Siren’s Legacy, Carpe Noctem und Celesta im JUZ Illingen (08.03.14)

Nachdem ich im vergangenen Jahr mehrere Celesta-Konzerte nicht besuchen konnte wegen anderer Termine an den betreffenden Tagen, hatte ich nun zweimal innerhalb von acht Tagen das Vergnügen, das Quintett aus dem Saarland live anzuschauen. Ähnliches gilt für Siren’s Legacy, die wie bereits am 1. März in Herrensohr auch beim Konzert im JUZ Illingen mit von der Partie waren, mit dem Unterschied dass diesmal Celesta den Abend eröffneten und Siren’s Legacy als letzte ihren Auftritt hatten. Dazwischen musizierten Carpe Noctem aus Jena, und wenn man sich die folgenden Fotos einmal anschaut, dämmert es einem vielleicht, warum die Veranstaltung unter dem Motto „Klassik meets metal“ stand. Doch dazu später mehr…

Celesta starteten also in das Musikprogramm des Abends, den Beginn markierte ihr Sample-Sprachfetzen-Intro, das die Zuschauer idealerweise in den richtigen Groove versetzt. Frontfrau Vicky Schreiber hatte die Haare diesmal ganz besonders schön: gelockt statt glatt, absolut rampenlicht-geeignet, aber dort ließ sich die Sängerin nur einmal kurz blicken. Die Bühne war nämlich viel zu klein, um Schlagzeuger Pierre Gry samt Drumkit, Keyboarder und Sample-Maschine-Bediener Dominic Bartsch inklusive Rack, Gitarrist Jay Herrmann und Bassist Joseph D. G. Voltaire mit ihren Pedalboards und sonstiger Ausrüstung und dann auch noch Vicky unterzubringen. Nun ja, Platz hätte die Sängerin zwischen ihren Kollegen und all dem Equipment schon gehabt, sie hätte sich bloß nicht großartig bewegen können, und das ist in der Schreiber-Galaxie ein No-Go. Nur Singen ist nicht, genügend Platz zum Tanzen, Springen, In-die-Hocke-Gehen muss vorhanden sein, deshalb absolvierte die Sängerin ihr Programm vor der Bühne und war daher nicht ganz so gut ausgeleuchtet. Trotzdem sah das alles gut aus und, was ja eigentlich wichtiger ist, hörte sich gut an.

660s

Die Anzahl der Lieder, die die Band für diesen Abend ausgewählt hatte, war gegenüber der Vorwoche etwas reduziert, und trotzdem musizierten die fünf etwa eine Stunde lang. Daran sieht man schon, dass viele Lieder von Celesta eine stattliche Länge haben, „Leave“ zum Beispiel dauert gute 5 Minuten und „Hunger“ fast 6 Minuten, aber das alles wird noch getoppt durch „Puppet“ mit einer Spielzeit von über 7 Minuten. Die genannten Lieder finden sich alle auf dem Album „Separate Opposites“, wohingegen „The Burden“ oder „Paranoid Dreams“ schon etwas älter sind. Es gibt aber auch noch neuere Lieder als die auf dem Album, „Suffocating“ zum Beispiel, das ebenfalls eine beachtliche Spielzeit hat und von dem seit dem Auftritt in der Stadthalle St. Ingbert im letzten Sommer ein Video existiert. Das Lied startet relativ ruhig und geht nach gut zwei Minuten so richtig ab. Spätestens bei diesem Part wird deutlich, warum die von der Band selbst gewählte Stilschublade „Melodic Progressive Groove Metal“ zu ihrer Musik bestens passt. Auch das Lied „Press on regardless“ ist ganz neu, es hatte erst in der Woche zuvor Livepremiere, und diesmal blieb mir vor allem Jays cooles Gitarrensolo während des Instrumentalparts im Gedächtnis. Und Josephs Wechsel des Bassgurtes nach dem Lied. Wenn die Männer an ihren Instrumenten abrocken und die Sängerin mal längere Zeit Funkstille hat, bewegt sie sich zur Musik oder fordert die Zuschauer zum Mitmachen oder zum Klatschen auf. Ich sage nur: „Hände hoch!“ Dieser Befehl, dem üblicherweise fast jeder nachkommt, ist sogar in dem eben erwähnten Video enthalten.

679s

Dem Publikum – mengenmäßig eher überschaubar – gefiel’s und man verlangte nach einer Zugabe. Nach „Experience“ war dann endgültig Schluss, es war ja bereits kurz vor 21.30 Uhr und zwei andere Bands wollten auch noch auftreten.

