Celesta, Dawn Of Eternity und Siren’s Legacy in Herrensohr (Zum Schlössje, 01.03.14)

Während an diesem Samstagabend vielerorts Stimmungsmusik aus den Kneipen drang, ließ das Konzertangebot des Gasthauses „Zum Schlössje“ in Herrensohr auf ein angenehmes Kontrastprogramm für Faschingsverweigerer hoffen. Unter dem Motto „Female Fronted Metal Night“ hatten sich drei Bands mit Sängerinnen zum gemeinsamen Musizieren an diesem Abend zusammengetan: Siren’s Legacy, Dawn Of Eternity und Celesta. Allerdings baumelte in dem Raum um die Theke allerhand bunte Glitzerdeko von der Decke und sobald es im Nebenraum, wo noch der Soundcheck im Gange war, etwas leiser wurde, konnte man aus den Boxen im Schankraum ganz deutlich „Fiesta Mexicana“ und andere „Humpa Tätärä“-Songs vernehmen. Oh weh! Die beiden Bedienungen wirkten außerdem auf mich, als wären sie im restlichen Jahr eher nicht als Gothicbräute unterwegs und je später der Abend, desto mehr Faasebooze ließen sich blicken. Man entkommt ihr, der Fastnacht, also doch nicht so einfach. Auch den Merchandise-Stand hatte eine Piratin erobert und bot dort sogar Tücher mit Totenkopf-Aufdruck feil.

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Sowohl Siren’s Legacy als auch Celesta habe ich schon live gesehen, mehrmals sogar (siehe Konzertberichte auf meinem Blog), und die Tatsache, dass ich mir diese Bands noch einmal anschaute, zeigt, dass die Musiker alles richtig gemacht haben. So auch an diesem Samstagabend.

Los ging es mit Siren’s Legacy, die ab 20.30 Uhr eine Stunde lang ein beeindruckendes Symphonic Metal-Programm mit Progressive-Elementen boten. Sängerin Jennifer Thomé hatte sich für den Auftritt in ein raffiniertes Bühnenoutfit, bestehend u.a. aus schwarzem, knielangem Rock und roter Jacke, geworfen, während Gitarrist Michael Firmont ganz glücklich in seinem Ninja-Gewand samt schwarzem Stirnband schien. Die beiden anderen Bandkollegen, Tobias Hartmann am Schlagzeug und Stefan Zimmer am sechssaitigen LTD-Bass, waren völlig normal gekleidet. Von Tobias war hinter dem Drumkit ohnehin nicht viel zu sehen, da braucht es dann auch keine außergewöhnliche Bühnenbekleidung. Das einzige Accessoire, das über die Normalbekleidung hinausgeht, war eine Schiene am verletzten rechten Unterarm. Dass er trotzdem die Drumsticks schwang, finde ich sehr bemerkenswert! Der großgewachsene Bassist hielt sich die ganze Zeit über rechts neben der Bühne, also ein wenig abseits, auf. Wenn ich mir Jennys raumgreifende Bewegungen mit ihren Armen oder beim Mähne-im-Takt-Schütteln wieder in Erinnerung rufe, verstehe ich gut, warum der Mann am Bass ein wenig auf Distanz ging und sich auf der nicht allzu breiten Bühne nicht noch neben sie quetschte. Die junge Frau steht eben nicht nur da und singt ihre Liedchen, sondern sie ist eine wahre Performerin, die nicht nur durch ihre außergewöhnliche Mezzosopranstimme, sondern auch durch ihre Gestik und die geschmackvollen Tanzbewegungen die Blicke auf sich zieht. Ihrem Wunsch „Ich will eure Hände sehen“ wurde sofort Folge geleistet, sodass den besungenen „Sailors“ quasi zugewinkt wurde.

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Michael beeindruckte mich mit seinem Können an der Gitarre aufs Neue. Wenn man bedenkt, dass er erst 2006 mit dem Gitarrespielen begann, ist es schier unglaublich, mit welcher Kunstfertigkeit er seine Finger über die sieben (!) Saiten seiner MGH-Gitarre hüpfen lässt! Manchmal wirkte der junge Musiker so, als wäre er total in das Lied, das gerade dargeboten wurde, versunken. Er fand aber auch Zeit, um bei ein paar Songpassagen mit Jenny oder den Zuschauern einen Augenblick lang zu blödeln und ab und zu sang er auch ein paar Backgroundvocals ins Mikro, das meiner Meinung nach ein bisschen lauter hätte eingestellt sein dürfen. Davon abgesehen fand ich den Sound aber gut.

Für eine etwas größere Version bitte auf das jeweilige Foto klicken!

Gegen Ende des Sets wurde es der Sängerin offenbar warm und sie entledigte sich ihres Mantels, sodass fortan jede Menge Haut zu sehen war. Wow, was für ein Augenschmaus! Sogar die Nebelmaschine reagierte prompt und stieß einen stummen, in Kunstnebel gehüllten Pfiff aus. Die schicke dunkle Kette um Jennys Hals sowie ihre Handschuhe kamen erst jetzt so richtig zur Geltung.

