Karma To Burn & Rage Of Samedi in Saarbrücken (Kleiner Klub, 24.07.13)

In der Vergangenheit habe ich ein paarmal in meinen Berichten erwähnt, dass ich mit rein instrumentalen Stücken so meine Schwierigkeiten habe. Wenn ich es mir recht überlege, muss ich dieses Statement aber präzisieren, denn gemeint ist damit, dass ich nicht so viel anfangen kann mit instrumentalen Werken von Musikern oder Bands, bei denen üblicherweise Gesang dabei ist. Einfach weil mir die Stimme dann fehlt, vor allem wenn der Sänger oder die Sängerin eine außergewöhnliche Stimme hat. Es gibt jedoch einige Bands und Musiker, die hauptsächlich instrumentale Musik in ihrem Repertoire haben und die ich sehr mag, beispielsweise Mogwai, God Is An Astronaut, Robin Foster oder Karma To Burn. Deren Konzert im Kleinen Klub der Garage am 24.07.13 durfte ich mir deshalb auf keinen Fall entgehen lassen.

Karma To Burn gibt es schon seit Anfang der 1990er Jahre und wenn man sich die beachtliche Diskographie des Stoner Rock-Trios aus dem US-Bundesstaat West Virginia einmal anschaut, wird man feststellen, dass die drei es mit Zahlen haben. Die Lieder besitzen nämlich Titel wie „Forty-two“, „Twenty” oder „Fifty-one”. Warum sollte man den überwiegend instrumentalen Songs auch irgendwelche hochtrabend-lyrischen Titel verpassen? Wie die Musiker die Songs auseinanderhalten, ist mir allerdings ein Rätsel.

Wer hätte gedacht, dass der ganze Abend unter dem Einfluss bestimmter Zahlen stehen würde? Und damit meine ich nicht nur die Setlist von Karma To Burn – die bislang außergewöhnlichste Setlist, die ich je gesehen habe:

Setlists

Nach wenig mehr als 45 Minuten war der Auftritt von Karma To Burn nämlich schon zu Ende. Bill Withers Lied „Ain’t no sunshine“  drang als Outro aus den Boxen und trotz Zugabe-Rufen kam die Band nicht wieder zurück auf die Bühne. Was war geschehen?

Gitarrist Will Mecum war zu Beginn des Konzerts ziemlich in Action und rockte sich von einer Seite der Bühne zur anderen und wieder zurück. Für seine gelegentlichen Ansprachen an das Publikum hatte er ein Mikro auf seiner Seite der Bühne stehen und er beklagte sich schon recht früh über die texanischen Temperaturen im Saale. Ich musste in dem Moment ein wenig grinsen, denn von Temperaturen wie in Texas habe ich ja in meinem Bericht über das Konzert von The Sword im Kleinen Klub auch geschrieben. Außerdem: Der Stoner Rock oder Desert Rock hat doch seine Wiege in einem der heißeren Bereiche der USA, also herrschte im Kleinen Klub doch die ideale Atmosphäre für Gitarrenriffs dieser Art. Natürlich ist das anstrengend, wenn es so heiß ist, auch für die Zuschauer, aber hey, wir haben endlich Sommer, und am Sonntag bei Bush war’s noch ein paar Grad extremer!

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Nachdem der Mann an der Gitarre mehrmals darauf hingewiesen hatte, dass er „some fucking oxygen“ braucht, bewegte er sich fast nicht mehr weg von dem Ventilator auf der (von mir aus gesehen) rechten Seite der Bühne und spielte manche Passagen sogar auf der Theke sitzend. Es kam mir aber auch so vor, dass Will Mecum nicht nur die Hitze zu schaffen machte, sondern er mit dem Publikum nicht so ganz zufrieden war, das er sich seinen Äußerungen zufolge wohl ein wenig enthusiastischer gewünscht hätte. Dass nicht alle in schallendes Gelächter ausbrachen angesichts einer humorvollen Bemerkung von ihm, liegt möglicherweise auch daran, dass nicht jeder verstanden hatte, was er sagte, sei es aus rein akustischen Gründen oder weil vielleicht nicht alle auf einen elaborierten American English-Wortschatz zurückgreifen können. Aber der Mann schien generell nicht in der besten Laune gewesen zu sein, obwohl er doch sicherlich gesehen hat, dass viele Leute zu der Musik von Karma To Burn total abgingen – trotz der Hitze. Es wurde getanzt, Luftgitarre und Luftschlagzeug gespielt und auch applaudiert, aber anscheinend nicht kräftig genug. Für Will Mecum war das wie an einem frühen Montagmorgen, an dem alle noch müde sind.

Vielleicht war das Problem für ihn aber auch, dass Karma To Burn nur als Duo musizierten – vom Bassisten Rich Mullins war keine Spur zu sehen und er wurde auch nicht erwähnt. Die Zwei ist also auch so eine magische Zahl des Abends und der als Intro gespielte Song „Just the two of us“ von Bill Withers lässt darauf schließen, dass der Bassist nicht wegen einer Magenverstimmung oder ähnlichen Widrigkeiten plötzlich ausgefallen ist, sondern dass es klar war, dass er nicht dabei sein würde. Ein Blick in diverse YouTube-Videos zeigt, dass der Mann am Bass bereits bei den Konzerten in Großbritannien vor ein paar Tagen fehlte. Trotz nicht vorhandenem Bassisten fand zumindest ich die Musik, die Will an der Gitarre und Evan Devine an den Drums abgeliefert haben, richtig klasse. Ohne Pedalboard und ohne Samples rockten die beiden mit einer unglaublichen Energie. Nach ein paar Liedern rief jemand aus dem Publikum „You do a great job, you two!“ und bekam als Antwort „Ich prügel die Scheiße aus dir raus.“ Zu dem Zeitpunkt war das noch witzig, aber mittlerweile ist bei mir der Eindruck entstanden, dass die Aussage vielleicht gar nicht zu 100% humorvoll gemeint war.

