Stagewar, Slaughterra und Unchained in Saarbrücken (Devils Place, 07.09.13)

Manch einer mag sich angesichts der Überschrift dieses Artikels stirnrunzelnd wundern: „Das dritte Wochenende in Folge mit Unchained-Konzert?“ Für mich ist das überhaupt kein Problem! Ich erinnere mich überaus gerne an den Oktober 2009 zurück, als ich eine andere Band, die ich sehr mag, in Frankreich viermal innerhalb von sieben Tagen live gesehen habe, und ich hätte sie mir noch ein fünftes Mal angeschaut, wenn nicht freundschaftliche Verpflichtungen an diesem einen Tag wichtiger gewesen wären! Also alles im Luzie-Normalbereich.

Diesmal brachten die vier jungen Männer mit ihren Modern Metal meets Metalcore-Klängen ihre Heimatstadt Saarbrücken zum Beben und hatten dabei Unterstützung von Stagewar und Slaughterra. Im Rahmen dieser Unleashed Hate Tour sollten an diesem Abend im Devils Place eigentlich auch Furious Anger und Resistance Of Yield musizieren, allerdings mussten die beiden Bands ein paar Tage zuvor absagen. Gut, dass ich sie neulich bei diesem ereignisreichen Konzertabend in Birkenfeld schon gesehen habe!

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Stagewar aus der Gegend um Neu-Anspach in Hessen kamen im Devils Place als Erste auf die Bühne und verwöhnten die Gehörgänge der Zuschauer mit einer ordentlichen Portion Thrash Metal. Die Musik in Kombination mit der energiegeladenen Performance zeigt meiner Ansicht nach, wie der Bandname wahrscheinlich zu verstehen ist, denn den Zuschauern flogen schnell gespielte Riffs, Bassbeats und Schlagzeugsalven nur so um die Ohren. Gefühlte 250 beats per minute prasselten da auf einen ein.

Meine Augen schossen sich natürlich sofort auf die Finger von Gitarrist Kimon ein, die in einer Höllengeschwindigkeit über den Hals der blau-weiß gemusterten Jackson fegten, während der Musiker dem Tempo angepasst in Bewegung war und seine langen Haare fliegen ließ und ab und zu auch ein paar Vocals ins Mikro röhrte. Absolut beeindruckend! Und zugleich frustrierend, wenn ich mir meine eigenen – stark limitierten – Fähigkeiten am Sechssaiter in Erinnerung rufe. Wie soll das auch was werden, wenn ich ständig vorm Computer klebe und Konzertberichte verfasse, anstatt brav zu üben?!  Aber ich schweife ab…

Von Kimons Gesicht war die meiste Zeit ebensowenig zu sehen wie von dem Gesicht von Sänger Dezius, das sich ebenfalls überwiegend hinter einem Vorhang aus langen Haaren befand. Seine blaue Fender stach mir selbstverständlich auch ins Auge und ich fragte mich, ob die Macken darin ein Hinweis auf die Häufigkeit der Benutzung oder auf den Umgang mit dem Instrument sind oder ob die Gitarre einfach auf „alt und abgespielt“ gestylt wurde. Von Bassist Alex, der den Fotos auf der Bandhomepage nach zu urteilen noch nicht allzu lang bei Stagewar in die Saiten haut, war trotz seiner langen Haare etwas mehr zu sehen und während Bandkollege Kimon beinahe wie besessen auf seinem Instrument herumschrammelte, wurde der Bass mit etwas mehr Eleganz bedient. Dann wäre da noch Drummer Jupp… lange blonde Haare, Lippenpiercing, freier Oberkörper, ein paar Tattoos. Seit nicht ganz drei Jahren ist er für Stagewar tätig. Ich weiß nicht so recht, ob mir der junge Mann den Vergleich mit dem Tier aus der Muppet Show übel nehmen würde (wobei das Figürchen, das da ans Schlagzeug geheftet war, sehr nach ebendiesem Wesen aussah), deshalb formuliere ich es vielleicht ein bisschen neutraler, indem ich einfach auf seine Leidenschaft, mit der er das Schlagzeug bearbeitet, hinweise, und auch die Virtuosität seines Tuns erwähne. Zumindest hatte ich den Eindruck, dass Jupp sein Instrument absolut beherrscht und die lobenden Worte anderer Zuschauer diesbezüglich bestätigten meine Wahrnehmung. Aber der Mann ist ja auch vom Fach und so nebenbei, ganz ohne Mikro, für einige der Ansagen zuständig. Sänger Dezius ließ es sich aber nicht nehmen, das Lied, das in Erinnerung an Slayer-Legende Jeff Hanneman gespielt wurde, anzukündigen.

