SPH-Bandcontest in Trier (Exhaus, 07.02.14)

Logo_allgemein_kleinDer 2009 ins Leben gerufene SPH-Bandcontest ist inzwischen ein gigantischer Wettbewerb. Etwa 2.500 Bands haben sich um die Teilnahme im Jahr 2014 beworben. Das Bundesgebiet ist dafür in die vier Regionen West, Nord, Süd und Ost eingeteilt, wo an über 35 Veranstaltungsorten die Vorrunden-Konzerte stattfinden, bei denen immer mehrere Bands (maximal sechs pro Abend) auftreten. Drei dieser Bands – vereinfacht ausgedrückt die mit den meisten Stimmen von Jury und Publikum  – kommen weiter in die nächste Runde, Stadtfinale genannt, und wer sich hier erfolgreich gegenüber der Konkurrenz durchsetzt, muss sich im Regionalentscheid behaupten und anschließend siegreich aus dem Pre-Finale hervorgehen, um letzten Endes beim Finale antreten zu dürfen. Hört sich kompliziert an, aber wichtig ist ja erst einmal, dass die Organisatoren nicht den Durchblick verlieren.

Zu gewinnen gibt es eine ganze Menge, und das nicht erst im Finale: Über Studioaufenthalte, Endorsements, Festivalslots und vieles mehr können sich die Bands, die sich in die Herzen von Jury und Publikum spielen, freuen.

Die Veranstaltung im Trierer Exhaus am 7. Februar 2014 war bereits der zweite Vorrunden-Konzertabend in Trier; drei Wochen zuvor waren dort schon sechs Bands zum Musikbattle angetreten. Während an diesem Februarabend ein Sturm über die Region hinwegfegte, brachten weitere sechs Bands den Balkensaal von innen zum Beben (und das meine ich wörtlich, denn ab und zu geriet der Boden unter den Füßen der Zuschauer wirklich in Bewegung!). Jede Band hatte 25 Minuten Spielzeit und danach waren immer 20 Minuten veranschlagt, um die Bühne für die nächste Band herzurichten. Ein junger Mann aus dem SPR-Organisatorenteam achtete darauf, dass das Timing funktioniert, führte als Moderator durRunning Orderch den Abend und erklärte zwischendrin immer mal wieder, wie der Stimmzettel, den jeder Konzertbesucher beim Eintritt erhalten hatte, zu handhaben ist. Aus reiner Nettigkeit (eventuell auch um mein Nervensägen-Potential im Keim zu ersticken – Gefahr erkannt, Gefahr gebannt!), bekam ich exklusiv eine handgeschriebene Übersicht mit den Spielzeiten der Bands.

Ein noch bunterer Mix von musikalischen Stilrichtungen ist fast nicht mehr möglich und gleich die erste Band, Staatsverrat, katapultierte mich zeitmaschinenartig in die 80er Jahre zurück, als ich die Wochenenden in irgendwelchen JUZen damit verbrachte, den meist nicht so virtuos präsentierten Punkrockklängen irgendwelcher Bands, die sich gerade erst ganz spontan zusammengetan hatten, zu lauschen. Je abgefuckter und schräger, desto cooler. Attitüde, Gerstensaft und herausgeplärrte Parolen (Hauptsache anti) waren wichtiger, als auf der Gitarre oder stimmlich irgendeinen bestimmten Ton zu treffen. Und natürlich musste auch das Styling stimmen.

In der Gegenwart bzw. der jüngeren Vergangenheit ging es zunächst 20 Minuten lang ähnlich zu wie damals. Die vier jungen Leute aus der Pfalz lieferten Uffta uffta-Punkrock mit deutschen Texten à la „Ich hasse die Arbeit, ich hasse den Staat“ und mit einigen „Oi oi“-Mitgrölparts. Man kann sich Songs wie „Trink mehr Export“, „Bierpunk“ oder „Goodbye Polizei“ auf der Bandcamp-Seite der vier jungen Leute anhören. Nett fand ich, dass die dort geposteten zehn Songs in der CD-Version nach dem Auftritt von Sängerin Michaela höchstpersönlich an die Zuschauer verschenkt wurden. Allerdings scheint die junge Frau zum Zeitpunkt der Aufnahmen noch nicht so ganz offiziell mit von der Partie gewesen zu sein, denn bei den meisten Liedern hört man nur Max Binder singen. Es gab zwar auch in Trier ein Lied, bei dem die Sängerin auf der Bühne nicht benötigt war, aber sie nutzte dann die Gelegenheit, um vor der Bühne mit ein paar Bekannten zu pogen.

