Editors in Frankfurt (08.08.13)

Das Verkehrsmuseum in Frankfurt-Schwanheim ist eine Ausstellungshalle für alte Dampfloks, ausrangierte Straßenbahnwaggons, Omnibusse und dergleichen. Wenn in solch einer höchst ungewöhnlichen Location eine so großartige und inzwischen sehr bekannte Band wie die Editors ein Konzert gibt für wenige hundert Leute, muss da irgendwo ein Haken dran sein, und so war es auch, denn die Tickets für dieses Konzert im kleinen Rahmen gab es nur zu gewinnen. Telekom Street Gigs nennt sich die Veranstaltungsreihe, die es wenigen Auserlesenen ermöglicht, bei solchen Shows dabeizusein. Angesichts der vermutlich riesigen Nachfrage und der wenigen zur Verfügung stehenden Tickets war es mir fast schon klar, dass ich eher nicht gewinne. Allerdings gehörte eine liebe Bekannte zu den Glückspilzen, die ein Ticket für sich und eine Begleitperson abstauben konnten, und ebendiese nette Person entschied sich dafür, mich zu den Editors mitzunehmen. Wer mich persönlich kennt, kann sich meine Reaktion darauf wahrscheinlich in allen Farben ausmalen und ich möchte mich noch einmal ganz herzlich bedanken!

Passs

Das neue Album der Editors „The weight of your love“ hat mich nämlich vom ersten Hören an geflasht, auch wenn einige Musikjournalisten mit den neuen Songs der Editors nicht so zufrieden sind, und die anderen Alben der Band, die ihre Wurzeln in der Nähe von Birmingham hat, mochte ich jedesmal ebenfalls auf Anhieb. Kurz: Ich konnte es kaum erwarten, die fünf Musiker fast hautnah zu erleben, zumal mein letztes Editors-Konzert bereits drei Jahre zurückliegt.

Beim Einlass bekam jeder einen schicken Pass mit Editors-Foto und Sponsorenwerbung um den Hals gehängt; das gab einem noch einmal das Gefühl, Teil einer ganz besonderen Veranstaltung zu sein. Ebenso wie das Vorhandensein eines Moderators – Simon Gosejohann –, der die Besucher gegen 19 Uhr begrüßte und die Supportband Abby ankündigte. Selbstverständlich wurde auch ein wenig Werbung für deren Debütalbum „Friends and Enemies“ und die im Herbst anstehenden Konzerte gemacht.

Wenn ich den Namen Abby höre, denke ich in erster Linie an die Gothicbraut aus dem Kriminallabor in der US-Serie „Navy CIS“. Um die Zuschauer auf die Editors einzustimmen, erschien allerdings nicht Pauley Perrette, sondern vier junge Männer aus Berlin. Als die Band 2009 gegründet wurde, war David Lemaitre noch mit von der Partie, aber der tourt seit 2011 allein durch die Lande. Man kennt ihn als Solokünstler und ebenso die Band Abby vielleicht aus dem Vorprogramm von Get Well Soon.

Ein am (von mir aus gesehen) linken Bühnenrand liegendes Cello und drei – später sogar vier – vor dem Schlagzeug der Editors abgestellte Gitarren, davon eine schwarze Gibson ES 335 (dasselbe Modell spielt auch Tom Smith), versprachen ein unterhaltsames Musikprogramm. Genauso war es, und indem der Musiker, der später das Cello spielen würde – barfuß übrigens –, zunächst einmal eine große Blockflöte zückte, setzte er meinen Erwartungen noch eins drauf. Bloß schade, dass der Sound nicht allzu prächtig und von der Flöte ebenso wie vom Gesang des jungen Mannes dort, wo ich stand, nicht allzu viel zu hören war.

