Biffy Clyro in Tourcoing (Le Grand Mix, 14.12.13)

Wenn mir jemand vor einigen Jahren prophezeit hätte, dass ich mich im Jahr 2013 mitten im Dezember bei eisglatten Straßen ganz alleine hinters Lenkrad klemmen würde, um nach Nordfrankreich zu fahren und dort drei bärtigen Schotten beim Musizieren zuzusehen, hätte ich wahrscheinlich nett nachgefragt, wie dick denn die Staubschicht auf der Kristallkugel ist.

Inzwischen ist eine gut vierstündige Autofahrt fast schon ein Klacks für mich, vor allem an einem Samstag. Da blendet man die Möglichkeit, suboptimale Straßenverhältnisse vorzufinden, schnell aus, erst recht wenn das 428 km entfernte Tourcoing bei Lille mit solch starken Lockmitteln dienen kann, konkret: eine relativ kleine Konzerthalle – 650 Leute sollen in Le Grand Mix hineinpassen – und eine großartige Band: Biffy Clyro – mal wieder.

DSCF9441ts

Zwei Tage vor der Abreise herrschte dann aber plötzlich ein wenig Aufregung, als ich beim Stöbern auf der Webseite von Le Grand Mix auf folgende Information stieß:

ATTENTION: Le Grand Mix, lieu de cercle privé

Depuis janvier 2005 le Grand Mix est devenu un lieu de cercle privé.
Il vous sera demandé une adhésion de 1€, valable 2 ans, lors de votre première venue (sauf pour les abonnés, détenteurs de la carte Grand Mix).
Cette carte devra être présentée à l’entrée de la salle à chaque concert!

Äh, wie bitte?! Weil der Laden ein privater Club ist, muss man diesem für einen Euro beitreten und die damit erworbene Karte bei jedem Konzert vorzeigen? Den Euro zusätzlich zur Unterstützung der kulturellen Arbeit können die gerne von mir haben, aber ich warte doch nicht stundenlang bei eisigen Temperaturen vor der Tür, um ein gutes Plätzchen zu bekommen, und bin dann dazu gezwungen, beim Einlass irgendein Formular mit meinen persönlichen Daten auszufüllen, um so eine dämliche Karte zu erhalten, während diejenigen, die so ein Ding schon besitzen, schnell mal an mir vorbeirauschen!? Für dieses Problem konnte es nur eine Lösung geben: eine E-Mail an Le Grand Mix schreiben und ein paar Franzosen, die ebenfalls betroffen sind, auf die Sache ansetzen. Ergebnis: Am Tag des Konzerts konnte man zwischen 14 und 18 Uhr im Büro von Le Grand Mix – natürlich gut 300 m von der Warteschlange entfernt – diese 1€-Karte aus gelbem Papier kaufen und wenn ich innerhalb der nächsten zwei Jahre noch einmal ein Konzert dort besuchen werde (was seeeeehr wahrscheinlich ist [/ironie]), brauche ich bloß das Kärtchen am Eingang zu zeigen.

DSCF9448AtsDieses Kärtchen wollte ich gleich nach meiner Ankunft besorgen und mich dann ein wenig ausruhen. Kaum hatte ich im Hotel mein Handy mit dem kostenfreien W-LAN verbunden, erblickte ich auch schon eine Nachricht von einer Bekannten, in der sie mir mitteilte, dass bereits etliche Leute vor der Halle am Warten seien. Wah, 1. Reihe-Platz in Gefahr, Alarmstufe Rot, das war’s dann mit meiner Ruhe! Der Nachmittag wurde also mal wieder auf einem Bürgersteig verbracht, und leider nicht nur der Nachmittag, sondern auch der frühe Abend. Erst um 20 Uhr war nämlich Einlass, oh je, oh je! Zunächst war es noch recht angenehm von den Temperaturen her, weil die Sonne schien, aber sobald diese hinter der Kirche gegenüber untergegangen war, wurde es bitterkalt. Zum Glück hatte ich die Rettungsfolie in meinem Handtäschchen und die hielt tatsächlich warm, sofern man sich nicht hinsetzte, denn ohne isolierendes Luftpolster ist das Ding zwecklos. Im Stehen sieht man mit der goldenen Folie um die Schultern zwar aus wie ein Weihnachtsbaum – als „Christbaumspitze“ konnte der Bommel an meiner Mütze durchgehen –, aber wenn die Not groß genug ist, steckt man solche Lächerlichkeiten mit einem Augenzwinkern weg. Da ich sonst immer am Rotieren bin wie der Hamster im Rad, betrachte ich diese vielen Stunden des Nichtstuns mittlerweile auch als durchaus positiv für meinen Gesundheitszustand, auch wenn das Ganze aufgrund der Temperaturen um den Gefrierpunkt herum zur Herausforderung wurde.

