Gitarre des Monats September (Markus Pohl)

Markus Pohl ist seit 2005 einer der Gitarristen von Mystic Prophecy. Die um die Jahrtausendwende gegründete Power Metal Band wird am 27. September ihr bereits achtes Album „KillHammer“ veröffentlichen und kann im Oktober auf ihrer Tour bewundert werden.
Aber auch für andere Bands der Metal-Sphäre ist bzw. war Markus Pohl tätig, beispielsweise für Symphorce, deren Mitglieder auf etliche Alben und viele gespielte Konzerte zurückblicken konnten, als sie sich 2011 auflösten. Außerdem rief Markus mit dem damaligen Symphorce-Schlagzeuger 2007 die Thrash-/Deathmetal-Band Watch Me Bleed ins Leben, die mittlerweile zwei Vocalisten besitzt und bereits zwei Alben – „Souldrinker“ (2009) und „Kingdom“ (2012) – vorweisen kann.
Damit ist Markus‘ musikalisches Tätigkeitsfeld aber noch nicht erschöpft, denn auch bei der Band Souldrinker, die sich aus Mitgliedern der zuvor genannten Band und einer für den Gesang verantwortlichen Frau zusammensetzt, schlägt der Musiker in die Saiten. Hier stehen ebenfalls Livetermine im Herbst an (siehe unten).

Dass sich ein musikalisch so vielbeschäftigter Mensch für meine Serie „Gitarre des Monats“ nur unter größten Schwierigkeiten auf eine Gitarre festlegen kann, hätte man sich ja denken können. So lieferte mir Markus Pohl gleich eine Art Best Of mehrerer Gitarren, mit denen er es bisher zu tun hatte, wobei ihm drei ganz besonders am Herzen liegen.

Markus Pohl über seine Gitarren

Die Wege eines Gitarristen sind unergründlich, seine Gitarrenwahl erst recht. Der Zusammenhang meines ersten Metalsongs (Ozzy Osbourne – „Miracle Man“), dessen unbändig mächtiger Gitarrensound und der als Teenager auf meinem Taschenrechner abgebildeten Les Paul war für mich nicht zu erkennen, die Sucht nach Musik und Gitarren aber sehr wohl.
So kam es, dass ich mit einer KillFuckDie-Yamaha anfing, worauf eine Ibanez (Joe Satriani Modell) folgte. Aber vom Sound her war das alles weit weg von dem, was ich haben wollte… von der Optik war‘s in Ordnung. Les Pauls waren mir zu bieder, altbacken, sah nicht nach Metal aus. Man war jung und ahnungslos.

Die „goldene“ Les Paul

Eines Tages lief ich in einen Gitarrenladen, um mal wieder Kleinteile wie Saiten und Pleks zu kaufen. Da war sie: Les Paul Standard plus, dreigeteilte Decke, goldene Hardware… keine Ahnung, warum, aber ich kaufte das Teil. Sound konnte ich damals eh nicht beurteilen, aber sah gut aus. Ich glaube, es war einfach die goldene Hardware in Verbindung mit der Decke. Das war neu, das hatte ich noch nie gesehen. Damals gab es kein Internet, die Musikmesse kannte ich nur von Erzählungen…

