Gitarre des Monats Februar – Gretsch hoch 3 (Wayne Jackson), Teil 2 von 3

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Teil 3: Björns Geschichte >hier klicken<

– Wayne’s English words at the bottom –

Wayne Jackson kommt aus Manchester und hat als Musiker schon so einiges erlebt: In den 1990er Jahren war er der Frontman bei der britischen Band The Dostoyevskys, die u.a. Oasis bei zwei ihrer Touren supporteten; nach der Jahrtausendwende fungierte er mehrmals als Sänger für Paul van Dyk, diente als Co-Produzent der beiden Alben von Bela B und spielte eine Zeitlang Gitarre in Bela Bs Live-Band Los Helmstedt, darüber hinaus  veröffentlichte Wayne auch zwei Solo-Alben. 2012 tat er sich mit der deutschen Sängerin Lula, die er schon recht lange kennt, zu dem Duo The Dead Lovers zusammen. Die Musik der beiden, die in Berlin leben und arbeiten, erinnerte mich schon nach ein paar Takten an die 50er Jahre und die Rockabilly-Zeit.

Am 28. Februar wird die vier Songs umfassende EP „Special K“ erscheinen, den Titelsong kann man bereits bei Soundcloud anhören.
Das Album, das letztes Jahr in den Lost Ark Studios in San Diego aufgenommen wurde, wird am 2. Mai veröffentlicht.

g8sFolgendes hat Wayne mir – neben den fantastischen Fotos – zum Thema Gretsch-Gitarren zukommen lassen:

Die erste bewusste Erinnerung, die ich an Gretsch-Gitarren habe, hängt nicht mit Gene Vincent oder irgendeiner anderen Rockabilly- oder Country-Legende zusammen. Sie hat auch nichts mit George Harrison zu tun. Vielmehr ist sie verknüpft mit einem Konzert von The Cult im Ritz Ballroom in Manchester. Laut Google war das am 28. Mai 1985. Ich war dort zusammen mit meinem Bruder, der Tontechniker ist, und seinem besten Freund Mark Coyle, der später das Debütalbum von Oasis produzierte. Die ganze Show war beeindruckend, aber der am meisten erinnerungswürdige Aspekt war die weiße Gitarre, die von dem aus Manchester stammenden jungen Mann mit den gebleichten Haaren, Billy Duffy, gespielt wurde. Sie war der Inbegriff von Coolness, selbst auf eine Distanz von 40 Schritten und über einen Ozean aus verschwitzen, ängstlich blickenden Gruftis aus Manchester hinweg betrachtet.

Nach einer Sherlock Holmes-artigen Recherche fand ich heraus, dass der Musiker eine Gretsch White Falcon spielte; ein Modell, das wissenschaftlich erwiesen die kultigste Gitarre, die jemals erschaffen wurde, ist. Jahrelang schwebte die White Falcon für mich außer Reichweite, wie ein niemals erreichbares Ideal oder wie so eine Art Einhorn mit sechs Saiten, goldenen Applikationen und einem Bigsby.
Das nächste Mal, dass ich eine gesehen habe, war erst Jahre später, als ich Richard von Rammstein beim Aufnehmen der Vocals für sein Soloprojekt Emigrate assistierte. Ein Ständer in seiner Küche hielt eine White Falcon, die inmitten seiner Metal-Gitarren-Kollektion ziemlich fehl am Platz wirkte.
Seit diesem ersten Moment vor vielen Jahren, als ich The Cult gesehen hatte, waren Gretsch-Gitarren so eine Art Obsession für mich. Sie waren in den 80er und 90er Jahren in Großbritannien sehr schwer zu finden, und wenn man das Glück hatte, zufällig über eine zu stolpern, war diese in der Regel sehr teuer.