Alle Strapazen haben sich aber wieder einmal gelohnt, denn die Warteschlange hinter mir war beim Öffnen der Türen ziemlich lang und trotz der vielen Leute vor mir kam ich ganz links, wo die Barriere zur Seite abknickt, unter. An meinen Fotos sieht man, dass der Platz für meine Bedürfnisse (optimaler Blick auf Simons Gitarre) ideal war.

Le Grand Mix entpuppte sich als eine total gemütliche Konzerthalle. Etwa 20 Leute haben dort direkt vor der Bühne nebeneinander Platz – ein Traum! Ich fand es auch klasse, dass es schon um 20.20 Uhr mit der ersten Band – Walking Papers – losging.

Als Bluesrockband bezeichnen sich die etwas reiferen Herren auf ihrer Facebookseite und einen der vier habe ich irgendwann gegen Ende des vergangenen Jahrtausends schon einmal auf der Bühne in action gesehen. Da war Walking Papers-Bassist Duff McKagan noch für Guns’n’Roses tätig, bevor er mit G‘n’R-Kollege Slash die Supergroup Velvet Revolver ins Leben rief. Er musizierte darüber hinaus in zahlreichen anderen Bands, aber da hier ja nicht die Vita des Herrn McKagan im Vordergrund stehen soll, sondern der Auftritt der Walking Papers in Tourcoing, kehre ich jetzt ganz artig zum eigentlichen Thema zurück, zumal auch die anderen drei Musiker in ihrem Lebenslauf mehrere Bands, in denen sie gespielt haben, vorweisen können.

Schnell stellte ich fest, dass mir die Musik der Band aus Seattle ganz gut gefällt. Direkt vor meiner Nase hatte ich Duff McKagan, der aufgrund seiner langen Erfahrung als Musiker wahrscheinlich gar nicht anders kann als sich mit seinem Fender Jazz Bass in obercoole Posen zu werfen, den Reißverschluss an seiner schwarzen Lederjacke gerade weit genug geöffnet, um die braungebrannte Brust und den um den Hals baumelnden Schmuck unaufdringlich zu präsentieren. Ab und zu huschte auch ein Lächeln über sein Gesicht und auf einmal kam der blonde Mann ganz nah an den vorderen Bühnenrand, hielt der Zuschauermenge seinen Bass hin und ließ die Leute den Kopf des Instruments betatschen. Ich glaube, er hatte Plektren daran befestigt, die man sich wegnehmen durfte. Sehr geil!

DSCF9469ts

Sänger und Gitarrist Jeff Angell in rotem Hemd und schwarzem Gilet und mit schwarzem Hut auf dem Kopf scheint wohl ganz gerne zu tanzen und war ständig in Bewegung (siehe verwackelte Fotos), wozu die Musik der Walking Papers ja auch reizt. Er kam auch ziemlich cool rüber, finde ich, vor allem die Nummer mit dem weggekickten Mikroständer, der per Fußtritt auf die waagerechte Fläche am Boden wieder in die Senkrechte zurückbeordert wurde, war sehr beeindruckend. Ab und zu, bei „Red Envelopes“ zum Beispiel, bekam der Sänger von Herrn McKagan Gesellschaft am Mikrofon. Neben einer schwarzen Gibson benutzte er eine Fender in brown sunburst. Bei dem Song „Red And White“ ließ der hagere Mann Gitarre und Hut aber auf der Bühne zurück, denn diese Gegenstände hätten ihn beim Bad in der Menge, von wo aus er fast das gesamte Lied sang, vermutlich nur gehindert. Irgendwann gegen Ende des Auftritts stellte Jeff Angell seine Bandkollegen vor und meinte über sich selbst ganz bescheiden „I’m just glad to be here“.