Übrigens: Seit dem Interview bei Classic Rock Radio bin ich ein wenig verwirrt in puncto Aussprache des Bandnamens. Offenbar sagt man TSCHelesta, für mich waren die fünf bisher immer Selesta, und ich meine, irgendjemand aus den Kreisen der Band hätte das beim Konzert beim Nennen der Internetadresse auch so gesagt… hmmmm… Also umgewöhnen? Oder doch nicht? In Anbetracht der Tatsache, dass manche auch von Zelesta sprechen, schlage ich vor, das Problem zu vertragen und bei einem der nächsten Konzerte noch einmal ganz genau hinzuhören. Mögliche Gelegenheiten:

26.04.14 Zweibrücken (Gasthaus Sutter) mit Dante und Samarah
17.05.14 Augsburg (Abraxas), A Night Of Progressive Rock mit Dante und Aeneas
07.11.14 Herdorf (Rattenloch), Night Of The Beauties Festival mit Limelight Fire, Hydra und Chronoseptic

Für eine etwas größere Version bitte auf das jeweilige Foto klicken!

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Der nächsten Band ist der Titel des Events offenbar hauptsächlich zu verdanken: Eine Stunde lang wurde gefiedelt, gezupft, „gesägt“, häufig so, dass die Metalheads vor der Bühne voll auf ihre Kosten kamen und sie die Matten, sofern vorhanden, schön im Takt fliegen lassen konnten. Carpe Noctem nennen sich die fünf Musiker aus Thüringen, die ihren Stil selbst als String Metal, also Streichinstrument-Metal, bezeichnen. „Ohne Gesang“ könnte man für den Liveauftritt in Illingen noch ergänzen, denn an diesem Abend waren die zwei Celli, die Violine, das Schlagzeug und der Bass die einzigen „Stimmen“, wenn man von den Begeisterungsrufen aus dem Publikum und kurzen Ansprachen der Band an die Zuschauer einmal absieht. Allerdings gibt es auf dem aktuellen Album auch ein paar Lieder mit Text. „op.2: allegro con fuoco“ heißt der 2012 erschienene Longplayer, und der Titel klingt in Verbindung mit den eben erwähnten Instrumenten für Klassikmuffel vielleicht etwas abschreckend, aber man soll ja keine voreiligen Schlüsse ziehen. Die Performance war nämlich atemberaubend genial und absolut mitreißend! Mit welcher Schnelligkeit Friedrich Busch seine Finger über die Saiten seiner Violine springen ließ, während er mit der anderen Hand den Bogen in Höchstgeschwindigkeit darüberjagte, stets ein Lächeln im Gesicht und den wenigen Platz auf der Bühne voll ausnutzend für seine Bewegungen! Auch Cornelius Wagner und Martin Streicher bedienten ihre Celli in bester Rockermanier, manchmal riss es sie sogar von ihren Stühlen und sie spielten im Stehen. Und wie sich das in der Metalbranche gehört, flogen auch auf der Bühne die Haare, und eine Hand von Cellist Martin formte sich mehrmals zur „Frittengabel“. Ein Augenschmaus! Die Musiker schienen in ihrem Tun voll aufzugehen. Einmal hielt Martin sein Cello sogar vor den Verstärker – oder habe ich das nur geträumt? Es ist wohl müßig darauf hinzuweisen, dass die fünf eine klassische Ausbildung an ihren Instrumenten genossen haben und absolut sicher und souverän damit umgehen können. Das gilt auch für Schlagzeuger Daniel Cebulla und Bassist Sascha Dobschal, die etwas dezenter im Hintergrund werkelten.

720s

Dass Streichinstrumente kein Gegensatz zu „Heavy Metal“ sind, weil man Celli & Co. ja auch ein paar krassere Sounds entlocken kann, dürfte spätestens seit Metallicas „S&M“-Album jedem Liebhaber der härteren Musik klar sein. Vergleiche von Carpe Noctem mit einer gewissen finnischen „Cello Rock“-Band hängen den fünf Musikern vermutlich schon zum Halse heraus, auch wenn man als Zuschauer unweigerlich daran denkt, aber im Unterschied zu den Finnen sind die Songs von Carpe Noctem allesamt eigene Lieder und keine Cover, von der Zugabe „Toxicity“ (im Original von System Of A Down) einmal abgesehen.

Setlist Carpe NoctemZwischendrin gab es auch ein paar ruhigere, besinnliche Töne, aber nach zart und leise folgten immer wieder die lauteren Passagen mit Rumms! Das Foto zeigt, wie die Setlist aussah – liebevoll von Hand geschrieben und ein wenig verschlüsselt, sodass bei einigen Liedern ohne tiefergehende Recherche wohl nur die Musiker selbst verstehen, welcher Song gemeint ist. Mein Favorit in dieser Hinsicht: „Gräfli“ aka „Gravely to forget…“

Die fünf jungen Männer ziehen noch eine Weile durch die Lande, um unter anderem auf der Straße zu musizieren – so kann man sich das vorstellen: *klick* –, also schaut euch die Terminliste an und haltet die Augen offen, wenn ihr an den betreffenden Tagen in einer der Städte unterwegs seid!

