Crowbar und Rage Of Samedi in Saarbrücken (Kleiner Klub, 03.08.14)

DSCF9458tsNach meinem spontanen Crowbar-Erlebnis in Weinheim im April freute ich mich tierisch, als die Ankündigung kam, dass Kirk & Co. im August in Saarbrücken im Kleinen Klub auftreten würden. Ganz kurzfristig wurde dem dann noch das Sahnehäubchen aufgesetzt, indem Rage Of Samedi als Supportband für diesen Abend bestätigt wurden, und in mir wibbelte es nur so vor Vorfreude. Ein ähnliches Gefühlspüree verspürten sicherlich auch die fünf Musiker aus Rheinland-Pfalz, denn als sie in der Woche zuvor beim Zweibrücker Stadtfest abrockten – Gitarrist Sam D. Durango mit Crowbar-Kappe auf dem Haupt – konnte noch keiner von ihnen ahnen, dass sie kurze Zeit darauf mit vier ihrer musikalischen Oberhelden Bühne und Backstage-Bereich teilen würden.

Wie schon in Weinheim stand Crowbar-Frontmann Kirk Windstein mit seiner Frau unmittelbar, nachdem sich die Türen der Konzerthalle geöffnet hatten, hinterm Merchandise-Stand, verkaufte Shirts, CDs und Schallplatten, plauderte mit den Fans und ließ sich bereitwillig mit ihnen fotografieren.

Da es so heiß war, betraten die Leute den Club nur zögerlich und diejenigen, die drin waren, hielten sich zunächst vor allem im Merch-Eckchen auf und nicht direkt vor der Bühne. Als jedoch Rage Of Samedi mit ihrem Programm begannen, füllte sich der Raum schnell und ich weiß, dass zumindest ein paar Personen ihr Ticket in erster Linie wegen der Vorband gekauft hatten.

Rage Of Samedi standen ziemlich genau vor einem Jahr schon einmal auf der Bühne im Kleinen Klub, damals als Support für Karma To Burn, was auch schon eine ziemlich große Sache war, wenn man bedenkt, dass es damals weder das Album „Sign“ noch eine große Konzerthistorie gab. Nun steht bald schon die Vinylausgabe des bislang nur auf CD erhältlichen Debütalbums an und es existieren schon einige neue Songs. Die Temperaturen waren damals allerdings ähnlich hoch wie an diesem Sonntagabend.

Gespielt wurde dieselben Lieder wie neun Tage zuvor, und auch wenn der Hinweis auf eine unveränderte Setlist bei mir oft mit einer zumindest kleinen Kritik verbunden ist, erst recht bei Bands mit einem riesigen Fundus an Songs, ist diese Aussage hier eine ganz neutrale deskriptive, denn einer der Rage Of Samedi-Musiker kam erst in der Nacht vor dem Gig aus dem Urlaub zurück und erfuhr auch fernab der Heimat von dem Support-Slot für Crowbar. Ich sag ja: Das war alles superkurzfristig! Insofern existierte gar nicht die Möglichkeit, neues Songmaterial auszustesten oder sich in ältere Songs, die zuletzt nicht live dargeboten wurden, noch einmal einzuspielen. Vermutlich war noch nicht einmal Zeit für eine letzte Bandprobe mit allen fünfen. Aber das merkte kein Mensch, denn die Qualität der Musik lag auf demselben hohen Level wie immer. Stoner-Sludge-Metal vom Feinsten mit doomartigen Elementen hier und da und etwas schnellerem Tempo bei den neuen Liedern „The Score“, „Children Of The Black Sun“ und „Psychopath Job“.

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Die Stimme von Sänger Lou Cifer war absolut kraftvoll, sowohl bei den tieferen Tönen als auch beim gelegentlichen Gekreische, etwa bei „Getting Fucked“ oder „Buried“, bei dem Sam D. Durango nach anfänglich eher zarten, langsamen, aber dennoch evil klingenden Gitarrentönen irgendwann ein Riffgewitter mit Wah-Wah-Unterstützung losbrechen lässt. In der Hauptrolle: seine Gibson Flying V. Die SG Special war sicherheitshalber, für den Fall des Falles am Rand geparkt, hatte aber, da alles wie am Schnürchen lief, dann doch nur die Aufgabe, gut auszusehen.