DSCF9497tx

Durch die von Benjamin Anderson gelieferten Keyboardmelodien erhält die Musik des Quartetts eine Prise 70er-Jahre-Groove und an die 70er erinnerten mich auch die hellen Muster, die ab und zu auf den schwarzen Vorhang, der das bereits aufgebaute Equipment von Biffy Clyro abschirmte, projiziert wurden.

Der Schlagzeuger Barrett Martin, den manche vielleicht aus seiner Zeit mit Screaming Trees kennen, hatte auch ein Mikrofon und begrüßte die Zuschauer recht früh mit einem „Bonsoir Tourcoing!” und wies dann darauf hin, dass es am Merch-Stand das Debütalbum der Walking Papers als CD und Schallplatte und allerlei sonstige Bandprodukte zu kaufen gebe. Der Mann machte ganz schön Stimmung, forderte die Leute erfolgreich zum Klatschen auf, warf ab und zu einen seiner Sticks hoch in die Luft und zeigte, dass das mit dem Fangen auch ganz gut klappt.

DSCF9461ts

Gespielt wurden insgesamt neun Songs, die meisten stammen vom 2012 veröffentlichten Debütalbum „Walking Papers”:
Red Envelopes
Climber
Your Secret’s Safe With Me
Independence Day
Leave Me In The Dark
King Hooker
Red And White
Capital T
Two Tickets And A Room

Etwa 40 Minuten dauerte der Auftritt der Walking Papers. Für eine Vorband fand ich das fast schon zu lang, auch wenn die Musik mir zusagte.

Zum Vergrößern der folgenden Fotos einfach auf das jeweilige Bild klicken!

.

Gegen 21.30 Uhr war dann endlich endlich endlich die Zeit für Biffy Clyro gekommen. Ich kann nicht genau sagen, ob mein Nervenkostüm während des „We are family“-Intros zur Ruhe kam oder anfing, Lambada zu tanzen – sicheres Zeichen dafür, dass ich jenseits von Gut und Böse war. Trotzdem realisierte ich, dass der schwarze Vorhang irgendwann gegen Ende des Intros heruntergerissen wurde, und dann stand Simon endlich da mit der blauen Fender vorm Bauch, angestrahlt von einem Spot, während um ihn herum alles dunkel blieb und –„Baby when you hooooold meeeee“ – legte los mit den ersten Versen von „Different people“. Allmählich wurde es heller um den Musiker, bis es dann ab dem schnelleren Part – „Different person, different argument“ – so richtig rund ging mit bester Beleuchtung aller an der Musik Beteiligten. Abgesehen von Gambler vielleicht, der mangels Platz mit seinem Keyboard mal wieder hinter die Verstärker verfrachtet worden war, und auch Mike Vennart musste sich mit wenig Raum im nicht ganz so gut ausgeleuchteten Hintergrund zufrieden geben.
„We’re alive tonight“ – und wie lebendig ich mich fühlte! Alles, was einen sonst plagt, war wie weggeweht und selbst das stundenlange Frieren auf dem Bürgersteig erschien auf einmal so surreal, als hätte es das gar nicht gegeben.

DSCF9515ts

Die Laune der Musiker schien großartig zu sein und James und Simon hatten sich wieder schick gemacht: Der Herr am Bass hatte die Beine in der Hose mit Schottenmuster stecken und Simons Wahl war auf die Hose gefallen, deren Muster ganz stark dem einer Schlafanzughose meines Opas ähnelt. (Kurze Zeitreise in die 80er Jahre: Besagtes Pyjamaunterteil war todschick und passte mir, sodass ich die Schlafanzughose in meiner rebellischen Zeit in der Schule und abends beim Ausgehen anhatte und jedem, der mein Beinkleid bewunderte, breit grinsend erklärte, welchen Zweck dieses Kleidungsstück ursprünglich mal erfüllt hatte.)
Selbstverständlich sprachen die Schotten ein paar Brocken Französisch mit den Zuschauern, allerdings waren die ersten Worte, die James an das Publikum richtete: „Ihr seid super!“ – upps, falsches Land, aber bei so vielen vermutlich bekannten deutschen Gesichtern in den vorderen Reihen kann man ja leicht mal durcheinander geraten! Danach folgte sofort ein „Merci, mes amis!“ oder so etwas in der Art.

