Stone Sour in Luxemburg (Den Atelier, 24.06.13)

Die mehrfach Grammy-nominierte Band um Corey Taylor veröffentlichte vor nicht allzu langer Zeit ihr viertes Studioalbum „House of gold & bones“– ein Konzeptalbum in zwei Teilen, die im Abstand von sechs Monaten auf den Markt kamen. Gegen Ende ihrer ausgedehnten Tour quer über den Globus, die bereits im Spätherbst 2012 begann, machten Stone Sour zu meiner Freude auch im Luxemburger Atelier einen Zwischenstopp. Ich hatte Glück, dass ich die Tickets schon recht früh besorgt hatte, denn auf der Internetseite der Konzerthalle war in der Übersicht neben Stone Sour schon Wochen vor dem Konzert „Sold out“ zu lesen.

Mit der Supportband The Smoking Hearts ging es ab 20.30 Uhr auf der Bühne rund.

Die fünf jungen, zum Teil großflächig tätowierten Männer aus England  hopsten voller Energie zu ihrer Screamo-Musik (nach meiner Definition, auf ihrem Twitter-Profil beschreiben die Jungs ihren Stil als „Rock and Roll meets Punk Rock, head banging, beer spitting, ear bleeding“) und brachten auch Teile des Publikums, das zunächst eher verhalten reagierte, zum Hände-in-die-Luft-Recken und Springen. Von Anfang an quasselte Sänger Ben Mills mit den Zuschauern und erzählte unter anderem, dass seine Band schon einmal im Atelier gespielt hat, als Support für The Used, und dass sie kürzlich auf dem renommierten Download Festival aufgetreten sind. Selbstverständlich wurde auch Werbung gemacht für das aktuelle Video zu „Destroy“, das man sich neben zwei weiteren Songs aus dem aktuellen Album „Victory!“ auch bei Soundcloud anhören kann.

Während der Frontman aus Leibeskräften brüllte, lieferten Calvin Roffey am Rickenbacker-Bass für Linkshänder und die beiden Gitarristen Nobba Green und Simon Barker die Backgroundvocals und gelegentlich ein paar klare Gesangspassagen, während Matty Taylor nur so auf die Drums mit hübsch beleuchtetem Namenslogo auf der Bassdrum eindrosch.

Zum Schluss sprang der Sänger für eine Runde Crowdsurfing in die Menge und auch die beiden Gitarristen spielten mitten im Publikum weiter. Während ich noch versuchte, ein nicht verwackeltes Foto von dieser Szene zu schießen, stand auf einmal der Sänger neben mir auf der Empore. Was für ein Einstieg!

Diejenigen, die bei den folgenden Konzerten dabei sein werden, können sich auf eine energiegeladene Performance einstellen:
27.07.13 Birmingham (Sunflower Lounge), England
28.07.13 Bournemouth, Burnout Festival, England
29.07.13 Dornbirn (Conrad Sohm), Österreich mit …And You Will know Us By The Trail Of Dead
31.07.13 Konstanz (Kulturladen) – mit …And You Will know Us By The Trail Of Dead
08.08.13 Wiesbaden (Schlachthof) – mit …And You Will know Us By The Trail Of Dead
10.08.13 Gävle, Getaway Rock Festival, Schweden
17.08.13 Stoke-on-Trent (The Sugarmill), England – mit Goldwaite
30.08.13 Wiesen, Two Days A Week Festival, Österreich

Eine Übersicht über die vielen Konzerte von The Smoking Hearts, die in Großbritannien im September und Oktober stattfinden werden, gibt es auf der Facebookseite der Band.

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Nachdem das Equipment der Vorband weggeräumt war, wurde das riesige Schlagzeug des Stone Sour-Drummers enthüllt, die Techniker überprüften ein letztes Mal die verschiedenen Gitarren und Bässe und um Punkt 21.30 Uhr legte die Band aus den USA los mit dem fetzigen „Gone sovereign“ vom aktuellen Album „House of gold & bones (Part 1)“. Corey Taylors müheloses Wechseln zwischen klarem Gesang und Gegröle hat mich immer schon fasziniert, auch bei seiner anderen Band Slipknot, und gleich beim ersten Lied zeigte der Musiker, dass er beide Arten des Gesangs auch live draufhat.