Kurz vor Ende des Auftritts zeigte Max‘ Gitarre metaphorisch gesehen den Mittelfinger und weigerte sich, auch nur einen Pieps von sich zu geben, bis das Instrument nach ein paar Minuten des Herumwerkelns an diversen Knöpfchen wieder gangbar gemacht war; so konnten die vier doch noch einen Song nachlegen.

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Warum meine Kamera an diesem Abend überwiegend Ausschuss produziert hat, ist nach meinem letzten Blogeintrag ja geklärt, uuuuh, schnell weiter im Text, bevor der Frust angesichts der vielen besch***enen Bilder wieder die Oberhand gewinnt!

Als Nächstes war Modern Metal / Metalcore angesagt – der kürzeste Unchained-Auftritt ever, aber die Regeln besagen eben, dass 25 Minuten ausreichend sein müssen, um sich von seiner besten Seite zu präsentieren, und ich finde, das haben die vier jungen Männer sehr gut gemeistert.
Pietro zeigte mal wieder, dass er auch hinter fremden Schlagzeugen alles im Griff hat, und überhaupt, dass er an den Drums mächtig was draufhat! Kein Wunder also, dass er in zwei weiteren Bands für den richtigen Rumms sorgt, was das Talent der drei anderen – Tobias Engel am Mikro und an der Jackson-Gitarre, Dmitro Fedoruk an der Gibson-Gitarre und ab und zu ebenfalls am Mikro sowie Philipp Schulz am Bass – keineswegs herabsetzen soll, zumal auch Dima in weiteren Bands tätig ist und Tobi ab und an ebenfalls mal anderswo aushilft.

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Der Schwerpunkt lag an diesem Abend auf den Liedern des aktuellen Albums „Collision“, nur der erste der fünf gespielten Songs, „Inside my cage“, stammt vom Debütalbum „Code Of Persistence“.
Setlist UnchainedDie Songzusammenstellung empfinde ich als gelungen, weil die verschiedenen Facetten der Band hier deutlich wurden: Im Unchained-Repertoire gibt es Lieder, bei denen es ordentlich bollert (z.B. bei „Deconstruction“ – Habt ihr das Video dazu schon gesehen?), aber auch ruhigere Töne („Reconstruction“), wobei die Kopfnicker immer auf ihre Kosten kommen. Außerdem zeigte Tobias, dass er sowohl clean vocals produzieren als auch growlen kann. Bloß die ganz melancholischen Nummern – beispielsweise „Broken Wings“ – blieben diesmal außen vor.
Natürlich musste ausgerechnet beim letzten Lied eine Saite an Philipps Bass den Geist aufgeben, aber ganz professionell zwirbelte er das Ding dann einfach heraus und spielte auf den verbleibenden vier Saiten weiter.

Weitere Konzerte von Unchained:
19.04.14 Saarbrücken (KiTu Reloaded)
05.09.14 Rockenhausen, Metallergrillen (Open Air Festival)
13.09.14 Gelnhausen (Lorbass)
20.09.14 Saarbrücken (KiTu Reloaded)

Ein paar helle Momente hatte meine Kamera zwischendrin, sodass es von Unchained (und auch von der nächsten Band) zumindest ein paar halbwegs gelungene Fotos gibt. Wenn man eines der Bilder aus der folgenden Zusammenstellung größer sehen will, einfach auf das jeweilige Bild klicken!

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Mit der dritten Band des Abends, PerDu, wurde erneut eine neue Stilrichtung präsentiert: „Popmusik mit deutschen Texten, von chillig bis tanzbar“, wie es die fünf Leute aus dem Raum Saarbrücken auf ihrer Facebookseite ausdrücken. Im Unterschied zu etlichen Leuten im Publikum, die das Geschehen auf der Bühne filmten oder mitsangen, war die Musik des Quintetts leider gar nicht so mein Ding, aber ich könnte mir vorstellen, dass diese Songs in den Charts total abgehen, denn mir kamen sofort ein paar Namen wie Max Herre und Tim Bendzko und außerdem dieses „Ab in den Süden“-Lied in den Sinn, die sich meines Erachtens mit PerDu in derselben Schublade wohlfühlen würden.

