Summerblast-Festival in Trier (Exhaus, 21.06.14)

Summerblast FlyerMit dem Summerblast-Festival in Trier hatte ich schon eine Zeitlang geliebäugelt, weil Caliban mit von der Partie waren, und nach deren starkem Auftritt in Frankfurt wollte ich mir die deutsche Metalcore-Band unbedingt noch einmal anschauen. Am liebsten wäre mir ja ein „richtiges“ Konzert gewesen mit etwas mehr Caliban-Spielzeit als bei einem Festival, aber man muss nehmen, was man kriegt.
Auch wenn ich mir andere Bands durchaus gerne angeschaut hätte, war es für mich wegen anderer Verpflichtungen ein Ding der Unmöglichkeit, bereits mittags beim Beginn des Festivals vor Ort zu sein. Das Ziel war, so gegen 18 Uhr am Exhaus einzutrudeln. Bis dahin sollte auch sämtliches Chaos, das beim Einlass der Menschenmassen eventuell auftritt, verpufft sein, außerdem hoffte ich ein wenig darauf, dass es infolge des WM-Spiels der deutschen Fußballmannschaft später am Abend vor der Bühne vielleicht nicht ganz so eng werden würde. Mit einem guten Platz rechnete ich dennoch nicht, schließlich war das Festival ausverkauft, aber sicherheitshalber nahm ich meine Kamera trotzdem mit.

Das Wetter war perfekt und mit viel Sonnencreme auf den nicht von Stoff bedeckten Hautpartien trudelten meine Freundin und ich ein, während Betraying The Martyrs gerade ihren Auftritt hatten. Beim Vorzeigen unserer Tickets bekamen wir ein rotes Papierbändchen ums Handgelenk geklebt und schauten uns anschließend zuerst einmal um auf dem schönen Innenhof, wo es zum Glück viele schattige Bereiche gab. Es war proppenvoll und die Leute scharten sich nicht nur vor der Bühne, sondern auch bei den T-Shirt-, Getränke- und Essensständen sowie vor dem Stand von Peta2, der Peta-Abteilung, die sich direkt an Jugendliche richtet. Sogar einen Stand, an dem CDs und Schallplatten verkauft wurden, gab es.

Es kam mir so vor, als hätten die meisten Festivalbesucher ein Stoffbändchen mit dem Festivalnamen ums Handgelenk und nicht so ein unifarbenes Papierteil wie wir; vermutlich gab es dieses dauerhafte Festivalsouvenir nur dann, wenn man sein Ticket bei einem ganz bestimmten Portal erworben hat.

Das zehnte Summerblast-Festival soll übrigens zugleich das letzte sein, und ich denke, alle Beteiligten können stolz auf ihre Arbeit der letzten Monate sein, denn die Besucherzahl und die gute Stimmung zeigten doch ganz deutlich, dass die Verantwortlichen alles richtig gemacht haben! Dass das Festival „vorerst in die letzte Runde“ geht, heißt es auf der Festivalhomepage; dies und der weitere Text klingt schon sehr danach, als ob da vielleicht doch noch irgendetwas Ähnliches in der Planung ist. Warten wir’s ab!

Bevor wir uns gezielt eine Band anschauten, warfen meine Freundin und ich auch einen Blick auf die Bühne im Innern, aber weil es dort in dem Kellerraum fernab des Zuschauerpulks wirklich stockdunkel war, konnte ich dort nicht bleiben. Ich fand es beklemmend, musste flugs wieder raus und wir schauten daher noch kurz in dem anderen Gebäudeteil, in dem damals der SPH-Bandcontest stattfand und der an diesem Tag für die Stände mit den Merch-Produkten der verschiedenen Bands genutzt wurde, vorbei. Danach zog es uns in Richtung Open Air-Bühne, denn wir mussten ja herausfinden, wo wir uns am besten hinstellen, um zumindest halbwegs etwas von dem zu sehen, was auf der Bühne ablief, denn deshalb waren wir ja da. Das Finden des optimalen Platzes war aber gar nicht so einfach, denn die Masse tobte angesichts des gebotenen Musikprogramms wie wild.

