Kylesa, Lazer/Wulf und SubRosa in Saarbrücken (Kleiner Klub, 19.06.14)

Zuerst waren nur zwei Bands für das Konzert im Kleinen Klub am 19.06.14 angekündigt, und zwar Kylesa mit Lazer/Wulf im Vorprogramm; Mitte Mai kam dann die Info, dass an diesem Abend auch SubRosa auftreten würden, alles Bands aus den USA, und gerade die Ergänzung von SubRosa, die ich bis dahin gar nicht kannte, betrachte ich nun als absolute Bereicherung.
Entsprechend früh, um 19.15 Uhr, sollte das musikalische Programm beginnen, was auch in etwa geklappt hat. Die vorgesehene Einlasszeit von 18.30 Uhr konnte zwar nicht eingehalten werden, weil die Musiker von SubRosa und die Techniker noch mit dem Soundcheck beschäftigt waren, aber dank angenehmer Temperaturen störte das, glaube ich, keinen der vor der Tür Wartenden, zumal zunächst gar nicht so viele Leute vor Ort waren, 15 schätzungsweise, doch es kamen nach und nach einige hinzu, sodass der Kleine Klub, als Kylesa später am Abend ihre Arbeit begannen, ziemlich gut gefüllt war.

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Obwohl SubRosa bereits einige Alben veröffentlicht haben – bei Bandcamp kann man sie sich anhören und auch käuflich erwerben –, schaffte ich es vor dem Konzert nicht, einmal in die Musik hineinzuhören (Shame on me, hätte ich bloß gewusst, was ich da verpasst habe!), aber die Information auf der Facebook-Seite der Band, dass bei SubRosa drei Damen am Werk sind und zwei Violinen zum Einsatz kommen, machte mich ganz schön neugierig. Und jetzt sitze ich da, während das aktuelle Album „More Constant Than The Gods“ seine Runden im CD-Player dreht, und bin immer noch total geflasht von dem Auftritt der Band aus Salt Lake City (und der beiden anderen Bands). Wenn man bedenkt, dass man nach dem Konzert zweimal im Bus Nachschub an CDs holen musste, drängt sich der Verdacht auf, dass noch ganz viele andere Konzertbesucher ähnlich begeistert waren wie ich.

Sarah Pendleton (E-Violine, Gesang), Kim Pack (E-Violine, Gesang), Rebecca Vernon (Gitarre, Gesang), Levi Hanna (Bass) und Andy Patterson (Drums) woben die herrlichsten doomartigen Klangteppiche, massig und schwer, die gerade durch die beiden E-Violinen und den langsamen Gesang, teilweise von allen drei Frauen gleichzeitig, ihre ganz besondere Note erhielten. Ich hatte den Eindruck, dass die Lieder oft nahtlos ineinander übergingen, sodass man gar nicht zum Applaudieren kam – es sei denn, auf dem Spielplan (der leider nicht in Form einer ausgedruckten Setlist existierte) standen vor allem die Lieder mit der stattlichen Dauer von sieben, acht und zum Teil über zehn Minuten, die seit dem 2011er-Album „No Help For The Mighty Ones“ zunehmend die Songs mit durchschnittlicher Länge um die drei Minuten ablösen. Diese längeren Lieder sind komplex aufgebaut und bestehen aus unterschiedlich strukturierten Teilen, sodass jemand, der die Songs nicht kennt, wirklich ins Grübeln kommen kann, ob da gerade mehrere Lieder ohne Pause nacheinander performt wurden oder ein langes. Mit einem derart ausgedehnten Stück schien der Auftritt des Quintetts auch zu enden, denn ich meine, bei dem einzigen Mal, bei dem sich Rebecca an das Publikum wandte und ihre Truppe als SubRosa aus Salt Lake City vorstellte, hätte sie auch erwähnt, dass nun das letzte Lied käme – wobei sich das Musizieren dann aber noch gut zehn bis fünfzehn Minuten lang hinzog.

