Birth Of Joy in Luxemburg (Rockhalcafe, 13.04.14)

Rock’n’roooooll!

Auf diesen Nenner könnte man das, was da am Sonntagabend im Rockhalcafe ablief, reduzieren. Birth Of Joy, eine dreiköpfige Band aus den Niederlanden, machte auf ihrer umfangreichen Tour einen Zwischenstopp in Luxemburg und wie so oft im Rockhalcafe konnte man die live dargebotene Musik, ohne Eintritt bezahlen zu müssen, genießen. Die hochwertige Qualität dieser Gigs scheint sich inzwischen herumgesprochen zu haben, denn wie schon bei den letzten Gratiskonzerten strömten die Leute geradezu herbei, sodass sich, als die Band startete, schätzungsweise 100 Zuschauer in dem schmalen Bereich vor der Bühne scharten. Vom ersten Takt an tanzten um mich herum alle – verständlich, denn bei der Musik des Trios ist Stillstehen ein schwieriges Unterfangen, man wird sofort mitgerissen.

Für eine etwas größere Version bitte auf das jeweilige Foto klicken!

Bei diesen Konzerten im intimen Rahmen liegt der Fokus ganz auf der Musik und den Musikern – statt einer ausgeklügelten Lightshow wird die Bühne die ganze Zeit über von denselben Lampen in dieselbe Farbe gehüllt und im Hintergrund gibt es keine Videoprojektionen zu sehen, sondern eine weiße Stoffbahn, die die großen Scheiben des Cafes wie ein Vorhang abdeckt.

Über den oben ziemlich salopp umschriebenen Musikstil von Birth Of Joy sollte ich vielleicht noch ein paar präzisiere Angaben machen. Hervorstechendstes Merkmal ist sicherlich die Orgel, bedient von Gertjan Gutman, und vor allem durch diesen Orgelsound erhält die Musik von Birth Of Joy ihren ganz besonderen, an Psychedelic- und 60er/70er-Jahre-Rock erinnernden Touch, zum Teil auch mit bluesartigem und Stoner-Rock-Einschlag. Wichtige Zutaten dafür sind natürlich auch die Art und Weise des Gesangs, hauptsächlich produziert von Kevin Stunnenberg, der auch Gitarre spielt, wobei der Schlagzeuger Bob Hogenelst nicht nur ab und zu die Backgroundvocals lieferte, sondern ganze Songpassagen zweistimmig mit Bandkollege Kevin sang.

Trotz Mikro sprach der Drummer aber nicht mit dem Publikum, das war einzig und allein Kevins Aufgabe, und nach kurzer Rückfrage relativ am Anfang wurde Englisch als die Sprache für die Kommunikation mit den Zuschauern festgelegt. So gab es während der etwa 90 Minuten dauernden Show ganz oft „Thank you very very very much zu hören“.

Laut der Facebookseite der Band ist Gertjan Gutman nicht nur für die Orgel, sondern auch für den Bass zuständig; im Rockhalcafe war aber weit und breit kein Bass zu sehen, Gertjan saß die ganze Zeit – für manche Zuschauer von dem großen Boxenturm verdeckt – an dem Tasteninstrument, genauer gesagt an den TasteninstrumentEN, denn er hatte ja auch ein Keyboard vor sich aufgetürmt. Allerdings bediente er neben den Tasten nicht nur diverse Pedale zu seinen Füßen, sondern gelegentlich auch die Sample-Maschine und aus der Richtung kam ab und zu ein Sound, der sich wie ein Bass anhörte. Gertjans Haupttätigkeitsfeld sind aber die Tasten und über die war er fast die ganze Zeit so gebeugt, dass man überwiegend den lockigen Haarschopf des Musikers sah und nur selten sein Gesicht. Deshalb musste ich Kindskopf bereits nach wenigen Sekunden – sorry, ist nicht despektierlich gemeint – an Rowlf von der Muppet Show denken. Der Mann an der Orgel sang zwar nicht und sprach auch nicht mit dem Publikum, spielte sein Instrument aber mit ähnlicher Inbrunst.

Völlig zurecht feuerte Frontmann Kevin das Publikum mehrmals – nonverbal, aber unmissverständlich – dazu an, für den Herrn an den Tasteninstrumenten zu applaudieren, und auch die paar von ihm ganz ohne Worte initiierten Mitklatschparts funktionierten einwandfrei.