Und Crowdsurfen in Verbindung mit aggressiven Körperbewegungen mochte ich schon in meiner frühesten Jugend nicht. Ich war bereits damals ein Konzertfreak, konnte aber die Gigs (überwiegend Punk und Hardcore) nie richtig genießen, wenn ich ständig Angst haben musste, dass mir von hinten einer ins Genick hopst oder ich einen Schuh oder Ellbogen ins Gesicht bekomme… und die paar Leute, die mir beim Schlendern übers Exhaus-Gelände mit an den Kopf oder ins Gesicht gepressten Eisbeuteln begegneten, bestätigten mich nur in der Ansicht, dass ein bisschen Abstand zum Getümmel nichts schaden kann. Dennoch standen wir während des Auftritts von Nasty ganz vorne, aber ich war zu dem Zeitpunkt sooo gestresst, dass ich mich an der Show, obwohl mir die Musik ganz gut gefiel, gar nicht so richtig erfreuen konnte. Der Sänger stachelte das Publikum, das sowieso aus dem Häuschen war, ständig an und sprang auch irgendwann in die Zuschauermenge, sodass ich gar nicht erst in die Stimmung kam, meine Kamera auszupacken, um Erinnerungsfotos zu schießen. Obwohl der Zeitplan schon ein wenig aus dem Ruder geraten war und die Organisatoren auf beiden Seiten der Bühne unmissverständlich gestikulierten, dass die Herren ihr Programm beenden sollen, spielten die völlig unbeeindruckt noch ein paar Songs. Man hatte ja auch später als geplant angefangen. Die meisten Zuschauer waren wohl froh darum, aber ich wollte nach dem Auftritt erst einmal weg von dort vorne.

Allerdings stellte mir meine Freundin ihre schlechte Laune in Aussicht, sofern wir Caliban von ganz hinten anschauen müssten. Dilemma! Insofern war ich heilfroh, dass wir später, als Bury Tomorrow mit ihrem Konzert fertig waren und die meisten Zuschauer ihre Plätze verließen, gaaaaanz links vor den Boxen unterkamen (wieder mal die Standardposition). Von dort aus hatte man gar nicht mal so üble Sicht auf die Bühne (na gut, je nach Anordnung der vielen Security-Leute musste man zwischen deren Köpfe hindurchsehen) und war vor Hopsern relativ sicher. Das Banner für Caliban prangte bereits an der Rückwand der Bühne, vermutlich hing es dort schon den ganzen Tag lang, und bevor es weiterging mit dem Livemusikprogramm, wurde ein riesiges Stick To Your Guns-Banner davorgehängt.

Sobald die Hardcore-Band aus den USA loslegte, traute ich mich dann auch mal, probeweise die Kamera herauszunehmen. Die Security hatte einiges zu tun, denn wie in einer Karawane sprangen die vorne abgelieferten Crowdsurfer vor der Bühne vorbei, aber unser Plätzchen schien wirklich perfekt zu sein. Die beiden Gitarristen Chris Rawson und – direkt vor mir – Josh James fegten genauso über die Bühne wie Bassist George „Schmitty“ Schmitz und Sänger Jesse Barnett und schienen den Moment genauso zu genießen wie die Zuschauer. So allmählich fing auch ich an, mich zu entspannen, und bewunderte die Gitarren und den Gibson-Bass mit dem ziemlich großen Korpus. Vom Obergeschoss-Fenster des gegenüberliegenden Gebäudetraktes schauten eine Zeitlang ein paar der Caliban-Musiker zu, wie schon bei den Bands, die zuvor aufgetreten waren. Die hatten ja echt einen idealen Standort dort oben, wenn auch etwas weit vom tatsächlichen Geschehen entfernt!

Für eine etwas größere Version bitte auf das jeweilige Foto klicken!

.

