Rage Of Samedi und terraformer in Zweibrücken (15.08.13)

Über Rage Of Samedi habe ich neulich schon berichtet und ich habe auch schon mehrfach erwähnt, dass ich eine Band, wenn sie mir gefällt, ganz gerne mehr als nur einmal live sehe. Insofern war es nur konsequent, dass ich an diesem Donnerstagabend nach Zweibrücken gedüst war, um mir im sogenannten Erdgeschoss des Gasthauses Sutter Rage of Samedi beim Konzert zusammen mit terraformer und Opium Lord  anzuschauen. Hätte ich gewusst, dass die Sause erst gegen 21 Uhr beginnt, hätte ich mir sicherlich ein etwas längeres Mittagsschläfchen gegönnt, anstatt viel zu früh in Rheinland-Pfalz einzutreffen und den diversen Bands im Biergarten der urigen Kneipe beim Pizzafuttern zuzuschauen.

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Immerhin war Rage Of Samedi die erste Band, die den gemütlichen Konzertsaal zum Beben brachte. Man beachte das (neue?) Banner mit Bandname, Logo und Webadresse! Zum Einstieg lieferten Gitarrist Sam D. Durango, Bassist Paul McKay und Schlagzeuger Ian O‘Field eine Art Intro, recht leise gespielt, das laut Sänger Lou Cifer so lange andauern soll, bis 60 zahlende Gäste vor Ort sind. Ich hätte es den Bands gegönnt! Letztendlich gaben sich die Musiker mit den herrlichen Namen dann aber doch mit ein paar Leuten weniger zufrieden, auch wenn sich mehr Leute angekündigt hatten als anwesend waren, und nach ein paar kräftigen Basstönen, verzerrt in allerschönster Wahwah-Manier, startete das Lied „Cheating“. Ich glaube, es wurden dieselben sieben Songs gespielt wie neulich im Vorprogramm mit Karma To Burn, auf der Setlist sieht das Ganze folgendermaßen aus:

Setlist

Mir gefallen die düsteren Lieder in gemächlichem Tempo richtig gut und ich finde es daher ein bisschen schade, dass in der nächsten Zeit kein Konzert mehr ansteht, denn die vier Musiker verziehen sich jetzt erst einmal ins Studio. Zum Glück kann man sich „The Lord“, „The Deal“ und „Buried“ nach wie vor auf Soundcloud anhören bzw. zwei der drei Songs auch in Videoversion bei YouTube anklicken. In letzterem Fall ist vielleicht ein wenig Vorsicht geboten, wenn einen Bilder aus irgendwelchen Horrorfilmchen nicht so ganz kalt lassen…

Lou Cifer zeigte wieder, dass er sowohl grölen kann als auch den klaren Gesang beherrscht, und er unterhielt die Zuschauer zwischen den Songs nett in Pälzer Platt, zum Beispiel als Gitarrist Sam D. Durango, der bei manchen Songs auch ein paar der Vocals beisteuert, mal eben seine Gibson stimmen musste und um Nachschub für den körpereigenen Flüssigkeitshaushalt in Form von Gerstensaft bat.

Nach einer halben Stunde war der Spaß schon wieder vorbei und ich glaube, die Rufe nach einer Zugabe waren durchaus ernst gemeint. Ich hätte nichts dagegen einzuwenden gehabt, noch ein Lied zu hören, auch wenn’s eines gewesen wäre, was vorher schon gespielt worden war.

Für alle Bilder gilt wie immer: Draufklicken zum Vergrößern!

Während die vier Herren von Rage of Samedi ihr Equipment von der Bühne räumten und große Teile des Publikums zur Bar oder an die frische Luft strömten, rollte einer der beiden Belgier von terraformer zwei Teppiche mitten im Zuschauerraum aus und baute dort nach und nach Teile eines Schlagzeugs auf. „Die werden doch nicht etwa VOR der Bühne statt AUF der Bühne spielen wollen?“, wunderte ich mich noch, als der Bandkollege mehrere Pedalboards herbeitrug und diese vors Schlagzeug stellte. In dem Moment fielen mir auch die Verstärker auf, die eine Reihe bildeten, wo ein paar Minuten zuvor noch Leute den Auftritt von Rage Of Samedi verfolgt hatten. Offenbar ist der Bandname für die beiden bärtigen Herren mehr als eine gut klingende Lautfolge, denn so wie ein Terraformer Teile der Erde oder gar einen anderen Planeten mit technischen Mitteln so umgestaltet, dass dort Lebensraum für Menschen entsteht, schufen die beiden sich im Zuschauerraum ein eigenes Aktionsfeld. Damit war das Terraforming der beiden Musiker aber noch nicht abgeschlossen.