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Positiv hervorheben möchte ich unter anderem die für meine Ohren absolut angenehme Stimmlage der drei Damen, die alle eher tiefere Töne von sich geben und auf schrille, hohe, spitze Töne, die mein Trommelfell unangenehm in Schwingungen bringen würden, komplett verzichten. Die beiden Violinistinnen gingen ihrem Handwerk meist mit geschlossenen Augen nach, rockten ab und zu aber auch so heftig mit der Geige im Arm ab, dass meine Kamera kapitulierte. Vor allem die blonde Kim Pack ist eine absolut quirlige Musikerin, während Rebecca Vernon etwas weniger Bewegungsdrang zeigte, aber dennoch absolut cool ihre Schecter-Gitarre bediente und sang.

Mir gefiel es auch gut, dass bei manchen Songpassagen das Schlagzeug Funkstille hatte (und sich Andy Patterson daher ein Bierchen genehmigen konnte), nur um dann plötzlich wie ein brachialer Donnerschlag die Zuschauer, die vielleicht ähnlich gebannt wie ich in das Geschehen eingetaucht waren und mental in leicht anderen Sphären navigierten, aufzuschrecken und wieder auf den Boden des Hier und Jetzt zurückzuholen. Schön fand ich auch, dass Andy – eine imposante Gesichtsbehaarung hat der Mann! – an seinem silbern-glitzernden Drumkit mitten auf der Bühne thronte, weil im Hintergrund ja bereits die beiden Schlagzeuge für Kylesa aufgebaut waren.

Ich würde mir SubRosa supergerne noch einmal anschauen, bevor sie wieder zurück nach Nordamerika reisen, aber ich fürchte, die nächsten Konzerte sind alle zu weit weg bzw. liegen zeitlich ungünstig, denn auch längere Fahrten schrecken mich ja in der Regel nicht ab, buhuuu!

21.06.14 Clisson (Frankreich) – Hellfest
23.06.14 Genf (Schweiz) – Kab, L’usine
24.06.14 Mailand (Italien) – Lo Fi
25.06.14 Zagreb (Kroatien) – AKC Attack
26.06.14 Wien (Österreich) – Bach
27.06.14 Prag (Tschechien) – Ruins of Intolerance Festival

Für eine etwas größere Version bitte auf das jeweilige Foto klicken!

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Weiter ging’s mit Lazer/Wulf, die so eine Art Kontrastprogramm zu SubRosa boten, denn die Geschwindigkeit, mit der Sean Peiffer die fünf Saiten an seinem Bass zupfte und Bryan Aiken an seiner Gitarre werkelte, während Brad Rice das Drumkit dementsprechend bearbeitete, war überaus beeindruckend, knapp unter „subsonic speed“ – ein Wort, das der Gitarrist irgendwann selbst verwendete, aber da ich ihn akustisch nicht so richtig verstanden habe, kann ich nicht mit Sicherheit sagen, ob er meinte, dass die folgenden Songs etwas langsamer sind als jene zuvor, was dann auch so war, oder ob er dieses Adjektiv auf das musikalische Schaffen des Trios bezog. Laut Wikipedia beträgt die Schallgeschwindigkeit bei trockener Luft und einer Temperatur von 20°C 343 m/s bzw. 1.235 km/h und auch umgerechnet auf die höhere Luftfeuchtigkeit im Kleinen Klub, wo es auch etwas wärmer als 20°C gewesen sein dürfte, trifft der Vergleich die Lage dennoch recht gut. Man kann es aber auch weniger wissenschaftlich umschreiben, so wie meine Freundin, die mir nach ein paar Minuten mit Blick auf den Gitarristen ins Ohr raunte: „Der hat in die Steckdose gegriffen!“ In Anbetracht der Tatsache, dass der Mann mit der schwarzen Gibson SG bei den ersten Songs das Mikro überwiegend dazu verwendete, um hin und wieder irgendwelche Laute hineinzuschreien, passt ihre Umschreibung auch nicht schlecht. Ich würde sie sogar noch ausdehnen und auch den Bassisten einbeziehen, der es verstand, durch die herrlichsten Grimassen die Aufmerksamkeit von seinen flitzenden Fingern auf sein Gesicht zu lenken.