Danach blieb die Bühne in US-amerikanischer Hand, denn Walls Of Jericho kamen als Nächstes an die Reihe und die fünf Musiker aus Detroit hatten auch ein großes Banner dabei, das ein wenig umständlich vor dem Caliban-Banner hochgehievt worden war.
Im Zuschauerbereich war es etwas lichter geworden, aber das hielt die Musiker, allen voran Frontfrau Candace Kucsulain, nicht davon ab, alles zu geben. Für den Gitarristen Chris Rawson war das bereits die zweite Runde Action, denn er hatte ja zuvor schon mit Stick To Your Guns abgerockt.
Wie der Kollege von Nasty sprang auch die Vocalistin mit den roten Haaren irgendwann ins Publikum, ließ sich feiern und hielt den textsicheren Fans das Mikro hin. Natürlich erwähnte sie auch, dass das Summerblast-Festival 2014 nicht das erste mit Walls Of Jericho ist, und drückte ihr Bedauern darüber aus, dass es sich nun ausgesummerblastet haben soll.

Zwischenzeitig wirkten die Herren von der Security plötzlich, als wären sie kurz vorm Durchdrehen, und ich konnte mir zuerst gar keinen Reim darauf machen. Dann entdeckte ich, dass ein Zuschauer hoch über dem einen Basketballkorb thronte, die Rückwand des Korbes zwischen seinen Beinen, und hübsch alles mit seinem Handy mitfilmte, aber das war natürlich weder für den jungen Mann noch für die Besucher unter ihm ein sicherer Aufenthaltsort und es bedurfte einigen Gestikulierens seitens der Herren in Schwarz, bis sich der Betreffende durch den Korb wieder auf den Boden flutschen ließ. Unterdessen stand auf dem zweiten Basketballkorb ein anderer Festivalbesucher und wäre wohl gerne – no risk, no fun – von dort aus in die Menge zum Crowdsurfen gehopst, was ebenfalls durch die Securities verhindert werden konnte.

Ein paar Meter links von mir wurden zu dem Zeitpunkt schon einmal die Gitarren und sonstiges Equipment für Caliban herangefahren und -getragen. Einer der Deko-Raben blieb allerdings den ganzen Abend an seinem Platz hocken, den hatte man offenbar vergessen. Aber kein Wunder, wenn bei so vielen Requisiten die eine oder andere mal nicht zum Einsatz kommt! Alles andere war ja da – u.a. die beiden gekreuzigten Figuren mit Gasmasken, die vielen Schuttberge, zum Teil mit Totenköpfen darin – und wurde, nachdem Walls Of Jericho die Bühne verlassen hatten, peu à peu angeschleppt und an die richtigen Plätze gerückt.

DSCF6646Ats

Gegen 21.50 Uhr war es dann endlich soweit: „Welcome To Ghost Empire“ auf dem „Ortsschild“ begann farbig zu leuchten – Showtime für die fünf Herren von Caliban! Da wurde nicht lang gefackelt, zu „King“ wurde augenblicklich gehüpft und voller Energie abgerockt, egal ob mit Instrument um die Schulter wie im Fall der Gitarristen Marc Görtz und Denis Schmidt sowie des Bassisten Marco Schaller oder bloß mit dem Mikro in der Hand wie Andreas Dörner, der auch seine Arme ständig in Bewegung hatte. Er forderte die Zuschauer mehrmals zum Mitsingen auf, sei es bei dem „Kidding me“-Part von „We Are The Many“, der natürlich kurz eingeübt wurde, oder bei dem „deutschen Liedgut“ in Form von „nebeL“, wobei Herr Dörner ja nicht der einzige Sänger in der Band ist. Bei vielen Liedern hat Denis Schmidt neben dem Gitarrespielen die Aufgabe, die Passagen mit den clean vocals zu singen, und dieser Wechsel von Klargesang und Gegrowle liegt mir absolut.