Gekleidet in Turnschuhe, Jeans und ein Turbonegro-Shirt, das in mir Erinnerungen an das vergangene Wochenende am Bostalsee wachrief,  war der Musiker pausenlos in Action; er sprang auf das Podest, das für ihn am vorderen Bühnenrand in der Mitte bereitgestellt worden war, stellte einen Fuß dort ab, kniete sich darauf oder lief einfach seine Runden von rechts nach links über die Bühne und wieder zurück und ließ, wenn er nicht gerade singen musste, seinen Kopf zum Rhythmus der Musik kreisen. Kein Wunder also, dass Corey Taylor in kürzester Zeit nassgeschwitzt war und recht oft einen Zwischenstopp am linken Bühnenrand einlegte, um seinen Flüssigkeitshaushalt mit großen Schlucken Wasser wieder auszugleichen.

Der Kontakt zum Publikum wurde schon zu Beginn hergestellt und blieb permanent aufrechterhalten, während der Songs durch Mimik und Gestik und zwischen den Liedern durch direkte Ansprachen der Zuschauer. Mit „I tell you what.“ leitete der Frontman seine kleinen Reden meistens ein und dabei wurde schnell klar, dass – so wie das e der in deutschen Sätzen am häufigsten vorkommende Buchstabe ist – in Corey Taylors Wortschatz eindeutig die Ableitungen aus dem bösen englischen Wort mit f als Anfangsbuchstabe dominieren, und diese Wörter konnte der Musiker mühelos zwei- bis dreimal in einen Kurzsatz einflechten.

Auch wenn ich sonst bei Konzerten gerne in der ersten Reihe stehe, fühlte ich mich an diesem Abend sehr wohl auf der Empore, denn bei einem Hallenkonzert bin ich echt nicht scharf auf Wasser von oben, selbst wenn die Dusche von Corey Taylor höchstpersönlich kommt. Der spritzte nämlich von Anfang an immer wieder mal Wasser in die Zuschauermenge, zum Teil direkt aus einer Plastikflasche, zum Teil aber auch erst nach Passieren seines Mundes.

Solche Aktionen können vorkommen im Hard Rock Business und sie sind meiner Ansicht nach ebenso wenig despektierlich gemeint wie das Titulieren der Zuschauer mit „motherfuckers“. Schließlich betonte Corey Taylor nach seiner Frage, wer denn schon den ersten Auftritt von Stone Sour in Luxemburg gesehen hat, damals 2007, dass alle Zuschauer am Ende den Saal als große Familie verlassen werden, auch diejenigen, die nun zum ersten Mal in den Genuss eines Stone Sour-Konzerts gekommen sind. Mich erinnerten seine Sprüche und sein Auftreten gelegentlich an das Gebaren von diesen amerikanischen TV-Predigern – nicht dass ich mir solche Sendungen jemals bewusst angeschaut hätte, aber man bekommt beim Zappen im Laufe seines Lebens doch einiges mit. Auf jeden Fall kam Corey Taylor mit seiner Masche voll an. Ich habe schon mehrere ausverkaufte Konzerte im Atelier erlebt, aber so laut wie bei Stone Sour habe ich das Publikum bisher noch nie schreien und applaudieren gehört. Ehrlich! Corey Taylor genoss das augenscheinlich – und forderte trotzdem ständig alle zu mehr Applaus auf, sobald der Lärm um ein Dezibel abebbte, entweder durch eine direkte Ansage oder durch seine Mimik und Gestik.