1993 ging ich in Cardiff in eine Musikalienhandlung und meine Augen wurden geblendet durch die Reflektionen einer Gretsch Silver Jet, die dort an der Wand hing. An einem sonnigen Tag können diese Gitarren die Netzhaut schädigen, so übermäßig glänzend ist ihre silberne Lackierung im Drum-Style. Glücklicherweise regnet es in Cardiff immer.

g21sDiese Gitarre nicht zu kaufen, war nicht wirklich eine Option. Wir benutzten sie als die Hauptgitarre in meiner ersten Band The Dostoyevskys. Sie begleitete uns auf Tour während der nächsten fünf oder sechs Jahre. Als wir bei zwei Deutschlandtouren Oasis – angekommen auf dem Zenit ihres Brit Pop-Erfolges – supporteten, kam sogar eines Nachmittags in Köln Noel Gallagher zu uns herüber, um sich die Gitarre anzuschauen, während wir mit dem Soundcheck beschäftigt waren. Ich bot ihm an, ihn ein paar Takte darauf spielen zu lassen, aber er lehnte es ein wenig verlegen ab. Ihm war sicherlich bewusst gewesen, dass er viel weniger Geld für Kokain würde ausgeben können, wenn er auf den Gretsch-Geschmack gekommen wäre.

Silver Jets sind zwar nicht ganz so selten wie White Falcons, aber während all dieser Jahre on the road habe ich nur eine einzige gesehen, und zwar als der Gitarrist einer deutschen Band namens Live eine benutzte.

Zum Vergrößern der folgenden Fotos einfach auf das jeweilige Bild klicken!

Gretsch-Gitarren sahen für mich immer am coolsten aus. Nach meiner White Falcon-Initialzündung begann ich immer häufiger, ihre charakteristischen Formen zu bemerken. Aber erst nachdem ich die Silver Jet gekauft hatte, konnte ich richtig einschätzen, wie viel cooler als andere Gitarren sie auch klingen. Die Klarheit und das Klingen des Tons schienen viel intensiver zu sein als bei irgendeiner Gitarre aus dem Hause Gibson oder Fender. Ich war nie wirklich ein Technikfreak in Sachen Pickups. Mein Sound wurde immer in gleichem Maße bestimmt von meinem Verstärker und den Effekten, die ich verwendete, sowie vom Klang der Pickups. Allerdings passte die Silver Jet, die ich über Jahre hinweg für unzählige Produktionen benutzte, immer perfekt zu meinem melodischen, mit Echo angereicherten Stil. Es klang episch, wenn man sie an ein WEM Copicat Bandecho anschloss. Was ich bis heute noch meistens tue.

Heutzutage spiele ich auf der Bühne eine Gretsch Black Phoenix, angeschlossen an einen VOX AC30 und einen Gretsch 6160 Verstärker, hergestellt von Valco. Auch über diese Gitarre stolperte ich zufällig. Ich hatte mich dazu entschieden, mir eine klassische Gretsch mit großem Korpus und Bigsby zuzulegen, und probierte alle Modelle, die ich in Berlin aufstöbern konnte – genau drei Stück –, aus. Es ist immer noch nicht so ganz einfach, Gretsch-Gitarren in Deutschland zu finden. Man hat fast den Eindruck, dass die Firma, die sie hier verkauft, die Augen vor der Wahrheit verschließen will. Oder vielleicht bevorzugen Gitarristen hierzulande andere Modelle.

Letzten Endes fand ich die Black Phoenix in einem Geschäft, das alte Gitarren verkauft. Ich nahm sie in die Hand, spielte sie und das war’s. Ich hatte auch mit dem Gedanken gespielt, eine White Falcon aus den USA zu ordern, aber als ich in Bela Bs Band Los Helmstedt spielte, war es vorgeschrieben, dass nur weiße Gitarren benutzt werden durften; deshalb hatte ich das Gefühl, dass ich ein wenig Abwechslung brauche. Und ich beschloss, dass die Black Phoenix sogar noch cooler war, in erster Linie weil die glänzenden Teile in einem eher matten Silber gehalten sind anstatt in einem richtig funkelnden Gold, wie man es an der White Falcon findet.

g6sEinige Jahre lang hatte ich ein Endorsement mit Duesenberg und bei Bela B spielte ich live nur Duesenberg-Gitarren. Die Jungs in der Firma waren unglaublich freundlich und hilfsbereit und ihre Gitarren sahen sehr cool aus und klangen auch so. Als ich in Los Helmstedt spielte, war ich weitgehend verantwortlich für jede Menge Surf- und Twang-Sounds, weswegen ich oft wild am Tremolo-Arm herumzerrte. Als ich die Black Phoenix austestete, war ich sehr neugierig darauf herauszufinden, ob das Tuning genauso stabil bleiben würde wie bei der Duesenberg. Und halleluja, das tat es!

