Rock Werchter (Samstag, 05.07.14)

Ihr dürft gerne raten, welche Band mich wieder zu einem Kurztrip, diesmal nach Belgien, motivierte, zu einem gigantischen Festival noch dazu (obwohl ich gigantische Festivals eigentlich gar nicht mag)! Das Lineup für die Main Stage beim Werchter-Festival am Samstag, 05.07.14 – The Temperance Movement, Kodaline, Haim, Biffy Clyro, Triggerfinger, The Black Keys, Pearl Jam – enthält einen Namen, der in Luzies Welt eine besondere Rolle spielt; wer sich hier nicht auskennt, braucht bloß einen Blick auf die Größe der Tags in der Schlagwörter-Wolke am rechten Seitenrand zu werfen und weiß dann wohl recht schnell Bescheid.

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Der Frage „Was ziehe ich an?“ (zu verstehen als: „Welche Kleidung ist am praktischsten für ein Festival?“) widmete ich bis vor kurzem nie sooo viel Aufmerksamkeit und es ist mir ehrlich gesagt schleierhaft, wie ich in den letzten Jahren all die Festivals angesichts meiner Sonnenstrahlenparanoia klamottentechnisch überlebt habe. Die Erkenntnis, dass Sonnenlicht mir gar nicht bekommt und auch Einschmieren und ständiges Nachschmieren mit hochwirksamer Sonnencreme das Problem nicht wirklich löst, ist ja nicht gerade neu, aber irgendwie war die Wahl der perfekten Kleidung bis kurz vorm Pinkpop-Festival in diesem Jahr kein wirklich großes Problemthema, obwohl ich auch bei anderen Festivals zeitig vor Ort war und wenig Gelegenheit hatte, mich im Schatten aufzuhalten. Und dann stand ich da in Landgraaf in diesem ultrahässlichen, aber sehr zweckmäßigen Blüschen, das seit Ewigkeiten in meinem Schrank hing und darauf wartete, einmal zum Einsatz zu kommen. Ich fühlte mich in dem Teil nicht sehr wohl, so rein optisch, was mir dennoch relativ schnuppe war, aber nach dem Anschauen diverser Festivalmitschnitte – inklusive meiner Person in diesem absolut abscheulichen Erzeugnis aus der Sparte „Damenoberbekleidung“ – war ich tatsächlich geneigt, vor dem nächsten Festival auf Klamottenshoppingtour zu gehen. Genau einen Tag vor meiner Abreise zum Werchter-Festival zog ich diesbezüglich los, was jedem zeigt, wie wenig ich das Klischee vom Shoppingverhalten der Durchschnittsfrau bestätige. Sehr zu meinem Entzücken lief meine Einkaufstour ab nach dem Schema „ins erstbeste Klamottengeschäft rein, mit ungefähr fünf geeigneten Oberteilen – dünner Stoff, lange Ärmel, kein zu tiefer Ausschnitt, angenehme Farbe (schwarz) – in die Ankleide, zwei Teile in besser geeigneter Größe bei der Verkäuferin nachgeordert, für gut befunden und gekauft“.

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Und dann schien die Sonne gar nicht, zumindest nicht dauerhaft, und die Wettervorhersage drohte mit leichtem Regen für den Samstag, den „wichtigen Tag“, den wir von früh bis spät im Freien verbringen würden. Tatsächlich regnete es schon, als meine Freundin und ich uns an besagtem Samstagvormittag auf den Weg zum Festivalgelände machten. Also gab ich doch wieder einen absolut lachhaften Anblick ab mit meinen Gummistiefeln (die Jeans natürlich IN den Dingern, nachdem ich aus einer anderen Jeans den Schlamm vom Zürich Open Air 2010 nie wieder herausbekommen habe) und einer viel zu großen atmungsaktiven Regenjacke (geliehen von einem Familienmitglied, weil mir das hochfunktionale Teil zweckmäßiger erschien als mein Poncho), wobei die Jacke immerhin in einem akzeptablen Blauton gehalten ist.

