Unchained und Beyond Darkness in Pirmasens (Schwemme, 02.10.13)

Liebe Leserin, lieber Leser!
Wenn dir angesichts der Überschrift irgendetwas in der Art „Uääääh, schon wieder Unchained!?“ durch den Kopf schießt, empfehle ich sofortiges Weiterklicken auf die Bandcamp-Seite der saarländischen Metalband zwecks Anhören des dort vorhandenen musikalischen Materials. Sollten weder das Debutalbum „Code of persistence“ noch die Demos sowie der aktuelle Longplayer „Collision“ Erklärung genug dafür sein, dass das Konzert in Pirmasens mein siebter Unchained-Gig seit Mai war, dann hast du, liebe Leserin / lieber Leser, vermutlich einen anderen Musikgeschmack oder gehörst zu denen, die es nicht nachvollziehen können, dass man sich ein und dieselbe Band so oft live anschaut. Aber eine CD, die einem gefällt, hört man ja auch nicht nur einmal – warum nicht dasselbe mit Livekonzerten tun? Wer einmal etwas anderes auf dieser Seite lesen möchte, kann trotzdem aufatmen: Bislang stehen in meinem Kalender bis zum Ende dieses Jahres nämlich nur Konzerte von anderen Bands. Bislang…

1375714_654407437917331_1739238774_ns

Ort des Geschehens war diesmal die Schwemme in Pirmasens, eine gemütliche Kneipe mit großer Theke, bei der der Wandschmuck schon eindeutig zeigt, in welchem Rhythmus das Herz des Betreibers schlägt: Neben Postern diverser Bands aus der Metal- und Hardrock-Sphäre wie Blind Guardian, Slayer oder Metallica zieren auch ein paar ältere Wacken-Plakate und Flaggen, die zu diesem Musikgenre gehören, die Wände oder hängen von der Decke herab. Die Musikbox, gut bestückt mit allerhand Songs aus der Welt der verzerrten Gitarren, war jedoch ausgeschaltet, vermutlich weil die Beschallung vor dem Konzert aus der PA kam und die war anscheinend programmiert auf „Lange Nacht mit Metallica“, denn sie spuckte ein Potpourri aus Songs von sämtlichen Alben aus, angefangen von „Ride the lightning“ über „Master of puppets“ und „…and justice for all“ bis zum „Black album“ und „Reload“. Anhand dieser Liste wird mal wieder deutlich, dass ich wie immer sehr pünktlich vor Ort war – noch bevor Unchained-Bassist Philipp Schulz dort eintraf, für den es anschließend noch einmal einen kurzen Extra-Soundcheck gab.

Gegen 21.30 Uhr erklommen Tobias Engel, Dmitro Fedoruk, Pietro Rizzuto und Philipp Schulz die kleine Bühne und hauten den schätzungsweise 60 Zuschauern einen aus zehn Songs bestehenden Mix aus alten Unchained-Songs (lies: vom anfangs schon erwähnten Debutalbum „Code of persistence“) und brandneuen Tracks um die Ohren. Das alles natürlich mit der gewohnten Souveränität und Qualität.

DSCF6679Ats

Tobi war an diesem Abend stimmlich absolut top, sowohl die Gröl-Parts als auch die clean vocals saßen perfekt – kleinere Ausreißer fallen nicht ins Gewicht, der junge Mann trällert schließlich keine Arien in der Oper, sondern drischt während dem Singen/Brüllen auch noch in die Saiten seiner Gitarre (Und wie!), schwingt die Mähne vor oder zurück oder im Kreis und tut alles außer stillzustehen. Also wer sich da über die eine oder andere nicht hundertprozentig getroffene Note ereifert, jammert auf ziemlich hohem Niveau! Es fiel mir wieder auf, dass Tobi an manchen Stellen, die man von der Platte her anders gewohnt ist, mit seiner Stimme ein wenig zu experimentieren scheint. Das finde ich gut und ich bin gespannt, wohin die Reise geht! Das Slaughterra-T-Shirt, das er trug, erinnerte an die erst kürzlich absolvierte Unleashed Hate Tour, bei der sich Unchained unter anderem mit der Death Metal Band aus dem Raum Landau die Bühne teilten.

DSCF6664Ats

Für das Schlagzeug gab es auf der Bühne der Schwemme ein etwa 50 Zentimeter hohes Podest, sodass Pietro Rizzuto trotz Sitzplatz diesmal fast auf derselben Augenhöhe wie seine Bandkollegen seiner Tätigkeit nachgehen konnte und man ihn viel besser „bei der Arbeit“ sehen konnte. Und in dieser scheint der junge Mann total aufzugehen – hätte meine Kamera von ihm auch ein paar unverwackelte Zoom-Aufnahmen ausgespuckt, könnte man sehen, dass er manchmal total entrückt wirkt, als wäre er ganz tief drin in seiner eigenen wunderbaren Schlagzeugwelt. Auch wenn ich mich jetzt zum x-ten Male wiederhole: Pietro hat es echt drauf und schafft es jedesmal, mich, den Gitarrenfreak, durch sein Drumming total zu plätten, vor allem wenn er bei „Breathe for me“ so richtig ordentlich die Bassdrum zum Wummern bringt! Kein Wunder, dass sich auch andere Bands nach so einem Talent die Finger lecken und Pietro momentan u.a. auch bei Spielbann und Bitter Atonement am Schlagzeug sitzt.