Ich stellte auch fest, dass der Sound der Gretsch direkter und klangvoller war als bei den Duesenbergs. Dennoch denke ich immer noch, dass Duesenbergs wunderbare Gitarren sind, aber die Gretsch gab mir plötzlich eine zusätzliche Deutlichkeit, was perfekt war für die neuen Songs, die ich geschrieben hatte und die etwas mehr riffbasiert als die Lieder auf meinen beiden Solo-Alben sind. Aus irgendwelchen merkwürdigen Gründen bemerkte ich auch, dass die Black Phoenix dazu neigt, Ungenauigkeiten im Timing bei meinem Spiel mehr hervorzukehren. Sie scheint einen stärkeren Anschlag zu haben im Vergleich zu dem eher organischen Sound, den ich aus den Duesenbergs herausholte. Ich sah dies als Herausforderung und begann infolgedessen mehr zu üben als jemals zuvor, um meine Fehler zu beheben.

 

Neulich haben wir das Debütalbum meiner neuen Band The Dead Lovers in dem Lost Ark Studio in San Diego aufgenommen. Dieses Studio besitzt vermutlich die größte Sammlung von seltsamen und wundervollen Gitarren auf der ganzen Welt, was zu einem großen Teil den Ausschlag gab, den weiten Weg dorthin auf uns zu nehmen. Ich fand die Studio-Homepage, während ich eine Onlinerecherche zu einem Supro Reverb Tank durchführte. Als ich die Studio-Seite zum ersten Mal sah, dachte ich, das wäre eher ein Museum als ein Studio, weil die Gitarrenkollektion so gigantisch ist. Nach einem hektischen Austausch unwahrscheinlich freundlicher und optimistischer Mails mit dem Studiobesitzer Paul Cavanaugh beschlossen wir, dorthin zu fliegen und das Album mit dem hauseigenen Produzenten und genialen Gitarristen Mike Butler aufzunehmen.

Ich war so aufgeregt, das Equipment, das ich in den Fotogalerien gesehen hatte, auszuprobieren! Und trotzdem spielte ich wieder einen Großteil der Stücke auf einer hübschen Country Gent Gretsch aus den 1960er Jahren. Ich liebe immer noch all die von Valco hergestellten, preiswerten und guten Mailorder-Gitarren von Supro, Harmony, Kay und Silverstone, aber letzten Endes ist es doch schwierig, die Reinheit des klassischen Gretsch-Sounds zu übertreffen!