Meine Freundin und ich waren zwar pünktlich zur Einlasszeit da, waren uns aber einig, dass wir nicht den ganzen Tag lang vor der Bühne stehen würden, und es war auch vereinbart, keinen Sprint zwischen Einlass und Bühne hinzulegen. Wir wollten es ganz locker angehen, no stress, denn es war klar, dass der Tag lang und anstrengend werden würde…
Zehn Minuten später, als wir es uns auf dem Metallgitter der Barriere vor der Bühne halbwegs bequem gemacht hatten und wieder einigermaßen bei Atem waren, meinte meine Freundin erstmals: „Ich glaube, hier gehe ich nicht mehr weg!“ Sie sollte Recht behalten, ich hielt allerdings nur bis nach dem Auftritt von Triggerfinger durch und erfüllte damit zumindest 50% der gefassten Vorsätze. Wenn mir das Gedrücke nicht zu viel geworden wäre, hätte ich vermutlich länger ausgeharrt, aber auf gar keinen Fall bis zum Schluss, da mir die Gummistiefel irgendwann das Leben zur Hölle machten. Aber eins nach dem anderen und zurück zum Anfang des Festival-Samstags.

Der Platz in der ersten Reihe war ähnlich wie beim Pinkpop-Festival nicht so ganz optimal, denn die Bühne beim Werchter-Festival war dermaßen hoch, dass man von ganz vorne vieles auf der Bühne nicht sehen konnte, zumal die Lautsprechertürme, die an verschiedenen Stellen der Bühnenfront platziert waren und ein gutes Stück über den Bühnenboden herausragten, die Sicht noch zusätzlich einschränkten. Dennoch kam es nicht in Frage, dort wegzugehen, denn erstens kann man seine Tasche – diesmal eingehüllt in mehrere Müllsäcke, um den Inhalt vor dem Regen zu schützen – an der Barriere bequem abstellen und zweitens hätte ich Knirps in Reihe 2 oder 3 vermutlich auch nicht viel mehr gesehen, weil dann die Köpfe und Schultern der anderen mein Blickfeld eingeschränkt hätten.

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Pünktlich um 13 Uhr betrat einer der Werchter-Verantwortlichen die große Bühne, begrüßte die Zuschauer (nehme ich an, er sprach ja niederländisch) und kündigte die erste Band des Tages an: The Temperance Movement eröffneten das Musikprogramm auf der Main Stage und die fünf Herren aus Großbritannien, von denen ich gerade mal zweieinhalb sehen konnte, machten das richtig gut und boten mitreißenden Rock mit bluesigem Einschlag zum Mittanzen. Sänger Phil Campbell, dessen leicht raue und kratzige und gelegentlich dreckig klingende Stimme perfekt zu dieser Art von Musik passt, schien sein Dasein zu genießen und tanzte, was das Zeug hielt, sodass er sich gleich nach dem ersten Lied seiner Jacke entledigen musste. Er verstand es während und auch zwischen den Songs, das Publikum zu unterhalten; was habe ich gelacht angesichts seiner Aussage, dass zwar keine Sonne scheint, er aber trotzdem eine Sonnenbrille trägt. Köstlich, so muss das sein, wenn man Rockstar werden will! Das Quintett, das erst im Jahre 2011 zusammenfand (wobei die fünf Musiker unabhängig voneinander bereits zuvor im Musikbusiness Fuß gefasst hatten), ist wohl auf dem besten Weg dorthin, denn das Debütalbum „The Temperance Movement“, das gerade mal vor zehn Monaten veröffentlicht wurde, schaffte es auf einen beachtlichen 12. Platz in den UK-Top 40-Album-Charts und sogar auf Rang 3 der UK-Rock & Metal-Album-Charts. Und die Verpflichtung von The Temperance Movement als Supportband für die Rolling Stones spricht ebenfalls eine deutliche Sprache! Mit dieser Band boten die Organisatoren von Rock Werchter einen genialen, kraftvollen Opener, der mich 40 Minuten lang bei Laune hielt.

