Bush in Luxemburg (Den Atelier, 21.07.13)

Das war vor etwa drei Jahren die Knüller-Nachricht schlechthin, als man in der Musikpresse lesen konnte, dass Bush nach 10 Jahren Funkstille mit neuem Album und Tour wieder am Start sein würden! Und das im Frühherbst 2011 veröffentlichte Album „The sea of memories“ finde ich gar nicht übel, obwohl die Kritiker, deren Rezensionen ich gelesen habe, nicht gerade übermäßig begeistert waren, aber das ist ja Geschmacksache. Ganz die alten sind Bush dennoch nicht, denn von der ursprünglichen Besetzung sind nur Sänger und Gitarrist Gavin Rossdale und Schlagzeuger Robin Goodridge dabei; auch Gitarrist Chris Traynor kann als alter Bekannter durchgehen, weil er ja schon bei der Tour 2002 für Nigel Pulsford eingesprungen war, der die Band verlassen hatte und der am Ende der ersten Dekade des neuen Jahrtausends kein Interesse an einer Bush-Reunion hatte. Ganz neu im Bush-Universum ist auf jeden Fall Corey Britz am Bass (wobei dieser bereits mit Gavin auf dessen Solotour als Bassist unterwegs war).

Wie sehr die vier rocken, davon konnte ich mich schon im November 2011 im Atelier überzeugen. Während wir damals vor dem Konzertsaal in der Kälte schnatterten, zerflossen wir diesmal fast bei hochsommerlichen Temperaturen, doch dazu später mehr.

DSCF5083Ats

.

Bevor Herr Rossdale & Co. bewundert werden konnten, gehörte die Bühne nämlich erst einmal eine halbe Stunde lang der Band Birdbones. Nachdem ich mir auf der Soundcloud-Seite der Band ein paar Lieder angehört hatte, war schnell klar, dass deren Musikstil nicht zu den Sorten von Musik gehört, die mein Herz schneller schlagen lassen. Als „Fusion“ wird das Genre auf der Facebookseite der Birdbones bezeichnet und ich finde, die sehr poppige Musik passt nicht wirklich ins Vorprogramm von Bush. Trotzdem hat mir der Auftritt der vier Luxemburger gut gefallen und auch das Publikum um mich herum tanzte mit, klatschte und war den jungen Leuten offenbar sehr positiv gesonnen. Das Gelingen einer Liverperformance hängt eben nicht nur vom Musikstil ab – wie oft habe ich schon Auftritte von Bands „ertragen“, die eigentlich Musik nach meinem Geschmack machen, aber live soooo langweilig sind?! Bei den Birdbones war das genau andersherum.

Sängerin Romy Ouwerkerk, die barfuß auf die Bühne kam, hat eine fantastische Stimme und versteht es auch, durch ihre zur Musik passenden Bewegungen und ihr hübsches Äußeres die Blicke auf sich zu ziehen. Sie gehört allerdings erst ab Anfang dieses Jahres zur Band, bei den Liedern auf Soundcloud ist also noch die vorherige Sängerin zu hören, jedoch sind die Stimmen der beiden Frauen ähnlich.
Dan Kramp hatte gleich drei verschiedene Gitarren dabei und ich bedauerte es ein wenig, vor der anderen Seite der Bühne zu stehen, aber Jonah Neuser beim Spielen auf seinem Warwick-Bass mit fünf Saiten auf die Finger zu sehen, war auch okay. Es gab sogar ein Lied, bei dem nur der Bassist die Sängerin begleitete. Bei anderen Liedern standen die Schlagzeugparts, die Erik Stein beisteuerte, mehr als sonst üblich im Vordergrund und ich gebe zu, dass sich das Ganze schon gut anhörte, und die vier Musiker scheinen Talent zu besitzen, deshalb tut es mir fast ein wenig leid, dass ich dafür nicht mehr Begeisterung aufbringen kann.

Die Bühnenbeleuchtung – überwiegend in warmen Gelb- und Orangetönen – fand ich sehr ansprechend, allerdings war die Kombination aus schummrigem Licht und Musikern, die ständig in Bewegung sind, für meinen Fotoapparat natürlich das pure Gift, weswegen ich mit schönen Fotos der Birdbones leider nicht dienen kann.

Weitere Konzerte stehen noch nicht fest, aber sobald das Album, an dem die vier gerade arbeiten, das Licht der Welt erblickt (voraussichtlich im Herbst), wird es bestimmt etliche Livetermine geben.

.

