AtsFrontman Jim informierte die Taubertal-Gemeinde irgendwann darüber, dass Tom an diesem Tag Geburtstag hätte, was natürlich in einem vielstimmigen „Happy birthday“ resultierte, bevor das Geburtstagskind die Aufgabe hatte, das nächste Lied zu singen.

Obwohl Jimmy Eat World bereits etliche Alben veröffentlicht haben, habe ich mich nie intensiver mit der Band aus den USA auseinandergesetzt; die Musik spricht mich eben nicht zu 100% an, auch wenn die Reise nach zwei Portionen deutschem (Sprech)gesang allmählich in die richtige Richtung ging. Deshalb habe ich den Auftritt des Quintetts beim Taubertal-Festival genossen (und auch den am Tag danach beim Rocco del Schlacko), zumal das Publikum bis auf eine größere Rempelaktion relativ am Schluss ziemlich angenehm war, und die großen Hits der Band – zum Beispiel „Pain“, mit dem das Set eröffnet wurde, oder den Abschlusssong „The Middle“ – kannte ich sogar.

So viele Fotografen wie an diesem Abend habe ich übrigens noch nie bei einem Festival im Fotograben gesehen, da ging es ja zu wie in einem Bienenkorb! Einerseits ist es ja schön, wenn so viele Leute einen Fotopass bekommen, andererseits könnte ich mir vorstellen, dass es noch stressiger als üblich ist, inmitten eines Heers von Fotografen, das sich auf mehrere Reihen verteilen muss, während drei Liedern seine Fotos zu schießen.

.

Es fühlte sich fantastisch an, als der Blick auf die Leinwand rechts von der Bühne plötzlich diese Information anzeigte:

DSCF0242Ats

Die pittoreske Kulisse, die die Musiker vor ihren Augen hatten, also den Hügel mit dem Wald und der Burg, wurde in vereinfachter Form hier integriert. Auch ein Interview, das mit James früher am Tage geführt wurde, wurde auf dieser Videotafel ausgestrahlt, um die Zeit bis zum Auftritt ein wenig zu überbrücken. >hier geht’s zum Interview<

Spätestens als das Banner für Biffy Clyro an der Rückwand der Bühne gehisst wurde und vertraute Gesichter die Bühne für die Musiker herrichteten, dürfte all denjenigen, die wegen der Schotten früh vor Ort gewesen waren und in dem Geschubse und Gedrücke vor der Bühne ausgeharrt hatten, klargeworden sein, warum man sich solche Strapazen antut…

Als alles fertig aufgebaut war, stellte ich erfreut fest, dass ich endlich auch wieder Ben Johnston hinter seinem Schlagzeug sehen würde (die Bassdrum leider ohne Deko) und auch alle anderen Musiker – Simon Neil (Gesang, Gitarre), James Johnston (Bass, Gesang) sowie die zusätzlichen Live-Musiker im Hintergrund, Gambler (Keyboard, wie so oft hinter einer Lausprechermauer halb versteckt) und Mike Vennart (Gitarre, Gesang) –, denn im Unterschied zu anderen Festivals gibt es beim Taubertal keine Lautsprechertürme oder sonstigen Elemente, die so ungünstig aufgestellt sind, dass sie einem sogar aus Reihe 1 aus den Blick auf die Bühne total versperren. Im Prinzip sieht man von überall gut.

Das laute Gebrüll des Intros – „Requiem for Ernst-Hugo“ von der Band TEXT – machte unzweifelhaft klar, dass der große Moment gekommen war. Noch einmal tief Luft holen… den Blick fest zur Bühne gerichtet… erhöhte Herzfrequenz… sehen, wie sich Gambler hinters Keyboard setzt und den Anfang von „Different People“ anstimmt… und dann kam von links auch schon Simon mit der blauen Fender, grinste verschmitzt und machte erst einmal auf zart. „Baby when you hooooooold meeeeeee…“, die Augen geschlossen, um mich herum grölte so gut wie jeder mit…

DSCF0252Ats

…und sobald der schnellere Part des Songs startete, war klar, dass es auch bei Biffy Clyro alles andere als ruhig zugehen würde! Ich war dem jungen Mann hinter mir so dankbar, dass er, seine Hände rechts und links von mir an die Barriere gekrallt, die meiste Zeit quasi als Puffer für sämtliche Stöße von hinten diente, bis ein anderer, der links von ihm stand, ihm den Platz für die linke Hand streitig machte und ich ganz schön eingekeilt war zwischen dem rechten Oberarm des ziemlich großen anderen und dem Arm des ersten rechts von mir.