Für eine etwas größere Version bitte auf das jeweilige Foto klicken!

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Leider erhielt meine Wohlfühlstimmung nach dem starken Start des Musikprogramms erst einmal einen Dämpfer, denn bei den beiden folgenden Bands, zuerst Kodaline, dann Haim, fragte ich mich, ob wir versehentlich bei Pop Werchter gelandet waren. Meine Freundin signalisierte mir nonverbal, dass sich ihre Begeisterung ebenfalls in Grenzen hielt, allerdings sangen um uns herum vor allem die weiblichen Festivalbesucher aus Leibeskräften mit, sowohl bei den Kodaline-Jungs als auch bei den Haim-Mädels.

Immerhin war der Auftritt der irischen Band Kodaline abwechslungsreich für meine Augen, denn der Sänger Steve Garrigan spielte nicht nur ab und zu Gitarre, sondern benutzte bei einem Lied eine elektrische Mandoline, pustete auch mal in eine Mundharmonika und klimperte ein wenig auf den Tasten eines Keyboards. Auch bei dieser Band war es mir leider nicht möglich, den Schlagzeuger (Vinny May) zu sehen, im Prinzip konnte ich die ganze Zeit nur Steve Garrigan und den Bassisten Jason Boland erkennen und ab und zu auch den Gitarristen Mark Prendergast, wenn der sich etwas weiter nach links bewegte oder auf der anderen Seite des Lautsprechers ein bisschen weiter nach vorne kam. Selbst das Banner mit dem Namen der Band konnte ich nur zu einem Drittel wahrnehmen und ich wunderte mich, warum man das Ding nicht ein Stückchen höher hatte hängen können, denn die drei Videotafeln weiter oben wurden zu dem Zeitpunkt gar nicht genutzt.

Dank der lustigen Idee der Tageszeitung De Morgen, den Zuschauern die Möglichkeit zu geben, Schilder zu beschriften, die man auch von der Bühne aus gut sieht, hatten wohl auch die Musiker einiges zu schmunzeln. „Take me on stage, Kodaline“ war da unter anderem zu lesen, doch dieser Wunsch blieb genauso unerfüllt wie der später an eine der Haim-Schwestern gerichtete „Marry me“-Wunsch. Wir leben eben nicht „In A Perfect World“, so der Titel des 2013 veröffentlichten ersten Kodaline-Albums, auf dem sämtliche während des 40-minütigen Sets gespielte Songs zu finden sind, laut setlist.fm diese:
After the Fall
One Day
Love Like This
Way Back When
Lose Your Mind
High Hopes
All I Want

 

Die eben erwähnten Schwestern, die unter ihrem Familiennamen Haim musizieren, kamen als Nächstes an die Reihe und ich dachte zunächst, die Bühne wäre fest in Frauenhand, aber nach Aussage meiner Freundin existierte im Hintergrund auch ein Keyboarder – für mich komplett von dem Lautsprecherturm verdeckt – und da der ganz offensichtlich anwesende Schlagzeuger (Dash Hutton) irgendwann mit Sängerin und Gitarristin Danielle den Platz tauschte und mit einer Gitarre nach vorne kam, musste ich mein Frauenpower-Statement noch einmal leicht modifizieren. Aber wirklich nur leicht, denn ich glaube, die drei Weibsbilder aus Los Angeles haben in der Band die Hosen an. Dass sie die Chefs sind, drückt auch ihr Banner mit den drei Gartenstühlen auf einer Wiese aus, vermutlich ein Klappstuhl für jede der drei Schwestern, die anderen Musiker müssen stehen bleiben. Eigene Trommeln hatten die jungen Frauen auch, hübsch am vorderen Bühnenrand arrangiert, aber nur ab und zu in Gebrauch.

