Resistance Of Yield, Slaughterra, Unchained und Burning Vault in Saarbrücken (KiTu Reloaded, 19.04.14) – Teil 1

Vorspann
In den letzten Tagen war ich wegen meiner Kamera etwas frustriert. Bei guter Beleuchtung komme ich zwar gut klar mit dem Teil und ich fotografiere ja auch wirklich viel, im Prinzip jeden Tag, nicht nur bei Konzerten. Aber auch bei Konzerten mag ich gerne ein paar annehmbare (nein, eigentlich ein paar richtig gute) Fotos hinbekommen als Andenken und um meine Berichte damit auszuschmücken. Und ich will nicht 200 Bilder knipsen, nur um letzten Endes fünf schöne zu haben. Schließlich mag ich von den Konzerten mehr mitbekommen als den Kampf mit meiner Knipsmaschine. Andererseits zieht es mich aber auch runter, wenn ich sofort feststelle, dass so gut wie keins der Bilder unverwackelt wird, und das ist bei eher schummrigem Licht häufig der Fall. Von wegen „Die Automatik einer Kamera ist unschlagbar“! Dabei soll meine Kamera so gut sein und auch mit widrigen Beleuchtungsverhältnissen zurechtkommen – aber nur, wenn man weiß, wie man das Maschinchen bedient, denn sämtliche Einstellungen, bei denen die angeblich so gut dressierte Kamera automatisch das beste Ergebnis liefert, resultieren oft in einem Farbpüree, von dem man meinen könnte, ich hätte es aufgenommen, während ich sturzbetrunken am Tanzen war. (Wer sich jetzt fragt, warum ich eine offenbar hochkomplizierte Kamera besitze, dem sei gesagt, dass ich dieses Gerät geschenkt bekommen habe, weil bei meiner alten Kamera der Zoom blockiert und sich eine Reparatur nicht lohnt. Aber auch die alte hat bei schlechter Beleuchtung immer versagt.)
Da ich wusste, dass es im KiTu fast stockdunkel sein würde, suchte ich Rat und fand ihn glücklicherweise. Ein Fotograf und Inhaber eines Fotoladens erklärte mir, wie man meine Kamera bändigt. Der gute Mann hätte meine Planlosigkeit – ich habe das Fotografieren ja nie gelernt – genauso gut ausnutzen und mir eine andere Kamera verkaufen können, stattdessen hat er das Fachchinesisch aus der Bedienungsanleitung in Luzie-Deutsch übersetzt und sich damit eine große Tafel Schokolade verdient, denn es hat tatsächlich funktioniert!!!
Der Nachteil an der Sache ist nur, dass ich an dem Abend viel mehr Zeit als üblich mit meiner Kamera zugebracht habe, mit Ausprobieren und Testen, und daher nicht so viel von dem Konzert mitbekommen habe, wie wenn ich mich weniger intensiv mit dem Fotografieren beschäftigt hätte. Aber das musste einfach mal sein und ich hoffe, dass dieses „Studium am lebenden und sich bewegenden Objekt“ so erfolgreich war, dass es bei den nächsten Konzerten weniger fotografische Fails geben wird und ich mich wieder mehr auf das Geschehen auf der Bühne – nicht durch ein Display betrachtet – konzentrieren kann.

 

Konzert

Der Abend im KiTu stand unter dem Motto „Germany’s Next Top Metal“, das in letzter Zeit in der Region schon häufiger begegnete. Diesmal hatten sich Resistance Of Yield, Slaughterra, Unchained und Burning Vault zusammengefunden, um die Zuschauer mit Livemusik der härteren Art zu beglücken.
Da irgendein Teil der Technik nicht so wollte, wie es sollte, dauerte der Soundcheck länger als erwartet; zudem gab es Missverständnisse bezüglich der Anfangszeit der ersten Band und die Livemusik fing daher etwas später an und nicht wie eigentlich vorgesehen um 19.30 Uhr. Vielleicht ist das der Grund, warum es so viele durchgestrichene Songs in den Setlists von Resistance Of Yield und Slaughterra gibt (siehe Fotos). Die Bands konnten ja dann nicht so lang spielen wie geplant, weil um 23.30 Uhr Schicht im Schacht sein musste, damit der Diskobetrieb nach dem Wegräumen des Livemmusikequipments beginnen konnte.

Leider hatten sich nicht allzu viele Zuschauer in dem kleinen Club eingefunden, was ich überhaupt nicht nachvollziehen kann; im Prinzip schien das Publikum überwiegend aus Leuten, die mit den einzelnen Bands befreundet sind und die wissen, was sie erwartet, zu bestehen. Ich selbst gehöre ja auch zu denen, die die ersten drei Bands bereits mehrmals bei Konzerten erlebt haben, und die Tatsache, dass ich sie mir schon wieder anschaute, zeigt entweder, dass diese Bands wirklich gut sind oder dass ich an unheilbarer Geschmacksverirrung leide. Dennoch weiß ich, dass es mehr als drei Leute gibt, die musikmäßig so ticken wie ich – wo waren die? Im Osterurlaub? Oder vollgefressen und faul auf der Couch?