Bei vielen Liedern erinnerte mich die Musik der vier jungen Leute an die Band Evaline, aber anders als bei der Band aus Kalifornien haben die Berliner jede Menge Electro in ihrem Indie-Rock-Repertoire. Beats dieser Art wirken live dargeboten erst so richtig, wenn es auch die entsprechende Action auf der Bühne gibt, und dafür war reichlich gesorgt, beispielsweise indem der Cello und Flöte spielende Gitarrist, wenn er gerade mal keines dieser Instrumente bediente und auch nicht am Mikro gefordert war, sich Drumsticks schnappte und zusätzlich zum Schlagzeuger auf Becken & Co. eindrosch oder den Keyboarder bei seinem Tastenspiel ein wenig unterstützte. Ähnlich verfuhr der Hauptsänger, in dessen Verantwortungsbereich die weiter oben erwähnte Gibson lag, beispielsweise als er sich zum Schluss über eines der Pedalboards hermachte und an diversen Knöpfchen drehte. Das war schon interessant anzusehen und sehr mitreißend! Damit der Titel des Debütalbums präsent bleibt, war er in Form von grünem Tape auf der dem Publikum zugewandten Seite des Keyboards die ganze Zeit zu sehen. Wer sich ein wenig einhören möchte in die Musik von Abby, ist mit einem Besuch der Soundcloud-Seite der Band ganz gut bedient. Oder man schaut sich gleich eines der vielen kommenden Konzerte an:

Festival Tour
10.08.2013 Oberhausen, Olgas Rock Festival
17.08.2013 Zwickau, Stadtfest Zwickau
25.08.2013 Köln, GamesCom
30.08.2013 Plauen, Rampa Zampa Festival
07.09.2013 Prag, Smichoff Summer Festival
21.09.2013 Mainz, 3Sat Festival
Friends & Enemies Tour
27.09.2013 Hamburg, Reeperbahn Festival
28.09.2013 Ludwigshafen, Das Haus
29.09.2013 Kornwestheim, Das K
01.10.2013 Köln, Underground
02.10.2013 Saarbrücken, Garage
03.10.2013 Trier, Exhaus
04.10.2013 Bochum, Riff
05.10.2013 Hannover, Lux
06.10.2013 Braunschweig, Hansa Kultur Club
09.10.2013 Bremen, Lagerhaus
10.10.2013 Osnabrück, Kleine Freiheit
11.10.2013 Haldern, Pop Bar
12.10.2013 Münster, Sputnikhalle
14.10.2013 Frankfurt, Nachtleben
15.10.2013 Karlsruhe, Jubez
16.10.2013 Zürich (CH), Papiersaal
17.10.2013 Konstanz, Kulturladen
18.10.2013 München, Strøm
19.10.2013 Bayreuth, Kneipenfestival
20.10.2013 Wien (AT), B72
21.10.2013 Innsbruck (AT), Weekender
22.10.2013 Würzburg, Café Cairo
23.10.2013 Berlin, Bi Nuu
25.10.2013 Dresden, Scheune
26.10.2013 Nürnberg, Nürnberg Pop
27.10.2013 Erfurt, Museumskeller

In der Umbauphase hatte Simon Gosejohann einen weiteren Auftritt. Zunächst einmal wurden insgesamt drei Smartphones verlost. Das lief so ab, dass per Zufallsgenerator eine ganz bestimmte Ziffernfolge auf einem Bildschirm erschien, und die Person, deren Pass die betreffende Nummer zeigte, war der glückliche Gewinner – oder in dem Fall eher die glückliche Gewinnerin, denn das Los traf jedes Mal eine Frau, was vielleicht daran liegt, dass die Frauen nach meiner Einschätzung leicht in der Überzahl waren.

Diejengen, die nicht vor Ort sein konnten, hatten die Möglichkeit, sich den Auftritt der Editors per Livestream im Internet anzuschauen. Damit die Leute hinter den Bildschirmen den Eindruck bekommen, dass es im Verkehrsmuseum voll abgeht, wurde der Begeisterungssturm, der nach der Anmoderation erfolgen sollte, einmal geübt. Simon schien zufrieden zu sein und um Punkt 20.15 Uhr war der Moment gekommen, an dem mein Herz ein wenig schneller schlug.