Diesmal sah ich sogar den Schlagzeuger Patrick Grün live und in Farbe, denn die Tische, auf denen sein Drumkit aufgebockt war, standen fast direkt vor meiner Nase. Und auch Gitarrist und Sänger Denis, dessen Mikro auf der anderen Seite der Bühne positioniert war, zeigte sich des Öfteren am linken Bühnenrand. Der andere Mann an der Gitarre ließ es sich nicht nehmen, irgendwann samt Instrument in die Zuschauermenge zu springen.

Neben der Bitte ums Mitsingen wandte sich Andreas auch ans Publikum, um über den aktuellen Stand beim Fußballspiel Deutschland gegen Ghana zu informieren und um sich zu bedanken, auch bei den Organisatoren des Summerblast-Festivals, bei dessen allererster Edition Caliban bereits aufgetreten waren. Es gab auch ein Prost aufs (vorerst) letzte Summerblast-Festival und der Mann am Mikro trank sein Bierchen in einem Zug leer. So viel Springen und Singen macht eben durstig! Damit die Leute vor der Bühne nicht dehydrieren, verteilten die Musiker irgendwann Wasserflaschen, die für sie selber auf der Bühne abgestellt waren, an die Zuschauer.

DSCF6645At2s

Ob dieselben Lieder wie bei der Progression Tour gespielt wurden, kann ich nicht definitiv sagen, weil ich mir so etwas nicht merken kann. Ich meine „Dein R3.ich“ wäre in Trier nicht zu hören gewesen, würde aber nicht dafür meine Hand ins Feuer legen. Auf jeden Fall standen die jüngsten Songs eindeutig im Mittelpunkt, „My Vertigo“, „I Am Ghost“ und „Devil’s Night“ wurden definitiv gespielt, ebenso „Davy Jones“. Es war klasse, alle Strapazen und Angstzustände waren wie ausradiert und ich fühlte mich superwohl!

Wie in Frankfurt startete die Zugabe mit „Memorial“ und ich schätze, dass jeder, der schon einmal einen geliebten Menschen für immer verloren hat, Zeile für Zeile des schaurig-schönen Textes nachempfinden kann. Danach folgten „Chaos – Creation“ und zum Ausklang „yOUR song“, ein Song ganz speziell für die Fans (aber gilt das nicht eigentlich für alle Lieder?).

Die Musiker verabschiedeten sich einer nach dem anderen von der Bühne (Warum muss ich jetzt an „Zehn kleine [insert politisch korrekten Begriff here]“ denken?), sodass zum Schluss nur noch das Schlagzeug bedient wurde, bis Patrick Grün auch verschwand, nur um dann kurze Zeit später mit allen Bandmitgliedern zurückzukehren, um hochoffiziell auf Wiedersehen zu sagen.

Es stehen noch einige Festivalauftritte von Caliban in diesem Sommer an und ich bin natürlich schon wieder am Überlegen, ob ich da nicht doch noch irgendeinen Termin mitnehmen kann:
11.07.14 Antwerp Metal Fest, Antwerpen, Belgien
17.07.14 Deichbrand-Festival, Cuxhaven
02.08.14 Resurrection Festival, Viveiro, Spanien
09.08.14 Zaxid Fest, Ukraine
14.08.14 Summerbreeze Festival, Dinkelsbühl
15.08.14 Metal Frenzy Open Air, Gardelegen
23.08.14 Wünnstock Open Air, Bad Wünneberg

Ich habe den Eindruck, dass dieser sonnige Samstag für alle Beteiligten ein überaus angenehmer und erfolgreicher Festivaltag war. Allerdings muss ich zugeben, dass ich es, so sehr ich diese Art von Musik auch mag, recht anstrengend fand, so viele Bands aus diesem Genre nacheinander anzuhören, dabei kam ich ja relativ spät erst an. Angenehm war aber die veranschlagte Spielzeit für die einzelnen Bands, so um die 40 Minuten jeweils, mal abgesehen von Caliban, die als Headliner rund 75 Minuten lang der Zuschauermasse einheizten.

Advertisements

Über luuuzie

https://luzieswelt.wordpress.com/ http://linsengemurmel.wordpress.com/
Dieser Beitrag wurde unter Konzertbericht abgelegt und mit , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s