Rage Of Samedi und Mothertrucker in Zweibrücken (Hobbitkeller, 14.03.14)

Der 10. März dürfte für die Fans der Band Rage Of Samedi und für die Bandmitglieder selbst ein ganz besonderer Tag gewesen sein, denn an diesem Tag erblickte das Debütalbum „Sign“ der vier Musiker aus Zweibrücken das Licht der Welt. Nun kann man sich endlich, wann und wo auch immer man möchte, den sinistren Doom-Horror-Stoner-Rock made in Rheinland-Pfalz anhören und ich kann jedem diese CD wärmstens empfehlen. Eine kleine Kostprobe liefert die Soundcloud-Seite der Band, eine CD-Review gibt’s bei Neckbreaker.

CD Sign

An diesem 10. März ging auch die Webseite des offiziellen Rage Of Samedi-Fanclubs, http://www.slow-evil-heavy.de/, online. Diese hält sämtliche Neuigkeiten über Sänger Lou Cifer, Gitarrist und Backgroundvocalist Sam D. Durango, Bassist Paul McKay und Drummer Ian O’Field parat und man hat nach einer Registrierung die Möglichkeit, sich aktiv als Squad-Mitglied einzubringen.

Um das Ganze gebührend zu feiern, standen am Wochenende gleich zwei Konzerte an: freitags im Hobbitkeller in Zweibrücken zusammen mit Mothertrucker und samstags in der Rock-Kneipe „Zur Schwemme“ in Pirmasens mit Mothertrucker und No Hope im Vorprogramm (Bericht folgt).

Setlist Rage Of SamediIn Zweibrücken machten – zu fortgerückter Stunde (ab 21.30 Uhr) – Rage Of Samedi den Anfang und füllten den kleinen Raum unter der gewölbten Decke gleich mal mit den Klängen eines neuen Songs („Never obey“). Das finde ich klasse, dass die vier sich jetzt, wo das Album auf dem Markt ist, nicht einfach auf dem bislang Erreichten ausruhen, sondern fleißig weiterwerkeln! Wenn man sich die Setlist einmal anschaut und die dort notierten Titel mit denen des Albums vergleicht, stellt man fest, dass alle acht Songs von „Sign“ gespielt wurden, allerdings in anderer Reihenfolge als auf der CD, und dass ein weiteres neues Lied zu hören war, „Psycho“. Auch das durchgestrichene „Curtain“ scheint neu zu sein; das war wohl als Zugabe, die allerdings nicht stattfand, eingeplant. Na ja, mal abwarten, was Pirmasens in der Hinsicht zu bieten hat!

So gut die CD auch ist – ich genieße es immer noch einen Tick mehr, die Songs auch live geboten zu bekommen, weil man dann die optischen Eindrücke vom Konzert mit den Liedern, wenn man sie später wieder hört, verbinden kann. Kopfkino sozusagen.

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Als die Band loslegte, wunderte ich mich erst einmal: Wo ist die SG?! Sam D. Durango im Black Sabbath-Shirt hielt doch glatt die Flying V in seinen Händen und nicht die Gitarre, die er hier als Gitarre des Monats März präsentiert hatte! Aber besagte SG stand in dem Rack an der Seite der Bühne und wartete bloß auf ihren Einsatz, der, wenn ich die Ergänzungen auf der Setlist richtig interpretiere, bei „Cheating life“ erfolgte. (Was bedeutet dann das „ESP“? Gibt’s etwa noch eine dritte Klampfe im Haus Durango?)
Ich mag es ja immer, wenn Musiker auf der Bühne mit Leidenschaft ihrer Tätigkeit nachgehen und auf Herrn Durango scheint das zuzutreffen. Er wirkt so, als ob es ihm Spaß macht, vor Zuschauern Gitarre zu spielen und die Backgroundvocals zu singen, und auch wenn er nicht gerade irgendein Pedal mit seinem Fuß anklicken muss, ist er in Bewegung und hat sein Instrument trotzdem fest im Griff.

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Auch Sänger Lou Cifer gehört erfreulicherweise zu denjenigen, die performen und nicht nur wie angepflockt ihre Verse runtersingen. Mit der Hand, die nicht das Mikro hält, gestikulierte er oft, notfalls auch mit Bierflasche in der Hand oder Zigarette zwischen den Fingern, und er zeigte auch mal dem Publikum den Rücken. Zu seiner Performance gehört es auch, immer mal ein paar Takte in der Hocke sitzend zu singend, das harmoniert mit seiner häufig düsteren Stimme und der Stimmung der Musik. Bei einem Lied kauerte er aber recht lang am Boden, das könnte bei dem ganz neuen Lied „Psycho“ gewesen sein… Da klebten nämlich auch zwei Blätter Papier mit einem etwas umfangreicheren Text am Boden und das ist jetzt nicht als Kritik gemeint, denn ich finde es super, dass die Band sich überhaupt daran wagt, Lieder, die noch nicht 100%ig sitzen, ins Konzert mitaufzunehmen. Dass das Singen durstig macht, erkannte einer der Konzertbesucher und reichte dem Sänger irgendwann ein weiteres Fläschchen Bier.