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Das Lied, mit dem die Editors ihr Konzert eröffneten –„Sugar“ –, ist eines der Lieder vom neuen Album, die mir vom ersten Hören ab eine besonders dicke Gänsehaut bescherten. There’s sugar on your soul, you’re like no one I know / You’re the light from another world. Was für ein unglaublich schöner Text, das Ganze musikalisch hübsch melancholisch angerichtet! Die schwarze Gibson ES 335, die im Hintergrund auf ihren Einsatz wartete, wurde nicht angerührt, denn Toms Aufgabe bei diesem Lied ist nur das Singen, wobei sein kräftiger Bariton ohnehin als ein eigenes Instrument betrachtet werden kann. Von Anfang an bot der Musiker auch die für ihn typischen Verrenkungen am und mit dem Mikrofonständer sowie seine ausgeprägte Mimik, gerade so, als würde er das, wovon er singt, in ebendiesem Moment durchleiden.

Mit dem zweiten Lied, „A ton of love“, zog das Tempo ein wenig an und Tom fegte weiterhin ohne Instrument über die Bühne. Auch dieses Lied ist eines der neuen, die erste Single aus „The weight of your love“. Dass es dieses Album überhaupt gibt, ist übrigens gar nicht so selbstverständlich, denn es hatte ganz schön geknirscht im Editors-Gefüge, weil man sich über die musikalische Weiterentwicklung der Band nicht einig war. Während der Arbeiten an neuem Songmaterial trennte sich der Rest der Truppe von Chris Urbanowicz (und auch Produzent Flood wurde gefeuert), und gleich zwei neue Musiker rückten nach: Justin Lockey hatte bei dem Gig in Frankfurt seinen Platz am vorderen linken Bühnenrand und spielte auf verschiedenen Gitarren. Neben einer Fender Telecaster war beispielsweise eine Gretsch mit schwarzem Korpus im Einsatz. Der zweite neue Mann, Elliott Williams, war hinten links untergebracht, wo er ebenfalls auf den verschiedensten Gitarren musizierte, aber auch die Keyboards bediente und einige der Backgroundvocals lieferte.

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Das Klavier wirkte ein wenig wie eine Barriere zwischen den beiden neuen und den alten Bandmitgliedern – Drummer Edward Lay, Bassist Russell Leetch und natürlich Frontman Tom Smith –, ich wüsste allerdings keine bessere Position für das Instrument, gerade weil der Platz ohnehin beschränkt war.

Nach den beiden neuen Liedern folgte ein gelungener Mix aus Songs von sämtlichen älteren Alben und zwischendrin immer mal wieder neue Songs – und es gab jede Menge herrliche Gitarren zu sehen! Für das Modell Gibson ES 335 in Schwarz empfinde ich, wie manche wissen, eine besondere Zuneigung und Tom hat beneidenswerterweise gleich zwei Gitarren dieser Art.

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Bei „Formaldehyde“, was die zweite Single-Auskopplung des aktuellen Albums wird, spielte er auf einer elektroakustischen Fender…

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…und für „Two hearted spider“ – ebenfalls einer meiner Favoriten des aktuellen Albums – kam zum ersten Mal an diesem Abend die wunderschöne Gibson SJ 200 MC zum Einsatz.

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Es dauerte lang, bis Tom Smith sich ans Klavier setzte, ganze neun Songs, um präzise zu sein. Dann folgte das fantastische „In this light and on this evening“ und somit auch der erste Klaviereinsatz, wobei es den quirligen Musiker nicht allzu lang auf dem Hocker hielt. Wie üblich war in der zweiten Songhälfte wieder jede Menge Bewegung angesagt und eine schwarze Fender-Gitarre konnte einen Moment lang in Toms Händen bewundert werden.

Ein weiteres Highlights dieses Abends war für mich das Lied „The racing rats“, dritte Single des 2007er Albums „An end has a start“, wiederum mit Tom am Klavier. Traumhaft schön und zugleich ein Lied zum Abtanzen.

