Unchained, Furious Anger, Slaughterra und Resistance of Yield im Fillmore in Birkenfeld (24.08.13)

Hurra, endlich! Ich brauche nur nach rechts auf den Tisch zu schielen, da liegt sie, die CD, auf die ich so lange gewartet habe. Genauer gesagt liegt da die Hülle, denn der Silberling selbst dreht seit einigen Stunden seine Runden in meinem CD-Player. Sein Titel lautet „Collision“ und es handelt sich dabei um das zweite Album der saarländischen Metalband Unchained, dessen Produktion von der Wacken Foundation gefördert wurde. Im März spielten die vier jungen Männer im Studio Greywolf die zehn neuen Songs ein und am 24. August war es dann soweit: „Collision“ wurde der Allgemeinheit zugänglich gemacht – und flasht hoffentlich noch viele andere, die auf Musik der etwas härteren Gangart stehen, genauso wie mich.

Collision

Coverartwork von Twenty-Dirt / Mark Kraemer

Zum Albumrelease gab es auch Livemusik von Unchained; zusammen mit Furious Anger, Slaughterra und Resistance Of Yield wurde den Anwesenden im Fillmore in Birkenfeld kräftig eingeheizt. „The Unleashed Hate Tour“ nennt sich die Mini-Tour  dieser Bands, die jeweils einmal in der Region, aus der eine der Bands stammt, auf der Bühne stehen werden. In ihrer Heimat ist die betreffende Band dann der Headliner und hat eine etwas längere Spielzeit als die anderen Musikgruppen. Beim Tourstart in Birkenfeld waren nur vier Bands vor Ort, bei den noch verbleibenden vier Terminen werden insgesamt fünf (in Kassel sogar sechs) Bands zu bewundern sein: in Frankfurt zusätzlich Inquisitörs und an den drei anderen Orten Stagewar und in Kassel stoßen außerdem noch Mindflay dazu. Ob es da jedesmal so rund geht wie bei der Auftaktveranstaltung? Der Abend war nämlich ziemlich ereignisreich! Dass einer der Musiker sich schon vorm Konzert die Klamotten vom Leib reißt – und zwar komplett, mal abgesehen von Schuhen und Strümpfen –, passiert ja nicht gerade jeden Tag. Auch die Platzwunde, die sich ein anderer Musiker während seiner Performance am Kopf zuzog, rangiert wohl eher unter „außergewöhnliches Ereignis“. Aber der Reihe nach!

Unchained eröffneten gegen 21 Uhr das Live-Programm in der kleinen Kneipe. Mit „Signs of doom“ knallten die vier dem Publikum gleich ein richtiges Brett aus harten Drumparts aus dem Hause Rizzuto und mit Gitarrenmelodien, die Matt Tuck nicht schöner spielen könnte, um die Ohren. Beim Gesang werden die klaren Vocals stellenweise von Shouts überlagert oder komplett von geschrienen Passagen abgelöst und münden in einen Refrain mit Ohrwurmqualität. Hört euch „Signs Of Doom“ mal bei YouTube an, im Video könnt ihr die vier Musiker auch sehen, falls ihr Tobias Engel, Dmitro Fedoruk, Pietro Rizzuto und Philipp Schulz noch nicht kennt, und den Text gibt’s noch obendrauf!

An diesem Abend hatte übrigens nicht nur Sänger und Gitarrist Tobias ein Mikro, er bekam an manchen Stellen stimmliche Unterstützung durch Dmitro, der bei Unchained bislang immer nur auf seiner Gibson-Gitarre gespielt hatte.

Weiter ging’s mit „On the floor“, ebenfalls ein Lied des neuen Albums, das aber bereits mehrmals live gespielt wurde. Ich kann jetzt schlecht zu jedem Lied einen halben Roman verfassen, daher an dieser Stelle nur so viel, dass es wie immer wahnsinnig Spaß gemacht hat, Unchained beim Musizieren zuzuschauen, denn die vier wirken stets so, als ob es ihnen selbst riesiges Vergnügen bereitet, dem Publikum ihre Songs darzubieten. Und musikalisch ist das Ganze immer einwandfrei, ich habe bis jetzt noch keinen Auftritt von Unchained erlebt, der mich enttäuscht hätte.