Damit begann alles. Im Vergleich zu der Ibanez klang diese Gitarre, als würde eine Gerölllawine einen Abhang runterstürzen. Die Ibanez war Geschichte. Ich hab sie seitdem nur noch zweimal verwendet, und das nur, weil sie die einzige Gitarre mit Tremolosystem ist.
Die „Goldene“ musste jahrelang für alles herhalten. Die ersten Demos mit meiner Schulband, die ersten Aufnahmen in Hamburg, die ersten kleinen Shows vor dem Freundeskreis wurden von ihr klaglos bestritten. Das Ganze weitete sich dann aus, als ich bei Symphorce einstieg. Hier wurde mit 7-Saitern gearbeitet und ich schaute jedesmal wehmütig auf meine Gibson, wenn ich zur LTD greifen musste.
Dennoch: Im Studio wurden alle Soli mit ihr eingespielt. Bis heute ist sie im Studio erste Wahl, wenn es um Single Note Riffs und Soli geht. Darin ist sie unschlagbar, sie schreit, heult und faucht, dass es eine Freude ist.
Bei Mystic Prophecy bekam sie dann wieder entsprechenden Liveeinsatz, die sogenannte artgerechte Haltung. Auf der Tour mit Stratovarius (siehe Bild) wurde sie sogar jeden Abend auf die Bühne gezerrt.
Bei diversen Shows nach einem Bikeunfall (Tossy III als Folge) konnte ich 8 Wochen nur mit einem umgebauten Gitarrenständer spielen, ein Gurt um die Schulter war undenkbar. Unter anderem eine Show in Schweden vor Sabaton oder auch auf dem Metalcamp, von der man sogar auf YouTube noch sehen kann, wie es für mich ist, an einer Stelle stehen zu bleiben während einer Show. Da rückte sie wieder ins Rampenlicht, weil der Ständer die eine oder andere Macke verursachte und diese Gitarre aufgrund ihres Vorlebens genug Kratzer aufzuweisen hatte.
Leider sind jetzt die Bünde durch und man müsste sie neu bundieren…  ich nutze sie nur noch im Studio für bestimmte Dinge oder eben Soli, da sie klanglich unerreicht ist in diesem Bereich.

Die „rote“ Les Paul

Ich weiß gar nicht genau, wann. Aber geschätzte 6 Jahre nach dem Kauf der „goldenen“ war klar, dass ich auch als Ersatz eine zweite Gitarre benötige. Das Ohr war geschult(er), ich wusste, was ich wollte. Und es kam, wie es kommen musste: Nichts zu machen. Keine, nicht eine einzige Gitarre klang annähernd wie meine „goldene“. Ich suchte zwei Jahre lang ergebnislos, war in jedem Laden, den ich finden konnte. Ich gab auf, es war aussichtslos.
Doch dann rief mich ein (anderer) Stuttgarter Laden an, Gibson hätten eine Aktion „Gitarre des Monats“, bei der sie jeden Monat eine Gitarre zu günstigen Konditionen anbieten. Dieses Mal sei es eine Gibson Standard in Weinrot. Man würde die bestellen und ich solle vorbeikommen und testen.
Ich schlappte in den Laden, sah die weinrote Gitarre mit der silbernen Hardware und war erstmal nicht so angetan. Das Ding war kein Metal… doch am Amp hatte ich nen V8 Muscle Car aus den 70ern. Sie grollte, drückte und schob wie ein Flugzeugträger (und hat wohl auch ein ähnliches Gewicht). Für Rhythmsounds bis heute ungeschlagen. ALLE Mystic Prophecy-Alben sind damit eingespielt, zumindest die Rhythmspuren. Auch Souldrinker, Symphorce und Watch Me Bleed meisterte sie hervorragend.
Live ist sie ständig im Einsatz, sie ist immer dabei. Und wenn ich sie nur als Spare dabei habe, aber wenn ich das Haus für eine Show verlasse, dann nehme ich sie mit. Wenn gar nichts mehr geht, die (manchmal vorgegebenen) Amps, Cabs oder einfach der Bühnensound unterirdisch ist, lässt sich das ein wenig besser machen durch diese Gitarre.

