GaS goes Rock Akustikfestival (Neunkirchen, 25.01.14) – Teil 2

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So ein AAA-Pass ist etwas Schönes, eine Art Vertrauensbeweis und Bestätigung, dass man mich ruhigen Gewissens in unmittelbare Nähe von Musikern lassen kann. „Konzertjunkie“ bedeutet nämlich nicht automatisch dasselbe wie „durchgeknalltes Fangirl ohne Manieren“. Dieser Ausweis berechtigt und verpflichtet aber auch dazu, gefühlte 21 Kilometer zu Fuß zwischen Konzerthalle und Backstagebereich zurückzulegen, um dies und das und jenes von A nach B zu transportieren oder diverse Leute ausfindig zu machen, um Wichtiges zu klären, damit einem guten Gelingen des Events nichts im Wege steht. Hechel hoch x! Aber für die beste Freundin und für ein erstklassiges Musikprogramm läuft man doch gern diesen Halbmarathon in Etappen, der schon Stunden, bevor die erste Band zum Soundcheck erschien, begann!

Als dritte Band des Akustikabends in der Schulaula hatten Surrender The Crown ihren Auftritt. Gitarrist Patrick Meyer stand innerhalb von wenigen Stunden also zum zweiten Mal auf der Bühne, und wenn man bedenkt, dass er bereits einen Tag zuvor mit seiner dritten Band Bitter Atonement im Dudweiler JUZ seine Fingerfertigkeit am Sechssaiter unter Beweis gestellt hatte, hätte sich der Mann mit den langen Haaren für sein Engagement eigentlich eine Extrabelohnung verdient. (Myrddin-Bassist Maximilian Schulligen übrigens auch, denn der stand ebenfalls am Vortag neben Patrick bei besagtem JUZ-Konzert auf der Bühne.) Andererseits kann das Büfett, das allen Bands zur Verfügung gestellt wurde und das auch weit nach Mitternacht noch mehr als gut gefüllt war mit allerhand Leckereien, vielleicht als kleine kulinarische Entschädigung durchgehen.

Zum Vergrößern der folgenden Fotos einfach auf das jeweilige Bild klicken!

Doch zurück zur Musik: Surrender The Crown, die schon beim beim GaS goes Rock 2013, also mit ihrem regulären „harten“ Programm, die Zuschauermenge begeisterten, hatten gleich mehrere Überraschungen zu bieten. Zunächst einmal saß da nicht Ralf Gottlieb am Schlagzeug, der ist nämlich nicht mehr mit von der Partie. Wer letztes Jahr beim Album-Release-Konzert dabei war, denkt sich jetzt vielleicht, dass Andreas Valentin der neue Drummer sein könnte, aber auch das ist nicht korrekt, denn der wohnt zu weit weg, um ständiges Mitglied von Surrender The Crown sein zu können. Es gibt einen brandneuen Mann am Schlagzeug – wer das ist, kann die Band demnächst ja selbst verkünden –, aber der wurde prompt ein paar Tage vor dem Konzerttermin krank und war folglich gar nicht anwesend beim GaS goes Rock Akustikfestival. Seinen Part übernahm daher ein anderes bekanntes Gesicht, und zwar Stefan Schaus von den Parachutes, die Headliner beim letztjährigen GaS goes Rock waren und die genau eine Woche zuvor ihr Abschiedskonzert gegeben hatten. Bei diesem Anlass hatte sich ja Surrender The Crown-Sänger Matthias Braun für ein Lied die Bühne mit den fünf Parachutes-Musikern geteilt, also scheint die Freundschaft zwischen den beiden Bands oder zumindest zwischen manchen Musikern über normales Musikerkollegentum hinauszugehen. Ich finde es auch total beeindruckend, dass sich Stefan sämtliche Schlagzeugparts von Surrender The Crown offenbar in nur wenigen Tagen aneignen konnte. Hut ab!

Die zweite Überraschung bestand aus einer hübschen Frau namens Sophia Paulus, die der Surrender The Crown-Hörer von ihrem Gesangspart bei „Beautiful Ghost“ kennt und die schon ein paarmal bei Konzerten im Duett mit Matthias sang. An diesem Abend unterlegte die Sängerin gleich mehrere Songs mit ihrer Stimme.

