Steak Number Eight und Death Letters in Saarbrücken (Kleiner Klub, 17.02.14)

Manchmal besuche ich Konzerte, obwohl ich die Bands gar nicht richtig kenne, einfach weil mir nach Livemusik ist und es an dem Tag keine Alternativen gibt. Dort, wo ich wohne, ist das Angebot an Gigs eben nicht so groß und ich habe auch nicht immer die Zeit, durch halb Mitteleuropa zu düsen, wenn es mich von der häuslichen Couch weg und in irgendeine Konzerthalle hineinzieht. Umso schöner ist es, wenn man nach einem solchen Konzertbesuch total begeistert ist von dem, was man da gesehen und gehört hat, so geschehen im Falle von Steak Number Eight, die diese Woche mit Death Letters in Deutschland auf Tour sind. Schon beim Reinhören in ein paar Songs bei Soundcloud hatte ich den Eindruck, dass diese Musik mir gefallen könnte, und ich lag damit absolut richtig.

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Steak Number Eight (Wie kommt man auf so einen Namen?!) ist eine noch recht junge vierköpfige Band aus Belgien. Ihre Debüt-EP „When The Candle Dies Out…” erschien zwar bereits 2008, aber damals waren die Musiker noch in der Teenagerzeit, da kann man sich ja ausrechnen, wie grün hinter den Ohren Sänger und Gitarrist Brent Vanneste, Gitarrist Cis Deman, Bassist Jesse Surmont und Schlagzeuger Joris Casier im Jahr 2014 noch sind. Dementsprechend beeindruckt war ich von der absolut selbstbewusst und cool dargebotenen Show des Quartetts im Kleinen Klub.

Die gitarrenlastige Musik in gemächlichem Tempo mit einem Rhythmus, der einen beim Mitwippen nicht überfordert, manchmal eher post-rock-artig mit längeren Passagen ohne Gesang (Ich musste tatsächlich ein paarmal an God Is An Astronaut denken.), zuweilen eher aus der Stoner-Rock-Schublade gekullert, kombiniert mit Gebrüll aus Leibeskräften war an diesem Montagabend (und ist noch immer) genau nach meinem Geschmack. Als „atmospheric sludge band“ bezeichnen sich die vier auf ihrer Facebookseite, während auf der Homepage der Band von „sonic terrorism“ und „earth shattering live shows“ die Rede ist… Passt alles irgendwie.

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Da ich ganz links stand, hatte ich permanent Cis‘ schwarze Gibson Les Paul vor der Nase. Die gefiel mir ja um Längen besser als Brents Fender, aber durch dessen lässige Posen an und mit seiner Gitarre war ein ständiger Wechsel meiner Blickrichtung gewährleistet. Bloß schade, dass von dem Schlagzeuger kaum etwas zu erkennen war, der ging in einem besonders dunklen Eckchen und fast permanent umgeben von Nebel seiner Tätigkeit nach, während ich von Bassist Jesse insgesamt mehr sah. Ausgerechnet beim letzten Lied gab dessen Bass den Geist auf, ich kann gar nicht genau sagen, warum (Saitenriss?), weil ich mit meinen Augen wohl woanders war, als das Malheur passierte, aber dank eines Ersatzbasses, der in einem Koffer unter der Bühne geparkt und schnell startklar gemacht war, ging das Ganze relativ reibungslos weiter. Frontmann Brent kam kurz vor Ende des etwa 40 Minuten dauernden Sets mit seiner Gitarre in den Publikumsbereich vor der Bühne gehopst – die meisten Zuschauer hielten etwas mehr Abstand zum Geschehen als ich – und spielte anschließend etliche Takte auf der Theke, bevor es wieder zurück in Richtung Mikro ging. Ich sag ja: Die Jungs rocken!

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Natürlich kam die aktuelle CD von Steak Number Eight, „The Hutch“, mit mir nach Hause und den ersten Longplayer, „All Is Chaos“ aus dem Jahr 2011, sowie die EP werde ich auch noch irgendwo auftreiben.

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Bei einem Lied fragte ich mich übrigens, ob Brent tatsächlich von Bananen singt oder ob meine Ohren inzwischen trotz earplugs geschreddert sind. Erfreulicherweise funktioniert mein Gehör einwandfrei: Ich habe nämlich gerade entdeckt, dass beim Lied „Dickhead“ vom „All Is Chaos“-Album das Wort „Banana“ x-fach wiederholt wird. Ha!

Diese Woche touren Steak Number Eight noch mit Death Letters quer durch Deutschland, es gibt aber auch schon zwei weitere Konzerttermine:
18.02.14 Köln (U2 Underground)
19.02.14 Frankfurt (11er)
20.02.14 Berlin (Monarch)
21.02.14 Hamburg (Haus 73 / Kleiner Donner)
12.04.14 Durbuy Rock, Durbuy – Belgien
18.04.14 Dunk Festival, Zottegem – Belgien

Genau eine Stunde vor Beginn des Konzerts konnte ich meine Kamera aus der Reparatur abholen. Perfektes Timing! Ich bin so froh, dass ich nur („nur“!) acht Tage auf mein Maschinchen verzichten musste, zuerst hieß es ja, dass das Ganze drei Wochen dauern soll. Trotz Kleiner-Klub-typischer Beleuchtung (sprich: wenig Licht und viel Nebel) bescherte mir meine Kamera ein paar hübsche Souvenirs. Ihr wisst ja: Für größere Versionen einfach auf die jeweiligen Bilder klicken!