DSCF9517Ats

Beim zweiten Lied („That golden rule“) machte plötzlich ein Teil der Technik schlapp. Der Ton des linken Lautsprecherturms war irgendwie ausgefallen, man hörte zwar noch, aber nicht mehr so richtig. Alles klang dumpf, mono statt stereo, aber die Band spielte mit gewohnter Energie weiter, während die Techniker sich aufgeregt auf die Suche nach dem Problem machten und dieses relativ schnell behoben.

Da die Grundsetlist immer dieselbe ist und nur an ein paar Stellen von Konzert zu Konzert Lieder getauscht werden oder ab und zu auch welche zusätzlich eingeflochten oder spontan gegen andere ausgetauscht werden, ging es wie immer vier Lieder lang rasant zur Sache (Es folgten „Who’s got a match?“ und die Hymne „Sounds like ballons“.), bevor mit „Biblical“ ruhigere Töne angeschlagen wurden. Bis dahin war Simon, der während der Tour offenbar eine Art Rasurverweigerung praktiziert, schon ganz schön durchgeschwitzt. Nicht dass mich das stören würde… Verschwitzte Männer können durchaus eine gar nicht so üble Wirkung haben (siehe Bush-Konzert in Luxemburg), allerdings funktioniert diese zumindest bei mir nur auf Distanz, also wenn besagtes Subjekt auf der Bühne oder im Fernsehen agiert. Wenn ich an die vielen halbnackten nassgeschwitzten Körper auf dem Sonisphere-Festival 2009 zurückdenke, aktiviert das sofort meine Fluchtreflexe!

DSCF9571ts

Nach „Biblical“ kam die entscheidende „Schaltstelle“ an der Setlist und ich hätte mich so gefreut, wenn ich endlich einmal in den Genuss gekommen wäre, „The thaw“ live zu hören, zumal Simon dabei eine Gretsch spielt (!!!), aber das war mir leider nicht vergönnt. Für Tourcoing war „All the way down…“ ausgewählt worden, ebenfalls eine Perle, aber eben eine, die schon live an meine Ohren gedrungen ist. Mit anderen Worten: Ich muss einfach noch mehr Biffy Clyro-Konzerte besuchen, vielleicht habe ich irgendwann einmal Glück mit „The thaw“. Allerdings muss ich mich bis zum nächsten Biffy-Gig noch eine zeitlang gedulden, da die Herren erst einmal Nordamerika und Australien mit ihrer Livemusik beehren werden.

Vor „God & Satan” nahm Simon aus dem Publikum eine Schottlandflagge entgegen, meinte „I can’t say that in Tourcoing but this is a pretty cool flag!”, legte sich das Stoffstück um den Hals und deponierte es erst, nachdem das wunderschöne Lied zu Ende performt war, auf einem der Monitore hinter ihm.

Als der Sänger zu „Little Hospitals“ eine neue Gitarre gereicht bekam und damit zum Mikro zurückkehrte, hatte er über seiner rechten Brust ein Plektrum kleben (er sagte auch irgendetwas dazu, aber ich habe es rein akustisch nicht verstanden) und das Ding hielt sich dort das ganze Lied lang. Ich hätte ja gedacht, dass es irgendwann in die Menge geworfen wird oder Simon so weit nach vorne kommt, dass es sich jemand „pflücken“ kann, aber nö, Herr Neil marschierte nach dem Lied mit dem an der Brust klebenden Plektrum wieder in Richtung Gitarrentechniker und mit neuer Gitarre, aber ohne Plek auf der Haut ging’s weiter. Allerdings erst nachdem besagter Techniker kurz auf der Bühne erschien, um die Gitarre einzuschalten, was auch wieder zu einem flotten Spruch von Simon und zu Gelächter im Publikum führte. Die Stimmung konnte kaum besser sein, doch der Oberknüller folgte noch!