Talentiert sind die Musiker auf jeden Fall und das Zuschauen hat mir Spaß gemacht, denn die Bandmitglieder wirkten so, als hätten sie das größte Vergnügen bei ihrem Tun: Zunächst hampelte nur Jan-Niklas Ebert an und mit seinem Bass ein wenig herum, forderte die Leute auch nonverbal zum Tanzen und Klatschen auf, und schon nach ein paar Takten waren auch Gitarrist Marcus Mittermüller und Arne Kiesewetter am Keyboard so aufgetaut, dass sie ebenfalls durch ihre Gesten die Zuschauer zum Mitmachen animierten. Für den richtigen Groove sorgte unter anderem auch Fabian Gansen am Schlagzeug.

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Indem Marcus und Jan-Niklas ab und zu ihre Plätze tauschten oder face-to-face musizierten, hatten auch die Augen ihr Programm. Meine waren ohnehin zufrieden, denn es gab gleich zwei Gitarren auf der Bühne: Marcus’ Gibson Les Paul und eine akustische Crafter-Gitarre, die der Sänger Jan Grasmück bediente, wenn er nicht gerade in die Hände klatschte, um das Publikum genau dazu zu bewegen. Beim letzten Lied wurde er stimmlich ein bisschen durch Keyboarder Arne entlastet, der große Mann mit der Schnabbekapp hat dabei nämlich einen größeren gerappten Textanteil. Diesen Song, „Wenn ich wiederkomm’“, sowie zwei weitere Lieder kann man sich auf der Bandpage von PerDu anhören.

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Danach folgte schon wieder ganz andersartige Musik: ein bisschen aggressiver, phasenweise an Retro-Rock erinnernd, mit englischen Texten. Nach einem kurzen Drum-Intro (wenn ich mich korrekt erinnere) von Jeremias betraten drei weitere junge Männer die Bühne – Bassist Yannic sowie die beiden Gitarristen Amin und Jonas – und Stamblrs waren vollständig. Die Band kommt aus dem Raum Trier, kein Wunder also, dass eine riesige Fangemeinde anwesend war, es wurde im Publikum sogar eine weiße Flagge mit Stamblrs-Aufdruck geschwenkt. Nach dem ersten Song, bei dem Gitarrist Jonas sang, befolgten die Zuschauer die Bitte der Band, näherzukommen, für meinen Geschmack ein wenig zu bereitwillig und akkurat, denn viele große Leute standen plötzlich wie an die Bühne getackert da und versperrten mir die Sicht. Der Herr mit der Kamera (vermutlich ein Familienmitglied), der sich von Anfang an ganz vorne neben der Box postiert hatte, hatte da deutlich bessere Karten.

Bei den anderen Liedern diente der zweite Gitarrist, Amin, als Sänger, zum Teil auch ganz ohne Gitarre, und auch wenn ich das Weite suchte, weil viele Leute plötzlich ziemlich raumgreifend pogten – einer der Zuschauer hangelte sich sogar an dem Holzbalken vor der Bühne entlang –, gefiel mir die Musik des Quartetts recht gut. Die Soundcloud-Seite der Stamblrs bietet die Möglichkeit, drei Lieder der jungen Truppe anzuhören. Cool fand ich auch die Verbeugung der vier Musiker, nachdem sie ihr Programm absolviert hatten, das hatte irgendwie Style.

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Als die nächste Band startklar war, wurde die Bühne zu den Klängen eines Intros in tomatensaftrotes Licht getaucht. Die Zeit war gekommen für Vampires On Tomato Juice! Nun wurde es richtig eng auf der Bühne, sechs Männer mussten untergebracht werden und jeder Einzelne trägt einen außergewöhnlichen Namen: Da wären zunächst einmal die beiden Sänger Trevor le Doux und Ben Wolf, in der Mitte platziert und ständig in Bewegung, flankiert waren die beiden von den Gitarristen Lucius McCoy (an der LTD-Klampfe) und Christo van Absinthe (mit der Fender), während Isaac van Baritona eher im Hintergrund an seinem Bass werkelte, neben Lord Daryl Khedora am Schlagzeug.