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Wenn ich das richtig verstanden habe, ist ein Nachfolgealbum zum 2011 veröffentlichten Debütlongplayer „Living on trash“ (ja, ihr seht richtig, „trash“ ohne „h“ vor dem „r“!) gerade am Entstehen.

Ich hätte Stagewar ein paar Zuschauer mehr gegönnt – wer erst später erschienen oder draußen geblieben war, hat definitiv etwas verpasst! –, aber wenn ich die Körpersprache der anwesenden Leute, insbesondere der zwei jungen Männer direkt vor der Bühne, richtig deute, schienen sie die Performance genossen zu haben.

Ein eigenes Bild kann man sich von der Musik der vier Männer machen, wenn man sich beispielsweise durch den YouTube-Channel der Band klickt oder durch die entsprechenden Features der Homepage.

Schon nächste Woche kann man Stagewar wieder live sehen, dann wird im Juz Alt-Anspach das bereits zehnjährige Bandbestehen gefeiert. Es werden aber noch weitere Konzerte stattfinden, bislang stehen folgende fest:
13.09.13 Neu-Anspach (Juz Alt-Anspach)
14.09.13 Steinheim bei Hanau, Hell’n’Hang Open Air
28.09.13 Landau (Gloria Kulturzentrum) – The Unleashed Hate Tour
11.10.13 Oberursel (Bluebox Portstrasse)
18.10.13 Nürtingen (JAB)
19.10.13 Tortoreto Lido (K 28), Italien
24.10.13 Plzen (Club Divadlo Pod Lampou), Tschechien
25.10.13 Přibram (Metalshow), Tschechien
26.10.13 Prag (Bazina Klub), Tschechien
16.11.13 Rijen (Cafe de Kroeg), Niederlande

Zum Vergrößern der Fotos einfach auf das jeweilige Bild klicken!

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Slaughterra hatten als nächste Band ihren Auftritt und ich hatte bei dem Gig der fünf jungen Männer aus dem Umfeld von Landau wesentlich mehr Spaß als bei ihrem Konzert neulich in Birkenfeld, was aber keineswegs heißen soll, dass das andere Konzert schlecht war, also bitte nicht missverstehen! Ich denke, in dem Fall liegt das eher an mir selbst. In Saarbrücken hatte ich ein viel besseres Plätzchen und musste mich nicht hinter irgendwelche herumzappelnden hochgewachsenen Menschen quetschen, um einen Ausschnitt der Bühne zu sehen. Außerdem hatte ich ich nach knapp 40 Minuten Thrash Metal so richtig Bock auf aggressiven Death Metal mit tiefen Growls und stellenweise langsamerem Tempo, bei dem man zu knackigen Riffs und Bassdrumgeboller schön den Schädel nach vorne und wieder zurückbewegen kann. Wer die entsprechende Haarpracht besitzt, kann sie zu den Rhythmen von Slaughterra natürlich auch so fliegen lassen wie Vocalist Julian oder sie im Kreis schwingen, wie Gitarrist Timo das mit seiner Mähne gelegentlich tat. Die beiden jungen Männer aus dem Publikum, die ich weiter oben schon erwähnt habe, hopsten bei Slaughterra ab und zu auch etwas raumgreifender vor der Bühne herum, aber immer darauf bedacht, niemanden der anderen Zuschauer niederzumetzeln. So muss das sein! Einer der beiden betrat in seiner Begeisterung auch immer mal wieder die Bühne, stellte sich vor einen der beiden Gitarristen und headbangte zusammen mit dem betreffenden Musiker. Dabei ist die Bühne im Devils Place für fünf Leute, die Instrumente spielen und permanent in Bewegung sind, fast schon zu klein. Timo kam daher auch immer mal wieder mit seiner schwarzen Jackson in den Zuschauerraum, auch der Mann am Mikro verließ ab und zu die Bühne, während Bassist Simon und Manu an der Gitarre links eher auf ihren Plätzen verharrten, und Drummer Chris kann sich von seinem Hocker ohnehin schlecht wegbewegen.