Die „SGV“ Bulls Eye

Nach fast 20 Jahren Gibson Les Paul und weniger, dafür längeren Proben musste ich irgendwann die Segel streichen. 5 kg Gitarre über 6 Stunden an der Schulter hängen zu haben, geht einfach nicht. Ich machte mich auf die Suche nach etwas Leichterem, um wenigstens lange proben zu können.
Mir wollte einfach nichts gefallen. Entweder war der Klang nichts oder die Gitarre. Wenn ich ehrlich bin: Fast immer beides. Unendlich schwer war die Entscheidung, aber ich musste was tun.
Und dann sah ich die SGV Bulls Eye in einem Frankfurter Laden. Limitiert auf nicht ganz 50 Stück weltweit. Wohl unfreiwillig, weil Dean das Splittaildesign gehörte und auf ihr Recht pochten. Ein Verkaufsstopp war offensichtlich die Folge.
Wir spielten zwei Wochen später mit Mystic Prophecy in Frankfurt, also machte ich einen Termin im eben erwähnten Laden aus. Der Besitzer war so freundlich, mir auch nach der Geschäftszeit (nach Soundcheck) noch Zutritt zu ermöglichen. Ich merkte sofort: Die spielt sich von alleine: War ich doch die störrischen Les Pauls gewohnt. Die EMGs waren gewöhnungsbedürftig (in der Zwischenzeit sind die 81er alle rausgeflogen und wurden gegen andere EMGs ausgetauscht. Jetzt klingt das schon ganz anders!), aber die Qualität der Gitarre, ihre Bespielbarkeit war eine wahre Freude. Das Ding wurde sofort mitgenommen.
Natürlich kann man eigentlich mit diesem Design (Lackierung) nicht auf die Bühne. Daher hab ich mir auf der Tour mit Stratovarius die gleiche Gitarre mit Buzzsawlackierung zugelegt, welche ich auch live einsetze.
Eine Ausnahme gab es dennoch. Aufgrund gesundheitlicher Begebenheiten hatte ich die Ehre, sehr kurzfristig Matthew Greywolf bei Powerwolf ersetzen zu dürfen. Eine Gitarre mit „Zacken“ war Vorgabe. Da aber die Farbe Orange bei Powerwolf so passend ist wie eine Metallerkutte bei einem Vorstandstreffen der Deutschen Bank musste ich doch zur Bulls Eye greifen. Ganz wohl war mir dabei nicht, denn außer dass das Design nunmal eindeutig zu einem bekannten Gitarristen gehört, hatte das gepflegte Stück bis dahin nur ein paar kleine Spielspuren. Ich muss wohl nicht sagen, dass sie nach der Show die üblichen Macken hatte. Letztendlich sind bei mir aber alle Gitarren zum Spielen da und nicht zum Sammeln.

Zu allen Gitarren

Es gibt ein paar Dinge, auf die ich explizit achte bei Gitarren:

  1. Wie fühlt sich die Gitarre an. Der erste Fühleindruck sagt mir sofort, ob sie sich „billig“ anfühlt oder hochwertig. Ich kann das nicht genauer beschreiben. Aber eine Gitarre muss sich für mich nach „zu Hause“ anfühlen.
  2. Klang. Da müssen genug Bässe da sein, die dich wegschieben wie ein Güterzug. Die Mitten müssen klingen, als würde dir ein Löwe direkt ins Ohr brüllen. Und die Höhen müssen präsent sein, ohne zu klirren. Das Ganze muss dennoch auch am Highgainamp immer noch so durchsichtig bleiben, dass man die Chords auch hören kann. Ich verwende nunmal sehr oft keine Powerchords. Und ich will, dass man das auch hört. Denn auch das macht meinen Stil aus.
  3. Verhalten in Worst Case Situationen: Eine Gitarre darf unter gar keinen Umständen live Probleme machen. Ungewolltes Feedbackpfeifen ist absolutes No Go. Auch auf Bühnen mit außerordentlich schlechten Monitoren oder Guitar Cabs from hell, bei hohen Lautstärken und fremden Amps muss die Gitarre Feedback vermeiden. Ich hab da schon viele Gitarristen gesehen, die mit Geräuschen kämpfen. Aber beim Metal sind Pausen = Stille.

Letztendlich haben die Gibson Les Pauls aber auch Nachteile. Man muss sich den Sound hart erarbeiten. Eine Les Paul schenkt einem gar nichts. Verglichen zu meinen Gibson SGVs spielen sich die Les Pauls wie eine E-Klasse zu einem 40 Tonner. Jeden Ton muss man aus diesem Felsblock von Gitarre rausschnitzen. Aber der Klang einer guten Gibson Les Paul ist nunmal einzigartig…

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Eine dieser Gitarren wird Markus sicherlich bei den Konzerten im Herbst dabeihaben. Folgende Möglichkeiten, ihn auf der Bühne zu bestaunen, sind derzeit bekannt:

Konzerte von Mystic Prophecy

Konzerte von Souldrinker
14.09.13 Reichenbach a. d. Fils (Die Halle)
15.11.13 Sissach (KultiK) – Schweiz
16.11.13 Lenzburg (Met Bar) – Schweiz
17.11.13 Wörgl (Komma) – Österreich (als Support für Powerwolf)

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