Da Stefan vor der Zugabe seinen Bass stimmen musste, nutzten die beiden Bandmitglieder mit Mikrofon die Gelegenheit, um auf die tollen Produkte am Merch-Stand aufmerksam zu machen: Neben CDs, CDs und CDs gab es dort nämlich u.a. auch Augenklappen zu kaufen. Man hätte noch darauf hinweisen können, dass das nächste Konzert von Siren’s Legacy unmittelbar bevorsteht: Am 08.03.14 geben sich die vier im Illinger JUZ unter dem Motto „Klassik Meets Metal“ zusammen mit Celesta und Carpe Noctem die Ehre.

Alle Songs, die an diesem Abend gespielt wurden, kann man sich auf dem im September 2013 veröffentlichten Album „The Kraken“ noch einmal in aller Ruhe anhören. „The Fallen Ninja“, wie der Song der Zugabe angekündigt wurde, wird man auf der CD allerdings nicht finden, dort heißt das Lied wie auch auf der Setlist „The Fallen Knight“.

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Die zweite Band, Dawn Of Eternity, hatte einen weiten Weg hinter sich. Auf Einladung von Celesta waren die jungen Leute aus Nürnberg angereist, obwohl ihr Bassist erkrankt war und nicht mitkommen konnte. (Gute Besserung, Sven!) Deshalb spielte die Band nur zu dritt: Sara Seubert war für den Gesang zuständig, Johannes Kittel für die Gitarre (ein schwarzer Gibson Firebird, rrrrrr) sowie ein paar Shouts und Torsten Ossowicki bediente das Schlagzeug.

Auch bei dieser Band hatte die Sängerin sich schick herausgeputzt: ein Hauch von Nichts in Schwarz mit Netzärmeln über einem schwarzen Stufenrock im Gothic-Stil und an den Füßen hohe schwarze Schnürstiefel. Sara stand nie still und nutzte wie Jenny ihre Hände und Arme, um ihren Bewegungen noch mehr Ausdruck zu verleihen.

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Auch die beiden anderen Bandmitglieder waren schwarz bekleidet, schließlich stand Gothic Metal auf dem Programm. Ganz abgesehen davon ließ mich Hannes‘ Haarpracht an Robert Smith denken.

Die drei Nürnberger kamen beim Publikum gut an. Einige Frauen, die von ihrem Outfit her auch gut auf die Bühne gepasst hätten, tanzten und ließen leicht vornübergebeugt die langen Haare fliegen, den Bierkrug in der Hand, während ein paar Schritte weiter ein junger Mann, ebenfalls Musiker, zu einigen Liedern die Luftgitarre spielte. Vielleicht haben sie sich ja nach dem Gig das ganz frisch fertiggestellte Album „Guilty“, das es am Merch-Stand zu erwerben gab, zugelegt. Laut dem Foto, das ich von der am Boden liegenden Setlist gemacht habe, sind alle Songs, die gespielt wurden, auch auf dem Album zu finden. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob die Setlist ganz korrekt ist, denn ich meine, die Band hätte ein Lied als Titelsong des Albums angekündigt. Außerdem wurde als Zugabe ein ganz neues Lied gespielt. Die Band entschuldigte sich zuvor und danach für die vielleicht nicht ganz so astreine Darbietung, weil das Lied so superneu sei, aber ich fand nicht, dass das Level zum guten Schluss abgesackt wäre. Ich hoffe, der Band hat ihr „erstes Mal im Ausland“ (Zitat Hannes) gut gefallen!

284tsEin paar Lieder des Albums plus ein paar andere kann man sich auf der Soundcloud-Seite der Band anhören. Außerdem stehen bereits einige Konzerttermine fest, über die man sich auf der Homepage der Band informieren kann.

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Dawn Of Eternity hatten ihr Banner mit dem Bandnamen an der Rückwand der Bühne befestigt, Celesta rahmten ihren Aktionsbereich links und rechts durch je ein senkrechtes Banner mit Celesta-Logo ein.

