Unchained, Capital Punishment und Buffet Of Fate in Mainz (30.08.13)

Ursprünglich geplant war für diesen Freitagabend der Besuch des Konzerts von Filter, supportet von Blackmail, in Frankfurt. Aber meine Freundin, die die Tickets besorgen sollte, kam mit dem Kartenkauf einfach nicht in die Pötte. Als hätte sie es geahnt, dass der Blackmail-Teil des Gigs krankheitsbedingt ausfallen würde. Vielleicht hat sie aber auch nur darauf spekuliert, dass irgendwann (lies: spätestens nach dem Konzert im Fillmore) von mir der Vorschlag kommt: „Wir könnten ja auch nach Mainz fahren und uns Unchained noch einmal ansehen.“ Die Songs vom aktuellen, gerade erst veröffentlichten Album „Collision“ gefallen uns beiden so gut wie die alten, und da wir die neuen Lieder ja noch nicht sooo oft live gehört haben, ging die Reise tatsächlich nach Mainz. Ins Caveau, um genau zu sein. Das ist, wie der Name schon sagt, ein gemütlicher kleiner Club unter der Erde, in dem das Rotlicht regiert. Eine andere Farbe gab es zur Beleuchtung der Bühne nämlich nicht. In diesem Keller-Club rockten an diesem Abend neben Unchained zwei weitere Bands: Capital Punishment und Buffet Of Fate.

Setlist Us

Wie eine Woche zuvor in Birkenfeld legten die vier jungen Männer von Unchained los mit dem neuen Song „Signs of doom“, dem Kracher, der auch das Album eröffnet, gefolgt von „On the floor“ und „Jealousy“, wie jeder dem Foto von der Setlist entnehmen kann. Erfreulicherweise war die Spielzeit von Tobi & Co. in Mainz etwas länger als im Fillmore, sodass es diesmal wieder das so schön melancholische „Run out of time“, überwiegend mit klarem Gesang, zu hören gab, und nach dem vor Verzweiflung nur so triefenden „Deconstruction“ mit sehr geilen Gitarren- und Shoutparts folgte an diesem Abend auch die Fortsetzung „Reconstruction“, textlich quasi der Silberstreif am Horizont.

Auf der Bühne wurde es den Musikern offenbar ein wenig eng, denn Philipp kam mehrmals mit seinem Bass in den Zuschauerbereich, um dort in die Saiten zu hauen und sich entsprechend dazu zu bewegen. Auch Dmitro stieg mit seiner roten Gibson etliche Male herab zum Publikum, um dort beim Spielen so richtig die Haare fliegen zu lassen. Da der Gitarrist bei einigen Songs auch ins Mikro brüllt, war eine Rückkehr zur Bühne allerdings unumgänglich.

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„Out of my shell“ – das meiner Ansicht nach „Reconstruction“ gedanklich fortsetzt und vermutlich deshalb auch auf dem Album direkt danach kommt – war ebenfalls wieder ins Programm aufgenommen worden. Bei diesem Lied fand ich Dmitros „Gitarrengeschrummel“ (sorry, ich kenne den Fachbegriff nicht – alternate picking vielleicht?) im letzten Drittel des Liedes wie jedesmal total beeindruckend und auch Pietros Arm- und Fußarbeit an den Drums verdient höchsten Respekt. Auch beim anschließend gespielten „Breathe for me“ wirbelte der Schlagzeuger wie auch die drei anderen Musiker kräftig, sie sind, wie schon erwähnt, im Prinzip bei jedem Lied voll in action, deshalb macht das Zuschauen ja auch so viel Spaß. Tobias schafft es anscheinend mühelos, auf seiner Jackson zu spielen, im Wechsel zu singen und zu brüllen und er findet bei den instrumentalen Passagen auch noch Zeit, die Haare im Kreis fliegen zu lassen und das Publikum zum Klatschen aufzufordern. Multitasking deluxe!

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Mir kam es so vor, als ob die Zuschauer die Musik mochten. Es wurde zwischen den Liedern kräftig applaudiert und ich hoffe, dass einige mit CD und / oder T-Shirt nach Hause gegangen sind. Wer weder das Debütalbum „Code of persistence“ noch den neuen Longplayer „Collision“ besitzt, kann das im Online-Shop von Unchained ja schnell nachholen.

