The Feather in Luxemburg (Rockhalcafe, 22.01.14)

Ich liebe Konzerte im kleinen Rahmen! Für so einen außergewöhnlichen Gig fahre ich dann auch gerne die gut 100 Kilometer ins luxemburgische Esch-sur-Alzette. Auf dem Hinweg kann man ja im Großherzogtum günstig tanken und Kaffee kaufen, und wenn das Event dann auch noch mit freiem Eintritt lockt, lohnt sich die kleine Reise erst recht! Die Gratiskonzerte im Rockhalcafe waren bisher immer eine Wucht!

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Überrascht war ich beim Eintreten in das Bistro von der neuen Wanddekoration ganz nach meinem Geschmack: Statt Konzertplakaten hängen über der langen Sitzbank für die Gäste nun Schallplatten und ihre Cover in Reih und Glied. Allerdings tut es auch ein bisschen weh, die hübschen Artefakte von z.B. Robert Palmer, den Simple Minds und Liza Minelli so an die Wand gepinnt zu sehen.

CoverWas die Livemusik an diesem Abend betrifft, so muss ich zugeben, dass ich The Feather bis vor ein paar Tagen gar nicht kannte, aber die Lieder, die man sich bei Soundcloud anhören kann, machten mir Appetit auf das Konzert und brachten mich dazu, mich ein wenig mit der Band auseinanderzusetzen. Wobei der Begriff „Band“ gleich schon relativiert werden muss, denn The Feather ist fast gleichzusetzen mit Thomas Medard. Der junge Belgier hat für das im letzten September erschienene Debütalbum „Invisible“ fast alle Instrumente selbst eingespielt, und zwar bei sich zu Hause. Auch für die Fotos des Albumartworks ist er selbst verantwortlich, und vor allem mit dem Bild im Booklet, bei dem sich die kahlen Bäume in der Windschutzscheibe des Autos spiegeln, trifft er bei mir als Baumfreak voll ins Schwarze.

The Feather ist zwar Thomas Medards aktuelles musikalisches Projekt, aber nicht sein erstes, denn er ist eigentlich der Sänger und Gitarrist der Band Dan San, mit der er ebenfalls schon ein Album veröffentlicht und etliche Konzerterfahrungen gesammelt hat. Bei deren visuellem Konzept spielten Bäume auch schon eine Rolle.

Im Rockhalcafe trat der Musiker aus Belgien natürlich nicht als Ein-Mann-Projekt auf, das wäre ohne Klone schwierig umzusetzen. Deshalb hatte er fünf weitere Musiker dabei: einen jungen Mann am Xylophon und Glockenspiel, der auch ab und zu auf eine Trommel schlug, die zwischen seinem Tätigkeitsbereich und dem Schlagzeug aufgestellt war, einen Schlagzeuger, der diverse Becken und Trommeln auch ‚mal mit Schlägeln mit wattiertem Kopf behandelte und bei einem Lied eine Zeitlang nur klatschte, einen Bassisten, der wie die junge Frau am Keyboard häufig mitsang, und einen weiteren Gitarristen, der bei einem Lied auch die Rassel schwang und ebenfalls seinen Teil zu dem mehrstimmigen Gesang beitrug. Ein Rack mit mehreren Gitarren und diverse Verstärker schmälerten den Platz auf der ohnehin recht kleinen Bühne noch zusätzlich. Viel Bewegungsfreiheit hatten die Musiker also nicht und von den Herren am Bass und an den Schlaginstrumenten konnte ich relativ wenig sehen, weil sie von den anderen drei meistens verdeckt waren. Aber so ist das eben bei Konzerten mit Wohnzimmeratmosphäre.

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Die Musik von The Feather lädt zum Träumen ein und erinnert mich durch die vielen Musiker, die zeitgleich dieselbe Melodie singen, ein bisschen an den 60er/70er-Jahre-Sound à la The Mamas And The Papas. California dreaming aus Belgien.
Viele Lieder wirken zart und gedämpft und ein wenig melancholisch, und vor meinem inneren Auge entsteht das Bild einer vom Nebel eingehüllten Naturlandschaft. Bei den Xylophon- und Glockenspielklängen, die fast immer dabei sind, muss ich an glitzernde Sonnenstrahlen, die allmählich durch die im Nebel versunkene Welt dringen, denken. Dass Musik solche Assoziationen in mir auslöst, geschieht trotz meiner blühenden Phantasie eher selten.
Es gibt aber auch sehr rhythmische Passagen, die einerseits durch die Art und Weise des Gitarrenspiels, aber auch durch die Percussion-Instrumente und das Keyboard erzeugt werden.

Apropos Gitarre: Ich war ja augenblicklich total verschossen in die Godin-Gitarre, die Thomas spielte. Später benutzte er auch eine Taylor-Gitarre, die er nach ein paar Liedern an seinen Kollegen mit der E-Gitarre (Fender?) weiterreichte, um sich wieder der Godin 5th Avenue zu widmen.

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Gespielt wurden u.a. die Lieder „Mimicry“, „The sunshine“, „What if“ und der Titeltrack des Albums „Invisible“. Dessen Textstelle „We’ll stay forever young / Living forever / Living whatever they say“ ist wie auch die Lyrics anderer Songs bestens dazu geeignet, einem einen Seufzer zu entlocken, erst recht in Verbindung mit der Musik… Mit einer genauen Setlist kann ich leider nicht dienen, dafür kenne ich die Band einfach (noch) nicht gut genug und es lag auch keine zum Abfotografieren aus.

Anfangs redeten die Musiker mit den Zuschauern im gut gefüllten Rockhalcafe noch auf Englisch, aber nachdem später niemand die Frage, ob alle Französisch sprechen, verneinte, ging es zwischen den Liedern en français weiter.

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Wie üblich konnte man, wenn man das wollte, nach dem Gig mit den Musikern plaudern, sich mit ihnen fotografieren lassen und natürlich die CD erwerben. Das taten einige, was für die Qualität der dargebotenen Musik spricht; auf der Toilette kam mir nach dem Konzert eine Dame entgegen, die mir ihre Begeisterung kundtat, obwohl ich sie gar nicht kenne – sie war ganz offensichtlich total überwältigt. Also auf zum Konzert, wenn ihr die Gelegenheit für einen Abstecher nach Belgien habt!

Konzerttermine:
23.01.2014 Roubaix (Cave aux Poètes) – FR
24.01.2014 Verviers (Grand Théâtre) – BE
01.02.2014 Brüssel (Fnac Bxl – Toison d’Or) – BE
05.02.2014 Brüssel (Propulse – Botanique) BE
15.02.2014 Mons (Alhambra) – BE
26.02.2014 Paris (Les 3 baudets) – FR
28.02.2014 Brüssel (AB/BOTA – AB Club) – BE
15.03.2014 Namur (Belvédère) – BE w/ Sea + Air

Zum Vergrößern der folgenden Fotos einfach auf das jeweilige Bild klicken!
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Über luuuzie

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