Philipp Schulz im Warbeast-Shirt (Erinnerung an den Gig zusammen mit den US-Thrash-Metallern im Kleinen Klub letztes Jahr) bedient seinen Lefty-Bass ebenfalls absolut souverän und erfreute vermutlich nicht nur meine Augen durch diverse Verrenkungen, die einen dazu animieren, sich ebenfalls zu bewegen. Dasselbe gilt für Opeth-Shirt-Träger Dima an der weinroten Gibson Les Paul, die er ja gerade erst für meinen Blog ein wenig genauer vorgestellt hat (*klick*); bloß dass dessen Bewegungsradius durch seinen Platz ganz rechts und durch die Growls, die er ab und zu beisteuerte und die natürlich in das Mikro geröhrt werden müssen, ein wenig eingeschränkt war.

DSCF6668Ats

Das hinderte ihn aber nicht daran, dann und wann face to face bzw. Gitarre gegenüber Gitarre zusammen mit Tobi in die Saiten zu hauen, was ja auch cool aussieht.

DSCF6779sMeine Song-Highlights des Abends waren „Deconstruction“ – auch auf „Collision“ eins der Lieder, das total fetzt –, „Two minds collide“, das ich erst zweimal live gehört habe, und „Breathe for me“ – etwas fürs Herz und trotzdem auch zum Hirsebangen geeignet. Das Verlangen der anderen Zuschauer nach einer weiteren Zugabe nach dem eigentlichen Extrasong „Silent days“ zeigt, dass Unchained in Pirmasens mit ihrer Musik offenbar ganz gut angekommen sind.

Zum Vergrößern der Fotos einfach auf das jeweilige Bild klicken!

Ein wenig anstrengend fand ich den grünen Laser, der einem manchmal vor den Augen flackerte. Das sah zwar cool aus, wenn zur selben Zeit auch noch die Nebelmaschine lospustete, aber für mich waren die grünen Blitze ein bisschen too much!

Die zweite Band des Abends, Beyond Darkness, existiert bereits seit 2005 und trotzdem habe ich sie noch nie live gesehen – unfassbar! Ihr Programm umfasst Coverversionen von Heavy Metal- und Hard Rock-Größen wie „Enter sandman“ und „For whom the bell tolls“ von Metallica, Gary Moores „Out in the fields“, „Paranoid“ von Black Sabbath, „The trooper“ von Iron Maiden und Ähnliches.

Nach ein paar Besetzungswechseln rocken nun Marcel Diaw (Vocals), Michael Marx (Leadgitarre und backing vocals), Christian Zorn (Bass), Nico Schumann (Drums) sowie – Trommelwirbel – Melissa Doll (Gitarre) zusammen. Ich fand es absolut erfrischend, auch mal eine Frau auf der Bühne zu sehen, noch dazu mit Gitarre in der Hand und diversen Tattoos am Körper! Man kann meine Begeisterung an der Menge an Fotos von ihr ablesen… Vielleicht besuche ich ja die falschen Gigs, aber irgendwie sind Frauen in der Sphäre des Musikbusiness, in der ich mich bewege, eher Mangelware. Celesta und Siren’s Legacy haben zwar eine Sängerin und bei Archive gibt es sogar zwei weibliche Mitglieder, aber männliche Wesen sind trotzdem bei all diesen Bands in der Überzahl, als reine Girlband fallen mir gerade bloß die Savages ein. Dass XY-Chromosomträger in meiner Musikwelt überwiegen, ist allerdings in keiner Weise wertend gemeint, sondern eine bloße Feststellung.

Beyond Darkness sorgten mit ihren Songs, die alle kennen und mögen, für richtig gute Stimmung. Viele sangen mit, ihr Getränk in der Hand, und bewegten sich im Takt. Einer der Zuschauer stand direkt vor der Bühne und war bei jedem Lied so textsicher, dass Sänger Marcel ihm ab und zu das Mikro hinhielt, und auch Tobias und Pietro von Unchained sangen mit ihm und mit Marcel bei einem Lied vom Zuschauerraum aus kräftig mit.

Nach etwa einer Stunde war der erste Teil des Konzerts zu Ende und es gab eine kleine Pause. Da meine Begleitung ein wenig schwächelte, fiel Teil 2 leider flach für mich, aber es gibt ja noch ein paar weitere Gelegenheiten, ein komplettes Konzert von Beyond Darkness azuschauen:
19.10.13 Remseck am Neckar (Purple Haze Rockcafé)
26.10.13 Forbach (Clubhaus von ROAD RIDER MC)
30.11.13 Zweibrücken (Kontrastbühne), zusammen mit The Prisoners
07.12.13 Ensheim (Musicbar)
04.01.14 Saarbrücken (Devil’s Place) zugunsten von Rocker mit Herz e.V.
13.06.14 Schönenberg-Kübelberg, Rock am Bunker Festival, zusammen mit Axxis, Mob Rules und Freedom Call

Advertisements

Über luuuzie

https://luzieswelt.wordpress.com/ http://linsengemurmel.wordpress.com/
Dieser Beitrag wurde unter Konzertbericht abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Unchained und Beyond Darkness in Pirmasens (Schwemme, 02.10.13)

  1. Pingback: No Hope, Rage Of Samedi und Mothertrucker in Primasens (Schwemme, 15.03.14) | Luzies Welt

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s