Als drittes Lied folgte ein Klassiker, „Jealousy“ vom Debütalbum „Code of Persistence“, das ich nur jedem ans Herz legen kann. Ich hörte letztes Jahr, als ich das Album in die Finger bekommen hatte, wochenlang nichts anderes und hatte auch gar kein Interesse an anderer Musik und das soll was heißen!

Nach dem recht flotten „Jealousy“, dessen Liveversion meiner Ansicht nach von Dmitros Zusatzvocals profitiert, wurde für „Deconstruction“ das Tempo zunächst ein wenig gezügelt. Dieses Lied habe ich ebenfalls schon live gehört, beim Konzert im KiTu beispielsweise oder auch beim GaS goes Rock, und die Studioversion fetzt in gleichem Maße und geht auf dem Album mit zarten Gitarrenklängen nahtlos über in „Reconstruction“, das quasi das Happy End von „Desconstruction“ darstellt, allerdings in Birkenfeld nicht gespielt wurde. Die Zeit war wohl einfach zu knapp (Schade, schade, schade!), sodass Tobi & Co. statt etwas Versöhnlichem lieber noch das vom Text her ähnlich düstere „Breathe for me“ hervorzauberten – ebenfalls einer meiner Favoriten und bereits von diversen Liveshows und in der Demoversion bekannt. Die Albumversion wurde noch einmal neu eingespielt und hier und da ein wenig abgeändert und wenn ich’s mir recht überlege, fürchte ich fast schon, dass das bei mir mit „Collision“ so ähnlich laufen wird wie bei „Code of persistence“…

Von diesem Album Nr. 1 stammt das Lied, mit dem Unchained ihren Auftritt abschlossen, „Inside my cage“, und während ich es bedauerte, dass danach Unchained-mäßig alles schon vorbei sein würde, schmiedete ich in Gedanken schon Pläne, auch das Konzert in Kassel nächste Woche zu besuchen. Da ich freitags in Frankfurt bin (Konzert halt), könnte ich ja grad dort bleiben, denn von Frankfurt aus ist’s nicht mehr weit bis Kassel, aber aufgrund blöder Terminüberschneidungen und fehlender Alternativen muss ich den Kassel-Part, den ich mir so schön ausgemalt hatte, doch wieder ad acta legen. Mist! Aber wenn ich mir die bisher bestätigten Konzerte so anschaue, bin ich mir sicher, dass ich in nächster Zeit noch ein paarmal in den Genuss von Unchained live kommen werde!

30.08.13 Mainz (Caveau)
31.08.13 Kassel (Kulturzentrum K19) – The Unleashed Hate Tour
07.09.13 Saarbrücken (Devils Place) – The Unleashed Hate Tour
14.09.13 Trier (Exhaus) – Chili Con Core Festival
21.09.13 Frankfurt (Juz Alt Anspach) – The Unleashed Hate Tour
27.09.13 St. Ingbert (Juz)
28.09.13 Landau (Musikclub Colosseum) – The Unleashed Hate Tour

Ach ja… Fotos! Sonst hab ich ja immer ein paar, die man den Lesern anbieten kann, aber die Lichtverhältnisse beim Konzert waren nix für meine Kamera, sodass ich das Fotografieren irgendwann ganz eingestellt habe. Seht euch die kläglichen Ergebnisse selbst an:

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Vielleicht sollte ich jetzt mal auf den Herrn im Adamskostüm eingehen, den ich eingangs erwähnt habe… Er ist einer der Gitarristen von Resistance Of Yield und nach dem, was ich während der Entkleidungsaktion so aufgeschnappt habe, kommt es wohl häufiger vor, dass der Kerl die Hüllen fallen lässt. Ganz schön mutig, nur in Schuhen und Strümpfen einen kleinen Spaziergang durch Birkenfeld-City zu unternehmen – und fast alle bis dahin Anwesenden flatschten in ungläubigem Erstaunen hinterher! Ich war gespannt, wie lange der junge Mann das durchhält, und kann jetzt schon sagen, dass ich ihn nicht eine Sekunde lang in Kleidung gesehen habe. Nackig saß er auf dem Barhocker im Fillmore, nackig stand er im Publikum, um sich die Bands anzuschauen, nackig holte er sich Getränkenachschub an der Theke… Das war definitiv mal etwas ganz Anderes!