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Die bunten an die Steinwand geworfenen Lichter und die dezent platzierte indirekte Beleuchtung im Saale, die meiner Ansicht nach eine angenehme Atmosphäre erzeugten, mussten auf Wunsch der Musiker komplett ausgeschaltet werden. Damit das Duo nicht die ganze Zeit im Stockdunklen performt, schaltete der Gitarrist per Fußschalter abwechselnd ein paar vor dem Schlagzeug aufgestellte Baustellenlampen oder die vor den Verstärkern an der Seite auf dem Boden stehenden rechteckigen Lampen ein.

Je nachdem, wo man als Zuschauer seinen Platz hatte, sah man also die beiden Bandmitglieder von der Seite oder nur einen der Musiker von vorne – in meinem Fall den Schlagzeuger –, wenn man außer den Lämpchen am Pedalboard überhaupt etwas sah, denn wie gesagt: Es wurde auch ganz im Dunklen musiziert. Beweisfoto:

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Ein bisschen mehr Licht, so wie beim Soundcheck, wäre meiner Meinung nach nicht verkehrt gewesen.

Das war also mein erstes Konzert, bei dem ich den Gitarristen und seine Gibson nicht von vorne zu sehen bekam. Aber er war ja nicht zu überhören, teilweise quollen recht experimentell anmutende walls of sound aus den Amps. Ich hatte manchmal die Assoziation von dicken, mehrschichtigen Soundvorhängen – Vorhängen, die ein wenig schräg und zerfetzt vorm Fenster baumeln –, denn bei manchen Liedern wurde das Gitarrenspiel nicht nur durch diverse Verstärker gejagt, sondern es wurden vor Ort erzeugte Melodien aufgezeichnet und in Endlosschleife abgespielt, während zeitgleich auf der Gitarre neue Klangfolgen gebildet wurden. Stellenweise fand ich das Ganze arg anstrengend, es war für meine Ohren einfach too much, nur noch ein Soundpürree – aber eines auf hohem Niveau, nicht bloß irgendwelches Geschrammel. Das erkannten auch die anwesenden Zuschauer und dankten es den beiden Musikern mit kräftigem Applaus, wenn einmal Stille einkehrte.

Mein Mediaplayer steckt die sechs Lieder umfassende EP aus dem Jahr 2010 in die Schublade „Math Rock“, und ich finde, dass der Instrumentalrock der beiden Belgier mit den vielen Rhythmuswechseln und den eigenwilligen komplexen Sounds ganz gut in diese Kategorie passt. Die Songpassagen, die etwas klarer strukturiert sind und bei denen man tatsächlich im Takt mitwippen kann, sind mir trotz aller Virtuosität, die hinter dem Wandteppich of Sound steckt, die sympathischsten.
Wie ungewöhnlich das Duo ist, wird übrigens auch daran deutlich, dass besagte EP kürzlich in drei unterschiedlichen Versionen als Kassette (!) erneut veröffentlicht wurde – da freut sich das Oldschool-Herz, das auch schon jauchzt angesichts der Tatsache, dass das aktuelle Album „The sea shaper“ als farbige Schallplatte existiert.

Nach etwa 35 Minuten war das Set der Belgier zu Ende und da es schon nach 22.30 Uhr war und der Wecker am nächsten Morgen ganz früh rappelte, verzichteten wir schweren Herzens auf die dritte Band, Opium Lord aus Birmingham. Von den fünf Briten kann man sich immerhin zwei Songs auf ihrer Bandcamp-Seite anhören.

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2 Antworten zu Rage Of Samedi und terraformer in Zweibrücken (15.08.13)

  1. Barfight Lemmy schreibt:

    Schöner Bericht! Den Bilder nach zu urteilen, hast du wohl in der rechten Ecke gestanden und ich bin mit meinem analogen Höllengerät ständig um dich herum getanzt. Das nächste Mal gibt’s ein Hallo :D.

    • luuuzie schreibt:

      Danke! Vielleicht schaff ich’s beim nächsten Mal ja, meine Schüchternheit abzulegen und mit dir und den anderen zu reden. Ich hab heute schonmal geschimpft bekommen, weil ich mich nicht zu erkennen gegeben habe. 😀
      Dein Höllengerät macht wahrscheinlich bessere Fotos als meine Digicam!

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