Vielleicht laufen ja die nächsten Konzerte für die Band und auch fürs Publikum etwas zufriedenstellender. Es folgen noch ein paar Zahlen:
27.07.13 Leeuwarden, Welcome to the Village Festival, Niederlande
28.07.13 Freiburg (White Rabbit)
31.07.13 Lissabon (Musicbox), Portugal
10.08.13 Geel, Yellowstock Festival, Belgien

Weitere Zahlen des Abends:

Mindestens dreimal spuckte der Karma To Burn-Gitarrist auf den Bühnenboden, was ich ziemlich abstoßend fand, zumal der Hals ja nicht für irgendwelchen Gesang frei sein musste.

Gut 15 Minuten, nachdem die Vorband das Feld geräumt hatte, passierte auf der Bühne erst einmal gar nichts. Das Schlagzeug stand da mit abmontierten Becken neben den Marshall-Boxen und keine Menschenseele ließ sich blicken. Irgendwann kam der nicht wirklich motiviert wirkende Drummer von Karma To Burn und machte sein Kit startklar. Anschließend vergingen wieder etliche Minuten, bis ein noch weniger motiviert wirkender Will Mecum erschien und fast in Zeitlupe seine schöne Gibson Les Paul Gitarre einstöpselte und überprüfte.

Etwa 35 Minuten dauerte der Auftritt der Supportband Rage Of Samedi und die Musik der vier jungen Herren aus Zweibrücken fand ich echt klasse! Vom Stil her passten die insgesamt sieben gespielten Lieder hervorragend ins Vorprogramm von Karma To Burn, auch wenn ich manche Songs eher in die Schublade „Düster-Rock“ stecken würde, „Buried“ zum Beispiel. Anders als bei Karma To Burn wird bei Rage of Samedi auch gesungen bzw. gelegentlich auch gegrölt und wer in meine Konzertberichte reingeschnuppert hat, weiß ja, dass die Vokalisten, die mühelos zwischen klarem Gesang und Growls wechseln können, ohnehin meine Hochachtung haben. Ein Blick auf die auf der Facebookseite der Band geposteten Bildchen oder auf die Videos zur bildhaften Untermalung der Songs zeigt, dass die Jungs offenbar ziemlich auf Horrorschocker stehen und Songtitel wie das eben schon erwähnte „Buried“, „The lord“ oder „The deal with the devil“ passen perfekt dazu. Diese Musik macht definitiv Lust auf mehr! Die Bandmitglieder hören auf recht blumige Namen: Lou Cifer ist der Sänger, Sam D. Durango (im T-Shirt von The Sword) spielt Gitarre (im Kleinen Klub war das eine Flying V) und liefert die Backgroundvocals, Paul McKay ist zuständig für den Bass und Ian O’Field bedient die Drums. Erst gegen Ende 2012 haben die vier sich als Band zusammengefunden  und waren bzw. sind immer noch auch in anderen Bands tätig.

Das nächste Rage Of Samedi-Konzert wird am 15.08.13 stattfinden im Zweibrücker Gasthaus Sutter (zusammen mit Opium Lord und terraformer).

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Bevor es soweit war, dass Rage Of Samedi die Bühne erklimmen konnten, war erst einmal Warten angesagt. Um 19 Uhr sollte eigentlich Einlass sein. Um die Zeit waren aber Karma To Burn noch mit ihrem Soundcheck beschäftigt, weswegen sich die Mitglieder der Vorband samt Freunden, Partnerinnen und Bekannten vor dem Kleinen Klub aufhielten. Sogar Will Mecum kam einmal kurz vor die Tür, grummelte etwas (Ich glaube, er beschwerte sich darüber, dass die Sonne immer noch scheint.) und verschwand wieder nach drinnen. Erst als die Band aus den USA mit dem Soundcheck fertig war, konnten die Männer aus der Pfalz ihr Equipment auf die Bühne tragen und mit ihrem eigenen Soundcheck beginnen, weswegen erst um 19.40 Uhr Einlass war und das Konzert nicht wie bei Facebook angegeben um 19.45 Uhr, sondern erst um 20.05 Uhr begann.

Man sieht also: An diesem Abend lief einiges ein bisschen anders als normal und um dem Rechnung zu tragen, habe ich meinen Bericht einfach ‚mal anders aufgebaut als üblich, quasi vom Ende zum Anfang. Ich hoffe, es verwirrt nicht allzu sehr. Und ja, ich weiß, dass ich ein Quatschkopf bin, aber die Sache mit den Zahlen MUSSTE ich einfach hier reinwurschteln! Gimme five!

Wie so oft bei Konzerten im Kleinen Klub sind meine Bilder nicht gelungen. Richtig gute Fotos wird es vermutlich auf der Seite von Jens Heitzmann geben.

Zum Vergrößern der folgenden Fotos einfach auf das jeweilige Bild klicken!

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4 Antworten zu Karma To Burn & Rage Of Samedi in Saarbrücken (Kleiner Klub, 24.07.13)

  1. Barfight Lemmy schreibt:

    Sehr schön geschrieben, vielen dank!

  2. luuuzie schreibt:

    Hey, dankeschön! Ich bin froh, mal wieder eine klasse Band aus der Region gesehen zu haben, die ich noch nicht kannte.

  3. Lou_Cifer schreibt:

    Vielen Dank für die Blumen 🙂

  4. Pingback: Rage Of Samedi und terraformer in Zweibrücken (15.08.13) | Luzies Welt

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