Um es kurz zu machen: Die Band aus Atlanta lieferte einen sehr außergewöhnlichen Auftritt! Sehr experimentell, überwiegend instrumental, mit vielen Breaks in den Songs, für Saiteninstrumentspielerbewunderer fantastisch anzusehen (da denke ich jetzt gerade wieder an den Part, als Bryan mit beiden Händen am Hals seiner Gitarre herumfuddelte, um ihr das wirrste Gedudel zu entlocken), aber was das reine Hörerlebnis betrifft zumindest für meinen Geschmack ein wenig anstrengend und eher weniger alltagstauglich. Ich glaube, wenn ich Lazer/Wulf morgens auf dem Weg zur Arbeit hören würde, wäre ich SO aufgedreht und hibbelig, dass ich alle, die an dem Tag mit mir zu tun haben, so richtig in den Wahnsinn treiben würde. Also noch mehr als sonst. Vielleicht würden die sich dann so auf den Boden werfen wie Bryan, nachdem er zuvor sein Mikro dorthin gepfeffert hatte, was er dann aber wieder zum Hineinplärren brauchte. Was liegt da näher, als sich in fötaler Stellung neben das Mikro auf den Boden zu schmeißen und die Geräusche auf diese Art und Weise dem Publikum entgegenzuschmettern? Aber der Mann kreischte nicht nur, sondern sang auch gelegentlich „richtig“ und bedankte sich mehrmals beim Publikum, das überwiegend begeistert wirkte und sich sogar auf einen Mitklatschpart einließ.

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Die an die Bühne grenzende Theke scheint auf manche Musiker sehr einladend zu wirken (siehe Steak Number Eight >hier<) und auch der Lazer/Wulf-Gitarrist sprang irgendwann mit seinem Instrument auf die waagerechte Fläche und rockte eine Zeitlang von dort, während auch die Musiker von SubRosa von recht weit vorne zusahen. Die Mädels und Jungs aus Salt Lake City mussten sich an diesem Abend von Lazer/Wulf und auch von Kylesa wieder verabschieden, denn deren Tour führt die beiden Bands an andere Orte, und wenn man sich den Lazer/Wulf-Kylesa-Tourplan so anschaut, erkennt man, dass die Musiker noch einiges von Europa sehen werden!

Ich werde mir in einer ruhigen Minute noch einmal ein paar Songs von Lazer/Wulf über ihre Bandcamp-Seite zu Gemüte führen, und wer weiß, vielleicht höre ich das Ganze dann ja mit anderen Ohren!

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Nach ihrem Auftritt war die Arbeit der drei Lazer/Wulf-Musiker noch nicht beendet, denn sie hatten die Aufgabe, beim Aufbau der Bühne für Kylesa zu helfen. An der Wand links wurde zuerst eine Gitarre abgestellt („Orville“ war an ihrem Kopf zu lesen), dann eine weitere (eine Gibson Les Paul), auch zwei Bässe wurden auf die Bühne gebracht und unzählige prall gefüllte Pedalboards, beleuchtet von an den Mikroständern befestigten Klemmlämpchen, wurden am richtigen Platz positioniert. Auf die Seitenwände des Kleinen Klubs wurden bunte Muster projiziert wie auch auf das Banner mit Kylesa-Schriftzug, das die ganze Zeit schon an der Bühnenrückseite hing, und los ging’s.