Gerade bei dem Liedern mit mehr Pfeffer waren einige Crowdsurfer unterwegs und da ich einmal ziemlich unsanft von irgendeinem Körperteil ins Gesicht getroffen wurde, ging ich jedesmal, wenn die beiden Security-Menschen sich mal wieder direkt vor mir aufbauten, um irgendwelche Leute entgegenzunehmen, auf Tauchstation. Die Tatsache, dass Crowdsurfing ja eigentlich verboten war, interessierte keinen Menschen. Wenn da keiner rigoros dagegen vorgeht, wird sich daran auch nichts ändern. Das war stellenweise echt ganz schön stressig, ein solch nervenaufreibendes Biffy Clyro-Konzert hatte ich bis dahin noch nicht erlebt! Deshalb bevorzugte ich an diesem Abend eindeutig die ruhigeren Lieder, „Accident Without Emergency“ zum Beispiel oder „Biblical“, bei dem irgendwann die Konfettikanonen ein erstes Mal zweifarbige Papierschnipsel in die Luft abfeuerten, und „God & Satan“. Aber auch bei solchen eher zarten Klängen war man vor Gedrücke und Crowdsurfern nicht sicher.

Ganz besonders freute ich mich über „Glitter And Trauma“, was bei den anderen Konzerten, die ich dieses Jahr besuchte, nicht auf der Setlist stand und an diesem Abend natürlich mit allem, was dazu gehört, serviert wurde: den grell blinkenden Leuchten, von den Musikern den Zuschauern höchstpersönlich ins leicht entrückt grinsende Gesicht gehalten, bevor die Dinger beiseite gelegt wurden, damit Simon und James die Hände frei hatten, um sich mittig auf der Bühne gegenüberstehend dem jeweils anderen am Saiteninstrument zu zupfen. Herrlich! Es gab aber noch ein weiteres so richtiges Highlight: „Machines“ nur mit Simon an der Akustik-Gitarre. Ein Traum! Ich hatte mir so gewünscht, dieses Lied noch einmal beim Konzert zu hören und dachte schon, dass nach „God & Satan“ nichts mehr kommt, was lediglich mit Simon und seiner Takamine-Gitarre zu tun hat, aber an späterer Stelle war es dann doch noch einmal so weit.

Schön fand ich es auch, „Spanish Radio“ noch einmal live zu erleben, zumal gerade bei diesem Lied die Beleuchtung der Bühne immer besonders schön ist.

DSCF0337Ats

Ab und zu, bei „Living Is A Problem Because Everything Dies“ etwa, stiegen passend zum Rhythmus mehrere Nebelfontänen am vorderen Bühnenrand in die Höhe. Diesen Schnickschnack hätte ich nicht gebraucht, aber es sah schon gut aus. Wenn ich ehrlich bin, bräuchte ich auch keine besondere Beleuchtung oder irgendwelche Videoanimationen, wie es sie manchmal zu sehen gibt, denn was Simon und James da auf der Bühne abziehen, ist so mitreißend, dass die Augen eigentlich genug zu tun haben. Meine Pupillen wanderten auch ganz oft zu Ben, der recht viele Gesangsparts hat, und auch Mike springt manchmal voller Enthusiasmus in seinem Eckchen herum, weswegen ein Blick in diese Richtung ebenfalls lohnend sein kann.

DSCF0318AtsVor allem Simon bewundere ich aber um seine Energie (sein Kollege James ist ja ein klein wenig zurückhaltender in seinem Bewegungsdrang), er strotzt nur so vor Kraft und zeigt auch nach eineinhalb Stunden und trotz hohem Schweißverlust keine Ermüdungserscheinungen (und das nach fast zwei Jahren on the road mit nur kurzen Pausen zwischendrin). Noch zu „I am a mountain, I am the sea“ springt er völlig ohne Mühe, wie es scheint, samt Gitarre in den Händen über die Bühne und schwingt die Hüften noch genauso locker wie zu Beginn des Konzerts, wenn „The Captain“ ansteht. So viel Power hätte ich manchmal auch gerne in meinem Job!

Gegen Ende von „Mountains“ gab es noch einmal einen Konfettiregen und manche hatten danach das Glück, Setlists, Plektren und Drumsticks abzustauben.

Den Headliner des Taubertal-Freitags, Sportfreunde Stiller, schaute ich mir, wie weiter oben erwähnt, nicht mehr an. Ich wollte ja fit sein fürs Rocco del Schlacko (Bericht hier), wo ich am nächsten Morgen erst einmal hinfahren musste, lag dann aber doch erst gegen 1.30 Uhr im Bett mit den schönsten Erinnerungen, die man sich nur vorstellen kann.

Wenn ich nun meine Unterarme so anschaue, springt mir sofort „I’ll take a bruise I know you’re worth it“ ins Hirn, in Kombination mit einem seine Gitarre kuschelnden Simon, wie das am Ende von „Many Of Horror“ meist der Fall ist.

Die Setlist:

Setlist Biffy Clyro Taubertal 2014
Plus:
Machines
Stingin‘ Belle
Mountains

Advertisements

Über luuuzie

https://luzieswelt.wordpress.com/ http://linsengemurmel.wordpress.com/
Dieser Beitrag wurde unter Konzertbericht abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s