10. – 12.03.14 Strasbourg (Straßenmusik)
14.03.14 Frankfurt (Straßenmusik)
15.03.14 Darmstadt (Straßenmusik + Konzert in der Goldenen Krone)
17. – 18.03.14 Luxemburg (Straßenmusik)
19.03.14 Bonn (Straßenmusik)
23.03.14 Dresden (Straßenmusik + Konzert im Club Novitatis mit Hot Mama)
24. – 25.03.14 Prag (Straßenmusik)
04.04.14 München (Backstage) mit Coppelius
09.05.14 Schweiz, St. Gallen, Aufgetischt – Das Straßenfestival
10.05.14 Schweiz, St. Gallen, Aufgetischt – Das Straßenfestival
26.06.14 Wasserburg, Ratingen, Open Air Konzert
27.09.14 Surenburg (Parkhotel), Vampyreske

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Es war schon recht spät – fast 23.30 Uhr –, als Siren’s Legacy mit der Präsentation ihrer Werke beginnen konnten. Zunächst erschienen aber nur drei Viertel der Sirenen auf der Bühne, denn während die Zuschauer mit dem Intro aus dem Computer beschallt wurden, demselben bombastischen orchestralen Stück, das auch das Album „The Kraken“ einleitet, war Sängerin Jennifer Thomé quasi noch in anderen Gewässern unterwegs, bis sie zu Donnerklängen auftauchte und sich zu ihren Mannen gesellte. Die drei – Michael Firmont an der Gitarre, Tobias Hartmann am Schlagzeug und Stefan Zimmer am Bass – wurden dann auch aktiv und starteten ihre Liveperformance, die wieder einmal absolut faszinierend war.

782s

Dabei reicht Jennys Stimme in Verbindung mit der Musik, also das rein akustische Erleben, im Prinzip völlig aus, um einen sofort mit dem, was man gerade tut, innehalten zu lassen, und stattdessen diesen angenehmen Klängen aus der Sparte Symphonic Metal zu lauschen und sich mittreiben zu lassen, und schwuppdiwupp befindet man sich auf einer höchst abenteuerlichen Reise, was den Trip nur umso interessanter macht: Sie umfasst u.a. eine Irrfahrt auf einem Geisterschiff, einen Flug auf dem Phönix, einen Abstecher in den Orient, Abhängen mit Seeleuten, von denen man sich wieder verabschieden muss, schnüff, und einen Ritt auf einem Drachen, der von Jennys Stimme gesteuert mal höher, mal näher am Erdboden fliegt, zum Teil langsam und gemütlich, teilweise auch ein bisschen ungestüm, je nachdem, welche Kapriolen Michael an den Saiten veranstaltet. Und zum guten Schluss bekommt man’s auch noch mit einem Kraken zu tun und hat anschließend die Gelegenheit, Bekanntschaft zu schließen mit einem gefallenen Ritter. So ungefähr läuft das Musikprogramm wahrscheinlich für diejenigen ab, die mit geschlossenen Augen da stehen und einfach genießen.

837s

Alle anderen werden auf ihrem Phantastietrip eventuell leicht abgelenkt durch Jennys umwerfendes Bühnenoutfit, ihre langsamen, anmutigen Bewegungen und ihre ausdrucksstarke, zum gesungenen Text passende Mimik… oder durch Michaels Flitzefinger an der Gitarre mit dem einzigartigen Look, sofern sie sich nicht auf das Studium der unendlich vielen Gesichtsausdrücke des jungen Mannes spezialisiert haben. Auch Tobias‘ absolut cooles Schlagzeugspiel mag einen gedanklich von Seeleuten und Rittern in andere Sphären hinübergleiten lassen, und wem das alles zu viel wird, kann seinen Blick immer noch auf Bassist Stefan Zimmer richten, den weder Phönixflug noch Drachenritt aus der Ruhe bringen können, selbst wenn ein Wechsel vom viersaitigen Sandberg zum LTD-Bass mit sechs Saiten vollzogen wird.

Wer ein solches Spektakel auch einmal erleben möchte – ich kann es jedem nur ans Herz legen! – hat sicher bald wieder die Gelegenheit dazu. Behaltet einfach die Homepage oder die Facebookseite von Siren’s Legacy im Auge!

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