Anders als beim Konzert im November 2011, bei dem es eeeeewig dauerte, bis die Herren von Bush auf der Bühne standen (das wäre alles nicht so schlimm gewesen, wenn ich am nächsten Tag nicht hätte arbeiten (im Klartext: in aller Herrgottsfrühe aufstehen) müssen), ging es diesmal pünktlich gegen 21.30 Uhr weiter. Zuerst erklomm Robin Goodridge seinen Platz an den Drums, die mit ein paar lustigen Figürchen dekoriert sind, und genoss den Applaus, danach folgten die drei Männer, die sich den vorderen Bühnenbereich teilten: Von mir aus gesehen ganz links Gitarrist Chris Traynor, direkt vor meiner Nase Corey Britz mit Sadowsky-Bass in den Händen und in der Mitte Gavin Rossdale, schön warm eingepackt in eine schwarze Jeans und eine orangefarbene Jacke, den Reißverschluss bis zum Kragen hin geschlossen. Mit „Machinehead“ aus dem Album „Sixteen stone“ ging es schon zum Einstieg sehr rockig zur Sache.

DSCF5094Ats

Während bei den Birdbones die Temperaturen im Saale dank eines kühlen Lüftchens von oben noch ganz gut zu ertragen waren, standen sämtliche Ventilatoren (außer denen auf der Bühne, die die Musiker anpusteten) am Anfang des Bush-Auftrittes still und ich hatte so meine Mühe, sämtliche Signale meines Körpers, dass der Kreislauf nun bald zum Kollaps bereit ist, zu ignorieren. Schon beim zweiten Lied, „The sound of winter“, entledigte sich Gavin Rossdale seiner Jacke und stand nun ebenfalls vor Schweiß triefend im vorne und an den Seiten tief ausgeschnittenen weißen Shirt vor uns. Am rechten Arm trug der Musiker diesmal keine Ringe aus schwarzem Klebeband, sondern so eine Art rot-schwarze hautenge Stulpe umhüllte fast den kompletten Arm.

Ich vermute ja fast, diese Affenhitze ist von der Band erwünscht, damit der zumindest zeitweise im warmen Kalifornien lebende Gavin Rossdale möglichst schnell die gewünschte Betriebstemperatur erreicht und der Mr. Wet-T-Shirt-Effekt möglichst rasch eintritt. Der mittlerweile 47-Jährige hat offenbar in den 1990er Jahren aufgehört zu altern und kann es sich leisten, sich in einem Hauch von Nichts zu präsentieren. Mein lieber Schwan, was für ein Augenschmaus! Dass ein perfekt geformter Körper oft auch mit unverwüstlicher Kondition einhergeht, wurde deutlich daran, dass Gavin Rossdale auch nach dem x-ten Song noch herumsprang, als wäre er mit dem Duracell-Häschen eng verwandt – während ich meinen Bewegungsdrang freiwillig auf ein Minimum reduzierte, denn ich lag ja im Clinch mit meinem Kreislauf. Der stellte zum Glück seine Arbeit nicht völlig ein, vermutlich dank der ab Lied Nr. 3, „Everything zen“, wenigstens ab und zu herangewehten kühlen Brise, aber ich war so verschwitzt, dass ich meine Kamera fast nicht halten, geschweige denn das Zoomrädchen drehen konnte.

DSCF5153Ats

Das ist aber nur ein Grund dafür, warum es von mir keine Fotos gibt von dem Moment bei „Everything zen“, als sich Herr Rossdale mal eben mit seiner weißen Fender in Richtung Marshall-Amp bewegte, dem Publikum seinen Rücken zuwandte und die Gitarre derart zum Quietschen brachte, dass eigentlich keine Spekulationen notwendig sind darüber, was das Ganze darstellen soll. Ich glaube, diese kleine Einlage ließ die Temperatur nochmals um ein paar Grad steigen und ich beschränkte mich aufs Hinstarren, um meine Energiereserven zu schonen. Das Instrument brauchte danach ein kleines Päuschen und Gavin Rossdale bekam eine andere Gitarre gereicht, damit er den Song zu Ende spielen konnte. Da es (noch) kein Video von diesem Lied aus Luxemburg gibt, kann man sich ja den Clip vom Deichbrand-Festival anschauen.

Die Setlist bestand im Großen und Ganzen aus den Songs, die auch bei den anderen Konzerten der letzten Zeit gespielt wurden:
Machinehead
The Sound of winter
Everything zen
The chemicals between us
Testosterone
House is on fire
Greedy fly
Heart of the matter
Afterlife
Little things
—————
Alien
Come together
Glycerine
Comedown

Man sieht also, dass der Abend sehr “Sixteen stone”-lastig war, weil insgesamt sieben Lieder aus diesem fantastischen Debütalbum gespielt wurden. Das soll mir nur recht sein! Vor allem das für den Zugabenblock aufgehobene wunderschöne „Glycerine“ mit zunächst nur Gavin Rossdale auf der Bühne war ein ganz besonders großartiger Moment.
Vom aktuellen Album „The sea of memories“ standen nur drei Lieder auf dem Spielplan, während immerhin ein Song vom 1999er Longplayer „The science of things“ und einer aus „Razorblade suitcase“ aus dem Jahr 1996 zu hören war. Schade dass nicht auch „Swallowed“ gespielt wurde, aber immerhin gab es eine kleine Überraschung in Form des neuen Songs „House is on fire“ und die Ankündigung, dass man an einem neuen Album arbeitet, das im nächsten Jahr fertiggestellt sein soll, und dann würde die Band auch wieder einen Abstecher nach Luxemburg machen. Sehr schön.

