The Sword in Saarbrücken (Kleiner Klub, 21.06.13)

Im Rahmen ihrer zweiten (!) Europatour in diesem Jahr machten die vier Musiker von The Sword auch in Saarbrücken Halt, im Kleinen Klub der Garage. Der Konzertsaal ist aus gutem Grund so benannt, das Quartett aus Austin / Texas dürfte allerdings andere Publikumsmengen erlebt haben, als es bei der „World Magnetic“-Tour Metallica supportete. Mir kam der Auftritt in dieser Location sehr entgegen, denn nach genau so einem Konzert im kleinen Rahmen stand mir an diesem Freitagabend der Sinn.

Im Vergleich zu anderen Gigs im Kleinen Klub, die ich mir in den letzten Monaten angesehen habe, war schon unmittelbar nach dem Einlass um 19 Uhr ganz schön was los. Ein sicheres Zeichen dafür, dass an diesem Abend etwas ganz Großes ablaufen würde. Ich amüsierte mich ein wenig darüber, dass ungefähr 95% der Besucher Männer waren und die meisten der paar anwesenden weiblichen Wesen mit ihrem Partner dort zu sein schienen. Um sicherzugehen, dass ich angesichts der vielen großen Menschen nicht nur etwas höre, sondern auch freie Sicht auf die Bühne habe, steuerte ich rechtzeitig den vorderen Bühnenrand an. Die Gibson Les Paul Studio, die an den Verstärker gelegt dort auf ihren Einsatz wartete, zog mich offenbar magisch an.

Den Auftakt machten die fünf jungen Männer, die sich The Last Supper nennen: Sänger Sven Kessler – obercool mit Sonnenbrille und dickem Ring am Finger –, Jan Paul an der Gibson Les Paul Studio (mit faded worn brown finish?) mit zahlreichen Pedalen zu seinen Füßen…

…Joe Desiato am Bass an der anderen Seite der Bühne, Drummer Tobias Schmidt, der das Glück hatte, ganz im Vordergrund auf seinem eigenen Schlagzeug spielen zu dürfen, wo die Drummer sonst doch eher im Hintergrund platziert sind, aber – pardon – der junge Mann könnte die Oberseite seiner Bassdrum mal abstauben, und Fabian Zoller, dessen Keyboardmelodien den Doom-Metal/Stoner-Rock-Mischmasch mit einer Prise 70er-Jahre-Rock würzen. So würde zumindest ich die Musik von The Last Supper umschreiben, aber mit Hilfe der drei anhörbaren Songs auf der MySpace-Seite der Band kann sich ja jeder selbst ein Urteil bilden.

Mir gefiel, was ich hörte und sah, und die Vinylversion des 2011er Albums „Niaga Nrob“ in der sehr ansprechenden Gatefold-Version (nur leider nicht in farbigem Vinyl, denn diese Edition ist ausverkauft) kam nach dem Konzert mit mir nach Hause. Auch die anderen Konzertbesucher schienen ihren Spaß mit der Vorband zu haben.

Ab dem zweiten Song nahm Vocalist Sven sein Mikro häufiger aus der Halterung und ließ sich zu etwas raumgreifenderen Moves hinreißen. Da er nicht nur ein T-Shirt trug, sondern auch noch ein Hemd darüber, hatte er meine volle Bewunderung, denn mein Körper schaltete wegen der Hitze im Saale fast automatisch auf den Modus „So wenig bewegen wie möglich“. Sven sprach zwischen den Songs ab und zu mit dem Publikum, auf Englisch, versteht sich. (Man kommt schließlich aus dem Raum Saarbrooklyn, you know?). So erfuhr man, dass The Last Supper die Band, in deren Vorprogramm sie spielten, über Guitar Hero kennenlernten (etliche Songs von The Sword wurden für verschiedene Editionen des Spiels verwendet).