DSCF9637ts

Einer der Fans, der häufiger Konzerte von Biffy Clyro besucht, hatte bisher jedesmal, wenn ich ihn gesehen habe, eine Fuchsmütze dabei, das scheint sein „Markenzeichen“ zu sein. Und mit diesem Ding auf dem Kopf oder, falls es zu warm wird, um den Hals gelegt oder unter den Arm geklemmt, steht der junge Mann dann in der Regel in der ersten Reihe. Ich habe nicht wirklich mitbekommen, was da jetzt genau los war in Tourcoing, aber ich hatte den Eindruck, dass Simon sich diese Mütze einfach schnappte – der Abstand zum Publikum war ja relativ gering – und sie sich aufsetzte. Sonst habe ich bei „Living is a problem cause everything dies“, so geil das Lied auch ist, immer zumindest ein kleines Klößchen im Hals, aber man stelle sich vor, dass Simon bei diesem Song und auch beim folgenden Lied „57“  so aussah:

DSCF9680ts

Zum Brüllen! Jedesmal wenn der Sänger den Mund weit aufriss, passte das nur allzu gut zu dem Fuchsgesicht auf seinem Kopf und wenn Simon beim Gitarrespielen das Haupt nach unten neigte und dieses Plüschgesicht über der Gitarre auftauchte, während die Fuchspfoten rechts und links an langen Plüscharmen herabbaumelten, war das ein Bild für die Götter! Wirklich ganz großes Kino! Ich hätte mich schwarzgeärgert, wenn ich das nicht mit eigenen Augen hätte erleben können.

Der Titel des Liedes „57“, bei dem Schlagzeuger Ben immer den „And I‘ll try not to feel…“-Refrain singt, wurde wie in Paris auf Französisch genannt und als Simon am Anfang von „Many of horror“ einen falschen Akkord griff, also an der Stelle, an der nur er spielt und man einen schrägen Ton gar nicht überhören kann, musste er sogar selber lachen. Shit happens und der humorvolle Umgang mit solchen Patzern unterstreicht das Sympathische, das diese Band ausstrahlt, nur noch.

Oopsie! Wrong chord!

Oopsie! Wrong chord!

Dabei können die beiden Herren an der Front durchaus auch Rockstar-Coolness vorweisen – beispielsweise indem man eben mal lässig aufs Schlagzeugpodest steigt, den einen Fuß auf dem Amp abgestellt, und voller Elan wieder zum Mikro zurückhüpft, während man in die Saiten drischt –, aber man muss im Hause Biffy diese Attitüde nicht permanent zur Schau tragen.

DSCF9693ts

Die Fans hatten sich auch auf die Sause vorbereitet. Eine junge Frau hatte eine Frankreich-Flagge mit Zeichnungen der Gesichter der Bandmitglieder und Dankesbekundungen verziert und reichte das kleine Kunstwerk James, der es wie ein Deckchen über seinen Verstärker legte. Ballons waren aufgeblasen worden und deshalb gab es beim Warten vor der Halle mehrmals sounds like balloons zu hören, und zwar Geräusche, die beim Davonfliegen von aufgeblasenen, aber noch nicht zugeknoteten Ballons entstehen sowie Geräusche von platzenden Ballons.

DSCF9552Ats

Bei „Bubbles“ pusteten mehrere Leute Seifenblasen Richtung Bühne, aber irgendwie kam keine einzige dort an. Wurden die von den Schallwellen alle zurückgehalten oder was? Ganz am Ende dieses Liedes rieb Simon seine Gitarre an dem Monitor, über dem die zuvor schon erwähnte Schottlandflagge lag, und tat fast so, als wolle er in das Teil hineinkriechen. Später ging er noch ein paarmal auf Tuchfühlung mit der Flagge und vergrub sein Gesicht darin. Ich glaube ja nicht, dass ihm die Taschentücher, die irgendwo in der Nähe der Flagge standen und die mehrmals von ihm und auch von James zum Naseputzen verwendet wurden, ausgegangen waren… aber als Schweißtuchersatz kam das große Stück Stoff vielleicht wie gerufen.

