Gitarre des Monats Juni (Manni Zewe)

Manni hat in den vergangenen Jahren schon mit einigen Bands, die unterschiedliche Musikgenres bedienen, auf der Bühne gestanden, als „fester Bestandteil“ wie als Gastmusiker; es ist also gut denkbar, dass Konzertgänger aus der Region den Gitarristen schon einmal live gesehen haben.
Seine Anfänge an der Gitarre terminiert er auf die Zeit kurz nach der Jahrtausendwende und wie das so oft der Fall ist, startete er mit seinen ersten Übungen an einer Akustik-Gitarre, bevor er seine erste E-Gitarre bekam. Einzelteile von dieser ersten elektrischen Gitarre, einer Telecaster-Kopie, besitzt der Musiker heute noch.
Die erste Band, in der Manni spielte, war eine Liedermachertruppe namens Trouba-Dur, in der auch sein Vater und einige von dessen Musikerkollegen aktiv waren. Die Musik war Manni also sozusagen schon in die Wiege gelegt gewesen, aber bevor er sich den härteren Klängen verschrieb, waren erst einmal mit Papa und Co. Liedermacher-Musik und Chansons angesagt, hauptsächlich akustisch, später dann auch mit E-Gitarre und Cajon.
Ab 2006 schlug Manni dann auf Power-/Thrash-Metal-Art in die Saiten als Gitarrist von Bad Idea, die sich 2007 auflösten.
Von 2010 bis 2012 musizierte er bei Celesta – sein letztes Konzert als Bestandteil der Band war das erste Celesta-Konzert, das ich gesehen habe (>hier klicken<) – und seitdem ist er Leadgitarrist bei Dreadful Prophecy.
Zu erwähnen sind aber auch Gastsoli bei Godslave und Vampires on Tomato Juice sowie Aushilfstätigkeiten bei saarländischen Bands wie ICON, Cheeno, Godslave, Resistance Of Yield – und auch bei der Bluegrass-Band seines Vaters. Manni ist also tatsächlich ein absolut vielseitiger Gitarrist – und der erste, der hier eine Schecter-Gitarre präsentiert, noch dazu eine mit sieben Saiten. Herzlichen Dank für den absolut lesenswerten Text und die Fotos, Manni!

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Folgendermaßen drückt Manni sich über seine Gitarre aus:

Die Gitarre meiner Wahl ist eine Schecter Blackjack C7 ATX, Baujahr 2008 schätze ich. Das hervorstechendste Merkmal ist wohl erstmal, dass es sich um eine 7-Saiter handelt. Diese habe ich mir damals mehr oder weniger aus der Bequemlichkeit heraus angeschafft, da bei Celesta damals die Grundstimmungen der Gitarre auf D und C waren und ich echt nicht eingesehen habe, immer 3 oder 4 verschiedene Gitarren zu den Gigs mitzuschleppen. Stattdessen habe ich die Riffs angepasst und halt meine 7-Saiter auf Standard E-Tuning gespielt (H-E-A-D-G-h-e).
Bei Dreadful Prophecy ist es jetzt wiederum so, dass die Grundstimmung ein Drop C# ist… daher wurde meine Gitarre etwas abenteuerlich gestimmt: von tief nach hoch habe ich jetzt G#-C#-G#-C#-F#-B-eb. Die Gitarre wurde um einen Halbton runtergestimmt, die E-Saite dann um einen Ganzton auf ein C# gedroppt und die H-Saite einen Ganzton auf ein G#. Da beim Deathmetal öfter mal offene (ungedämpfte) 16tel und 32stel als Rhythmus geballert werden, war es meiner Meinung nach sinnig, die H-Saite auf einen Ton zu stimmen, der sowieso in der Grundstimmung drin ist und wenigstens harmonisch mitklingt, sollte einem so unfehlbaren und überragenden Gitarren-Gott wie mir doch ausnahmsweise mal ein Anschlag daneben gehen. 😉
Außerdem habe ich jetzt schon 2 Songs mit diesem Tuning geschrieben und es hat auch seinen Charme, wenn man auch umdenken muss, weil man einen normalen Quintschritt zwischen H und E hat (für den normalen Powerchord), darunter aber den Drop-D Powerchord mit einem Finger greifen kann.

Die Gitarre selbst habe ich auf Ebay gefunden, dieses Model kostete auf Thomann damals um die 1050 €. Sagen wir, ich habe sie aufgrund eines glücklichen Zufalls und diplomatischen Geschicks ein gutes Stück günstiger bekommen 🙂 Leider musste ich dafür meine damalige Gitarre versetzen, ein wunderbares Stück von Ibanez, eine RGT6EX IPT mit Floyd Rose Tremolo und EMG 81/85 Bestückung… welche wiederum auf Umwegen ihren Weg in den Besitz meines Bruders gefunden hat. Geld, welches von mir in Equipment investiert wurde, bleibt übrigens dort als Kapital erhalten und wird auch nur dafür aufgewendet. 😀

