Surrender The Crown und Siren’s Legacy in Saarbrücken (Kleiner Klub, 21.09.13)

Schon vor Monaten, als im Internet erste Gerüchte kursierten, dass Surrender The Crown im September zusammen mit Siren’s Legacy im Kleinen Klub der Garage in Saarbrücken spielen, habe ich mich total gefreut und gehofft, dass diese Informationen korrekt sind. Mein letztes Surrender The Crown-Konzert liegt nämlich schon eine Weile zurück, beim GaS goes Rock Ende Mai habe ich den fünf Herren zum letzten Mal beim Musizieren zugeschaut, und das letzte Mal, dass ich Siren’s Legacy auf der Bühne gesehen habe, war ziemlich genau vor einem Jahr.

Seitdem hat sich ein bisschen was verändert im Siren’s Legacy-Universum: Sängerin Jennifer Thomé, Gitarrist Michael Firmont und Drummer Tobias Hartmann haben in Stefan Zimmer einen neuen Bassisten gefunden und die Truppe existiert nur noch als Quartett, nachdem Keyboarderin Charlie Anfang des Jahres die Band aus beruflichen Gründen verlassen hat. Außerdem haben die vier jungen, hochmotivierten Musiker aus dem Raum Neunkirchen ab sofort das 13 Songs umfassende Album „The Kraken“ am Start, dessen Veröffentlichung der Anlass für die Livemusik im Kleinen Klub an diesem Samstagabend war.

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Eine Kette mit Kraken-Anhänger erhielten die ersten 15 Käufer der CD als kleine Überraschung. Da hatte jemand eine nette Idee! Das Logo auf dem Cover der Rückseite zeigt, dass Siren’s Legacy bei der Albumproduktion von der Wacken Foundation unterstützt wurden.

Der Konzertraum war ganz gut gefüllt, als Surrender The Crown gegen 20 Uhr mit ihrem Programm loslegten. Schlagzeuger Ralf Gottlieb startete das Sample mit dem Intro und nach wenigen Sekunden betraten die anderen Bandmitglieder die Bühne: Bassist Olli Quinten, Patrick Meyer an der Gitarre auf der linken Bühnenseite (Habt ihr schon den Artikel über seine Siggi gelesen?), Sänger Matthias Braun in der Mitte und Philipp Köhl an der Gitarre rechts. Am Hals seiner ESP Eclipse war ein kleines technisches Gerät angebracht, das nicht gerade aussah wie ein überdimensioniertes Stimmgerät, sondern eher wie eine Kamera. Ich bin ja mal gespannt, ob man irgendwann die Aufnahmen von dieser guitar cam sehen wird!

Sehr zu meinem Entzücken spielten Surrender The Crown nicht bloß ein kurzes „Vorband-Set“, sondern jeder einzelne Song ihres großartigen Albums „What we think defines us“ wurde performt, und zwar in derselben hohen Qualität, die mich bisher jedesmal total geplättet hat!

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Matthias – ganz in schwarz gekleidet – startete frühzeitig den Smalltalk mit den Zuschauern. Sein Arm diente als Lautstärkeregler für das Publikum, das umso lauter schreien und applaudieren sollte, je höher er den Arm hebt, was auch ganz gut geklappt hat. Zwei junge Herren aus Illingen in Siren’s Legacy-Shirts sorgten mit ihren witzigen Kommentaren für ein paar zusätzliche Lacher und schienen vor allem die härteren Songs von Surrender The Crown, „Life on hold“ zum Beispiel oder „Fall like rain“ zu genießen. Pogo-Alarm! Ruckzuck drängten sich die meisten Zuschauer an die Seiten, während die beiden eben erwähnten Männer zusammen mit einem dritten in der Mitte herumfetzten und Patrick auf der Bühne die langen Haare nur so fliegen ließ.

Sophia Paulus hatte an diesem Abend offenbar andere Verpflichtungen, denn sie war diesmal nicht anwesend, um mit Matthias zusammen „Beautiful ghost“ zu singen. Aber wozu gibt es Computer? Auf diese Weise lassen sich nicht nur die Gesangspassagen der jungen Frau hervorzaubern, sondern auch Klavierklänge (bei „What we think defines us“) und Dudelsackmelodien (bei „Another journey’s end“, im Original von Renate Iffland gespielt). Philipp wechselte für „Beautiful ghost“ von seiner ESP an eine Semi-Akustikgitarre und für Patrick war der Moment gekommen, an dem er zwei Gitarren bei einem Lied bedienen musste, nacheinander natürlich. Die Sache mit den zwei Gitarren löste er diesmal logistisch ziemlich geschickt: Die Semi-Akustikgitarre von Garrison hatte er nämlich auf einen Ständer montiert, von dem er sich bei den Partien, bei denen die umgehängte E-Gitarre zum Einsatz kommt, bloß ein paar Schritte wegbewegen musste. Manchmal lief er zu Bandkollege Philipp herüber und musizierte mit ihm Seite an Seite oder die beiden Gitarristen stellten einen Fuß auf den Monitor und reckten ihre Instrumente in die Luft. Das Auge bekam also auch einiges geboten, sodass der Auftritt alles hatte, was das zur Rockmusik schlagende Herz begehrt.