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Sämtliche Songs, die in Saarbrücken zu hören waren, gibt es übrigens auf einer CD, die im Mai diesen Jahres veröffentlicht wurde und die man entweder per E-Mail an slaughterra@gmx.de ordern oder bei den nächsten Konzerten erwerben kann:
21.09.13 Frankfurt (Juz Alt Anspach) – The Unleashed Hate Tour
28.09.13 Landau (Musikclub Colosseum) – The Unleashed Hate Tour
26.10.13 Break The Silence 4, Annweiler (zusammen mit Carnivorous Society und Chamber Of Malice)
16.11.13 Break The Silence 5, Ettlingenweier (zusammen mit Zerogod, Nekkromaniac und The Italian Way)

Zum Song „About to fail“ kann die Band sogar ein „richtiges“ Video präsentieren:


 

Im YouTube-Channel von Slaughterra gibt es aber noch einiges mehr zum Entdecken, also klickt mal rein!

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Zu vorgerückter Stunde (im Klartext: so gegen 23.30 Uhr) eroberten Unchained die Bühne. Nach den zwei Liedern „Signs of doom“ und „On the floor“ – mit kurzer zum Titel passender Einlage von zwei Slaugtherra-Männern – meinte die Technik schlappmachen zu müssen, aber es muss schon Gravierenderes geschehen, um Tobias Engel und seine Mannen zu stoppen! Tobi machte einfach weiter mit einer Akustik- oder eher Semi-Unplugged-Version von „Broken wings“, während der Techniker versuchte, das Mikrofon wieder gangbar zu machen, was ihm – man möchte fast sagen: leider viel zu schnell – auch gelang, denn das Lied war noch nicht zu Ende, da war das Mikro wieder einsatzfähig und es ging weiter mit „Jealousy“. Bis dahin war setlist-mäßig also alles beim Alten (mal abgesehen von der spontanen unplugged-Einlage), doch dann kam der Knaller: Livepremiere von „Two minds collide“! Wahnsinnig gut gespielt und gesungen bzw. teilweise geschrien – bis sich das Mikro erneut verabschiedete, woraufhin die vier Musiker das Lied einfach instrumental zu Ende spielten. Das fand ich sehr beeindruckend, denn andere Bands hätten vielleicht abgebrochen und herumgezickt. Und außerdem: Wer den Song nicht kennt und Tobis Reaktion nach Technikcrash Nr. 2 nicht gesehen hatte, meinte vielleicht, das müsste so sein…  Während danach der Techniker erneut am Bühnenrand an diversen Knöpfchen herumfummelte, gab es den zweiten Teil von „Broken wings semi-unplugged“.

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Anschließend lief aber alles reibungslos und die Zuschauer verlangten nach dem letzten Lied wie bei den anderen Bands nach einer Zugabe und bekamen sie in Form von „Run out of time“. Da wurden sogar BHs auf die Bühne geworfen, ouh la la! Ob ich die Einzige war, die bei der Textstelle „We must turn back the clock somehow“ dachte, dass es genial wäre, wenn man schöne Momente durch Drehen am Zeiger der Uhr immer wieder erleben könnte? Andererseits würden Live-Gigs natürlich einiges von ihrer Einzigartigkeit einbüßen, wenn eine solche Repeat-Funktion existieren würde, also setze ich mich vielleicht doch lieber noch ein paarmal ins Auto und düse Richtung Unchained.

Bislang feststehende Konzerte:
14.09.13 Trier (Exhaus) – Chili Con Core Festival
21.09.13 Frankfurt (Juz Alt Anspach) – The Unleashed Hate Tour
27.09.13 St. Ingbert (Juz)
28.09.13 Landau (Musikclub Colosseum) – The Unleashed Hate Tour

Ach übrigens: Wer dieses kleine Meisterwerk…

Collision

… immer noch nicht besitzt, sollte es sich endlich mal zulegen! Das Ganze gibt’s auch als Download in unterschiedlichen file-Formaten.

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Über luuuzie

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