Unchained unplugged im Schützenhaus Fechingen (03.01.14)

Brian Molko sagte einmal sinngemäß, dass ein Song erst dann richtig gelungen ist, wenn man ihn „stripped down“ spielen kann und er dann auch noch gut klingt. Dass Lieder von Unchained auch im demontierten und im acoustic style neu arrangierten Zustand nichts von ihrer Wirkung verlieren, bewiesen die vier Jungs bereits bei ihrem Unplugged-Konzert Ende 2012. Nun hatten Tobias Engel, Philipp Schulz, Dmitro Fedoruk und Pietro Rizzuto erneut ins Schützenhaus Fechingen eingeladen, um sich bei Fans, Freunden und Familien für die Unterstützung im Jahr 2013 zu bedanken. Vielleicht kann man das Ganze auch ein bisschen als eine Generalprobe betrachten, denn am 25. Januar werden Unchained schon wieder in Zart zu hören sein, beim GaS goes Rock Akustikfestival in Neunkirchen nämlich. Diejenigen, die nicht in Fechingen sein konnten, haben also noch eine Gelegenheit, Unchained bei einem Akustik-Set zu erleben.

Als hätten die Betreiber des Schützenhauses es geahnt, dass ihre Kneipe aus allen Nähten platzen würde, gab es vor der Bühne diesmal nur ein paar Stehtische anstatt der üblichen Einrichtung mit Tischen und Stühlen. Mir kam das sehr gelegen, denn ein Konzert komplett im Sitzen zu verbringen, ist für mich der absolute Graus, auch wenn meine Bewegungen zur Livemusik in der Regel eher dezent sind.

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Der Abend bot einige angenehme Überraschungen! So spielten die jungen Männer nicht etwa die bereits bekannten Akustik-Versionen ihrer Lieder, sondern die Zuschauer bekamen neu arrangierte Versionen zu hören. Diese stellen die älteren Varianten dieser Songs meiner Ansicht nach ein wenig in den Schatten, obwohl diese ersten Versionen im Akustikgewand bereits überaus gelungen waren. Mir gefällt an den Neubearbeitungen z.B. gut, dass die etwas „ruppigeren“ Parts der Songs dementsprechend umgesetzt wurden, aber eben mit Akustik-Gitarren. Durch diese neuen Elemente erhalten die Lieder mehr Pepp, finde ich.

Selbstverständlich hatte die Band für diesen Abend Tracks vom Debütalbum „Code Of Persistence“ – „Take My Hand“ und „Broken Wings“ zum Beispiel – und auch Songs des aktuellen Albums „Collision“ ausgewählt, unter anderem „Out Of My Shell“ und „Reconstruction“.

Wie schon bei dem letzten Unchained-unplugged-Konzert standen aber auch grandiose Coverversionen auf dem Programm, „Pretty In Scarlet“ (ursprünglich von den Guano Apes), „Losing My Religion“ (R.E.M.) oder „Otherside“ (Red Hot Chili Peppers) zum Beispiel. Das klang alles fantastisch und viele der Zuschauer sangen hingebungsvoll mit (natürlich auch bei den bandeigenen Liedern!), aber der Oberburner meiner Ansicht nach war „Time Is Running Out“ (im Original von Muse). Oberburner deshalb, weil Tobi locker auch die höchsten Töne einwandfrei aus seinem Hals herausquetschen konnte; ich hätte mir gewünscht, Matt Bellamy hätte das gehört, der hätte sicherlich gestaunt!

Nach etwa einer Stunde machte die Band eine kurze Spielpause und kehrte danach mit weiteren Überraschungen zurück: Zunächst einmal befanden sich nur zwei der Musiker auf der Bühne, und zwar Tobias und Pietro; Dima, üblicherweise für Gitarre und Backgroundgesang verantwortlich, musizierte auf dem links von der Bühne zwischen Garderobe und Publikum hineingezwängten Keyboard – ein Novum! – während Bassist Philipp noch Pause hatte, bis das Lied („Hurricane“, im Original von 30 Seconds To Mars) zu Ende gespielt war.