In einer der Pausen zwischen den Songs rief jemand im Publikum „Justboy“, so nach dem Motto, die Band soll doch bitte dieses Lied spielen. Natürlich wurden aus den verschiedenen anderen Ecken sofort andere Songwünsche lautstark geäußert. Simon reagierte darauf absolut souverän, indem er lächelnd meinte: „One thing is for sure: The next song will be a Biffy Clyro song!“ Herrlich!

Mike Vennart wirkte auf mich an dem Abend auch besonders gut gelaunt. Ich sah ihn mehrmals voller Leidenschaft auf dem wenigen Platz, der ihm und seiner Gitarre zur Verfügung stand, herumspringen und -tanzen, ganz offensichtlich genoss er das Musizieren. Vielleicht ist das unter anderem „Little hospitals“, was in Tourcoing wieder auf der Setlist stand, zu verdanken, das ist nach seiner eigenen Aussage bei Twitter nämlich eines der Biffy Clyro-Lieder, die er am liebsten spielt.

DSCF9644tx

Der Akustik-Teil, den nur Simon an der Takamine-Gitarre im Strahl eines Lichtkegels absolvierte, war wie immer traumhaft schön! Diesmal stand wieder die B-Seite „The rain“, die meiner Ansicht nach einen ziemlich starken Kaufanreiz für die „Black chandelier“-EP darstellt, und danach „Folding stars“ auf dem Programm, selbstverständlich mit intensivstem Publikumgesang spätestens beim Refrain „Eeeeeleanor“. Ich frage mich ja nach wie vor, wie Simon es schafft, ein so persönliches Lied, das sicherlich auch jetzt noch nach hundertfachem Livespielen sehr emotionsbehaftet für ihn ist, immer und immer wieder zu performen, ohne dass es ihn innerlich zerreißt! Oder stumpft man da irgendwann ab? So wirkt Simon in dem Moment allerdings nicht.

Was ich als Gitarrenfreak auf gar keinen Fall unerwähnt lassen darf, ist Simons „Klampfenakrobatik“, die auf mich ähnliche Effekte hat wie der Glockenton auf den Pawlowschen Hund. Obwohl meine Kamera am Sterben ist und bald durch eine neue ausgetauscht werden muss, hat sie ein paar schöne Momente einfangen können:

DSCF9610Ats DSCF9611ts DSCF9694Ats

Damit sollte ich diesen fotolovestoryartigen Bericht so allmählich mal zu einem Ende führen. Der Vollständigkeit halber noch die komplette Setlist des großartigen Konzerts:

Different People
That Golden Rule
Who’s Got A Match?
Sounds Like Balloons
Biblical
All The Way Down: Prologue Chapter 1
God & Satan
Glitter And Trauma
Bubbles
Spanish Radio
Little Hospitals
The Rain
Folding Stars
Living Is A Problem Because Everything Dies
57
Many Of Horror
Modern Magic Formula
Black Chandelier
There’s No Such Thing As A Jaggy Snake
The Captain
——————————-
Opposite
Stingin‘ Belle
Mountains

Ganz zum Schluss noch ein paar Fotos… Ben ist dabei leider total unterrepräsentiert, was daran liegt, dass Simon mir die meiste Zeit den Blick auf den Schlagzeuger versperrte. Da meine Kamera wie schon erwähnt nicht mehr richtig funktioniert, war es mir auch nicht möglich, bei freier Sicht ganz schnell die Kamera zu zücken, den Zoom auszufahren und „klick“ zu machen…

Advertisements

Über luuuzie

https://luzieswelt.wordpress.com/ http://linsengemurmel.wordpress.com/
Dieser Beitrag wurde unter Konzertbericht abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Biffy Clyro in Tourcoing (Le Grand Mix, 14.12.13)

  1. Pingback: Biffy Clyro in Luxemburg (Rockhal, 15.12.13) | Luzies Welt

  2. Pingback: Luzies Musikjahr in Zahlen | Luzies Welt

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s