Resistance Of Yield aus dem Raum Neunkirchen machten den Anfang, diesmal wieder mit dem eigentlichen Gitarristen Jonas Grötschel, der neulich im Kleinen Klub von Manni Zewe vertreten worden war.

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Heiliger Bimbam, waren die so gut!!!

Death Metal ist eben nicht, wie manche denken, bloß Gegröle zu irgendwelchem Gitarrengeschrummel und Dauergekloppe aufs Schlagzeug, sondern in diesem Fall eine wirklich mitreißende Mischung aus kräftigen Growls aus Sascha Wacks Kehle, druckvollen, zum Kopfnicken geeigneten Gitarrenriffs und Bassmelodien, geliefert von Kirill Haag und Jonas Grötschel an den LTD-Sechssaitern und von George Santos am Bass, und in sinnvolle Rhythmen gekleideten Beats, für die Drummer Christian Mittermüller verantwortlich ist. Natürlich gab es ab und zu auch ein bisschen Flitzefingeraction an den Gitarrensaiten, es steht Kirill und Jonas ja auch zu, allen zu zeigen, was sie an ihren Instrumenten so draufhaben, und bei manchen Songs zieht das Tempo auch an, sodass man sich beim Haupt-hin-und-Herschwingen entweder anpassen oder darauf warten muss, bis die nächste Passage in gezügelter Geschwindigkeit kommt. Man kann sich, wenn einem diese thrashigen Ausbrüche nicht so liegen, ja aufs bloße Anstarren beschränken, denn es gibt bei Resistance Of Yield so viel zu beobachten: die Bewegungen des Vocalisten Sascha zum Beispiel, der durch seine Gestik und seinen Körpereinsatz die Growls und die besonders rhythmusbetonten Passagen mit perfekt getimtem Gitarre-, Bass- und Drumstakkato noch unterstreicht, oder man schaut Christian Mittermüller beim Schwingen der Sticks zu oder den Herren an den Saiteninstrumenten auf die Finger. Wer dann immer noch nicht weiß, wo er hingucken soll, kann ja die Haarpracht des Mannes am Mikro bestaunen, die zwar vor kurzem ein wenig zurechtgestutzt wurde, aber immer noch eine mehr als stattliche Länge hat und genauso cool im Kreis geschwungen werden kann wie die Mähnen der anderen Musiker, was auch des Öfteren praktiziert wurde! Oder man betrachtet die T-Shirts der Musiker etwas genauer und erfreut sich im Falle des Tragens von Bandshirts am eventuell gleichen Musikgeschmack der Shirtträger. An diesem Abend bei Band Nr. 1 im Angebot: Arch Enemy, Deathstars, Danzig, Resistance Of Yield und Slaughterra. Dass Musiker Shirts mit dem Bandlogo ihrer Kollegen vor Ort tragen, finde ich immer ganz besonders nett.

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Kurzum: So abwechslungsreich wie die Lieder sind, ist auch das Geschehen auf der Bühne. Deshalb war, als der drittletzte Song angekündigt wurde, ein Raunen des Bedauerns im Saale zu hören, wenn auch von Sascha Wack angestachelt, aber bei dem Smalltalk vor den anderen beiden Liedern kam das „Oooooooh“ vom Publikum ganz alleine. Das Ende des Auftritts im KiTu war umso bedauerlicher, als dies der vermutlich letzte Gig von Resistance Of Yield in der nächsten Zeit war. Die fünf Musiker werden nämlich eine Konzertpause einlegen, die dazu dient, an neuem Songmaterial zu arbeiten, damit das 5-jährige Bandbestehen gebührend zelebriert werden kann. Ein neues Lied gab es bereits zu hören, „Milwaukee Monster“, und ich habe den Eindruck, dass es genauso druckvoll und saftig weitergehen wird, wie man es von dieser Band gewohnt ist.

Für eine etwas größere Version bitte auf das jeweilige Foto klicken! Richtig gelungene Fotos aller Bands findet man bei Theawfulpain-Project (wenn man bei Facebook eingeloggt ist).

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Dort, wo ich lebe, existieren so viele Pfälzer-Witze, dass sogar Bücher und ganze Webseiten damit gefüllt werden. (Allerdings behaupten böse Zungen, es gebe gar keine Pfälzer-Witze…) So ein bisschen Humor ist ja auch okay, zumal es den ja auch aus Pfälzersicht gegenüber den Nachbarn gibt. Allerdings denke ich seit einiger Zeit, wenn ich „Rheinland-Pfalz“ höre, in erster Linie an die guten Dinge, die von dort kommen: Kartoffeln, Spargel, Äpfel… und natürlich einige coole Bands wie Rage Of Samedi (Zweibrücken), Blackmail (Koblenz) oder eben Slaughterra (Landau).