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Wer das Ganze auch einmal oder noch einmal erleben möchte, sollte sich am 22.03.14 nach Konken in die Festhalle begeben. Dort spielen Surrender The Crown im Rahmen der 11. Headbangers Night zusammen mit Hells Belles, Backtrack und Dragonsfire.

Zuvor steht aber noch ein etwas außergewöhnlicher Gig an, Surrender The Crown sind nämlich eine der Bands, die am 25.01.14 bei der Akustikausgabe des GaS goes Rock auf der Bühne des Gymnasiums am Steinwald in Neunkirchen stehen werden.

Zum Anschauen der zum Teil ziemlich verwackelten Bilder in Groß: Einfach aufs jeweilige Foto klicken!

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Gegen 21.15 Uhr war dann die Zeit gekommen für den Auftritt von Siren’s Legacy. Auch hier leitete ein Intro aus dem Computer den Auftritt ein und Sängerin Jennifer Thomé zögerte ihr Erscheinen eine Weile hinaus, bis sie sich am Ende des gut 2 Minuten dauernden Intros zu ihren Bandkollegen auf die Bühne gesellte – unter tosendem Applaus des Publikums, versteht sich. Hübsch sah die junge Frau aus in ihrer schwarz-roten Korsage über dem knielangen Tüllrock, die Hände in schwarze Spitzenhandschuhe gesteckt und eine wuchtige dunkle Kette um den Hals! Auch akustisch weiß Jenny zu beeindrucken, denn ihre Sopranstimme ist der Hammer und wer angesichts ihres Gesangs und der musikalischen Untermalung nicht wenigstens ein bisschen an Tarja Turunen, Sharon den Adel oder Amy Lee denkt, hat wahrscheinlich noch nie etwas von Nightwish, Within Temptation und Evanescence gehört. Dennoch haben Siren’s Legacy ihren ganz eigenen Stil. Stellenweise hatte ich den Eindruck, dass Michael Firmonts Begeisterung für diverse Prog-Rock-Bands ganz schön heftig ins Songwriting eingeflossen ist. Beim Hören der CD fällt das allerdings weniger krass auf, auch wenn gelegentliche Rhythmuswechsel nicht von der Hand zu weisen sind. Im Kleinen Klub war aber wohl ab und zu der Technik-Teufel am Werk, sodass nicht alle Musiker einwandfrei hörten, was die anderen spielten, und ein wenig improvisieren mussten.

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Die Stimmung beim Publikum war bestens; viele „Stammhörer“ von Siren’s Legacy freuten sich offensichtlich, dass die Band wieder auf der Bühne stand und nun auch mit einem Album dienen kann. Es wurde übrigens jedes Lied von „The Kraken“ gespielt! Man hört von Anfang an, dass das Keyboard fester Bestandteil der meisten Songs von Siren’s Legacy ist, wobei die Melodien des Tasteninstruments jetzt ja bei Konzerten nur noch „aus der Konserve“ kommen.

Zwischen den Songs richtete Jennifer immer mal wieder das Wort ans Publikum und erklärte den Inhalt der Lieder ein wenig oder kündigte das betreffende Lied als altbekannten Song an, immerhin haben Siren’s Legacy in den vergangenen Jahren schon etliche Konzerte absolviert und manche Songs des Albums wurden bereits live gespielt. Vor „The magic of the orient“ plauderte die Musikerin, die nach einiger Zeit wesentlich lockerer wirkte als zu Beginn, ein wenig über Bauchtanz, woraufhin Bandkollege Michael sofort die entsprechenden Bewegungen mit der ganz eindeutig nicht vorhandenen Wampe nachahmte. Solche witzigen Momente dürfen bei Livegigs einfach nicht fehlen, finde ich. Es gab davon noch ein paar mehr. Als Jenny vor „The Fallen Knight“ fragte, wo ihr Ritter sei, trat einer der Zuschauer direkt vor die Bühne und spielte Luftgitarre, während Michael sich auf der Bühne vor ihn kniete und seine Gitarre bediente. Ein Blick ins Fotoalbum der Band zeigt, dass der junge Mann vor nicht allzu langer Zeit selbst einmal Mitglied von Siren’s Legacy gewesen ist. Es gab also bei der bereits 2008 gegründeten Band schon mehrere Veränderungen im Lineup, die aktuellen werden ja am Anfang dieses Artikels dargestellt.

