Mother Heroine und The Sword in der Rockhal in Luxemburg (03.07.13)

Nach dem fantastischen Konzert von The Sword neulich in Saarbrücken war es fast schon klar, dass ich mir die vier Texaner auch im nicht allzu weit entfernten Luxemburg anschauen würde. Aber eben nur fast klar, denn wie jedes Jahr kurz vorm Sommerurlaub war ich auch dieses Jahr so dermaßen platt, dass ein Konzert mitten in der Woche (oder eher die Bewältigung eines Arbeitstages mit etwas weniger Schlaf als üblich bei ohnehin fast leeren Batterien) als echte Herausforderung galt. Dennoch war der Wille, The Sword noch einmal auf der Bühne zu sehen, bevor die Herren wieder in ihre Heimat zurückkehren, stärker als jede Migräneattacke der letzten Tage, und auch die Aussicht, Mother Heroine als Opener zu erleben, ließ das überdeutlich geäußerte Bedürfnis meines Körpers nach Ruhe erst einmal verstummen. Auch jetzt noch, während ich ziemlich gerädert vorm Rechner sitze und diese Zeilen tippe, bin ich froh, dass ich mir gestern dachte: „Schlafen kannste im Urlaub, heute wird nochmal kräftig gerockt!“

DSCF4835Ats

Nach Rocken schien an diesem Mittwochabend aber nicht allzu vielen Leuten im Großherzogtum und Umgebung der Sinn gestanden zu haben, denn 15 Minuten vor Einlass tummelten sich gerade einmal eine Handvoll Leute vor den Türen der Rockhal und es blieb auch später recht luftig im Club, dessen Fläche durch lange schwarze Vorhänge für diesen Abend etwas verkleinert worden war. Eher ungünstig für die Bands, die bestimmt lieber vor größerem Publikum gespielt hätten, aber perfekt für meine Freundin und mich, denn wir konnten uns problemlos aussuchen, wo in der ersten Reihe wir uns gerne positionieren würden. Luxus!

Um Punkt 20.30 Uhr startete das Intro von Mother Heroine und kaum hatten die vier Musiker – Sänger Max mit der Fender-Gitarre, Michel mit der Gibson ES 335, Tim am Bass und Chris am Schlagzeug – ihre Plätze eingenommen, ging es los mit „Red Leader“ von der gleichnamigen EP, falls meine Erinnerung mich nicht täuscht. Ich hätte nach dem Auftritt nach der Setlist fragen sollen, aber irgendwie war ich dann doch zu groggy, um noch Energie aufzubringen fürs Anquatschen der fremden Leute, die auf der Bühne hin und her wuselten und aufräumten. Gespielt wurden im Wesentlichen dieselben Songs wie bei den letzten Auftritten, also „Walk“, „Legacy“, „Aces“, zum Abschluss „Paralize“ und zwischendrin wahrscheinlich noch ein paar Lieder mehr, denn das Programm der vier Luxemburger dauerte etwa 40 Minuten (und hätte ruhig noch ein wenig weitergehen dürfen, gerne auch mit denselben Songs noch einmal, wie das die Ramones getan haben.)

DSCF4757Ats

Tims „Bass Machine“ scheint neu zu sein, denn bislang habe ich den Mann mit Vollbart und Käppi immer auf einem Gibson Thunderbird spielen sehen. Der neue Viersaiter könnte ein Gibson SG sein und sieht echt schick aus.

DSCF4732ts

Max, diesmal ebenfalls mit Mütze, sprach zwischen den Liedern ein wenig mit den Zuschauern, allerdings auf Luxemburgisch, sodass ich außer den Titeln der Songs, die er ankündigte, so gut wie nichts verstehen konnte. Dafür verstand ich die Sprache der Musik umso besser und war wieder einmal total beeindruckt von dem Können der vier Musiker. Michel zeigte, dass er seine ES 335 total im Griff hat und wirbelte stellenweise nur so mit den Fingern über ihren Hals. Solche Klangfiguren lernt mal wohl frühestens im Fortgeschrittenenkurs und bevor ich verzweifle über der Frage, ob meine Fingerfertigkeit es jemals mit Michels Spielweise aufnehmen kann, könnte ich mich ja mal mit meiner Klampfe vor den Spiegel stellen und testen, ob das bei mir wenigstens ähnlich cool aussieht, wenn ich den Fuß lässig auf ein Höckerchen (mangels Monitor) stelle und mein Instrument in die Höhe recke, während ich in die Saiten haue.

DSCF4733ts

Auch Max spielte seine Fender-Gitarre nicht bloß, sondern er präsentierte sie mehrmals in all ihrer Schönheit und ließ sie ab und zu so durch seine Arme gleiten, dass man meinen könnte, es handele sich dabei um ein lebendiges Wesen.

DSCF4735ts

Ich hatte den Eindruck, dass alle vier voller Spielfreude sind und ihren Auftritt in der Rockhal so richtig genießen.
Einziger Kritikpunkt: Der Sound. Bei Michels Gitarre fand ich die Lautstärke zu heftig, denn im Vergleich dazu waren Max‘ Fender und auch sein Gesang, den ich so mag, wie auch Tims Bass ein wenig leise.

Ich freue mich jetzt schon auf das Album, das offenbar gerade in der Mache ist, und auf weitere, längere Auftritte von Mother Heroine und angesichts der Entwicklung der „Likes“ auf der Facebookseite der Band scheine ich nicht die Einzige zu sein, die die Musik der vier toll findet.