Eigentlich ist es erstaunlich, dass ich so viel von dem Konzert mitbekommen habe, denn kurz bevor es losging, wurde ich darum gebeten, ein paar Passagen mit der bandeigenen Kamera (die ich in der „Halbzeit“ an meine Freundin weiterreichte) zu filmen, und ich war zwischen den Filmsequenzen ja auch noch mit Fotografieren für meine eigenen Zwecke beschäftigt. Offensichtlich funktioniert mein Multitasking auch einigermaßen.

Weitere Konzerttermine von Unchained:
07.09.13 Saarbrücken (Devils Place) – The Unleashed Hate Tour
14.09.13 Trier (Exhaus) – Chili Con Core Festival
21.09.13 Frankfurt (Juz Alt Anspach) – The Unleashed Hate Tour
27.09.13 St. Ingbert (Juz)
28.09.13 Landau (Musikclub Colosseum) – The Unleashed Hate Tour

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Als zweite Band spielten fünf junge Männer aus Rheinböllen im Hunsrück, die sich Capital Punishment nennen und anscheinend auch einige Stammhörer besitzen. Etliche Leute waren eigens für sie nach Mainz angereist, um das halbstündige Programm „ihrer“ Band zu genießen. Es wurde viel mitgesungen, viel gefilmt und geknipst und die Musiker boten einen energiegeladenen Auftritt. Sänger Christopher Michel mit dem „Elvis-Mikro“ (Shure SH55) in der Hand drehte den Zuschauern zwar häufig den Rücken zu und röhrte seine Bandkollegen an, begab sich aber genauso oft von der Bühne herab in den Zuschauerbereich, um Bekannten ins Gesicht zu grölen oder dort beim Singen etwas raumgreifendere Bewegungen auszuführen, für die auf der Bühne nicht genug Platz gewesen wäre.

Mir sagte die Musik nur teilweise zu; vor allem die rhythmus- und bassdrumbetonten Parts, bei denen man mühelos den Kopf nach vorne und hinten bewegen kann, wusste ich zu schätzen, während mich die vom eher unmelodischen Gebrüll dominierten und recht schnell gespielten Passagen in dem Moment weniger flashten. Ich war nach dem Auftritt von Unchained einfach nicht in der Stimmung für so viel Aggressivität, nahm aber dennoch zur Kenntnis, dass es die Musiker in Sachen Spieltechnik und Beherrschung ihrer Instrumente echt draufhaben.

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Während ich abwechselnd die Tattoos mancher Bandmitglieder und Eric Sawades weiße Gibson Les Paul Studio bewunderte, brach plötzlich das Inferno aus, als drei Jungs quer durch den Saal pflügten und alle, die nicht rechtzeitig ein gutes Stück nach hinten gehopst waren, niederpogten. Na super, auf so einen Stress war ich nun ganz und gar nicht scharf! Während eine Woche zuvor der Sänger von Resistance Of Yield mit einem Machtwort die Aktion „Ich wirbele herum und schubse alle aus meinem Weg“ fix beendet hatte, stachelte Capital Punishment-Sänger Christopher das Ganze nicht nur weiterhin an, sondern beteiligte sich auch ein bisschen an dem Geschubse. Also blieb ich erstmal in Deckung und von meinem halbwegs sicheren Plätzchen aus hatte ich nur noch beschränkte Sicht auf die Bühne, sodass ich mich auf Leons Finger, die eine rote Gibson SG bearbeiteten, konzentrierte und mir wünschte, mehr Zeit zum Gitarrespielenüben zu haben.

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Nett fand ich, dass auf der Theke ein Stapel CDs von Capital Punishment auslagen, die man sich kostenlos mitnehmen durfte, und die CD läuft gerade zum dritten Mal für heute, ist also gar nicht übel. Hergestellt wurde das Album „Entombed circus“ in den Epic Studios von Ralf Löwenbrück, mit dem Unchained auch schon zusammengearbeitet haben und der beim Konzert den Sound regelte.

Setlist CPs

Aber nicht alle Lieder, die Capital Punishment performten, stammen von der CD. Der erste Song „Happy endings“ ist einer der neueren, der im April kurz nach dem Einbruch in den Proberaum der Band bei YouTube veröffentlicht wurde. Durch die Electro-Samples klingt das Ganze ein bisschen anders als das ältere Songmaterial.