DSCF5098ts

Gavin Rossdale war trotz (oder wegen?) der Hitze in Topform und tat fast alles, was man sich von einem Rockstar nur wünschen kann: Er lächelte manche Damen der ersten Reihe an, hielt zwischen den Songs ein bisschen Smalltalk mit ihnen und natürlich auch mit dem restlichen Publikum, zeigte sich häufig am vorderen Bühnenrand in seiner ganzen Pracht, rutschte mehrmals auf beiden Seiten der Bühne auf den Knien in Richtung Zuschauer, mal mit Gitarre in der Hand, mal nur mit Mikro, und kam sogar auf einem eigens dafür bereitgestellten Podest vor der Bühne ganz nah an die Konzertbesucher heran. So quasi nebenher ließ er lockerflockig seine markante Stimme erklingen und schlug in die Saiten seiner Gitarre, sprang und tänzelte im Takt, und damit Drummer Robin Goodridge noch eine Extraportion Applaus und Aufmerksamkeit bekommt, postierte der Sänger sich beim letzten Lied des ersten Teils auf dem Schlagzeugpodest und schlug mit einem Drumstick ebenfalls auf eine der Drums.

Dieses Konzert wird sicherlich als das heißeste Konzert ever in meine Annalen eingehen. Trotz Beinahe-Delirium ist mir aber aufgefallen, dass nicht nur Gavin Rossdale, sondern auch Chris Traynor gelegentlich die Gitarren wechselte. Der Frontman der Band spielte verschiedene Fender-Gitarren, während Chris Traynor auch eine Gibson Les Paul zückte, falls ich das auf die Entfernung hin richtig erkannt habe, und beim Beatles-Cover „Come together“ kam sogar irgendeine Hollowbody-Gitarre zum Vorschein, während Gavin Rossdale nur sang.

Corey Britz benutzte die ganze Zeit denselben Bass. Er wirkt im Vergleich zu seinen Bandkollegen an den Sechssaitern ein wenig zurückhaltender, steht ihnen in Sachen coole Posen am Instrument aber in nichts nach.

Da das Auge vielleicht ein bisschen mehr als üblich mitgehört hatte, bescherte mir dieser Abend eine meiner Ansicht nach grandiose Erfindung: die Rossdale-Diät! Total einfach umzusetzen: Man drucke sich mehrere Livefotos von Herrn Rossdale aus, klebe eines an den Kühlschrank, eines dorthin, wo die Süßigkeiten aufbewahrt werden, eines an das häusliche Alkoholdepot etc. – wirkt garantiert! Zumindest bei mir. Und jetzt genug der Worte, der Blick auf diese Seite signalisiert mir, dass es Zeit ist für mein zum Diätplan gehörendes tägliches Fitnessprogramm! Zu Musik von Bush natürlich.

Ein paar Auftritte stehen noch auf der Bush-Agenda:
23.07.13 Pinarella di Cervia (Rock Planet), Italien
25.07.13 Tienen, Suikerrock-Festival, Belgien
26.07.13 Luzern, Blue Balls Festival, Schweiz
27.07.13 Eberndorf, Acoustic Lakeside Festival, Österreich

Zum Vergrößern der Fotos einfach auf das jeweilige Bild klicken!

Advertisements

Über luuuzie

https://luzieswelt.wordpress.com/ http://linsengemurmel.wordpress.com/
Dieser Beitrag wurde unter Konzertbericht abgelegt und mit , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

5 Antworten zu Bush in Luxemburg (Den Atelier, 21.07.13)

  1. Hanna schreibt:

    Wow, ich liebe Deinen Bericht 🙂 Und die BUSH- Diät haut wirklich hin, auch ohne Fotos in der Bude 😉

  2. luuuzie schreibt:

    Dankeschön! Freut mich, dass dir mein Bericht gefällt.

  3. Pingback: Karma To Burn & Rage Of Samedi in Saarbrücken (Kleiner Klub, 24.07.13) | Luzies Welt

  4. Pingback: God Is An Astronaut in Karlsruhe (Substage, 26.07.13) | Luzies Welt

  5. Pingback: Biffy Clyro in Tourcoing (Le Grand Mix, 14.12.13) | Luzies Welt

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s