Jedenfalls zurück zur Schecter. Ich habe bei der Wahl dieser Gitarre Wert auf einen eingeleimten Hals für gute Bespielbarkeit in den hohen Lagen und Aktive Tonabnehmer gelegt.
Hals und Body sind aus Mahagoni, das Griffbrett aus Ebenholz und mit Jumbo-Bünden bestückt. Das schlichte Design der C-7 hat leider auch nur ein einziges Griffbrettinlay erlaubt, nämlich einen kleinen Blitz, welcher den 12. Bund ziert. Die üblichen Markierungen finden sich allerdings auch hier seitlich am Griffbrett.
Der Hals ist in den Body eingeklebt (Set-Neck) und so verarbeitet, dass sich in den höheren Lagen besser rankommen lässt. Da meine Ibanez ähnlich verarbeitet war (Neck-Through), bin ich auf den Geschmack gekommen und wollte auch nicht wieder darauf verzichten. Korpus und Hals sind in Aged-White lackiert, ich nenne es mal Nikotin-Weiß. Dazu hat die Gitarre ein cremefarbenes Binding an Korpus und Hals. Die Gitarre klingt wirklich prima, nur bei der Verarbeitung hätten sich die Koreaner ein klein wenig mehr in Zeug legen können, weil man hier und da unsaubere Lackierung und den einen oder anderen Schnitzer drin hat.

Aber die Erscheinung der Schecter-Gitarren im Allgemeinen hat mich immer schon sehr angesprochen. Wo meine Ibanez RG zum Beispiel einen glatten, schnörkellosen und flachen Body hatte, hat die Schecter eine gewölbte Decke, in welche der Tone- und die beiden Volume-Potis eingelassen sind. Trotz der gewölbten Decke und des generell ein wenig größeren Bodys hat dieses Baby allerdings immer noch weniger Gewicht als die Ibanez damals! Die Kopfplatte hat‘s mir auch irgendwie angetan. Schecter hat hier spezielle Locking Tuners verbaut. Bei diesen wird ein kleiner Bolzen hochgeschraubt, welcher die Saite festklemmt. Das verhindert ein Herausrutschen beim Besaiten der Gitarre und man kann diese sofort kürzen. Praktisch ohne Ende!
Die Saiten werden über eine Tone-Pros Tune-O-Matic Brücke direkt durch den Korpus geführt. Ich habe mir beim Kauf dieser Gitarre geschworen, erst wieder ein Floyd Rose Tremolo zu benutzen, wenn ich mir einen Roadie leisten kann, der das Scheißding regelmäßig für mich einstellt und die Saiten wechselt. 😉
Die werksseitig verbauten Gurthalter wurden durch Security-Locks ersetzt, ist einfach praktischer und hält besser. Moves, bei denen ich die Gitarre um mich rumwerfe, mache ich trotzdem keine. 🙂
Die Tonabnehmer sind aktive Seymour Duncan Black-Outs. Von allen Duncan PUs sagen mir die Black-Outs am meisten zu, da sie einen sehr ausgewogenen und dennoch brachialen Sound haben. Außerdem ist die Aussparung für die Schraube perfekt, um den kleinen Finger als Ankerpunkt zur Koordination beim Shredden dort einzuhängen.

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Der Sticker auf der Gitarre dürfte auch ins Auge stechen. Kenner werden schmunzeln, der Rest kann das „Crimson Omen“ googeln oder endlich selbst anfangen, „Gears of War“ zu spielen! Ich bin ein großer Fan der „Gears of War“-Reihe, Spiele wie Bücher. Das ging so weit, dass ich mit einem Freund ernsthaft angefangen habe, an einem Konzept-Album über die Story zu arbeiten. Ich denke, ich werde da auch irgendwann mal weitermachen. 😀
Neben der Story hat das Spiel dann auch noch solche Features wie einen orbitalen Laser-Satelliten, welchen man hier und da rufen kann, um Gegner zu rösten, und ein Kettensägen-Bayonett, mit welchem man unliebsame Monster… sagen wir mal „zurechtstutzen“ kann… Alles wird zerlegt, zerplatzt oder wird anderweitig aus dem Leben geholt… erklärt wohl auch, wieso die ersten beiden Teile in Deutschland auf dem Index stehen. Als also beim dritten Teil dieses herrlich übertriebenen, testosterongeschwängerten, blutrünstigen Sci-Fi-Endzeit-Spektakels dieser Sticker enthalten war, war natürlich sofort klar, wo der hin muss. 😉

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Diese Gitarre ist auf der Celesta-CD „Seperate Opposites“ zu hören und drei Gast-Soli auf dem letzten Vampires on Tomato Juice-Album „Fairytales“ wurden damit auch eingeprügelt. Ich bin sehr zufrieden mit meinem Arbeitspferdchen, da sie auch bei meinen ständigen Umstimm- und Saitenstärkenwechsel-Orgien unproblematisch zu handhaben, vergleichsweise leicht einzustellen und ultra-belastbar ist. Ich kann jedem nur ans Herz legen, mal eine Schecter Gitarre auszuprobieren, Jeff Loomis und Keith Merrow wissen, warum sie ihre Signature-Modelle bei dieser Firma fertigen lassen!

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