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Bevor es weiterging mit Death Letters, wurde erst einmal das Schlagzeug weiter an den vorderen Bühnenrand gerückt. Schließlich besteht diese Band aus den Niederlanden nur aus zwei Personen: Sänger und Gitarrist Duende Ariza Lora und Victor Brandt am Schlagzeug.

DSCF2068ts Erstaunlich, was für einen Lärm (nicht im negativen Sinne gemeint) lediglich zwei Musiker fabrizieren können! Victor schlug bei vielen Liedern die Drums, als gäbe es kein morgen (bei „Death Of The Sincere“ zum Beispiel), und Duende drosch dementsprechend auf seine Gitarre ein, lieferte punkrockartige Klänge oder Soundgewitter im Post-Rock-Stil, während er ins Mikro grölte. Im Repertoire der Band gibt es aber auch leisere Klänge, zu deren Erzeugung der Drummer auf an ihrem Ende wattierte Sticks zurückgriff und ein wenig sachte mit seinem Instrument umging, während sein Kollege zu clean vocals wechselte und die Saiten seiner Fender etwas zärtlicher bearbeitete. Ein recht großes Pedalboard mit vielen Effektgeräten lag ihm zu Füßen und natürlich machte der Musiker davon Gebrauch, aber trotzdem war der Sound auch bei den fetzigeren Songs nicht allzu verzerrt.

Mit der Einordnung in irgendwelche Stilschubladen tue ich mir bei Death Letters schwer, denn die Musik der beiden ist sehr vielseitig. Das Fuze Magazine spricht von „Experimental/Rock“, während Visions die Musik der beiden in die Kisten Indierock und Post-Hardcore steckt. Wenn das Interesse an der Band geweckt ist, hört man am besten einmal selbst in ein paar Lieder rein, Soundcloud hat von der Band einige Stücke auf Lager. Typisch sind wohl die häufigen Rhythmuswechsel in ein und demselben Lied, was ich an diesem Abend etwas anstrengend empfand, und beim Gesang eine Bevorzugung von in die Länge gezogenen Tönen.

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Es dauerte einige Lieder lang, bis zum ersten Mal geklatscht wurde, aber das lag meiner Ansicht nach daran, dass die Songs quasi nahtlos ineinander übergingen. Häufig klangen die Lieder mit einem gedehnten, fast nicht enden wollenden Gitarrenton aus, doch ich wartete wie vermutlich die anderen auch auf die Sekunde der Stille, um die Handflächen zum Applaudieren gegeneinander zu bewegen, aber jedes Mal schlug der Drummer plötzlich seine Sticks aneinander und das nächste Lied startete. Vielleicht war das der Grund, warum der Mann am Mikro irgendwann begann, am Ende von Liedern „Thanks“ (im Sinne von: Habe fertig, also klatscht jetzt gefälligst!) zu sagen und ein wenig Smalltalk zu halten. Er meinte, er wäre am späten Nachmittag nach einem Blick vor die Tür davon ausgegangen, dass höchstens zehn Leute kommen würden, und freute sich über die wider Erwarten größere Nachfrage; rund 60 Zuschauer dürften anwesend gewesen sein. Kurz darauf folgte die nächste Runde fishing for compliments: Die Band hätte schon einmal in Saarbrücken gespielt und auch deswegen wäre es erstaunlich, dass so viele Leute gekommen wären, woraufhin einer der Zuschauer die Band aufforderte, etwas mehr Selbstvertrauen zu haben.

Setlist Death LettersDie Setlist zeigt, dass sowohl Lieder aus dem zweiten Album „Post-Historic“ als auch Songs aus dem aktuellen Longplayer „Common Prayers“ gespielt wurden. Ein Lied wurde zum allerersten Mal live performt, aber da ich, wie schon erwähnt, die Band bis zu diesem Abend gar nicht kannte, weiß ich nicht, welches Lied das war. Von der Position auf der Setlist her könnte es „In Lieu Of Flowers“ gewesen sein.

Ein Remix davon befindet sich auf der hübschen grünen 7“-Vinylsingle „Nomadic Childhood“, an der ich natürlich auch nicht vorbeikam, ohne das Teil mitzunehmen…

Weitere Konzerttermine:
18.02.14 Köln (U2 Underground)
19.02.14 Frankfurt (11er)
20.02.14 Berlin (Monarch)
21.02.14 Hamburg (Haus 73 / Kleiner Donner)
23.02.14 Utrecht (Tivoli de Helling)

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