.

Kurz nach 21.30 Uhr waren The Sword startklar, ihr Intro startete und die vier Amerikaner betraten die Bühne. Santiago „Jimmy“ Vela III im Red Fang-T-Shirt nahm hinter der Bassdrum mit dem weißen Q Platz und auch die drei anderen spielten auf denselben Instrumenten wie in Saarbrücken: In Bryan Richies Händen lag ein Bass mit hellbraunem Korpus, auf der linken Bühnenseite (von mir aus gesehen) spielte Kyle Shutt seine Gibson Les Paul Studio (Sunburst Finish) und der in der Mitte platzierte Sänger J. D. Cronise benutzte eine Gibson Les Paul Custom Natural Maple.

DSCF4815ts

Schon die ersten live gespielten Takte zeigten, dass die Setlist eine andere sein würde als in Saarbrücken:

DSCF4841sDass eine Band nicht überall dieselben Songs in derselben Reihenfolge spielt, ist keineswegs selbstverständlich. Trotz des gelungenen Mixes aus alten und neuen Songs finde ich es aber schade, dass das hervorragende „Gods of the earth“-Album mit nur einem Lied ziemlich unterrepräsentiert war. Vor allem „The Sundering“ hat mir ganz schön gefehlt. Dieses Zwei-Minuten-Instrumentalstück ist für mich DER Opener schlechthin und ich hatte ja gehofft, dass damit vielleicht der Zugabenteil eingeleitet werden würde, aber auch da war ein anderes Lied zu hören. Welches das war, weiß ich nicht mehr, und ich kann noch nicht einmal sagen, ob nach dem offiziellen Teil noch ein Lied oder zwei gespielt wurden. Dabei war ich mir gestern Abend noch sicher, dass ich mir das NICHT aufschreiben muss… (Update: Mittlerweile meine ich, „The Chronomancer II: Nemesis“ könnte ein Lied der Zugabe gewesen sein; es ist aber auch denkbar, dass das in Saarbrücken als Zugabe gespielt wurde.)

Was ich nicht vergessen habe, ist die Sache mit dem Sound. Oh weh! Zumindest für die Ohren in der ersten Reihe war die Lautstärke der einzelnen Geräuschquellen sehr unausgewogen: J. D.s Gesang sowie die gelegentlichen Vocals von Gitarrist Kyle waren so gut wie unhörbar, wohingegen Kyles Gitarre übermäßig laut war. Die ganze Zeit wunderte ich mich darüber, dass das außer meiner Freundin und mir anscheinend niemandem auffiel!? Oder war der Ton zwei Meter links und rechts und überall hinter uns so perfekt, dass der Mensch hinterm Mischpult zufrieden war? Da der Gesang auch neulich in Saarbrücken etwas leise war, hatte ich zunächst sogar meine Earplugs im Verdacht, die Vocals zu schlucken, aber auch mit unverstopftem Gehörgang konnte ich die Töne, die J. D.s Mund verließen, kaum wahrnehmen, wenn die anderen ihre Instrumente spielten. Sobald er zwischen den Songs zum Publikum sprach, hörte man seine Worte. Allerdings ist J. D. Cronise, auch wenn er der Cheflyriker der Band ist, kein Mann der großen Publikumsansprachen. Mehr als ein paar „Thank you“s und „We’ve got a few more songs for you“ sowie die Information, dass The Sword zum ersten Mal in Luxemburg spielen, war im Prinzip nicht von ihm zu hören. Er ist offenbar nicht der Typ dazu und wirkte stets ein wenig angespannt oder vielleicht soll ich besser schreiben nicht so locker wie Kyle, der total in die Gitarrenwelt abgetaucht zu sein schien und zeigte, dass er die verschiedenen Spieltechniken beherrscht und überhaupt keine Mühe damit hat, auch schnelle Tonfolgen, die einem die abenteuerlichsten Griffe abverlangen, zu liefern, während er den Kopf dazu bewegt oder mit dem Fuß im Takt aufstampft oder seinen Körper auf andere Art und Weise irgendwie im Rhythmus beugt. Es bereitete mir das allerhöchste Vergnügen, diesem blonden Mann beim Gitarrespielen zuzuschauen und zuzuhören und zu überhören war er ja wirklich nicht.

DSCF4830ts

Diesmal nahm ich auch die Töne, die das recht wuchtige Pedalboard zu Füßen des Bassisten Bryan Richie lieferte, wahr. Vor allem am Anfang von „Dying earth“ waren die synthesizerähnlichen Geräusche laut und deutlich zu vernehmen.

Auch wenn es echt schade ist, dass das Mikro des Sängers nicht optimal eingestellt war, hing mein Himmel nach dem Konzert voller Gibson Les Paul Gitarren und da The Sword demnächst wieder ans andere Ende der Welt reisen, muss ich mich wohl mit YouTube über Wasser halten bis zur nächsten Europatour der Texaner.

Wo man The Sword in nächster Zeit auf der Bühne sehen kann, verrät ein Klick auf die Bandhomepage.

Advertisements

Über luuuzie

https://luzieswelt.wordpress.com/ http://linsengemurmel.wordpress.com/
Dieser Beitrag wurde unter Konzertbericht abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s