In den Artikeln über Haim, die mir bisher auf diversen Internetseiten begegnet waren, standen immer die Grimassen von Haim-Bassistin Este im Vordergrund, meist mit Beweisfotos versehen, und in der Hinsicht gab die junge Frau auch beim Werchter-Festival alles, durch ihren knallroten Lippenstift wurde die Mundakrobatik noch betont und war auch aus größerer Distanz noch gut sichtbar, zumal sie auf den Videotafeln links und rechts der Bühne manchmal überdimensional gezeigt wurde, wenn einer der Kameramänner mal eben auf das Gesicht der Frau, die auch sang, zoomte. Este schüttelte auch ganz gerne ihre lange blonde Mähne, was zwar cool aussah, aber irgendwie nicht so recht passte zu ihrem langen Kleid mit Übergardinenmuster, dessen Rückenteil ziemlich tief ausgeschnitten war, sodass die Ärmel beim Abrocken gelegentlich ein Stückchen herunterrutschen und noch mehr Haut sichtbar wurde, was der Festivalbesucher mit dem „Marry me“-Schild wahrscheinlich toll fand. Die Bassistin wirkte schon ein wenig exzentrisch, während ihre beiden Schwestern ziemlich normal und eher zurückhaltend rüberkamen, und hat wohl die Rolle des Bandbosses, denn sie sprach mehrmals mit den Zuschauern, kündigte ein Lied als ihren Lieblingsmoment im Set an und rief dazu auf, auf den Regen zu sch***, der eine Zeitlang während des Haim-Auftritts niederprasselte, und zur Musik abzugehen und sie war es auch, die ihre Bandkolleginnen und -kollegen vorstellte – mit kleinem Seitenhieb in Richtung der jüngsten Schwester Alana, die nach ihrer Aussage ganz gerne einmal vergessen wird.

Was die Musik von Haim betrifft… na ja… ich habe ja schon weiter oben durchblicken lassen, dass mir das alles ein wenig zu seicht war. Mein Herz schlägt im Endeffekt eben mehr in Richtung Rock und Metal und kann mit Pop und R’n’B wenig bis gar nichts anfangen.

Folgende Lieder wurden gespielt:
Falling
If I Could Change Your Mind
Oh Well (Fleetwood Mac-Cover)
Honey & I
My Song 5
XO (Beyoncé-Cover)
Don’t Save Me
Forever
The Wire
Let Me Go

 

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Nun war endlich (ENDLICH!!!) die Zeit für Biffy Clyro gekommen und die Herren aus Schottland sowie die danach folgende Band Triggerfinger zeigten, warum das Festival ROCK Werchter heißt und dass man das Bandbanner im Hintergrund auch ein wenig höher aufhängen kann, sodass man auch in Reihe 1 mehr davon sieht. Der Himmel schien sich mit mir zu freuen, denn die Schleusen blieben brav geschlossen.

Woher die Idee zu dem neuen Intro stammt, ist mir nach wie vor ein Rätsel und ich betrachte dieses Geschrei, das mir erstmals in Bourges um die Ohren fetzte, immer noch als ziemlich strange. Immerhin zieht man durch diese Laute auf jeden Fall die Aufmerksamkeit in Richtung Bühne, weil sich vermutlich jeder, der das Gekreische noch nicht kennt, fragt, was da wohl folgen mag. Mittlerweile habe ich übrigens herausgefunden, dass es sich bei dem Stück um „Requiem for Ernst-Hugo“ von einer Band namens TEXT handelt. (Herzlichen Dank an @5atu5!)

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Als der Sänger und Gitarrist Simon Neil die Bühne betrat, hatte er die Haare zu einem Zöpfchen am Hinterkopf zusammengebunden, grinste übers ganze Gesicht und legte dann los mit „Baby when you hoooold meeee“ – wie habe ich mich über diesen Anfang mit „Different people“ gefreut! Nichts gegen „Stingin‘ Belle“, was beim Pinkpop-Festival und beim Printemps de Bourges als erstes Lied ausgewählt worden war und was ich beim Konzert nicht missen möchte, aber als Einstieg in die Biffy-Sause gefällt mir „Different People“ einfach besser. Ich war glücklich und alles wäre perfekt gewesen, wenn ich auch Ben Johnston am Schlagzeug gesehen hätte und mehr als einen halben oder dreiviertel Simon, mal abgesehen von den Momenten, als er seinen Platz hinterm Mikrofon verließ und nach vorne kam, aber dieser doofe Soundtower stand so ungünstig, dass ich auf Ben noch nicht einmal beim Betreten der Bühne einen Blick erhaschen konnte, weil die Herren diesmal von rechts ihre Plätze bezogen. Bassist James Johnston konnte ich hingegen die ganze Zeit problemlos bis zur Hüfte sehen und somit all seine Bässe bewundern und von Mike Vennart an der Gitarre im Hintergrund rechts sowie von Gambler am Keyboard links hinten sah ich wenigstens ab und an die Köpfe.