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Gleich beim ersten Lied hatte das Theremin, bedient von Gitarrist und Sänger Phillip Cope, seinen ersten Einsatz, und der Musiker bewies, dass man dieses Quietschteil auch richtig rocken kann, man muss bloß den ganzen Ständer, an dem das Theremin befestigt ist, zu sich ziehen, während man dem Gerät mit der anderen Hand die gewünschten Töne abringt. Obwohl der Musiker der Theke am nächsten stand, verließ er die Bühne nicht, wie es Lazer/Wulf-Gitarrist Bryan getan hatte. Der ist offenbar Kylesa-Fan, denn er stand die ganze Zeit vorne rechts neben seinem Schlagzeugerkollegen Brad und sang aus Leibeskräften mit, spielte gelegentlich Luftgitarre und schien die Show, die er in nächster Zeit noch etliche Male bewundern kann, absolut zu genießen.

Nicht nur er, sondern auch viele andere im Publikum waren ganz schön in Bewegung; das Tempo der Songs, das einen nicht überanstrengt, ist aber auch geradezu perfekt für ein bisschen Kopfnicken und Schwofen. Kylesa umschreiben auf ihrer Facebook-Seite ihr Genre als „Rock, Metal, Psych, Punk, Indie, Misc., Etc.“ und betonen im Info-Text, dass sie ihre Werke gar nicht unbedingt in eine musikalische Stilschublade quetschen lassen wollen. Ich hätte auch Schwierigkeiten damit, die Musik, die Elemente von Punk, Metal, Psychedelic- und Stoner-Rock und so vielen anderen Genres enthält, einer einzigen Stilrichtung zuzuordnen, wobei die bei laut.de zu lesende Einordnung in die Sludge-Metal-Kiste mir recht sinnvoll erscheint.

Ungewöhnlich an dieser Band aus Savannah (Georgia) ist neben dem häufigen Theremin-Einsatz auch, dass zwei Schlagzeuger bei Konzerten zugange sind, wodurch die Musik eine ordentliche Portion mehr Bumms erhält. Im Kleinen Klub waren die beiden Drummer brav nebeneinander im hinteren Bühnenbereich angeordnet, links Edley O’Dowd und rechts Carl McGinley im Mastodon-Shirt.

Das vordere Mittelfeld gehörte dem Bassisten Chase Rudeseal und links vorne hatte Laura Pleasants ihr Mikro und diverse Pedalboards stehen. Im Black Sabbath-Shirt, die Arme mit vielen Tattoos geschmückt, spielte die junge Frau zuerst die Gibson Les Paul, bevor sie zur Orville-Gitarre mit dem weinroten Korpus wechselte. Ich habe bis dahin noch nie etwas von Gitarren dieser Marke gehört und daher recherchiert und erstaunt festgestellt, dass eine Orville-Gitarre nichts anderes ist als eine Gibson, die nicht in den USA, sondern in Japan hergestellt wurde. Einen schönen Artikel darüber findet man dort. Laura singt und schreit entweder allein oder zusammen mit Phillip, was der Musik meiner Ansicht nach eine besondere Würze gibt.

Setlist KylesaDie Band hatte es an diesem Abend anscheinend gerne ordentlich, denn wenn man auf die Setlist blickt, erkennt man, sofern man sich mit der Diskographie von Kylesa auskennt, dass da nicht einfach Songs aus den verschiedenen Schaffensphasen durcheinander gespielt wurden, sondern nach dem Intro zunächst einmal vier Songs vom fünften Studio-Album „Spiral Shadow“ (2010 erschienen), danach vier Lieder vom aktuellen, 2013 veröffentlichten Longplayer „Ultraviolet“, anschließend ein einziger Song vom 2006er Album „Time Will Fuse Its Work“ und zum Abschluss fünf Lieder vom vierten Album „Static Tensions“ (2009), inklusive der beiden Songs, die es als Zugabe zu hören gab. Die ersten beiden Alben „Kylesa“ (2002) und „To Walk A Middle Course“ (2005) wurden also komplett ausgeblendet, man konzentrierte sich auf die jüngeren musikalischen Werke. Dabei wäre eigentlich noch Zeit gewesen für einige Songs, denn es war gerade mal 22.15 Uhr, als die fünf Musiker von Kylesa die Bühne verließen. Aber gut, bei dem Blick auf den Tourplan ist es verständlich, dass man sich nicht jetzt schon total verausgaben will.

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