Gitarre des Monats Dezember (Thobbe Englund)

– Thobbe’s English words at the bottom –

Die schwedische Power-Metal-Band Sabaton existiert bereits seit 1999. Von den Gründungsmitgliedern sind inzwischen aber nur noch Sänger Joakim Brodén und Bassist Pär Sundström mit von der Partie, nachdem es kurz vor der Veröffentlichung des sechsten Studioalbums „Carlous Rex“ im Mai 2012 die bislang größten Umwälzungen im Bandgefüge gab und gleich vier Musiker in aller Freundschaft aus der Band ausgestiegen sind. Ihre Parts übernahmen dann fortan Robban Bäck (der auch für die schwedischen Bands Baltimoore und Prey tätig war) am Schlagzeug sowie die beiden Gitarristen Chris Rörland (der auch bei Nocturnal Rites den Sechssaiter bedient) und Thobbe Englund (Gitarrist bei Winterlong, ehemaliger Bassist bei Raubtier, die 2010 mit Sabaton tourten). Einen neuen Keyboarder gibt es bislang nicht, sodass bei Konzerten die noch von Daniel Myhr eingespielten Klänge des Tasteninstruments in digitaler Form geboten werden.
Nach wie vor thematisieren die Texte der meisten Sabaton-Songs irgendwelche Kriege oder Schlachten, was vermutlich nicht jedermanns Sache ist und ab und an auch missverstanden wird. Die Band hat aber mehrfach deutlich gemacht, dass es keineswegs ihr Anliegen ist, diese Geschehnisse zu verherrlichen oder für irgendjemanden Partei zu ergreifen, sondern dass sie sie als Geschichten betrachten, die sie aus einer bestimmten Perspektive erzählen.

Eine ganz andersartige Geschichte hat Thobbe mir geliefert. Was er über seine Black Beauty verraten hat, klingt stark nach einer unverwüstlichen Lovestory, allerdings ist die Kampfthematik zumindest indirekt darin enthalten, nämlich ab der Stelle, an der ich um deutsche Wörter für die technischen Infos gerungen habe. Ich hoffe, meine Übersetzung für diesen Part geht in Ordnung, ansonsten gilt dasselbe wie immer: Benutzt die Kommentarfunktion und schlagt mir bessere Formulierungen vor!

Ich bedanke mich ganz herzlich bei Thobbe für seinen Text und die vielen Fotos, die er selber geknipst hat, und übergebe hiermit das Wort an den Gitarristen:

Diese Gitarre bedeutet mir sehr viel. Sie klingt nicht nur richtig gut, sie singt wirklich in den wärmsten Tönen und es war die erste Fender Stratocaster, die ich überhaupt besaß. Es gibt da eine Geschichte über sie und wie sie in meine Arme fand.

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Schon als Teenager hatte ich mir eine Strat gewünscht, aber ich konnte mir einfach keine leisten. Eines Tages, als ich 18 Jahre alt war, sah ich eine Werbeanzeige für diese „Black, 1996 Japan built ´62 anniversary Stratocaster“ in der lokalen Tageszeitung und ich flippte total aus.

Ich hatte damals einen ollen Volvo 240 und auch wenn das bloß eine einfache Karre war, hatten meine Eltern dafür gespart, damit ich, sobald ich 18 war und meinen Führerschein hatte, einen Wagen hatte, in dem ich Mädels mitnehmen konnte. Ich sagte meinem Vater (oder drohte ihm damit, je nachdem, wie man das sieht), dass ich den Volvo verkaufen würde und mir ein noch beschisseneres Auto zulegen würde (einen alten billigen BMW mit defektem Motor), damit ich mir mit dem Geld, das übrig bleibt, diese Stratocaster kaufen kann.
Er hielt nicht viel davon und machte mir daher den Vorschlag, mir das Geld für die Gitarre zu leihen – wow!!!

Ich erinnere mich noch gut an den Moment, als ich zum ersten Mal meine Hände an dieses wunderschöne Kunstwerk legte. Meine erste Stratocaster! Mann, ich fühlte mich, als ob nichts mich aufhalten könnte! Das Witzige ist, dass ich meinem Vater das Geld, das ich ihm schulde, bis heute nicht zurückbezahlt habe. Aber um ehrlich zu sein: Ich glaube, wir sind quitt!

Ich spielte diese Gitarre rund um die Uhr! Mädels in meinem Volvo mitnehmen und die ganze Nacht lang irgendwo abhängen, war mir nicht mehr wichtig. Ich hatte diese Gitarre überall dabei und egal, welche Gitarren ich heutzutage kaufe, ich kehre immer wieder zurück zu meiner Strat, immer.

Inzwischen hat sie jede Menge Narben und all das Touren, die vielen verrückten Nächte und all das Blut, der Schweiß und die Tränen, die auf sie getropft sind, haben ihr Aussehen geprägt, aber was für eine Seele dieses Teil hat!

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Viele Veränderungen wurden im Laufe der Jahre an ihr vorgenommen und jegliche Optimierung der Hardware etc. ist auch etwas, das Spuren hinterlässt. Sie hatte allein drei verschiedene Hälse im Lauf der Jahre!

Die einzige traurige Sache ist, dass der Originalhals nicht mehr vorhanden ist. Früher habe ich bei meinen Gitarren den Bereich zwischen den Bundstäbchen ausgehöhlt und natürlich war das arme Ding eines meiner ersten Opfer mit einem scalloped neck, was ich bedauere.