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Bevor seine Band an der Reihe war, durften erst einmal Furious Anger aus Kassel weitermachen. Die 2008 gegründete Band ordnet sich selbst in die Schublade „Melodic Death Metal” ein und als Vocalist Florian Wolf mit dem gesprochenen Intro, den Rücken zum Publikum, loslegte, dachte ich mir angesichts seiner schaurig-schönen tiefen Stimme, dass ich mir den Herrn gelegentlich ganz gerne mal ausleihen würde, wenn’s darum geht, ungezogenen kleinen Kindern ein wenig Benehmen und Respekt beizubringen.

Sofort nach dem Intro startete zu den tiefen Growls und entsprechender Musik das Headbangen, die langen Haare der Musiker flogen nur so im Kreis und etliche der Zuschauer beugten ihre Oberkörper ebenfalls nach vorne und ließen ihre Mähnen rotieren. Mein Ding ist das ja nicht, ich hab eh schon genug Probleme mit meinem Nacken und bewege mich lieber etwas zurückhaltender und schaue mir stattdessen die Musiker und deren Instrumente an. In dem Fall war das aber etwas schwierig, da ich zu der Zeit völlig untypischerweise ganz hinten stand und es ein Ding der Unmöglichkeit war, an den vielen Leuten im kleinen Saal vorbeizukommen oder über sie hinwegzuschauen. Für mich gab es daher vom Bühnengeschehen nur Ausschnitte zu sehen. Deshalb weiß ich auch nicht so genau, was den Sänger Florian Wolf letztendlich für kurze Zeit ausgeknockt hatte. Ich glaube, es gab da einen Zusammenstoß zwischen seinem Kopf und Jan-N. Ernsts Dean-Gitarre aus der Dimebag-Serie (Razorback DB Floyd?), deren Kopf gleich zwei spitz zulaufende Enden hat. Auf jeden Fall stand der Vocalist irgendwann nicht mehr inmitten, sondern am Rand der Bühne, presste sich mit schmerzverzerrtem Gesicht die Hand an den Schädel und hatte deutlich weniger Power als zuvor. Nachdem das Lied zu Ende performt war, verschwand der Musiker mit einem Bandkollegen kurz um die Ecke und ich hatte den Eindruck, dass nicht mal alle anderen Furious Anger-Mitglieder mitbekommen hatten, was überhaupt los war. Nach kurzer Zeit kehrte der Mann mit den langen blonden Haaren aus dem Nebenraum zurück, meinte lapidar, er hätte zwar eine Platzwunde, aber das Set würde trotzdem zu Ende gespielt und so war es dann auch. Das Headbangen wurde von ihm natürlich komplett eingestellt, stattdessen mit der freien Hand ein Stofftuch ans Haupt gepresst und weitergegrowlt. Hut ab! Ich hoffe, dass die Wunde nicht allzu heftig und das Dröhnen im Kopf einigermaßen erträglich ist, und wünsche gute Genesung!

DSCF5949Ats

Welche Lieder im Einzelnen gespielt wurden, weiß ich leider nicht und irgendwie habe ich es versäumt, nach der Setlist zu fragen, zumal die Band kurze Zeit nach dem Auftritt Richtung Heimat aufgebrochen war, aber ich schätze, dass die drei Songs, von denen es auf der Homepage der Band Hörproben gibt, dabeigewesen sind. „Das Land der Väter“ stand definitiv auf dem Spielplan, Florian Wolf singt aber nicht nur auf Deutsch, denn andere Lieder haben englische Texte, die sich vorwiegend mit Themen aus der nordischen / germanischen Mythologie beschäftigen.

Da man meine Fotos in die Tonne treten kann, könnte man sich, um einen optischen Eindruck von der Band zu bekommen, stattdessen die Bilder anschauen, die Dany Adelfinger beim RockHarz aufgenommen hat: *klick* Dort spielten die jungen Männer aus Kassel, weil sie den Devil’s Wall Trophy Newcomer-Wettbewerb gewonnen hatten.

Es war schon recht warm, als wir das Fillmore betreten hatten, und die Temperaturen stiegen quasi minütlich, sodass irgendwann sogar die Fensterscheiben beschlagen waren. Ein Öffnen der Fenster, um ein wenig kühle Luft hereinzulassen, war aus Rücksichtnahme auf die Nachbarn nicht möglich. Für den Mann ohne Klamotten, der sich mal hier, mal da blicken ließ, war das natürlich positiv, aber ein paar der Besucher fingen irgendwann an, über die Hitze zu jammern.