Sie starteten in ihr Programm mit einem coolen Intro aus gesprochenen Wörtern, ausgespuckt von der Samplemaschine, die Keyboarder Dominic Bartsch bediente. Wiederholte die Stimme aus dem Computer wirklich mehrmals „Die poppen“? Ich meine eher, Celesta rocken, und wie! Über die scheinbar unversiegbare Energie der Frontfrau Vicky Schreiber habe ich mich bereits vor einiger Zeit bewundernd ausgelassen, und auch an diesem Samstagabend tanzte und hüpfte die hübsche Sängerin trotz fortgeschrittener Stunde im Duracellhäschenstyle auf und vor allem vor der Bühne, immer darauf bedacht, das Publikum schön einzubeziehen, entweder durch direktes Anquatschen oder durch unmissverständliche Gestik, wenn geklatscht werden sollte. Sie ließ es sich auch nicht nehmen, Rubina Amaranth, die ohnehin absolut textsicher die ganze Zeit mitsang, das Mikro hinzuhalten, woraufhin die Mimik einiger Konzertbesucher ganz deutlich zeigte, wie beeindruckt sie von der Stimmgewalt der Frau aus dem Publikum waren. Supergeil – nach irgendeinem Lied bekamen neben Rubina auch etliche andere Konzertbesucher das Mikrofon vor die Nase gehalten, um in ihrer Stimmlage das Wort „supergeil“ ins Mikro zu sprechen. Ich weiß nicht mehr genau, ob das vor oder nach der kleinen Polonäse war, die sich ein paar Übermütige aus Jux erlaubten. ‘s is‘ halt Faasenacht…

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Die Herren an den Saiteninstrumenten – Joseph D. G. Voltaire, wie sich der Herr am sechssaitigen Bass von Ibanez nennt, und Jay Herrmann an der Ibanez-Gitarre mit sieben Saiten – gingen ihrer Tätigkeit vergleichsweise gemächlicher nach. Allerdings gab es einige Passagen, bei denen ich angesichts von Jays Handakrobatik am Gitarrenhals ganz große Augen machte und Josephs Slapping am Bass, beispielsweise beim Lied „Press on regardless“, war auch mal was anderes. Pierre Gry, der Franzose am Schlagzeug, wurde vor besagtem Lied von Vicky darum gebeten, den Titel des Songs auszusprechen, weil das immer so lustig klinge, aber statt seinen Akzent zur Schau zu stellen, sagte er irgendetwas Freches (ich habe allerdings vergessen, was). Ich glaube, „Press on regardless“ ist der neue Song (und somit nicht auf dem aktuellen Album „Separate Opposites“ zu finden), der von Dominic mit einem feuerwehrsirenenähnlichen Sound eingeleitet wird und der später einige knüppelharte Bretter von Gitarren- und Bassriffs, zu denen man gut die Matte schütteln kann, bietet.

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Wie bei den anderen Bands wurden auch bei Celesta die einzelnen Musiker vorgestellt, und da Frontfrauen und -männer sich immer irgendwie schwer damit tun, sich selber vorzustellen, hauchte schließlich die mikrofonerprobte Rubina den Namen der Sängerin ins Mikrofon.

Celesta haben bereits einige weitere Konzerttermine für 2014:
08.03.14 Illingen (JUZ), Klassik meets metal mit Siren’s Legacy und Carpe Noctem
26.04.14 Zweibrücken (Gasthaus Sutter) mit Dante und Samarah
17.05.14 Augsburg (Abraxas), A Night Of Progressive Rock mit Dante und Aeneas
07.11.14 Herdorf (Rattenloch), Night Of The Beauties Festival mit Limelight Fire, Hydra und Chronoseptic

Drei Bands mit Frauenstimmen – das war schon speziell und auf der Autofahrt nach Hause musste ich dann eine tiefe, grölende Männerstimme im Ohr haben (Panteras Album „Vulgar Display of Power“). Dennoch war der lange Musikabend schön und als Andenken grinst mir von meiner Handinnenfläche immer noch der Stempel mit dem Logo des aktuellen Celesta-Albums „Separate Opposites“ entgegen.

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3 Antworten zu Celesta, Dawn Of Eternity und Siren’s Legacy in Herrensohr (Zum Schlössje, 01.03.14)

  1. Benne Stadler schreibt:

    Celesta gehörten schon immer zu meinen Alltime Favorites der saarändischen Metalszene und ich war sehr positiv überrascht von der Soundwand, die die Band in der neuen Formation in die Zuschauermenge bretzelte. Allerdings empfand ich die ersten beiden Songs (Leave, Hunger) eindeutig zu laut abgemischt, so dass Vicky ziemlich hart gegen die Saiteninstrumente ankämpfen musste.

    Und Siren’s Legacy arbeiten sich auf der Professionalitätsleiter langsam aber sicher nach oben. Auch wenn ich zumindest das Gefühl hatte, dass Michi nicht ganz auf dem Niveau gespielt hat, dass ich bisher bei ihm gesehen habe. Da waren doch einige Schnitzer in den Soli und dass bei „The Kraken“ ein Einsatz nicht so ganz passte… haben die anderen wohl wegen seinem stylishen Faasend-Outfit nicht wirklich mitbekommen 😀

  2. luuuzie schreibt:

    Schhhhhh! Manche Details lasse ich gerne mal in den Taschen meines Mantels des Schweigens liegen… 😉

  3. Pingback: Siren’s Legacy, Carpe Noctem und Celesta im JUZ Illingen (08.03.14) | Luzies Welt

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