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Überraschend war für mich auch die Tatsache, dass die Band nicht nur Stücke aus ihrem hervorragenden Album „What we think defines us“, sondern auch ein paar Coverversionen im Programm hatte. Die fünf Herren starteten sogar mit fremdem musikalischem Material, und zwar mit „So much to say“ (im Original von der Dave Matthews Band?). Der absolute Oberknüller unter den „fremden Federn“ war für mich aber Trent Reznors / Johnny Cashs „Hurt“, ein Song, der wie geschaffen für Matthias‘ Stimme ist, und das gilt auch für „Wicked games“ (original von Chris Isaak).

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Die Bandmitglieder mit den Saiteninstrumenten, neben Patrick Meyer Gitarrist Philipp Köhl und Bassist Oliver Quinten, absolvierten wie auch Sophia den kompletten Auftritt auf Barhockern sitzend – acoustic style eben – und bei den langsameren, melancholischen Songs blieb auch Matthias die meiste Zeit sitzen, was ja auch zur Musik und der damit ausgedrückten Stimmung passt. Der große blonde Mann ließ es sich aber nicht nehmen, ab und zu aufzustehen und sich an anderen Stellen der Bühne blicken zu lassen und dabei die Zuschauer zum Klatschen oder Mitsingen anzufeuern, die Arme in die Höhe gereckt. Zwischen den Songs hatte er ein paar nette Anekdoten parat, um sich die Sympathie des Publikums, die ohnehin vorhanden war, zu sichern. Beispielsweise wurde gewitzelt über die Tauglichkeit der Anfangsakkorde von Bryan Adams‘ „Summer of 69“ als Gedankenstütze für einen bestimmten Song von Surrender The Crown, wenn Patrick es mal wieder verpeilt (frei zitiert nach Herrn Braun), was bei den Bandmitgliedern wohl schon Running-Gag-Status hat. Selbstverständlich plärrte Matthias bei dem betreffenden Lied – es war, glaube ich „Beautiful ghost“ – nach ein paar Takten den ersten Vers des Bryan Adams-Songs, grad selääds, wie man das im schönen Saarland so sagt, sodass die Musiker noch einmal von vorne beginnen mussten.
Setlist STCVor „Another Journey’s End“ erklärte der Sänger, dass bei der Albumversion dieses Liedes Renate Iffland die Dudelsackmelodie eingespielt hat. Da die Frau kurze Zeit vorher noch mit Myrddin auf der Bühne musizierte und bei der Gelegenheit auch Dudelsack spielte, hätte sie das theoretisch auch bei dem Song von Surrender The Crown tun können. Aber eben nur theoretisch, denn der Dudelsack ist nicht in der Lage, ein Fis zu erzeugen, was aber bei dem Lied zwingend notwendig ist – dieser eine Ton musste im Studio daher mit ein paar technischen Kniffs aus einem anderen Ton produziert werden, was in der Livesituation jedoch nicht möglich ist. Und ohne Fis gibt’s keinen Dudelsack.

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Natürlich kam das lautstark nach einer Zugabe verlangende Publikum in den Genuss eines zusätzlichen Liedes. Ich behaupte ja schon seit dem allerersten Hören, dass Surrender The Crown wie die ganz Großen klingen, und wundere mich nach wie vor darüber, dass eine Band mit solchem Potenzial nicht längst in einer höheren Liga des Musikzirkus angekommen ist, zumal auch die Livedarbietungen und das Gebaren der Musiker auf der Bühne deutlich zeigen, dass sie in der Spitzenklasse der Rockmusikwelt locker mithalten könnten. Genauso äußerte sich übrigens einer meiner Kollegen, der das Quintett selbst schon einmal live erlebt hat und der wissen wollte, wie es am Samstag war, weil er nicht dabeisein konnte. Also: Schaut euch Surrender The Crown unbedingt an!

Wie nach den beiden anderen Bands strömten auch nach dem Auftritt von Matthias & Co. etliche Leute aus dem Saal, um sich mit Essen und Getränken zu versorgen oder um frische Luft zu schnappen oder sich anderswo mit ihren Freunden zu unterhalten, bevor es in der Aula weiterging. Das erwies sich in vielen Fällen aber nicht als die beste Idee, denn der gerade einsetzende Schneeregen versetzte offenbar so viele Leute in Panik, dass diese beschlossen, auf die letzte Band zu verzichten und lieber sofort nach Hause zu fahren, bevor die Straßen eisglatt sind (was später zum Glück nicht der Fall war, aber man weiß ja nie, welche jokes das Wetter so draufhat). Ich hätte Unchained ein größeres Publikum gewünscht, denn die Akustikversionen ihrer Songs sind wirklich exzellent.