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Nachdem die Kasseler das Feld geräumt hatten, war die Zeit für Slaughterra aus der Nähe von Landau gekommen. Die paar Songs, die man auf der Facebook-Seite der Band anhören kann, haben mir gleich zugesagt, sodass ich sehr gespannt war auf den Auftritt der jungen Herren aus der Pfalz, den ich mir aus der Nähe angeschaut habe. Es war inzwischen ziemlich viel Betrieb im Fillmore und ich hatte den Eindruck, dass die fünf langhaarigen Männer mit ihrem „Krach“ bei den Zuschauern gut ankamen. Clean Vocals haben Slaughterra nicht im Angebot, stattdessen kopfnickfreundliche, sehr drumlastige Gitarrenrhythmen mit tiefen Growls, geliefert von Julian, dem Mann am Mikro. Mir gefiel’s, auch wenn ich mir diese Art der Musik nicht immer anhören kann, und ich finde es positiv, dass die fünf passend zu ihrer Musik ständig in action waren und auch einige Posen draufhaben, beispielsweise dass sich Gitarrist Timo ab und zu direkt vor den Gitarristen Manu stellte oder Simon seinen Bass auch mal in die Höhe reckte. Viel mehr kann man in der engen Bude ja fast nicht tun. Schlagzeuger Chris löste das Problem der stark angestiegenen Temperaturen übrigens sehr kreativ, indem er sich mit freiem Oberkörper hinter die Drums klemmte – das hatte außerdem den Vorteil, dass man seine Tattoos und das Brustwarzenpiercing viel besser sieht.

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Der Auftritt von Slaughterra sollte eigentlich länger dauern, aber da die Polizei bei einem Kurzbesuch den Wirt dazu verdonnert hatte, der Livemusik um Mitternacht den Hahn abzudrehen, mussten einige Lieder aus der Setlist gestrichen werden.

Slaughterra werden bei den bereits erwähnten vier Konzerten der Unleashed Hate Tour natürlich auch dabei sein. Darüber hinaus spielen die fünf folgende Gigs:
06.09.13 beim Scuzzlebutt-Festival bei Bad Bergzabern
26.10.13 Break The Silence 4, Annweiler (zusammen mit Carnivorous Society und Chamber Of Malice).
16.11.13 Break The Silence 5, Ettlingenweier (zusammen mit Zerogod, Nekkromaniac und The Italian Way)

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Bei der letzten Band Resistance Of Yield aus der Nähe von Neunkirchen (Wieso spielten die fünf eigentlich in Birkenfeld und nicht irgendwo im Raum NK?) hatte dann der Mann, der nach wie vor nur Socken und Schuhe trug, seinen Auftritt. Ich weiß nicht, ob es wegen ihm so voll vor der Bühne war oder weil die Band so gut ist. Vielleicht geht man in Birkenfeld auch erst zu späterer Stunde aus dem Haus. Ich konnte jedenfalls nichts sehen. Null. Aber was ich hören konnte, gefiel mir ganz gut und den meisten anderen Zuschauern nach ihren Körperbewegungen zu urteilen auch. Wer die Band nicht kennt, kann sich auf ihrer Facebook-Seite vier Songs anhören. Ich weiß nicht, ob alle vier auch im Fillmore gespielt wurden. „The truth is just another lie“ war aber auf jeden Fall dabei.

Einem hochgewachsenen Mann aus dem Publikum sagte die Deathmetal-Musik offenbar so gut zu, dass er eine kurze Pogo-Einlage startete, woraufhin die junge Frau, die brachial von ihm zur Seite geschubst wurde, ihm den Mittelfinger zeigte und Vocalist Sascha ein paar rügende Worte an ihn richtete und somit allem rücksichtslosen Herumgehopse ein Ende bereitete. Das fand ich gut, denn es macht keinen Spaß, ein Konzert anzuschauen, wenn man ständig das Publikum um sich herum im Auge behalten und fürchten muss, dass man niedergepogt wird.

Gegen 0:15 Uhr traten meine Freundin und ich den Heimweg an, obwohl die Band noch nicht fertig war. Da wir aber eine ganze Weile fahren mussten und am nächsten Tag Programm hatten, war es Zeit zu gehen, zumal wir Resistance Of Yield garantiert noch ein paarmal bei der „Unleashed Hate Tour“ sehen werden.

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