Natürlich machte Herr Taylor auch Werbung fürs aktuelle Album, indem er die Zuschauer um Handzeichen bat, damit er erkennt, wer „House of gold & bones (Part 1)“ besitzt und wer auch Part 2 schon hat. Erstaunlicherweise gab es von dem kürzlich veröffentlichten zweiten Teil des Albums nur den Song „Do me a favor“ zu hören, der Schwerpunkt lag eindeutig auf Teil 1 dieses Albums, von dem insgesamt fünf Lieder gespielt wurden (Setlist siehe unten). Abgesehen davon waren aber insgesamt betrachtet Lieder von allen vier Alben zu hören und noch dazu das Black Sabbath-Cover “Children of the grave“ sowie ein paar weitere Schmankerl: Nach 45 Minuten verließen die Musiker bis auf den Schlagzeuger die Bühne, das Licht wurde gedimmt und ein etwas ruhigeres Intermezzo begann, bei dem Corey Taylor, der die ganze Zeit nur für die Vocals zuständig war, auf einer Gibson-Gitarre spielend „Bother“ vortrug. Dass der Musiker auch Sinn für Humor hat, zeigten nicht nur die Grimassen, die er manchmal schnitt, sondern auch das Stevie Wonder-Cover „Superstition“, das er als Überleitung von „Bother“ zu „Through glass“ zum Besten gab. Zu dieser überaus erfolgreichen zweiten Single aus dem Album “Come what(ever) may” (2006) traten die anderen Musiker nach und nach wieder auf die Bühne und das Publikum sang lauthals mit.

Seine Musikerkollegen stellte Corey Taylor übrigens recht früh schon vor, auch wenn ich ihre Namen nicht verstehen konnte. Aber als Stone Sour-Hörer weiß man ja, dass der Gitarre spielende Mann ohne Haare Josh Rand ist, in Luxemburg etwas lustig gekleidet in kurze Hose und weißes Hemd mit schwarzer Fliege (aber gut, die zeitweilig gespielte pinkfarbene Gitarre mit den schwarzen Punkten bot dazu ja einen herrlichen Kontrast).

Der andere Gitarrist ist Slipknot-Kollege Jim Root…

…Johny Chow betätigt bei Stone Sour-Konzerten den Bass und singt ab und zu Background-Vocals (in ein Mikro, das am Schlagzeug-Podest aufgestellt war)…

…und Roy Mayorga ist der Drummer.

Zu Beginn des Zugabenblocks präsentierte sich Corey Taylor wieder ganz als der Unterhalter, indem er ankündigte, er hätte drei Vorschläge für das Publikum. Vorschlag 1: Die Band spielt noch ein Lied. Vorschlag 2: Es werden noch zwei Lieder gespielt. Vorschlag 3: Noch drei Lieder sind zu hören, dann ist das Konzert zu Ende. Es ist wohl nicht notwendig zu erwähnen, welcher Vorschlag die meiste Zustimmung bekam. Ein Zuschauer aus dem vorderen Bereich rief Corey entgegen, sie sollen noch zehn weitere Songs spielen, was der Angesprochene natürlich sofort aufnahm und mit dem Mittelfinger und einem frechen Spruch quittierte.

Mit drei älteren Songs ging das fantastische Konzert zu Ende und glücklich, vor allem auch, weil ich so viele tolle Gitarren bewundern konnte, begab ich mich auf den Heimweg. So, und jetzt wird fleißig Gitarrespielen geübt!

 

Setlist:
Gone sovereign
Absolute zero
Mission statement
Made of scars
Do me a favor
RU486
Children of the grave
Say you’ll haunt me
Bother
Superstition
Through glass
The Travelers, Part 2
Last of the real
————————-
Hell & Consequences
Get inside
30/30/158

Weitere Stone Sour-Konzerte:
26.06.13 Helsinki, Rock The Beach, Finnland
28.06.13 Norrköping, Bravalla Festival, Schweden
30.07.13 Dessel, Graspop Metal Meeting, Belgien
(am 29.07.13 steht Corey dort mit Slipknot auf der Bühne!)
03.07.13 Tromøya, Hovefestivalen, Norwegen

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Über luuuzie

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