Neben hervorragender Musik bescherten mir The Last Supper eine technische Neuentdeckung: Auch für den Gesang existiert eine Art Pedalboard. So eines lag dem Mann mit Sonnenbrille zu Füßen und offenbar kann man per Klick mit dem Fuß den Sound des Gesangs variieren (siehe Foto).

Zum Vergrößern der folgenden Fotos einfach auf das jeweilige Bild klicken! Fotos in wesentlich besserer Qualität dürfte es bald von Jens Heitzmann geben! Diese werden in der Regel auch auf den verschiedenen Webseiten der Garage veröffentlicht, also Augen auf!

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Nach etwa 30 Minuten war der Auftritt von The Last Supper  zu Ende und nachdem ihr Equipment weggeräumt war, strahlte die Bühne geradezu in Orange. Als der Techniker von The Sword die Gitarren stimmte, wurde deutlich, dass das ein sehr Gibson-lastiger Abend werden würde. Schön!

Um kurz nach 21 Uhr ertönte das Intro und dann standen sie vor mir, die vier Herren von The Sword: Kyle Shutt an der Gibson Les Paul Studio in Sunburst Finish, in der Mitte Sänger J.D. Cronise mit einer anderen Gibson (Ich denke, es ist eine Les Paul Custom Natural Maple) und rechts Bassist Bryan Richie. Schlagzeuger Santiago „Jimmy“ Vela III ist erst seit Ende 2011 Mitglied der bereits 2003 gegründeten Band; sein Drumming ist daher nur auf dem aktuellen Album „Apocryphon“ (veröffentlicht Ende 2012) zu hören, während auf den drei anderen Alben Trivett Wingo für die Drums zuständig war.

Los ging die zweite Doom-Metal/Stoner-Rock-Partie des Abends mit “The Sundering”, dem fantastischen instrumentalen Intro des “Gods of the earth”-Albums aus dem Jahr 2008, das der Band den ersten Charterfolg brachte. Die ersten Takte dieses Songs mit dem unverzerrten Gitarrensound verpassen mir regelmäßig eine ordentliche Gänsehaut, die dann noch heftiger wird, wenn nach knapp einer halben Minute die brachialen Gitarrentöne über den Song hereinbrechen! Dass die Musik des Quartetts beeinflusst ist von Bands wie Slayer, Black Sabbath und Deep Purple lässt sich wirklich nicht leugnen, und trotzdem haben The Sword ihren ganz eigenen Stil entwickelt.

Drei der Pedalboards am vorderen Bühnenrand sahen ähnlich aus, aber auf der anderen Seite der Bühne lag ein ziemlich gigantisches Teil. Es erinnerte an die Pedale einer Orgel und erzeugte eine Art Synthesizersound, wenn der Mann am Bass dieses Pedalboard betätigte, was aber nur selten geschah.

Aufgrund der Temperaturen im Saale, die sich kaum von der Hitze in der texanischen Wüste unterschieden, dürften sich die vier Musiker von The Sword fast wie zu Hause gefühlt haben. Kyle Shutts Gitarre war nach ein paar Liedern völlig in Schweiß getaucht, und während ich aus eigener Erfahrung weiß, dass es eine Kunst für sich ist, bei Temperaturen von über 30°C eine Gitarre an sich zu pressen und sie zu spielen, flogen Kyles Finger scheinbar problemlos über die Saiten, während der Schweiß nur so weiterrann und den Bühnenboden sprenkelte. Sonst ruht mein Blick ja die meiste Zeit auf den Gitarren, aber ich muss zugeben, dass die bis zu den Handgelenken volltätowierten Arme des blonden Mannes einige Aufmerksamkeit auf sich zogen!

Sänger J.D. Cronise, der für die Texte zuständig ist, erinnerte an diesem Abend rein optisch sehr an Frank Zappa und schien dieselbe Jeans wie der Sänger der Vorband zu tragen, allerdings ein paar Nummern kleiner.

