Gitarre des Monats Mai (Dom von Johnboy)

Dom macht schon seit vielen Jahren Musik und hat bereits in ein paar Bands gespielt. Seit 2005 ist er der Sänger und Gitarrist bei Johnboy, einer Band, die erst kürzlich in Luzies Welt erwähnt wurde (anlässlich des Weltschlagzeugertages) und die sicherlich noch ein paarmal hier auftauchen wird, denn es stehen Konzerte an (Termine ganz unten). Obwohl auch andere Musiker, die ich hier vorgestellt habe, ihre eigenen Gitarren bauen (Tara Pinsler von Rockin‘ Repairs zum Beispiel), ist Dom der Erste, der einen Sechssaiter Marke Eigenbau als Gitarre des Monats präsentiert. Voilà:

Die „John Bo 33“-Story

Das „Baby“ erblickte am 13.08.2011 das Licht der Welt. Bereits nach den ersten Lauten, die es von sich gab, wusste ich, dass ich damit mein bisheriges Meisterwerk erschaffen hatte! Seit dieser Zeit begleitet mich die „John Bo 33“ auf jedem Gig. Meistens habe ich nicht ‘mal eine Ersatzgitarre dabei, da sie sehr zuverlässig ist und mich bisher noch nie im Stich gelassen hat. Auch unser gesamtes letztes Album „Custom“ wurde fast ausschließlich mit dieser Gitarre eingespielt.

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Aber von Anfang an…

Tja… wie kommt man dazu, seine eigene Gitarre bauen zu wollen?

Das „Herumbasteln“ an E-Gitarren machte mir von Anfang an Freude. Bereits meine allererste Gitarre, die ich im zarten Alter von 14 Jahren bekommen hatte (eine gebrauchte Les Paul-Kopie der Firma Westone für 300 Deutsche Mark *grins*), wurde mit Aufklebern versehen, es wurden Teile abgeschraubt und ausgetauscht, so lange, bis sie mir gefiel. Zu der Zeit konnte ich gerade mal meinen ersten Powerchord spielen.

Einige Jahre später, als ich erstmals die Stratocaster für mich entdeckt hatte, fing ich an, meine eigenen Strats aus Einzelteilen, die ich meist bei Ebay gefunden hatte, zusammenzubauen. Dabei lernt man sehr viel über die Klangeigenschaften von unterschiedlichen Holzarten, Tonabnehmern und all den anderen Teilen und Materialien, aus denen eine E-Gitarre zusammengeschraubt ist. Außerdem wird einem bewusst, dass letztlich der besondere Klang einer Gitarre eben aus dem Zusammenwirken dieser vielen Elemente resultiert.

An meine ersten selbst entworfenen Modelle habe ich mich erst vor etwa 6 – 7 Jahren herangetraut. Es entstanden 5 – 6 Gitarren, die mal mehr, mal weniger gut waren, aber nach und nach immer mehr meinen Vorstellungen entsprachen. Darunter gab es auch sehr abgefahrene Teile, wie z.B. die „Silver Laser 31“, die mit 31 Laserdioden bestückt ist und live ein wirklicher Hingucker ist.

Für eine etwas größere Version bitte auf das jeweilige Foto klicken!

Nun zur „John Bo 33“…

Meiner Meinung nach gibt es die schönsten Designs sowie die besten Eigenschaften, die eine E-Gitarre mitbringen muss, bereits ALLE seit Jahrzehnten auf dem Markt. Sie sind lediglich nicht in einem einzigen Modell vereint.
Die John Bo vereint alle Features, die sich für mich nach jahrelangem Herumprobieren als die passenden herausgestellt haben. Das betrifft vor allem den Klang, das Spielgefühl und die Optik.

Die Optik
Eine der schönsten Gitarren, die jemals gebaut wurden, ist die „Billy Bo“, die heutzutage von der Firma Gretsch vertrieben wird. Ursprünglich stammt das Design von Bo Diddley, bekannt wurde es durch Billy Gibbons. Diese Gitarre hat mich optisch einfach umgehauen. Sie entsprach aber klanglich nicht meinen Vorstellungen, da sie eher eine reine Blues-Gitarre ist. Da ich das Design aber keinesfalls einfach kopieren wollte, diente es mir nur im Geiste als Grundlage. Die letztendliche Form wurde von mir „freihand“ direkt auf den Holzblock gezeichnet, aus dem der Korpus dann ausgeschnitten wurde. Die Ähnlichkeit zur „Billy Bo“ kann und will ich dabei nicht verleugnen, ganz im Gegenteil. Deshalb fand auch Mr. Diddley mit einem Teil seines Namens den Weg auf den Headstock meiner Gitarre.