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Die nächste Überraschung erfolgte in Gestalt einer weiblichen Person, die sich zu den mittlerweile wieder vier Männern auf die Bühne quetschte: Helen Vogt sang bei drei Liedern mit Tobias im Duett und verlieh dadurch Metallicas „The Unforgiven“ und dem Evanescence-Klassiker „My Immortal“ eine ganz eigene Note. Besonders außergewöhnlich empfand ich die Darbietung des System Of A Down-Songs „Chop Suey“ – mit Helen am Mikro und in Akustik.
Sofern der Name der Sängerin nicht geläufig ist: Helen Vogt ist die Frontfrau der Gothic-Metal-Band Flowing Tears, die allerdings seit einiger Zeit pausiert, weil die beiden Herren an den Saiteninstrumenten bei Powerwolf ziemlich eingespannt sind. Deshalb hat Helen Vogt gemäß ihres Eintrags bei Facebook begonnen, sich nach alternativen Auftrittsmöglichkeiten und Projekten umzuschauen, solange ihre Band ruht.

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Plötzlich drang Dimas Gitarre nur noch ganz leise aus den Lautsprechern und da die Ursache für den Kraftverlust des Instruments nicht sofort gefunden werden konnte, wurde einfach das Mikrofon vor den Gitarrenkorpus geneigt und die Show konnte weitergehen. Danach wurde das Gitarrenkabel umgestöpselt und der Sechssaiter war wieder einwandfrei zu hören und Dima konnte das Mikro zum Singen benutzen.

Nicht nur die Zuschauer – manche standen mit geschlossenen Augen da und wiegten sich sachte im Rhythmus der Musik –, auch die Band schien ein Wahnsinnsspaß zu haben, sowohl mit den eigenen Liedern als auch mit den nachgespielten Songs, da könnte man noch „Watching over me“ (Iced Earth) oder „Funeral Of Hearts“ (HIM) nennen. Beim Rammstein-Hit „Ohne dich“ zeigte Tobias, dass seine Stimme auch auf Deutsch hervorragend klingt.

Als nach etwa einer weiteren Stunde alle geplanten Lieder gespielt waren, war das Publikum noch nicht bereit, die Band gehen zu lassen, Zugaben mussten her. So kamen alle noch einmal in den Genuss, „Time Is Running Out“ in der Unchained-Akustikversion zu hören, und da anschließend immer noch Bedarf an Livemusik bestand, gab es auch „Otherside“ noch ein zweites Mal auf die Ohren, bevor Dima, Philipp und Pietro sich unter die Zuschauer mengten.
Tobi machte allerdings keine Anstalten, die Bühne zu verlassen, dachte über die Umsetzbarkeit einiger aus dem Publikum geäußerter Liedwünsche nach und spielte dann einfach alleine weiter. „The Kill“ von 30 Seconds To Mars zum Beispiel oder Bullet For My Valentines „All These Things I Hate“. Die Bedenken des jungen Mannes, seine Stimme könnte schlapp machen, schienen zu dem Zeitpunkt komplett zerstreut gewesen zu sein. Die Unmengen an Tee mit Honig sowie Wasser, die Tobi im Laufe des Abends in sich geschüttet hatte, wirkten offenbar.

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Irgendwann kam auch Pietro wieder auf die Bühne und spielte für einige Freunde ein Drum-Solo, das dann in Bullet For My Valentines „Tears Don’t Fall“ überging. Als Tobi und Pietro um kurz vor Mitternacht Metallicas „Nothing Else Matters“ anstimmten, gesellte sich Helen Vogt spontan zu den beiden und sang mit.

Ob das vom Publikum lautstark geforderte Bass-Solo noch stattfand, entzieht sich meiner Kenntnis, weil meine Freundin und ich gegen 0.30 Uhr nach Hause düsten. Ich könnte mir gut vorstellen, dass der inoffizielle Teil des Musikprogramms noch eine ganze Weile weiterging! Hoffentlich hat in all dem Trubel, bei aller Begeisterung niemand vergessen, das Unchained-Sparschwein ein wenig zu füttern!

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Weitere bislang feststehende Konzerte von Unchained:
11.01.14 Otzenhausen (Jugendraum)
25.01.14 GaS Goes Rock Akustikfestival (Aula des Gymnasiums am Steinwald, Neunkirchen)
19.04.14 Saarbrücken (KiTu Reloaded)

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3 Antworten zu Unchained unplugged im Schützenhaus Fechingen (03.01.14)

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