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Ian O’Field bearbeitete wie immer hochkonzentriert sein Drumkit und brachte die Beats genau auf den Punkt und auch Bassist Paul McKay ging mit der ihm eigenen ruhigen Coolness souverän seinem Handwerk nach, wobei es hinter der recht entspannt wirkenden Fassade mit Sicherheit auch turbulent zuging angesichts der Freude über diesen wirklich außergewöhnlichen Einsatz.

Da ich sie unmittelbar vor meinen Augen hatte, fielen mir an diesem Abend Herrn Boehmes gelegentliche Fingerfuddelaktionen am Hals seiner Pacifica so richtig auf. Hut ab, das sah nicht nur klasse aus, sondern klang auch gut und ich glaube, ich verstehe jetzt, was Sam D. Durango meinte mit dem „neuen Input“, den der DixieKing der Band gibt! Da waren in der Tat einige zusätzliche Gitarrenschnörkel zu hören.

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Nach zehn Liedern war dann leider schon Schluss und mir ging dasselbe durch den Kopf wie in Zweibrücken: Es wäre doch schön, wenn irgendwann in diesem Jahr noch ein paar Rage Of Samedi-Konzerte stattfinden würden! Vielleicht ein Vinyl-Release-Gig? Hoffen wir, dass die Scheibe bald fertig ist!

Für eine etwas größere Version bitte auf das jeweilige Foto klicken!

Auch diesmal richteten die Musiker von Crowbar die Bühne selbst für sich her. Viel Schnickschnack brauchen sie ja nicht, jeder ein paar Pedälchen, das war’s. Während der Schlagzeuger Tommy Buckley sein Drumkit aufbaute, war Sänger und Gitarrist Kirk Windstein damit beschäftigt, alles so einzustellen, dass er mit dem Sound zufrieden war. Er war eine ganze Weile beschäftigt, während Bassist Jeff Golden und Gitarrist Matthew Brunson, die später hinzukamen, ihre Instrumente und Pedale relativ flott startklar hatten. Der Mann am Bass gehört seit 2013 mit zur Band, nachdem Pat Bruders ausgestiegen war, um sich voll und ganz auf das Musizieren und Touren mit Down konzentrieren zu können. Matt Brunson ist bereits seit 2009 mit an Bord und Tommy Buckley schon seit 2005. Also ist die Sludge-Band Crowbar, deren Wurzeln bis ins Jahr 1989 zurückreichen, im Prinzip Kirk Windsteins „Kind“.

Die Setlist war in Saarbrücken eine andere als in Weinheim, damals war ja auch das aktuelle Album „Symmetry In Black“ noch nicht veröffentlicht. Den Auftakt machte diesmal „The Cemetery Angels“ aus dem Album „Sever The Wicked Hand“ aus dem Jahr 2011, es ging also recht flott zu zum Einstieg, aber unmittelbar danach wurde das Tempo reduziert, als die erste Single aus dem neuen Opus, „Walk With Knowledge Wisely“, performt wurde. Dieses Lied ist der Opener von „Symmetry In Black“ (erstaunlicherweise ist die Reihenfolge der Songs im Booklet eine völlig andere) und mit Textstellen wie „The weak can always overcome but only if they burn with desire“ und „My heart might have been broken that will only fuel what grows in my mind“, genauso wie mit dem für meinen Geschmack wunderschönen, refrainartig verwendeten Gitarrenriff hatten mich die Herren sofort in ihren Bann gezogen. Auf dem Album folgt das ebenfalls sehr überzeugende „Symmetry In White“ und damit ging es auch beim Konzert weiter. Markante Riffs, gemächliches Tempo, ich fand‘s klasse!

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Für mich sind Crowbar ja quasi eine Neuentdeckung, auch wenn die Band in diesem Jahr ihr 25-jähriges Jubiläum feiert und ich somit einiges verpasst habe, aber das schreckt mich nicht ab, ganz im Gegenteil; ich genieße es, mich bei einer Band mit gigantischer Diskographie, wenn die Musik mir zusagt, nach und nach durch die Alben zu wühlen und die Perlen zu entdecken, und im Fall von Crowbar sind das für mich vor allem die langsamen, schwerfälligen Songs, insbesondere die, bei denen mich auch die Lyrics ganz besonders ansprechen. Beispielsweise „Liquid Sky And Cold Black Earth“, was in Saarbrücken ebenfalls gespielt wurde – „Through you I’ve been reborn. My world no longer torn!” – ebenso wie „The Lasting Dose”, das mit einer wunderbaren Gitarrenmelodie startet.