Der langen schwarzen Mäntel entledigten sich die Vampires nach und nach, es wird einem eben warm, wenn man eine Zeitlang im Scheinwerferlicht herumhopst! Ich hoffe ja, dass Herr McCoy nicht allzu viele schmerzhafte Erlebnisse hatte, denn ständig blieben ein paar Strähnen seiner langen Haare an einem Splitter des Holzbalkens quer über der Bühne hängen, wenn er die Matte in die Luft warf, und das tat mir allein vom Zusehen schon weh! Im Übrigen bin ich heilfroh, dass sich keiner der großgewachsenen Musiker mit Tendenz zum In-die-Luft-Springen den Schädel an dem ziemlich weit nach unten reichenden Holzbalkenende inmitten der Bühne angeschlagen hat!

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Die Musik der sechs Männer erinnert tatsächlich an System Of A Down und Serj Tankian… äh…

Kleiner Exkurs:
Warum sich manche im Internet so dermaßen darüber ereifern und sogar die Band auf ihrer eigenen Seite beschimpfen, ist mir ein Rätsel. Ich finde das sehr unangemessen und frage mich, wo genau das Problem liegt. Wie oft habe ich hier schon geschrieben, dass mich die Musik von Band X an die Band Y erinnert? Sogar in diesem Artikel. Aber deshalb müssen Fans von Band Y doch nicht der Band X die Hölle heiß machen!? Und jetzt weiter im Text!

Setlist Vampiress…live noch mehr, als wenn man den Studioversionen der beiden Alben „Fairytales“ (April 2013) und „Vampires On Tomato Juice“ (2011) lauscht, und die sind absolut hörenswert für Freunde der härteren Riffs und headbangtauglicher Klänge, auch wegen mancher Texte, die einen unweigerlich grinsen lassen. Anspieltipps in dieser Hinsicht: „Cookies“ und „Futanari”. Hier wird auch sofort deutlich, wie abwechslungsreich und mitreißend die Musik allein durch die beiden Vocalisten ist. Ein absolut gelungener, sehr kurzweiliger Auftritt!

Bandmitglieder von Staatsverrat lagen den Vampiren phasenweise im wahrsten Sinne des Wortes zu Füßen und zum Abschluss performte man kurz gemeinsam „Trink mehr Tomatensaft Export“.

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Gegen 23 Uhr hatte die letzte Band des Abends, die mit dem längsten Bandnamen, ihren Auftritt, Jolly Foundation of the Armed Bazooka aus dem Raum Merzig. Die fünf jungen Männer boten – im Vergleich zur vorherigen Band – wieder etwas softere Klänge, zum Teil recht funkig, sodass man dazu tanzen oder herumspringen konnte, wie Sänger Fabian Steil anschaulich bewies. Das war mir bereits Ende 2012 aufgefallen, als ich mir die Jolly Foundation in Losheim anschaute. Ich bedauere es ja, dass meine Kamera zu dem Zeitpunkt nur noch Schrott produzierte, denn es gab auch hier zwei Gitarren und einen wunderschönen Gibson-Bass auf der Bühne zu sehen, von denen ich gerne ein paar Souvenirs in HQ gehabt hätte.

Die Post hatte es gut gemeint mit Jolly Foundation, denn pünktlich zum Konzert war die erste Ladung von CDs mit dem Debütalbum „Fuckility“ eingetroffen. Die 2012 veröffentlichte EP „Toxic Paradise“ steht bei Bandcamp zum Anhören und Downloaden zur Verfügung.

Anschließend wurde es ernst: Die Zuschauer hatten noch 5 Minuten lang Zeit, ihre Stimmzettel abzuliefern, dann wurde das Ergebnis ermittelt und natürlich auch verkündet: Nach der Kombination der Zuschauer- und der Jurystimmen sind Stamblrs, Vampires On Tomato Juice und Jolly Foundation of the Armed Bazooka die drei Bands, die sich in die nächste SPH-Runde gerockt haben. Herzlichen Glückwunsch!

Natürlich bin ich ein bisschen traurig, dass die Band, die meine Unterstützung hatte, es nicht aufs Siegertreppchen geschafft hat. Verdient hätten es Unchained auf jeden Fall! Und so begeistert, wie das Publikum bei PerDu wirkte, wundert es mich, ehrlich gesagt, auch, dass diese Band nicht in die nächste Runde gewählt wurde. Nun ja, es wird noch weitere Gelegenheiten für die Übernahme der Weltherrschaft in Sachen Musik geben. Die anderen Bands sind erst einmal die Sieger der Herzen, wie Max von Staatsverrat es kurz nach Mitternacht so schön formuliert hat.

Über luuuzie

https://luzieswelt.wordpress.com/ http://linsengemurmel.wordpress.com/
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