Die spielten an diesem Abend als zweite Band und Julian (Vocals), Timo (Jackson-Gitarre, rechte Bühnenseite), Manu (Schecter(?)-Gitarre, links), Simon (Bass) und Chris (Drums) hatten offenbar einen kleinen Fanclub dabei. Zwei großgewachsene Herren klebten während des gesamten Auftritts dem Vocalisten Julian fast an der Nase, ihre Trinkhörner an den Gürtel geschnallt, und trieben allerhand Schabernack, den sich wohl nur gute Freunde erlauben können. So wurde zum Beispiel dem Sänger, der ganz schön in action war, an die Dreadlocks gefasst und Gitarrist Timo bekam an den langen Haaren gezogen, als er vor die Bühne trat, um dort ein paar Sekunden lang auf seiner Jackson zu spielen.

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Außerdem schnappte sich zum Ende hin einer der zwei Über-Fans die am Bühnenboden liegende Setlist und hielt sie dem Sänger vor die Nase, als müsse er einen Text davon ablesen. Die beiden waren selbst recht textsicher und bekamen ab und zu das Mikro zum Hineingrölen hingehalten – ein superwitziger Moment war es für mich, als die beiden bei „Can You Handle This“ die nach einer kleinen Pause und ohne Instrumentbegleitung erfolgende Textstelle „Biiiiiitch“ ins Mikro röhrten. Oder eher: „BÜÜÜÜÜÜTCH!!!!“

Gitarrist Manu blieb die ganze Zeit auf seinem Platz am linken Bühnenrand, während Simon sich mit seinem Bass hin und wieder von seiner Position vor dem ziemlich blutrünstigen Banner, das – spiegelverkehrt – auch das Frontcover des Albums darstellt, wegbewegte und sich auch in der Mitte oder ganz rechts blicken ließ. Dort fand auch das gelegentliche Umstimmen zwischen manchen Liedern statt, inklusive Kabelwechsel oder zumindest Herumgefriemele am Stecker des Kabels von Timos Gitarre und damit verbundenen schrillen Störgeräuschen, die natürlich entsprechend bissig kommentiert wurden, einerseits von den Bandkollegen, andererseits von den freundschaftlich mit der Band verbundenen Leuten.

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Ich glaube, alle hatten Spaß, auch Chris hinterm Drumkit, der sich angesichts der Hitze im Saale mehrfach mit irgendeinem Textilstück frische Luft zufächelte. Trotz der übermäßigen Wärme war Julian nicht zu bremsen und performte bis zum Schluss voller Energie und auch die anderen Bandmitglieder zogen ihr Programm voller Power durch. Schaut euch mal das Video zu „About To Fail“ an, das zeigt in etwa, wie man sich die Musiker auf der Bühne vorstellen kann:

 

Spätestens hier wird dann auch deutlich, dass bei Slaughterra der Wind ebenfalls ganz stark aus Richtung Death Metal weht und man neben den Growls auch knallharte Riffs und eine große Portion Doublebass um die Ohren gehauen bekommt. Die Lieder der fünf bieten aber auch melodische Parts und Abwechslung in ihren Strukturen und können auch mit einigen Breaks und Rhythmuswechseln aufwarten.
Komisch, dass ich mir jetzt erst das Album, das bereits im Mai 2013 erschienen und schlicht mit „Slaughterra“ betitelt ist, zugelegt habe, denn von der Musik der fünf Pfälzer bin ich ja schon länger angetan. Einen Pluspunkt bekommt auch das mit Fotos der Bandmitglieder ansprechend gestaltete Booklet inklusive der Texte.
Die meisten der im KiTu gespielten Lieder stammen von diesem Album, aber die Musiker hatten auch ein neues Lied im Programm, „Sempiternal Pain“, ein Statement gegen Menschenhandel, das sich hervorragend in das ältere Songmaterial eingliedert.

Die CD sowie andere Merchartikel können im Online-Shop erworben werden und sicher auch bei einem der folgenden Gigs:
09.05.14 Idar-Oberstein (JAM), mit Age Of Devastation, Crusher und Gutter Dogs
10.05.14 Hongafeast Pirmasens (Spirit), mit Dead Eyed Sleeper, Zerogod, Invokation, Aarglgl und Casket
17.05.14 Südpfalz Metalfest Landau (Gloria Kulturpalast), mit Sensles, Call Of The Sirens, Infinight, Hatchery
19.-21.06.14 Metalfest Loreley, u.a. mit Sabaton, Powerwolf, Kreator

FORTSETZUNG FOLGT!

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3 Antworten zu Resistance Of Yield, Slaughterra, Unchained und Burning Vault in Saarbrücken (KiTu Reloaded, 19.04.14) – Teil 1

  1. Pingback: Resistance Of Yield, Slaughterra, Unchained und Burning Vault in Saarbrücken (KiTu Reloaded, 19.04.14) – Teil 2 | Luzies Welt

  2. Pat schreibt:

    Groß gewachsene Herren xD Geile Beschreibung – Verzottelte Lausbiester hätts auch getroffen, Aber sehr gut, dass dir die Hörner aufgefallen sind.

  3. luuuzie schreibt:

    Na, ich wollte ja nicht frech sein. 😉 Und eure Hörner waren ja nicht gerade zu übersehen…

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