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Das hielt mich aber nicht davon ab, die Musik und das, was ich mit meinen Augen wahrnehmen konnte, zu genießen, lauthals mitzusingen (Sorry, liebe Leute neben mir!) und meinen Körper im Takt zu bewegen.

Direkt nach Song Nr. 1 ließ sich Simon beim Gitarrenwechsel von seinem Techniker das Haargummi entfernen, schüttelte die zottelige Matte kurz durch und weiter ging’s mit „That Golden Rule“, während die Zuschauer unermüdlich ihre Schilder mit Zeichnungen des schottischen Rocktrios oder mit Kurzbotschaften wie „Simon you are god“, „Justboy“ (leider nicht auf der Setlist) und dem obligatorischen „Mon The Biff“ in die Luft reckten. Die Beine des Sängers steckten übrigens in einer feschen weißen Hose mit schwarzem mäanderornamentartigem Muster, deren Chic nur noch vom Beinkleid des Sängers von Triggerfinger (s.u.) übertroffen wurde. Jener konnte meiner Ansicht nach in Sachen „Bekleidung des Oberkörpers“ allerdings nicht mit den drei Schotten mithalten, denn die trugen wie üblich bloß ihre Tattoos.

Die Setlist des einstündigen Konzerts war im Großen und Ganzen die typische Festival-Setlist, was nicht negativ gemeint ist, denn all die schönen „Schmuselieder“ und „Rockhits“, auf die ich nicht verzichten wollen würde, waren ja dabei. Mit ein paar Überraschungen konnten die Biffy-Herren mir mein ohnehin ziemlich breites Grinsen im Gesicht aber noch vergrößern. Zunächst einmal spielte Simon bei „God & Satan“ nicht die wunderschöne rote Gibson ES 335, sondern diesmal hatte die Akustik-Gitarre von Takamine wieder einen Einsatz. Das Publikum sang aus vollem Halse mit (wie auch bei sämtlichen anderen Liedern), weswegen es Simons Aufforderung „Sing it with me“ eigentlich nicht bedurft hätte, doch der meinte sogar ein paar Takte danach „Louder, come on!“ und feuerte auch bei vielen anderen Liedern die Leute zum Mitsingen und Klatschen an.

Des Weiteren spielten die fünf Schotten „Whorses“, ein Lied, das ich noch nie live erleben durfte, und da ich ganz bewusst nicht darauf geachtet hatte, welche Lieder die Band bei ihren letzten Auftritten spielte, hatte ich auch nicht mitbekommen, dass „Whorses“ bei den Konzerten in Irland und in Tschechien ein paar Tage zuvor bereits auf dem Spielplan stand. Ich war in dem Moment also wirklich total aus dem Häuschen!

Auch „Woo Woo“ ließ mein Herz hüpfen, weil ich dieses Lied zuletzt im Dezember 2013 live hören durfte.

Summa summarum ergab sich also folgende Setlist:
Different People
That Golden Rule
The Captain
God & Satan
Sounds Like Balloons
Biblical
Living Is a Problem Because Everything Dies
Black Chandelier
Bubbles
Whorses
Many of Horror
Woo Woo
Stingin‘ Belle
Mountains

Was soll ich mehr sagen als „You gave me magical“ – once more?! Dieser Vers trifft es wirklich haargenau, denn momentan schafft es keine andere Band, mich emotional derart zu berühren wie Simon, Ben und James und ich hoffe, dass sich unsere Wege noch oft kreuzen werden.