Es ist ja noch nicht lange her, dass die vier Musiker im Fechinger Schützenhaus ein abendfüllendes Unplugged-Programm absolvierten. Wie an jenem Abend startete auch der Akustik-Gig am Steinwald mit „On The Floor“ vom aktuellen Album „Collision“ und natürlich durften Klassiker wie das wunderschöne, melancholische „Broken Wings“ und der nicht weniger schöne Song „Explanations“ aus dem Debütalbum „Code of Persistence“ nicht fehlen, alles natürlich in speziellen Versionen. Dass man auch Lieder wie „Signs Of Doom“ auf akustischen Gitarren spielen kann, hätte ich allerdings nicht für möglich gehalten. Man höre nur einmal in die Albumversion hinein! Aber auch Lieder von solchem Kaliber kriegen Tobias Engel (Gesang, Gitarre) und seine Bandkollegen Dmitro Fedoruk (Gitarre), Pietro Rizzuto (Schlagzeug) und Philipp Schulz (Bass) in der in Watte gepackten Version und ganz ohne Geschrei hin. Wahnsinn!

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Das Muse-Cover „Time Is Running Out“ kam ähnlich gut an wie beim ersten Testlauf vor größerem Publikum Anfang Januar und Tobi bewies erneut, dass er nicht nur den Klargesang beherrscht, sondern auch schrille Töne à la Matt Bellamy aus seiner Kehle herauspressen kann. Einmal zeigte Tobi, dass er auch growlen kann, aber nur kurz am Ende eines Liedes. Das musste wohl einfach raus, denn es ist schon ungewöhnlich, dass er einen ganzen Gig lang nur mit clear vocals bestreitet.
Natürlich waren den Zuschauern zehn Lieder von Unchained nicht genug und man schrie nach einer Zugabe, die dann auch in Form von „Silent days“ abgeliefert wurde.

Bislang feststehende Konzerttermine:
07.02.14 Trier (Exhaus), SPH Vorrunde
19.04.14 Saarbrücken (KiTu Reloaded)
05.09.14 Rockenhausen, Metallergrillen (Open Air Festival)

Ich konnte übrigens die komplette Show, also alle vier Bands, ohne Ohrstöpsel genießen, weil die Lautstärke auch ganz vorne angenehm war. Es IST also möglich, auch einen großen Raum so zu beschallen, dass keine Gefahr eines Hörschadens besteht! Ein ganz herzliches Lob geht daher an die Sound-Männer Steffen Balzert und Marc Oliver Voltz von Music & Media Service.

ZeitplanPositiv hervorzuheben ist auch die Tatsache, dass sich alle wieder einmal an den vorgegebenen Zeitplan gehalten haben und dass auch der Bühnenumbau in der recht knapp bemessenen Zeit bewerkstelligt werden konnte, sodass jede Band pünktlich zur vereinbarten Uhrzeit loslegen konnte.

Wenn wir schon bei den Lobeshymnen sind, sollte ich vielleicht auch erwähnen, dass die Bands alle unentgeltlich aufgetreten sind, denn das GaS goes Rock ist ja nach wie vor ein Benefizfestival, bei dem jeder Cent zählt, damit nach der Begleichung aller Kosten auch noch ein Gewinn übrig bleibt, der gespendet werden kann.

Natürlich wurden die Aula und der Trakt des Schulgebäudes, in dem die Bands untergebracht und verköstigt wurden, wie auch der Bistrobereich, in dem die helfenden Schüler ihr Büfett hatten, noch spät in der Nacht aufgeräumt und gesäubert, damit am Montagmorgen der normale Schulbetrieb ungehindert starten konnte. Sandra Rupp und ihr Team haben also wieder einmal ganz hervorragende Arbeit geleistet und ich gehe davon aus, dass ihr Engagement auch entsprechend wertgeschätzt wird!

Als Termin für das „normale“, als das nicht-akustische GaS goes Rock, steht bereits der 11. Oktober 2014 fest.

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