Setlist Crowbar SaarbrückenDem Foto von der Setlist – ein handgeschriebenes, hübsch verziertes Ding und insofern ein Unikat – kann man entnehmen, welche Songs die Band außerdem für ihren Auftritt in Saarbrücken ausgewählt hatte.

Die Qualität eines Konzerts hängt meiner Ansicht nach aber nicht nur von den ausgewählten Liedern und der Qualität ihrer Darbietung ab, sondern ganz stark auch von dem Ambiente und dem Publikum. Ich habe ja schon mehrmals in Berichten über Konzerte im Kleinen Klub erwähnt, dass man dort mangels Absperrung in Reihe 1 quasi mit der Nase an den Gitarren steht und mein Riecher kam den Dingern bei diversen Konzerten schon ziemlich nah – allerdings nie so nah wie beim Crowbar-Konzert, denn ein sichtlich gut gelaunter Kirk Windstein kam etliche Male ganz nach vorne, schaute manche Leute direkt an, lächelte, zwinkerte, feuerte durch Mimik und Gestik die Leute zum Mitmachen an und bearbeitete mit größter Hingabe die Saiten seiner Dean-Gitarre nur ein paar Zentimeter vor meinen Augen. Wahnsinn! Erfreulicherweise benahm sich die Zuschauermenge richtig gut und keiner ließ sich von seiner Begeisterung dazu verleiten, total durchzudrehen, es gab zumindest in meinem Umfeld kein Geschubse und Crowdsurfer waren auch keine unterwegs. Eng war es schon, der Kleine Klub war gut gefüllt, jedoch selbst die, die sich im Rhythmus mitbewegten und ab und zu die Fäuste in die Luft reckten, insbesondere dann, wenn die Musiker sie dazu aufforderten, blieben an ihrem Platz und waren nicht darauf erpicht, ihren Bewegungsradius dorthin auszudehnen, wo andere standen.

Ich konnte das Konzert also richtig genießen, stand stellenweise, vor allem bei den langsamen Parts, mit geschlossenen Augen da, lauschte Kirk Windsteins Reibeisenstimme und den Instrumenten und schwebte sonstwo, zum Beispiel auch bei dem wunderschönen „Planets Collide“, das als letztes Lied vor der leider nur einen Song umfassenden Zugabe gespielt wurde. „But you learn from what’s killing you. And this time it’s real.” Gut gebrüllt, Kirk!

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Lediglich den Sound fand ich an diesem Abend nicht so prall. Die Instrumente waren gut zu hören, aber Kirks Stimme hätte für mein Empfinden etwas lauter eingestellt sein dürfen. Vor allem wenn der Musiker sich zwischen den Liedern an die Zuschauer wandte, verstand ich rein akustisch kein Wort von dem, was er sagte, und mit Lippenlesen kam ich auch nicht weiter.

Am Anfang hatte ich außerdem ein paarmal den Eindruck, dass das Spiel der Instrumente nicht so ganz synchron war, wobei das ja weniger mit dem Sound zu tun hat, und meine Hand würde ich auch nicht dafür ins Feuer legen, dass das, was sich in meinen Ohren ein wenig schräg anhörte, tatsächlich schräg klang.

Schade fand ich, dass Crowbar nur etwa eine Stunde lang spielten. Allerdings nahmen sich die Musiker anschließend die Zeit, um am Merch-Stand mit den Fans zu plaudern, Autogramme zu geben und sich fotografieren zu lassen. Das muss man den Herren aus New Orleans auch hoch anrechnen, denn selbstverständlich ist das nicht!

Was meine Fotos betrifft, die sind ziemlich Kirk-lastig, weil er einfach am besten beleuchtet war und die meisten Bilder von den anderen Bandmitgliedern nix geworden sind…
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