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Schon beim Umbau der Bühne für die belgische Band Triggerfinger entstand der Eindruck, dass man bei dieser Band endlich einmal den Schlagzeuger sehen würde, denn sein Drumkit (von Gretsch) war ziemlich nah an den vorderen Bühnenrand gerückt und blieb auch dort. Wie genial! Warum haben die anderen Bands das nicht auch so gemacht?!

Statt eines Banners bedeckte den Hintergrund ein riesiges silbernes „Tuch“, vor dem drei Elemente mit je in drei Reihen zum Quadrat angeordneten Lichtern aufgestellt waren, das sah klasse aus und sehr classy gebarte sich auch der Sänger und Gitarrist Ruben Block, der sich mit seinen Gitarren in die coolsten Posen warf und sich auf allen Seiten der Bühne blicken ließ, wenn er nicht ans Mikro musste. Zudem bewies der Musiker mit dem bereits ergrauten Haar Geschmack bei der Klamottenwahl. Er trug einen Anzug mit wildem Blumenmuster, das mich an die Tapete in der Küche meiner Großeltern erinnerte, und nach Ausziehen der Jacke offenbarte sich ein nicht weniger heftig gemustertes Hemd. Wirklich très chic und die beiden anderen Bandmitglieder, Bassist Paul Van Bruystegem und Schlagzeuger Mario Goossens, waren genauso elegant gekleidet, selbst der Bühnentechniker steckte in feinem Zwirn.

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Ein Lob geht auch an die Musik, die mir überaus zusagte: purer, lässiger Rock, sehr tanzbar. So wie Ruben die Gitarren wechselte, spielte Paul die verschiedensten Bässe und selbst Mario an den Drums beteiligte sich daran, Stimmung zu machen, indem er ab und zu aufstand und mit Hilfe seiner Gesten die Zuschauermenge zum Klatschen und Tanzen zu bringen versuchte. Es gab sogar ein Schlagzeug-Solo, bei dem die Bühne ihm ganz allein gehörte.

Irgendwann betraten zwei hübsche Damen, ebenfalls perfekt gestylt, die Bühne, um mit Hilfe zweier Schilder über den aktuellen Stand des Fußball-WM-Spiels zu informieren, schließlich kämpfte die belgische Mannschaft in Brasilien um den Einzug ins Halbfinale, und für die fußballbegeisterten Festivalbesucher wurde das Match in einem der Zelte übertragen. Wie frustrierend muss es für die Belgier gewesen sein, dass „ihre“ Mannschaft Argentinien unterlegen war!

Vermutlich ging Sänger und Gitarrist Ruben in einer seiner Ansprachen auch darauf ein, allerdings verstand ich kein Wort, weil er niederländisch sprach. Ich bekam aber mit, dass er – nicht nur rein optisch ganz der Gentleman – sowohl seine Bandkollegen vorstellte als auch am Schluss des einstündigen Auftritts die Namen der beiden hübschen Damen nannte, bei denen er sich herzlich bedankte und die jedem Bandmitglied, nachdem Ruben und Paul ein kleines Tänzchen mit ihnen aufgeführt hatten, eine Goldene Schallplatte überreichten. Das aktuelle Album „By Absence Of The Sun“ ist also überaus erfolgreich in Belgien und ich kann das gut verstehen.