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Der neue Bassist wirkte die ganze Zeit wie der tiefenentspannte Fels in der Brandung, während die Sängerin die langen Haare fliegen ließ, die Zuschauer zum Klatschen oder Arme-in-die-Luft-Recken aufforderte oder mit ihrem freien Arm, der nicht das Mikro hält, beim Tanzen im Takt sehr ansprechende Bewegungen vollführte. Häufig sang sie Seite an Seite mit Michael, dessen MGH-Gitarre ein verrücktes Stück ist – nicht wegen der sieben Saiten und dem zweifarbigen Hals, sondern weil sowohl am Kopf als auch am Korpus Stücke zu fehlen scheinen, aber das ist natürlich genauso gewollt bzw. nach seinem Geschmack gebaut worden. Wenn man seinen Blick von der ungewöhnlichen Form der Gitarre auf Michaels Hände lenkt, merkt man schnell, mit welcher Virtuosität der junge Mann seine Finger über die Saiten gleiten lässt!

Der Gitarrist sprach vor dem letzten Lied auch mit dem Publikum; da er bei manchen Songs die Backgroundvocals liefert, hatte er ein eigenes Mikro. Er bedankte sich bei allen Anwesenden und ganz besonders bei einem Mann aus der ersten Reihe, durch den er Frontfrau Jenny kennengelernt hatte, wodurch es überhaupt erst möglich wurde, dass er an diesem Abend als Gitarrist von Siren’s Legacy auf der Bühne stand. Zum Zeichen seiner Wertschätzung machte er ihm sogar ein Geschenk: ein T-Shirt, auf dessen Vorderseite das Artwork des Albums aufgedruckt ist, und das wohl noch nicht so ganz fertig designt ist. Das macht das Shirt aber zu etwas ganz Besonderem, das es bislang nur zweimal gibt: einmal in der Ausfertigung für ihn selber – und sofort zog er sich auf der Bühne Krawatte und Hemd aus und das Shirt an – und eines für seinen Freund im Publikum, der total hingerissen war.

Wie so oft bei Konzerten im Kleinen Klub kann man meine Fotos wieder total vergessen. Da der Bassist am dunkelsten Fleck der Bühne seiner Tätigkeit nachging, war es in seinem Fall fast unmöglich für meine Kamera, brauchbares Material zu liefern. Am besten ausgeleuchtet war Schlagzeuger Tobias Hartmann, der übrigens völlig relaxed die Drums bediente und auch noch nach Song Nr. 10 keinen einzigen Tropfen Schweiß abzusondern schien. Der war dann aber schon wieder zu weit weg… Da mehrere professionelle Fotografen vor Ort waren, wird man deren Ergebnisse hoffentlich bald im Internet finden.

Bislang stehen zwei weitere Konzerte von Siren’s Legacy fest, und zwar folgende:
02.11.13 Saarlouis (JUZ Utopia)
12.04.14 Buchloe (bei München, Kolpinghaus), Benefizkonzert mit Envinya und Dante

Wer die Bilder größer sehen möchte: Einfach auf das jeweilige Bild klicken!

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5 Antworten zu Surrender The Crown und Siren’s Legacy in Saarbrücken (Kleiner Klub, 21.09.13)

  1. Robert & Richard schreibt:

    joa 😀 War schon Sau geil nextes mal wieder gern 🙂 LG Die Brüder aus Illingen

  2. Benne Stadler schreibt:

    Danke für das Lob bezgl. „jungen Mann“ 🙂 Korrekt, ich war sehr lange Mitglied der Band „Siren’s Legacy“ – habe sie 2008 mitbegründet, musste aber wegen Zeitmangels aussteigen.

  3. Dennis Andree schreibt:

    War absolut fantastisch!!! Riesiges Dankeschön an Surrender the Crown und besonders an Siren’s Legacy – danke, danke, danke, Ihr seid Spitze!!! Luzie, sehr schöner Bericht.

  4. luuuzie schreibt:

    Danke für eure Rückmeldungen! Ich freue mich auch schon aufs nächste Konzert von Siren’s Legacy und Surrender The Crown!
    Benne, ich hoffe, dass du das Musizieren nicht komplett aufgegeben hast! Das wäre ja schade. Was meine Alterskategorien betrifft… da gehe ich einfach von meinem Alter als Messlatte aus (also das reale Alter, nicht der „Ich-bin-vierzehndreiviertel-Dauerzustand“ bei Beschallung mit Livemusik nach meinem Geschmack) und alle, die drunter liegen oder knapp drüber, sind doch noch jung. 😉

    • Benne Stadler schreibt:

      Musik ganz aufgeben? Never! 🙂 Ich wohne zwar nicht mehr im Saarland, aber sobald ich mich in meiner neuen Heimat (dem Ruhrgebiet) etwas „etabliert“ habe, werde ich mich wieder auf die Suche nach Bandanschluss machen! 🙂

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