Heute hat sie einen ‘89er Ahorn-Hals mit Palisander-Griffbrett, hergestellt in der Fuji Gen-Fabrik in Japan. Sowohl vom Aussehen als auch vom Spielgefühl her kommt dieser Hals dem Original sehr nah.

Die Pickups stammen von DiMarzio: ein Virtual Vintage Solo in Richtung Hals und ein Chopper Richtung Brücke. Den Chopper habe ich erst kürzlich eingebaut, ich hatte etwa 15 Jahre lang einen HS3 am Hals und den Virtual Vintage Solo an der Brücke.
Das mittlere Pickup habe ich abgeklemmt, den Magneten darunter habe ich entfernt, um weniger Magnetschwingungen zu erhalten, und ich habe auch die Klangregler abgeschaltet. Anschließend habe ich die Pickups so verlötet, dass ich in den ersten drei Stellungen am Pickupschalter nur das Pickup am Hals schalte, in der vierten Stellung beide Pickups und in der fünften nur das Pickup an der Brücke.

Der Aufkleber auf der Rückseite existiert seit 1999. Ich fand ihn in Tampa (Florida) und dachte, er würde meiner Gitarre gut stehen.

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Was die Hardware betrifft, besitzt meine Strat einen soliden Stahlblock in der Brücke, durch den die Saiten direkt durchgehen. Kein billiges Metall, bei dem die Saiten nicht an der Unterseite des Blocks befestigt werden.

Ich benutze immer fünf Tremolo-Federn und bringe die Gitarre dadurch noch mehr zum Singen. Es klingt irgendwie wie ein Oldschool-Analog-Hall und das, obwohl ich kaum den Vibratohebel benutze.

Noch mehr guitar talk mit Thobbe inklusive Aufnahmen, wie er in seinem Studio Gitarre –  auch die hier vorgestellte – spielt, findet ihr in folgenden Videos:

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Live ansehen kann man sich den Musiker dieses Jahr auch noch, und zwar an folgenden Daten und Orten:

07.12.13 Costa Rica, San Cristobal – Siembra y Lucha
12.12.13 Niederlande, Eindhoven – Eindhoven Metal Meeting
13.12.13 Schweiz, Dietikon / Zürich – Heavy X-mas Festival
14.12.13 Deutschland, Karlsruhe – Knock Out Festival

Tourdaten für 2014 gibt es auch schon, man findet sie auf der Homepage von Sabaton.

Wer es zu den Terminen nicht schafft, kann sich ja die im September erschienene Live-DVD „Swedish Empire Live“ anschauen.

This is Thobbe from Sabaton, and here she is, my Black Beauty! (see photos).
This guitar is very special to me. Not only does it sound really good, it really sings with the warmest tone, and it was actually my very first Fender Stratocaster. There´s a story to it, and how it found its way into my arms.
When I was 18 years old I had been wanting a Strat for many many years, but as a teenager I just couldn´t afford one. And one day when I saw an advertisement for this „Black, 1996 Japan built ´62 anniversary Stratocaster“ in the local newspaper I just went bananas.
I had a crappy Volvo 240 at the time, nontheless a car, which my parents had been saving up for so once I turned 18 and got my license I´d have something to pick up girls in. I told (or threatened, depending on how you see it) my dad I´d sell the Volvo and buy an ever crappier car (an old cheep BMW with a broken engine) and finally buy that Stratocaster with the money left.
He didn’t think much of that idea, so he made an offer: to lend me the money for the guitar – Wow!!!
I remember when I first laid my hands on that beautiful piece of art. My first Stratocaster! Man, I felt like nothing could ever stop me! Funny thing is, in fact to this day I haven’t payed back the money I owe to my father… but to be honest, I think we’re square 🙂
I played this guitar 24/7. Didn’t care to pick up girls in my Volvo and hang out at night. I had the guitar with me everywhere, and nomatter what guitar I buy today I still come back to her… everytime.
Now she bares a lot of scars, and after all the touring, crazy nights, and all the blood, sweat & tears that has dripped down on her over the years it somewhat has affected her looks, but what a soul this thing has! Lots of changes have been done to her during the years, and lots of tweeking with hardware and stuff is also something that of course has worn her looks… and she has had three different necks over the years.
The only sad thing though is that the original neck is gone. I used to scallop my necks in the past, and of course the poor thing had to be one of my first victims, which I regret. Today I have an ’89 maple neck with rosewood fretboard on her, made at the Fuji Gen plant in Japan. This is very close to the original neck both in looks and feel.
The pickups are DiMarzio. Virtual Vintage Solo in the neck, and a Chopper in the bridge. I recently put the Chopper in, I have had an HS3 in the neck and the Virtual Vintage Solo in the bridge for about 15 years.
The sticker you can see on her back has been there since ´99… I found it in Tampa, Florida and thought she´d look good in it 🙂
As far as the hardware goes I have a solid steel block in the bridge, where the strings go straight through. No cheep pot metal where the strings don’t get attached at the bottom of the block.
I disconnect the middle pickup and pull off the magnet under the rods to get a little less magnet pull, and I also disconnect the tone controllers. Then I solder the pickups so that in the first three steps on the pickups switch I have only neck pickup, and in the 4:th I have both the neck and bridge, and then in the 5:th only bridge.
I always use five tremolo springs to make the guitar sing even more. It’s like an old school analoge reverb in a way, and I rarely ever use the tremolo bar, so…
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Über luuuzie

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