Triggerfinger spielten folgende Songs:
Game
By Absence Of The Sun
On My Knees
Perfect Match
My Baby’s Got A Gun
Camaro
Let It Ride
All This Dancin‘ Around
Cherry

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Kaum hatte das Trio die Bühne verlassen, wurde es ätzend eng um mich herum und da ich ohnehin nicht besonders scharf war auf The Black Keys, verließ ich meinen Platz, um ein wenig übers Festivalgelände zu bummeln und mich zu stärken, auch wenn mir ziemlich klar war, dass ich es später wahrscheinlich nicht mehr nach vorne schaffen würde, wo meine Freundin eisern die Stellung hielt. Ich war gerade fertig mit essen, trinken und einem Besuch der Dixiekloabteilung und stand in der Menschenmasse vor dem Eingang zu dem Front Of Stage-Bereich, zu dem es in dem Moment keinen Zutritt gab, als es wieder anfing zu schütten, und zwar heftiger als zuvor und ohne Unterlass. Meine Regenjacke ließ zwar wirklich kein Wasser durch, aber trotz des Labels „atmungsaktiv“ schmorte ich ziemlich im eigenen Saft, es war ja nicht gerade kalt.

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Sobald die Black Keys mit ihrer Show fertig waren und sich der abgesperrte Zuschauerbereich zu leeren begann, wurden die Schleusen zum Front Of Stage-Bereich geöffnet und das Chaos brach aus, sodass ich fürchtete, von all den rücksichtslosen Leuten, die plötzlich von allen Seiten drückten und gleichzeitig durch das Nadelöhr nach drinnen strebten, zerquetscht zu werden. Der Horror! Ein Vordringen zu meiner Freundin war nicht möglich, aber ganz links in der ersten Reihe war viel Platz und von dort aus sah man auch ganz gut auf die Bühne. Dort wollte ich bleiben und wartete auf den Beginn des Pearl Jam-Konzerts… und wartete… wartete… Um 22 Uhr sollte es losgehen und jedesmal, wenn die Hintergrundmusik verstummte und es auf den Videotafeln, die Werbung einblendeten, dunkel wurde, erschollen Rufe aus dem Publikum, als hätte jemand die Band erspäht. Aber die kam und kam nicht, die Musik setzte immer wieder ein, die Werbung begann von Neuem über die Videotafeln zu flackern und ich merkte plötzlich, wie sehr mir die Zehen in den Gummistiefeln wehtaten und dass meine Finger so verschrumpelt waren, als hätte ich den halben Tag in der Badewanne liegend zugebracht. Auf einmal war mir auch total kalt und die Tatsache, dass Eddie Vedder & Co. nicht wie angekündigt um 22 Uhr auf die Bühne kamen, sondern die Leute bis um 22.30 Uhr im strömenden Regen warten ließen, führte dazu, dass ich plötzlich total mies drauf war und es sogar ein wenig bereute, nicht zu den Pixies gepilgert zu sein, die zur gleichen Zeit auf der Bühne in einem der Zelte spielten.

Mit einem Mal war ich am Ende meiner Kräfte, schaute mir die legendäre Grunge-Band trotzdem noch etwa eine dreiviertel Stunde lang an, bis ich meine Freundin per Handy kontaktierte und ihr Bescheid gab, dass ich schonmal zum Auto gehen und dort auf sie warten würde.

Ich hatte ja schon geahnt, dass sich die Gummistiefel nicht so einfach abstreifen lassen würden und die Teile waren in der Tat wie festgewachsen an meinen Beinen und Füßen, sodass ich schon darüber nachdachte, mir die Dinger mit der Schere aus dem Verbandskasten von den Beinen und Füßen zu schneiden. Uuuuuh! Mit viel Kraft ließen sich die Gummistiefel dann doch von meinen Beinen schaben und ich konnte mich umziehen. Den Wechsel in trockene, saubere Klamotten empfand ich als Wohltat!

Bis heute komme ich gut damit klar, dass ich nur einen Teil des Auftritts von Pearl Jam gesehen habe, und mein linker großer Zeh tut inzwischen schon weniger weh. Nach dieser unschönen Gummistiefelerfahrung stehe ich nun aber schon wieder vor dem Klamottenproblem oder eher Schuhproblem, denn wenn es beim nächsten Festival (diesen Freitag) so schifft wie beim Werchter-Festival, kann ich unmöglich in Stoffturnschuhen dort aufkreuzen. Und die Gummistiefel kann ich meinen armen geplagten Füßen so schnell nicht mehr zumuten. Au weia, was mach‘ ich nur?!

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