Seinen Gesang fand ich nicht so stark vom Sound her, der hätte meiner Ansicht nach ein wenig lauter sein dürfen, und auch Kyles Mikro hätte ein wenig mehr Volume vertragen können. Aber das war alles verschmerzbar, denn für meine Ohren stehen bei The Sword ohnehin diese total geilen Gitarrenriffs im Vordergrund und davon gab es bei diesem Konzert reichlich!

Das Publikum reagierte dementsprechend mit Headbangen, in die Höhe gereckten Händen und begeisterten Zwischenrufen nach den Songs, auf die aber eher der Mann an der Gitarre links reagierte, während Frontman J.D. ziemlich verschlossen blieb. So voll habe ich den Kleinen Klub jedenfalls noch nie erlebt!

Mit den ersten vier Songs wurde jeweils ein Lied aus jeder Schaffensphase der Band präsentiert: Nach „The Sundering“ folgten „The veil of Isis“ aus dem „Apocryphon“-Album, danach das 2010er „Arrows in the dark“ (von dem auf einer Science-Fiction-Erzählung basierenden Konzeptalbum „Warp Riders“) und anschließend „Barael’s blade“ aus dem Debütalbum „Age of Winters“ (2006). Danach überwogen die Songs aus dem aktuellen Album anteilsmäßig (gespielt wurden „Cloak of feathers“, „Dying Earth“, „Seven sisters“ und der Titelsong), aber zwischendrin war immer auch Platz für ältere Lieder, z.B. die Singles „Tres Brujas“ (2010) und „Freya“ (2007).

Was die Setlist – getränkt mit dem Schweiß des Drummers – nicht zeigt, ist die Tatsache, dass die Band nach „Apocryphon“ für zwei weitere Songs auf die Bühne kam und somit ein etwa 75-minütiges Musikprogramm bot. Das Gedränge am Merchandise-Stand nach der Show bewies erneut, wie gut die Texaner im Saarland mit ihrer Performance ankamen!

Erfreulicherweise bleiben The Sword noch eine Weile in Europa und können an folgenden Daten und Orten bewundert werden:

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23.06.13 Clisson (Hellfest), Frankreich
24.06.13 Lyon (Le Tansbordeur), Frankreich
25.06.13 Toulouse (La Dynamo), Frankreich
26.06.13 Barcelona (Razzmatazz 3), Spanien
27.06.13 Almassera (Rock City), Spanien
28.06.13 Vitoria-Gasteiz (Azkena Rock Festival), Spanien
30.06.13 Dessel (Graspop Metal Meeting), Belgien
01.07.13 Deventer (Burgerweeshuis), Niederlande – mit Clutch
02.07.13 Eindhoven (Effenaar), Niederlande – mit Clutch, Red Fang
03.07.13 Esch-sur-Alzette (Rockhal), Luxemburg – mit Mother Heroine
06.07.13 Göteborg (Metaltown), Schweden
07.07.13 Roskilde (Roskilde Festival), Dänemark

Ab 25.07.13 startet eine umfangreiche Nordamerika-Tour, genauere Infos dazu liefert die Bandhomepage.

Da die Bühnenlichter immer mehr gedimmt wurden, sind meine Bilder dementsprechend… Auch hier noch einmal der Verweis auf die Fotos von Jens Heitzmann, die man sicherlich bald bestaunen kann!

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5 Antworten zu The Sword in Saarbrücken (Kleiner Klub, 21.06.13)

  1. Pingback: Mother Heroine und The Sword in der Rockhal in Luxemburg (03.07.13) | Luzies Welt

  2. Ian schreibt:

    Thanks!
    Check out the Demon:

  3. luuuzie schreibt:

    Hey, das hört sich gut an! Euer Sänger hat ’ne angenehme Stimme und der Rest ist auch ganz nach meinem Geschmack. Danke für den Tipp!

  4. Pingback: Karma To Burn & Rage Of Samedi in Saarbrücken (Kleiner Klub, 24.07.13) | Luzies Welt

  5. Pingback: Demon Incarnate und Rage Of Samedi in Schleich (Hotel Sonnental, 17.01.2015) | Luzies Welt

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