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Bassist Paul McKay und Schlagzeuger Ian O’Field sind von ihrer Art her ein bisschen zurückhaltender als die beiden anderen, aber sie legen eine angenehme Coolness an den Tag. Man schaue sich nur einmal an, wie der Mann mit dem imposanten Bart den Lefty-Bass, einen Fender Precision, bedient!  Sein Part mit dem Wah-Wah-Pedal am Anfang von „Our Kingdom“ gefällt mir sowohl auf der CD als auch live total gut. Auch die Gitarre macht manchmal wah wah, das passt meiner Ansicht nach perfekt zu dem Sound, der in meinen Ohren auch so ein bisschen oldschoolmäßig klingt, und gerade dieses Wah-Wah versetzt mich immer irgendwie in die 60er/70er Jahre… Jimi Hendrix‘ „Voodoo Child“ lässt grüßen, und Baron Samedi ist doch ein Totenherrscher aus dem Voodoo-Kult, also schließt sich da doch der– siehe Albumcover! – Kreis.

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Was Drummer Ian O’Field betrifft: Der junge Mann beeindruckte einen der Pressevertreter offenbar ziemlich stark, wenn ich das richtig mitbekommen habe, und wurde – absolut zurecht – nach dem Konzert in den höchsten Tönen gelobt.

Ich bin ja mal gespannt, ob die vier Musiker auch beim Konzert in Pirmasens alle eine Schnabbekapp tragen! Wenn ich mich recht entsinne, habe ich keinen der vier jemals ohne Kopfbedeckung gesehen. Ob das so eine Art Banduniform darstellen soll? Oder ist’s nur Zufall? Ich glaube jedenfalls nicht, dass alle Bandmitglieder permanent irgendwelche haarigen Probleme haben!

Für eine etwas größere Version bitte auf das jeweilige Foto klicken! Richtig gelungene Fotos findet man bei Theawfulpain-Project (wenn man bei Facebook eingeloggt ist).

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Komplett „oben ohne“, also das Haupthaar zur Schau stellend und selbst die etwas ausgedünnten Stellen nicht unter Mützen, Hüten oder sonstigen Accessoires versteckt, präsentierten sich die nächsten vier Musiker, die aus England angereist waren: Mothertrucker boten zum Teil recht experimentelle und dank gut bestückter Pedalboards kräftig verzerrte Klänge, die sich aus dem Output zweier Gitarren (einer Fender und einer Epiphone), eines Basses und des Schlagzeugs zusammensetzten und die sich stilistisch am meisten in der Kategorie Post Rock wohlfühlen dürften.

146xGesang existiert nicht, aber das hinderte die Herren nicht daran, dem Publikum vor den Songs ein paar erklärende und nicht selten witzige Worte zuzurufen, wie zum Beispiel, dass das folgende Lied irgendetwas mit „Ghostbusters 2“ zu tun hat, während ein anderer Song davon handelt „how shit Guns’n’Roses are“. Letzterer könnte dem Titel nach „Duff McKagan’s Kagan Wagon“ vom aktuellen Album „The Power Of Independent Trucking“ gewesen sein. Wenn ich mir die Songs dieses Albums bei Bandcamp anhöre, meine ich, dass auch die beiden Lieder „Reef do all the work, The Beatles get all the credit“ und „Vigo the Carpathian” in Zweibrücken gespielt wurden. Was den Rest anbelangt, da muss ich mangels Setlist passen, zumal die Diskographie von Mothertrucker schon recht umfangreich ist, „The Power Of Independent Trucking“ ist nämlich bereits das vierte Album der Briten. Die anderen Longplayer „dark transmi55ions“ (2009), „trebuchet“ (2007) und „The Last Ride Of Dr. Sanchez“ (2004) kann man sich ebenfalls komplett auf der Bandcamp-Seite anhören.

Bei einem Lied hatte der Schlagzeuger Bruce Charles Patrick Goodenough zunächst nichts zu tun, weil beim Anfang des Songs nur Charlie Butler an der Epiphone SG, Chris Scrivens an der Fender und Bassist Tom Moffat in action waren. Deshalb gönnte sich der Drummer eine Zigarette und ein paar Schlucke Bier, bevor sein Einsatz startete.

196s

Nach etwa 20 Minuten wurde ein Wechsel angekündigt und der Schlagzeuger schnappte sich die rote Epiphone des Herrn mit Bart, während dieser am Schlagzeug Platz nahm. Bevor es mit dem Musikprogramm weiterging, wurde erneut demonstriert, dass man es nicht nur mit fähigen Leuten, sondern auch mit witzigen Kerlchen zu tun hat, denn der große Musiker, der nun ganz vorne stand, öffnete erst einmal seinen Gürtel, um damit den Kronkorken einer Bierflasche zu entfernen, und erst nach einem Schluck Gerstensaft und dem Richten der Montur wurde der nächste Song gespielt. Ich fand den Sound nun, nachdem der Gitarrist das Schlagzeug bediente und der Drummer die Gitarre, anders als vorher, es hat irgendwie mehr gebollert und mit einem traumhaften, ziemlich langen Gitarrengeschrummele und entsprechenden Posen endete das Set.

Bin ich so froh, dass ich das alles heute Abend noch einmal erleben kann!

Auch hier gilt: Für eine etwas größere Version bitte auf das jeweilige Foto klicken! Richtig gelungene Fotos findet man bei Theawfulpain-Project (wenn man bei Facebook eingeloggt ist).
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Eine Antwort zu Rage Of Samedi und Mothertrucker in Zweibrücken (Hobbitkeller, 14.03.14)

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