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Das Spielgefühl
Obwohl ich zur Zeit nicht (mehr) im Besitz einer Stratocaster bin, bezeichne ich mich immer noch gerne als „Strat-Spieler“. Ich mochte schon immer die recht dicken Hälse von 50er und 60er Jahre Strats, die lange Mensur und vor allem die Form der Kopfplatte. Was das Spielgefühl angeht, gibt es für mich nichts Besseres. Aus diesem Grund ist die John Bo, wie alle meine Eigenbauten, mit einem Strat-Neck ausgestattet. Alle Hälse meiner Gitarren sind von den Maßen und Bünden her gleich. Lediglich die Holzart kann mal variieren. Sie sind außerdem, wie bei einer Strat, geschraubt und daher austauschbar. Denn ich sehe den Hals eher als „Verschleißteil“. Die klassische Kopfplattenform ist meine „Hommage“ an die Stratocaster.

Der Klang
Klanglich sollte die John Bo in Richtung einer Les Paul gehen, allerdings mit etwas mehr Attack im Anschlag. Daher fiel die Wahl des Holzes natürlich auf Mahagoni, sowohl für den Korpus als auch für den Hals. Es ist schwierig, heutzutage gut klingendes Mahagoni zu bekommen, aber ich hatte wohl Glück. Ich mag einfach den warmen, fetten Klang dieses Holzes. Der Korpus hat keine Hohlkammern und ist daher recht schwer. Aber so mag ich das. Sound muss sein Gewicht haben (das gilt auch für Amps!). Für den Extra-Attack im Ton sorgt die – im Gegensatz zu einer Les Paul – etwas längere Strat-Mensur und das eher perkussiv klingende Ebenholzgriffbrett. Als Tonabnehmer dienen Humbucker, zur Zeit das klassische Duett aus Seymour Duncan‘s SH4 „Jeff Beck“ in der Bridge- und SH1 „PAF“ in der Neck-Position. Jedoch tausche ich die Pickups auch sehr gerne mal aus.

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Namen und Rituale
Im Namen meiner Gitarre ist, außer der Hommage an Bo Diddley, auch der Name meiner Band sowie der Bezug zu dem wichtigsten Menschen in meinem Leben verarbeitet. Die Namensgebung ist für mich immer eine wichtige und sehr persönliche Geschichte. Sie ist auch Teil eines kleinen „Rituals“, welches sich über die Jahre bei mir verfestigt hat. Nach den letzten Handgriffen und vor dem ersten Ton gibt es erst einmal ein Glas Rotwein und eine Zigarette für den Erbauer (*grins*). Danach erfolgen die ersten Töne. Das ist natürlich ein großartiger Moment, weil man zum ersten Mal hört, ob man seine Vorstellungen auch im Klang umsetzen konnte oder nicht. Sobald ich sicher bin, dass ich nichts mehr verändern muss, wird die Rückseite der Kopfplatte mit dem Datum, meinem „Kürzel“ und schließlich mit dem Namen der Gitarre beschriftet.

Das Schlusswort…
Die „John Bo 33“ hat für mich in vielerlei Hinsicht eine besondere Bedeutung. Sie ist nicht nur die beste Gitarre, die mir bisher gelungen ist, sondern sie hat mich, was die Musik angeht, in der bisher allerbesten Zeit begleitet. Wir haben mit JOHNBOY zwei großartige Jahre hinter uns, angefangen mit dem Recording unseres letzten Albums, vielen großartigen Konzerten und dem Spaß unseres Lebens. Natürlich ging diese Zeit auch an der John Bo nicht spurlos vorbei. Sie hat in zwischen einige Macken und Spielspuren davongetragen, aber sie klingt besser denn je.
Vor knapp drei Wochen kam übrigens mein neues Baby zur Welt: Die „John Bo ad96“. Sie ist wunderschön, aber noch nicht für die Augen der Öffentlichkeit bestimmt 🙂

Folgende Konzerttermine stehen bislang fest:
03.05.14 Waldbronn-Neurod, Soundcheck One
18.07.14 Esslingen am Neckar (Eisbär Metalkeller), Support für Nitrogods
30.08.14 Riedstadt, Wutzdog Festival
08.10.14 Saarbrücken (Garage), Support für New Model Army
11.10.14 Neunkirchen, GaS goes Rock Festival
18.10.14 Bonlanden (Alte Mühle), Support für Nitrogods
22.10.14 Köln (MTC)
23.10.14 Koblenz (Circus Maximus), Support für Nitrogods

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2 Antworten zu Gitarre des Monats Mai (Dom von Johnboy)

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