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Außer etlichen Dankeschöns sprach der Sänger so gut wie nicht mit dem Publikum, aber das war auch nicht notwendig, denn die Musik und die lebendige Performance, fast so als wäre Herr Smith in eine komplett andere Welt abgetaucht, waren faszinierend genug, zumindest für mich, ich brauche in so einem Fall keinen Smalltalk. Russell Leetch war mit seinem Bass ebenfalls ständig in Bewegung und er hat auch einige coole Posen und Verrenkungen drauf. Allerdings war er meist auf der anderen Seite der Bühne und somit nicht gerade in meinem Fokus unterwegs.

Für die Zugabe erschien zunächst nur Tom auf der Bühne, um eine atemberaubend schöne Akustik-Version  von „Nothing“ zu performen. Dafür spielte er wieder auf der Gibson SJ 200 MC. Danach gab er bei „Bricks and mortar“ seinem Bewegungsdrang erneut so richtig nach und wandelte mit dem Mikrofonständer im Schlepptau u.a. auf dem Schlagzeugpodest hin und her, bediente gelegentlich auch das Keyboard (?) am vorderen Bühnenrand, bevor es mit „Honesty“ wieder ein wenig ruhiger wurde.

SetlistMan sieht an der Setlist, dass die Editors ein ganz normales, also richtig langes Konzert spielten, und das finde ich für ein Gratiskonzert für so wenige Leute wirklich beeindruckend! In der Halle wäre allerdings noch Platz gewesen für etliche weitere Leute und ich fragte mich daher, ob manche Ticketgewinner vielleicht gar nicht erschienen sind – was natürlich bitter wäre für diejenigen, die gerne dortgewesen wären, aber kein Ticket gewonnen hatten.

Zum großen Finale gab es wie so oft in den letzten Jahren den Synthie-Rock-Klassiker „Papillon“, der die Zuschauer noch ein letztes Mal zu schweißtreibenden Bewegungen anstachelte. Zum Glück hatte ich im Auto noch eine zweite Garnitur Klamotten, sodass ich nicht klatschnass nach Hause fahren musste. Ich freue mich jetzt schon auf die Editors-Konzerte, die im Herbst auf meiner Agenda stehen. Die finden allerdings allesamt in größeren Hallen statt und ganz bestimmt ohne so tolle und kostenlose Souvenirs wie der bereits erwähnte Pass, die Telekom-Street-Gigs-Baumwolltaschen und Poster vom Event.

Wer noch kein Ticket hat für eines der Editors-Konzerte, sollte sich vielleicht ein wenig beeilen. Genaue Infos, wann die fünf wo spielen, findet man auf ihrer Homepage.

Zum Vergrößern der folgenden Fotos einfach auf das jeweilige Bild klicken!

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Über luuuzie

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8 Antworten zu Editors in Frankfurt (08.08.13)

  1. Pola schreibt:

    Das ist wieder ein schöner Bericht Luzie..na ja irgendwann wenn ich Glück habe sehe ich die auch mal live
    Liebe Grüße Agata

  2. Chris schreibt:

    Hallo Luzie, es freut mich das ihr zwei so viel Spaß hattet, ich persönlich kenne nicht sehr viel von den Editors, nur ein zwei Lieder. Aber nach deinem, mal wieder wirklich schönen Bericht über das geschehen , werde ich mich mal etwas genauer mit der Band Editors befassen. 🙂
    Liebe Grüße und noch viel Spaß bei deinen nächsten Konzert Ausflügen
    Chris 🙂

  3. luuuzie schreibt:

    Danke, ihr beiden!

    Agata, ich bin mir sicher, dass du irgendwann auch die Editors sehen wirst! Vielleicht klappt’s ja doch noch im Herbst; warte mal ab, ob du nicht durch einen glücklichen Zufall eines der Konzerte anschauen kannst! Ich drücke jedenfalls ganz fest die Daumen!

    Liebe Grüße,
    Luzie

  4. Rapunzel schreibt:

    Vielen Dank für den schönen ausführlichen Bericht! Da nehm ich Dich doch gerne mal wieder mit 😉

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