The first distinct memory I have of Gretsch guitars wasn’t from Gene Vincent, or some other rockabilly or country legend. It wasn’t even from George Harrison. It was from a going to see The Cult in the Ritz ballroom in Manchester. Google tells me it was the 28th of May, 1985.  I went with my sound engineering brother and his best friend Mark Coyle who later went on to produce the debut Oasis album. The whole show was impressive, but the most memorable aspect was the white guitar played by bleach haired, local boy Billy Duffy. It looked the very epitome of cool; even at 40 paces and through an ocean of perspiring, anxious looking Mancunian goths.
After some Sherlock Holmes style sleuthing I discovered it was a Gretsch White Falcon; a model scientifically proven to be the most iconic guitar ever made. For years, the White Falcon hovered out of reach like some kind of unattainable ideal; like some kind of a six stringed unicorn with gold trimmings and a Bigsby. The next time I actually saw one was years later, whilst helping Richard from Rammstein record vocals for his solo project Emigrate. There on a stand in his kitchen was a White Falcon, seeming peculiarly out of place amongst the rest of his metal „sports“ guitar collection.
Since that first moment watching the Cult all those years ago, Gretsch guitars have been something of an obsession for me. They were very hard to find in the UK in the 80s and 90s, and even if you were lucky enough to stumble across one they were always very expensive.
In 1993, I walked into a music store in Cardiff and my eyes were blinded by the light from a Gretsch Silver Jet hanging there on the wall. On a sunny day these guitars can damage your retinas, so effervescent are their silver drum style paint jobs. Luckily it always rained in Cardiff.
Not buying it wasn’t really an option. We used it as the main guitar in my first band The Dostoyevskys. It came with us on tour for the next five of six years. When we supported Oasis on two German tours at the height of their Brit Pop fame, even Noel Gallagher wandered over to have a look at it as we sound checked one crisp afternoon in Köln. I offered him a go on it, but he refused sheepishly. He had surely realised if he started getting into Gretsch guitars he’d have much less money to spend on cocaine.
Silver Jets surely aren’t quite as rare as White Falcons, but in all those years on the road, I only remember seeing one other, when the guitarist from a German band called „Live“ played one.
Gretsch guitars always looked the coolest to me. After my White Falcon initiation, I started noticing their distinctive shapes more frequently. But it wasn’t until I bought the Silver Jet that I fully appreciated how much cooler they sounded than other guitars too. The clarity and chime of the tone seemed much richer than anything Gibson or Fender could offer. I was never such a gear freak when it came to pickups. My sound always equally relied upon my amp and the effects I used as it did on the tone of the pickups. But over the years I used the Silver Jet on countless productions and it fitted my melodic, echo saturated style perfectly. It sounded epic when you plugged it into a WEM Copicat tape delay. Which I did and still do most days.
These days I play a Gretsch Black Phoenix live through a Vox Ac30 and Gretsch 6160 amp made by Valco. Again I stumbled across this guitar accidently. I’d decided I wanted a classic big bodied Gretsch with a Bigsby and I tried all those out I could find in Berlin; which was exactly three. It’s still not that easy to find Gretsch guitars in Germany. It’s almost like the company who distributes them over here is in denial. Or maybe guitar players here just prefer something more obvious.
In the end I found the Black Phoenix in a vintage guitar store. I picked it up, played it and that was that.  I’d also toyed with getting a White Falcon from the US, but when I’d played in Bela B’s band Los Helmstedt the policy was to use only white guitars, so I felt I needed a change. And I decided the Black Phoenix was even cooler, primarily because the bling trimmings were a subdued silver instead of the rather more full on gold you find on the White Falcon.
I’d had an endorsement deal with Duesenberg for a number of years and with Bela I played Duesenbergs exclusively live. The guys in the company were incredibly friendly and helpful and their guitars looked and sounded very cool. Playing in Los Helmstedt, I was largely responsible for a lot of the surf and twang sounds, so I’d often go crazy with the tremelo arm. When I picked up the Black Phoenix I was very interested to see if the tuning would hold up as well as it did on the Duesenberg. And hallelujah, it did.
I also noticed the sound of the Gretsch was more immediate and fuller than with the Duesenbergs. I still think Duesenbergs are wonderful guitars, but the Gretsch suddenly gave me an extra clarity which was perfect for the new songs I had written which were a little more riff based than the songs on my two solo albums. For some bizarre reason I also noticed the Black Phoenix tended to accentuate any timing inaccuracies in my playing. It seemed to have much more attack than the more organic sound I got from the Duesenbergs. In a way I took this as a challenge and as a consequence I started to practice more than I’d ever done in my life before to try to rectify the problem.
Recently we just recorded the debut album for my new band The Dead Lovers in The Lost Ark studio in San Diego. They have probably the biggest collection of weird and wonderful guitars on the planet, which was a large part of the reason for going all that way. I’d found their homepage online whilst researching information about a Supro Reverb tank. When I first saw their page I thought it was a museum rather than a studio, because their collection was so magnificent. After a feverish exchange of incredibly friendly and optimistic mails with the studio owner Paul Cavanaugh, we decided to fly over there and record the album with the in house producer and genius guitar player Mike Butler.
I was so excited to get my hands on the stuff I’d seen in their picture galleries. But once again I ended up playing a good slice of the parts on a beautiful Country Gent Gretsch from the 60s. I still love all those Valco made, cheap and cheery mail order guitars from Supro, Harmony, Kay and Silvertone, but in the end it’s hard to beat the purity of that classic Gretsch sound.
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