Seit meinem Artikel über die drei Schlagzeuger achte ich bei Konzerten viel mehr auf die Drums und die Leute hinterm Drumkit. Natürlich fielen mir zuerst einmal die hinterm Schlagzeug ordentlich abgestellten Schuhe auf; der Birth Of Joy-Schlagzeuger Bob Hogenelst ging also barfuß zu Werke. Darüber hinaus habe ich den Eindruck, dass der blonde Mann sein Handwerk versteht und es voll draufhat. Die Drum-Beats sind bei Birth Of Joy aber nicht nur notwendiges Grundelement sämtlicher Lieder, sondern werden manchmal gezielt in den Mittelpunkt gerückt, bei den längeren Liedern zum Beispiel, die auch der Orgel soloartige Passagen einräumen. Im Übrigen war der Bereich des Schlagzeugers am besten ausgeleuchtet, weswegen die Bilder, die ich von ihm aufgenommen habe, fast alle gut geworden sind.

Aber Drums hin, Orgel her: Noch bevor ich einen Fuß in den Gastronomiebetrieb setzte, waren mir durch die große Scheibe schon die drei Gitarren, die auf der Bühne im Rack standen, ins Auge gefallen. Bei näherem Hinsehen von innen entpuppten sich die Instrumente als eine Rickenbacker (330?), eine Fender Stratocaster mit weißem Korpus und eine Epiphone SG in Cherryred.
Benutzt wurde aber nur die Fender-Gitarre und Kevin meinte nach dem Konzert auf meine Frage hin, das sei sein Baby und die beiden anderen Gitarren habe er nur dabei, falls an der Strat mal eine Saite reißt.
Mehrmals drehte er mitten im Song an den Mechaniken, um so seiner Gitarre ein paar bizarre Klänge abzuringen, und bewegte sich ab und zu halbwegs lasziv mit dem Instrument in seinen Armen. Natürlich kam der große Mann des Öfteren auch in die Mitte der Bühne ganz nach vorne, um direkt vor den Augen und Nasen der Zuschauer abzurocken, bevor er wieder ans Mikrofon zurückkehren musste. Am Ende ging der Sänger in die Knie und fuddelte an mehreren Knöpfchen seines Pedalboards, um seiner Gitarre zum guten Schluss die allerwildesten Töne zu entlocken.

Da keine Setlist auslag und ich die musikalischen Werke von Birth Of Joy (noch) nicht so gut kenne, habe ich keine Ahnung, welche Songs im Einzelnen gespielt wurden. „Make Things Happen“ war, wenn ich das richtig in Erinnerung habe, das letzte Lied. Angekündigt wurden manche als alte Lieder, eines als sehr lautes Lied (Wie Recht Kevin damit hatte!) und ein anderes wurde als langes Lied umschrieben, wobei es davon in der Diskographie von Birth Of Joy mehrere gibt, und natürlich waren auch einige Tracks des aktuellen Albums „Prisoner“ dabei, beispielsweise „How it goes“ oder „Grow“.
Dieses Album ist noch ganz frisch, es wurde Ende letzten Jahres aufgenommen und in den Benelux-Ländern bereits am 1. Februar 2014 veröffentlicht. Man kann es sich wie die beiden älteren „Life In Babalou“ (2012) und „Make Things Happen“ (2010, Re-release 2012) bei Spotify anhören. Neben der CD existiert davon auch eine Vinylversion in wunderbarem Rot, aber alle vorhandenen Schallplatten seien während der gerade erst abgeschlossenen Frankreichtour verkauft worden. Nun denn, so ist dann eben die Vinylversion der Kompilation „The Sound Of Birth Of Joy“ mit mir nach Hause gekommen. Es wäre allerdings schön gewesen, wenn der auf dem Cover angekündigte Downloadcode für die mp3-Version tatsächlich enthalten gewesen wäre…

Birth Of Joy Vinyl

Im Birth Of Joy-Universum stehen noch zahlreiche Konzerte an, auch auf deutschsprachigem Boden – *klick* – und wie das Ganze live abläuft, kann man sich bei einem Mitschnitt vom Eurosonic 2013 auf der Rockpalast-Seite anschauen.

 

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Über luuuzie

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