Soweit ich das überblicke, ist bislang nur ein weiterer Auftritt von Capital Punishment geplant, und zwar am 19.10.13 in Liebshausen (Antoniushalle) beim Benefizkonzert Hunsröck United.

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Party hard versprachen die Informationen, die ich über die Mainzer Lokalmatadoren Buffet of Fate vor dem Konzert in Erfahrung bringen konnte, und diese Einschätzung stellte sich als absolut treffend heraus. Allein schon wie die fünf jungen Männer aus Mainz sich für ihren Gig hergerichtet hatten – die Village People aus dem Rhein-Main-Gebiet: Sänger Cop Marley in Polizeiuniform und mit Rastaperücke und Strickmütze in den entsprechenden Farben, Gitarrist Party Jesus im weißen Gewand mit einem großen Kreuz als Kettenanhänger (Sandalen statt Sneaker wären das i-Tüpfelchen gewesen!), an einer anderen Gitarre Captain Gaymerica mit einer auf den Rücken geschnallten Styroporrakete (oder soll das mit stars and stripes dekorierte Etwas letzten Endes doch etwas GANZ anderes darstellen?), Bassist Rum Bro mit Waffengürtel, schweren Boots und Hose mit Camouflage-Muster und Drummer Leonardo Da Synthie in weißem Hemd und Krawatte – verglichen mit den Bandkollegen leicht underdressed!

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Die ersten Töne bestätigten, dass Buffet Of Fate alle möglichen Musikstile miteinander kombinieren und dass das Ganze erstaunlicherweise miteinander harmoniert wie die einstudierten Bewegungen der Herren an den Saiteninstrumenten. Bindeglied des Electro-Metal-Dubsteb-Disco-Mischmaschs sind die deutschen Texte, die von vielen Zuschauern mitgegrölt wurden. Ein Klick auf die quietschbunte Homepage bietet die Möglichkeit, die aktuelle EP „Spätstücken“ anzuhören und kostenlos downzuloaden. Dank der am Rand eingeblendeten Texte kann man schon einmal das Mitsingen fürs nächste Konzert üben. Manche Melodien werden einem sehr bekannt vorkommen, denn auch vor dem Covern von Songs schrecken die fünf nicht zurück. “Bin blau” ist ihre Version von diesem “I’m blue dadedi dadedei”-Lied, dem Ende der 1990er Jahre keiner entkommen konnte…

Vom ersten Klang an war das Publikum aus dem Häuschen, die meisten schwangen das Tanzbein, während die Seifenblasenmaschine am von mir aus rechten Rand der Bühne Seifenblasen über ihre Köpfe pustete. Zwischen den Songs versorgte Rum Bro, der Mann am Bass, gelegentlich die allzu durstigen Gäste mit einigen flüssigen Shots aus seiner gigantischen Wumme. Ganz großes Kino!

Natürlich war irgendwann der Punkt erreicht, an dem ein paar Besucher mal wieder ein bisschen zu übermütige Tanzbewegungen riskierten (falls man das Um-sich-Schlagen überhaupt noch als Tanzen bezeichnen kann) und alle, die nicht am Erwerb von blauen Flecken oder schlimmeren Blessuren interessiert waren, hopsten erschrocken auf die Seite, während die unsanft Geschubsten mal eben auf die Empore am Rand des Zuschauerraums knallten und sogar ein Mikroständer auf der Bühne umgenietet wurde. Aber wo gehobelt wird, da fallen eben Späne und niemand hat sich ernsthaft wehgetan.

Abfeiern kann man schon nächste Woche wieder mit Buffet Of Fate:
06.09.13 Mainz (Q-Kaff) mit BaMM, Blackwater Horizon, Tentacle Attack, The Döftels, the hyperholics
20.09.13 Wiesbaden (Kreativfabrik) mit Scream For Ice Cream, An Ocean Between Us, Unprocessed
26.10.13 Torgau (Brückenkopf) mit Arise From The Fallen, Riplay, During Decay
01.11.13 Lautern (Club Discothek Havanna) mit Half Past Eight, And The Change und FreiBier

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